Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1936)
- Date
- 1936-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/. iS36 Nr. 53 /׳ Jahrgang 41 ÜPyOtNE« Preis 25 Rpl JÜDISCHE «Ä¥Elf8g'3£>| ilthMtti“ SiffytltNEK « . _ _ 4י w I HU ויו inj - ”r®'* 25 RP*׳ RUNDSCHÄD SdtrH tleUnni .V«U| “• Anietgenverwaltungi BarllaW II, H«laek«1tr.l( F.rnraf: S«״u״®l ־ N“mn־״r J 1 (®־ •031י (11"••״*י B«ru*»pTO• ein»ct1lirBI1<-h i« Mnn«t RM 2,-, i« Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 b*w. pM 59ר _ p0״t«d1edc - Konten der Vertrieb» . Abteilung! Berlin 71573 (fiir Gro8 .״Berlin), Berlin 17392 (für An. übrige Reich), ln Fällen hfiherer Gew.lt »״,,lebt kein ׳Arnum■•»■ »uf N.chlielerun״ oder Erstatt״•»* etwa »dion *erahlter BertUbühren. I Er.ch.lat Jeden DI...I.« »»* F,.״.g. BERLIN י"ג תמוז תרצ״ו FREITAG, 3. JULI 1936 Gfllllgi Attzelgenpretillate Nr* 5• Ot« 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., für Familien * Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenheit*, anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmesehluß für die Dienstag ־ Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch IS Uhr. (Für Familien Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uh»׳. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich . rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Probleme zionistischer Politik Die Przytyk-Affäre Die Nachricht von dem Urteil von Radom hat die ganze indische Welt auf das tiefste erschüttert. Was ist hier geschehen? Etwas schier Unfaßbares: im März d. J. wurde die Nachricht über den Pogrom von Przytyk in die Weit gesandt und erregte ungewöhnliche Aufmerksamkeit. Es war eine Zeit, in der die Juden ohnedies über das Schicksal ihrer Brüder in Polen aufs schwerste beunruhigt waren. Der ökonomische Boykott hatte vor Ostern scharfe Formen angenommen, tausende Juden waren teils durch den Boykott, teils aber auch durch die ökonomische Politik der polnischen Regierung -- sei sie nun allgemeiner Art oder aber, wie das Schächtgesetz, speziell gegen Juden gerichtet — völlig vorarmt, für die Juden gibt es fast keine Zukunftsaussicht. In dieser nervösen Stimmung erregte die Nachricht aus Pr/vtyk besonderes Aufsehen. In allen Teilen der Welt wurden Proteste laut, und die Juden Warschaus veranstalteten ihren berühmten Proteststreik vom 17. März, der sehr eindrucksvoll verlief. Nun kommt nach mehr als drei Monaten der Prozeß und das Urteil, tmd es wird ein Sachverhalt festgestelit, der die Vorgänge ganz anders beleuchtet, als es den lnformationen entspricht. Es ist immer mißlich, eine Rechtsprechung zu kritisieren. Der Außenstehende hat keineswegs das Material zur Verfügung, auf das sieh das Gericht stützen muH. Auch abgesehen von dem reinen Tatsachenmaterial ist jede Beurteiluug subjektiv, besonders bei einem so komplizierten Sach- ■verhalt. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, daß von jüdischer Seite zuerst geschossen wurde, und demgemäß wurden die Juden, die als Täter erkannt wurden, zu schweren Strafen verurteilt, während die Mörder des jüdischen Ehepaars Minkowski, das in dem Pogrom umgebracht worden ist, unbestraft bleiben, weil sie nach Meiniing des Gerichts nicht exakt zu ermitteln sind. Eine juristiscl e Betrachtung weicht stets erheblich von einer m o r a 1 i .«c h - p o I i t i s c h e n ab. Ein Gericht kann als Mörder nur ein Individuum bestrafen und bei pogromartigen Szenen, an Jenen ganze Menschenhaufen beteiligt sind, ist der individuelle Täter tatsächlich meist schwer feststellbar. Anders als diese juristische liegt die moralisch-politische Beurteilung. Und da ist ja kaum ein Zweifel darüber möglich, daß die Juden sich angegriffen fühlen mußten. Das hat das Gericht nicht anerkannt. Es hat die nationaldemokratische These übernommen. Die furchtbare Verwüstung der jüdischen Häuser und die Vernichtung von Menschenleben bleiben ungesiihnt, aber die Juden, deren psychologische Lage man docli bei Erörterung ihrer Schuld berücksichtigen muH, werden bestraft. Will man das Urteil unter politischen Gesichtsnunkten betrachten, so könnte man vermuten, daß es so schart gefaßt ist, um die heftige Propaganda nach dem Pogrom von Przytyk nachträglich zu desavouieren. Mail muß hoffen, daß das Berufungsgericht anders verfahren wird. Aber wie immer dem sei, die Tatsache, daß das Gericht Schüsse von jüdischer Seite feststellen konnte und daß nichtjüdische Opfer gefallen sind, ist höchst bedauerlich. Man fragt sich, wieso es möglich war, daß hei der Darstellung der Vorgänge von Przytyk nicht alle diese Momente von Anfang an ins rechte Licht gerückt worden sind. Wahrscheinlich wird sieh die W a 11 r 11 e i t über die Vorgange nicht mehr feststellen lassen. Die Erregung des polnischen Judentums und darüber hinaus der Juden in der Welt über diesen Ausgang der Pogromaffäre von Przytyk ist gewiß verständlich. Vom jüdischen Standpunkt aber besteht, abgesehen von der Bewertung des Urteils, ein großes Interesse daran, den Sachverhalt aufzuklären. Denn diese tragische Angelegenheit hat eine spezielle volkspädagogische Seite für uns. Ohne genaue Kenntnis der Dinge muß man sich gewiß jedes Urteils enthalten. Trotzdem scheint es, als ob die Vorgänge von Przytyk ein besonders eindringlicher Beweis dafür sind, wie sehr die Situation der Juden Und ihre geistige und psychologische Haltung einer Klärung bedarf, — eine Aufgabe, die durch Demonstrationen allein nicht zu lösen ist. Proteststreik der polnischen Juden s. Warschau, 30. Juni. Während diese Zeilen geschrieben werden, ruht im ganzen Lande vollständig jede jüdische Arbeit. Auf diese Weise beschlossen die vereinigten zionistisehen Parteien gegen das Urteil in Radom, gegen die ökonomische Kampfparole, gegen die verstärkte antisemitische Welle in Polen zu protestieren. Dem Rufe der zionistischen Parteien folgte die gesamte jüdische Bevölkerung. Wie angesagt wurde, sind 11 e u t e zwisehen 12 und 2 Uhr mittags sämtliche jüdischen Geschäfte und Werkstätten, Büros und Unternehmungen aller Art, wo Juden beschäftigt sind, geschlossen worden. Der ״Bund“ und andere nichtzionistische Organisationen und Verbände haben sich mit diesem Proteststreik solidarisch erklärt. Die jüdischen Viertel in Warschau boten heute ein eigenartiges Bild. Die Läden gesperrt, Menschenmassen sammeln sich auf den Straßen, die Polizei erlaubt keine Demonstratiouen. In den nichtjüdischen Stadtteilen sind jüdische Geschäfts- Unternehmungen geschlossen. Auf diese Weise wird die polnische Bevölkerung auf diese stumme jüdische Protestaktion aufmerksam gemacht. Der jüdische Protest bleibt nicht ohne Eindruck. Es irt eine grandiose Demonstration der jüdischen Willenskraft, des jüdischen Glaubens au die Gerechtigkeit — trotz allem. Die Empörung der ersten Stunde nach dem Urteil von Radom ist einer überlegten Stellungnahme gewichen. Der jüdische Parlamentsklub, dessen Mitglieder im Sejm und Senat, gerade einige Tage vor der Urtcilssprechung zu Radom, in der Debatte über die der Regierung zu gewährenden Vollmachten ausführlich die jüdischen Klagen und Postulate darlegten und sich gegen die Vollmachten für eine Regierung, die den antijüdischen Boykott billigt, ausgesprochen haben, wandte sich in einem Aufruf an die jüdische Bevölkerung mit dem Appell auszuharren. Die Regierung, welche vor 2 Wochen die Abhaltung der vom Bund separat und von der Poalc Zion und Hitachduth zusammengerufenen Kongresse zum Kampf gegen den Antisemitismus verboten hatte, konnte den heutigen Proteststreik, diese spontane und vielsagende Kundgebung, nicht verwehren. Wird aber die Regierung die stumme Sprache der 3V2 Millionen juden verstehen? Was ist in Przytyk geschehen? Die Frage, w a s in Przytyk eigentlich am 10. März gcschehen ist, wird von dem Ürteil des Kreisgerichts Radom in folgender Weise dargcstellt: Der wirksame Boykott der polnischen Bevölkerung gegen den jüdischen Hamid und eine Reihe von Angriffen gegen die jüdische Bevölkerung durch Zertrümmern von Fensterscheiben usw. hätten bei den Juden einen Zustand der Erregung hervorgerufen, der darin zum Ausdruck gekommen sei, daß sie zu den Behörden eine Abordnung entsandt hätten mit der Bitte, die Verhältnisse in Przytyk, wie sie vor dem Boykott bestanden, wiederlierziistellen. Weiter wird in der Urteilsbegriindung erklärt, daß am 9. März von der Menge ein Angriff auf die Polizei verübt wurde, der keinen Schaden verursachte. Isaak ‘Friedmann habe einen Schuß abgegeben und dadurch den Angriff jj£e r Menge a u s g e i ö s t, bei dem dann Fensterscheiben zertrümmert und der jüdische Marktfahrer Delman mißhandelt wurde. Gleichzeitig habe Feldberg einen christlichen Jungen geschlagen. Als die Bauern — infolge der jüdischen Angriffe — die Stadt verließen, habe Kerschen/weig auf Kubiak geschossen, andere Juden hätten die Bauern mit Steinen beworfen, mit Stöcken geschlagen und von Schußwaffen Gebrauch gemacht, das habe zu individueller Verteidigung einer Reihe Bauern geführt, doch hätten diese keine Waffen benutzt. Die infolge des jüdischen Ueberfalls aufgeregte Baucrnmengc habe jüdische Wohnungen zerstört. Als die ab/ichendc Menge vorm Hause Leskos vorbeikam, habe l.esko aus dem Fenster geschossen. Durch einen dieser Schüsse sei der Bauer Wieszniak getötet worden, ln der Erregung über diesen Mord habe dann die Menge mehrere jüdische Wohnungen verwüstet, Juden mißhandelt und hierbei seien auch die Minkowskis getötet worden. Es sei bewiesen worden, daß die Juden einen gesetzwidrigen Angriff auf die Bauern verübten. Die Schuld der wegen der Ermordung des Ehepaars Minkowski Angeklagten sei nicht erwiesen worden, Eis habe für die Juden kein Grund zu Notwehr bestanden. f&SÜQUHfy Alle Nachrichten aus Palästina beweisen, mit welchem Opfermut der Ji sc 11 uw in diesen Tagen schwerer Krise seine Kräfte zusammenfaßt. Die Erfo-dernisse des Tage; stellen harte Ansprüche nicht nur an die Nerven und die Entschlossenheit der Juden Palästinas, sondern auch an ihre Gebe freudigkeit. Denn die anormalen Verhältnisse erfordern viele außergewöhnliche Ausgaben, insbesondere müssen die vielen unverschuldet in Not geratenen Menschern versorgt werden. Darüber hinaus aber besieht ein vitales Interesse, gerade jetzt die Aufbauarbeit nicht ins Stocken geraten zu lassen. Es ist ein begreifliches seelisches Bedürfnis für die luden der Diaspora, auch ihrerseits an diesem dringend um die Erhaltung des Bestehenden und um die Ausgestaltung und Er- Weiterung des nationalen Bestandes sowie der Einwanderungsmöglichkeiten' teiizunchmen. Wie bereits mitgeteilt, hat der Landesvorstand der ZVfD. am 14. Juni beschlossen, die Zionisten aufzufordern, den Durchsehnittsertrag eines Arbeitstages für den Aufbau des indischen Nationalheims in Palästina zu geben. Diese Aktion führt den Namen ״Bizzur Haare/,“, Festigung des Landes. Es handelt sich darum, dem jüdischen leben im Lande Halt zu geben, es so stark zu machen, daß es wie eine Festung allen Wechselfälle״ auch in Zukunft trotzen kann. Dies ist aber nur möglich, wenn das Nationalheim wächst und wenn es innerlich gesund ist. Ockonomische Sicherheit beruht auf dev Weckung der produktiven Kräfte des Landes, die zum Teil noch uneriöst schlummern. Wird das Land erschlossen, dann wird Platz für mehr Menscheu, mehr Juden, und für ein besseres Leben auch der Araber. Wir müssen an die Zeit nach den Unruhen denken; größere Pläne, die auf die Dauer auch eine Eriedensbasis bicten können, werden mir möglich sein, wenn alle an der Eestigung heute schon mitwirken. Dies ist vor allem die Aufgabe der Nationalen Fonds, und darum ist die Spende ״Bizzur Haare/.“ für diese Fonds eine zionistische Notwendigkeit. Wie die ZVfD. mitteilt, soll die Aktion am 10. Juli (20. Tamtnus), dem Todestage Theodor Herzls, ihren Abschluß finden. Vielen wird es schwer fallen, wieder Geld zu geben, denn die maferieüe Lage der Juden ist nicht gut. Trotzdem glauben wir, daß keiner, der es irgendwie leisten kann, sich ausschließen wird. Denn zu stark wird fühlbar, um wieviel mehr die tun, die sich und ihre ganze Existenz in Palästina einsetzea. Von Erich Cohn, Jerusalem Der nachftilfirmle Artikel eines aus Deutschland sfmnwenden langjährigen Zionisten ist 11. E. ein wichtiger Beitrag zur Diskussion der Probleme, die nicht erst seil heute, sondern seit 15 Jahren vor der zionistischen Politik stehen. Die Diskussion, die in diesem ganzen Zeitraum fund hvsimders in den Jahren 1029 10) in der Jüdischen Rundschau“ lind mich anderwärts leidenschaftlich geführt wurde, hat gezeigt, daß die Ansichten, die eon Erich Cahn hier wertreten werden, bei weitem nicht eon allen Zionisten geteilt werden. Heute ist der Jischuw in Palästina einer schweren Belastung ausgesetzt, und um so schwerer fällt cs, an maneben palästinensischen Erscheinungen Kritik zu üben. Trotzdem glauben wir, daß die politische Meinungsbildung in diesem Augenblick eon großer Wichtigkeit ist und durch offene Worte nur gefördert werden kann. Dies bezieht sieh auch auf dir Methode der Z.ionisten-Kongressr, obwohl 11. E. der Autor übersieht, daß die jüngste zionistische Cieschichte tatsächlich einen Fall von Eiihrersturz infolge ״Mutes zur l'npopularität“ aufweist. U’ir glauben auch, daß infolge der letzten Ereignisse die Situation so auf gelockert ist, daß auch in der - augenblicklich nicht aktuellen — Frage des Legislaiive Council eine abweichende Meinung, die hei manchen Zionisten schon früher vorhanden war, aber aus lT:,zitdin nicht geäußert wurde, gesagt werden kann. Red. Der Aufstand der Araber gegen die Juden ist nicht in Parallele zu setzen mit antijüdischen Aktionen in anderen Ländern. Was hier in Palästina sich abspielt, ist eine freincleiifeindliche Bewegung, also ein Ausbruch des Nationalismus, wie er für koloniale und ähnliche Länder typisch ist. Ob die Eindringlinge, d. h. die als solche empfundenen Erscfilfeßer des Landes, Juden, Engländer, Italiener oder was sonst sein mögen — es erhebt sich gegen sie eine in ihrer kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung größtenteils noch völlig primitive, seit Jahrhunderten oder vielleicht Jahrtausenden geschiclilslosc Bevölkerung, der Agitatoren erzählen könneu, was sic wollen, die im Grunde nur in ihrer Primitivitat und Bedürfnislosigkeit zu verharren wünscht. Dieser Beharrungswunsch wird von den Führern benutzt und je nachdem mit religiösen oder nationalen Draperien dekoriert. Es lohnt sich nicht, gegen die widerspruchsvolle und unaufrichtige Rolle der Führer zu argumentieren. Es genügt, daß sie die Führer sind. Kein Volk läßt sich von anderen vorschreiben, von wem es sich führen lassen soll. Ebensowenig fördert es uns, nachzuforschen, inwieweit andere Mächte mit eigenen kolonialen Aspirationen oder kommunistischen Zielen ihre Hand im Spiele haben. Der kulturelle und zivilisatorische Niveau-Unterschied zwischen der Mehrheit der arabischen Bevölkerung mul der Mehrheit der Juden in Palästina kompliziert die Situation. Die Zahl der gebildeten, am Geiste Europas geschulten Araber ist sehr klein, und sicher nur weil diese Kreise noch zu klein sind, haben sie bisher kein geistigproduktives!.eben im europäischen Sinne entwickelt. Man muß dies hervorheben, nicht um zu tadeln, sondern weil auf dem politischen Gebiete die Aspirationen aus dem europäischen Bestände entlehnt sind. Das Gewand des Nationalismus sitzt schlecht auf einem Volkskörper, dem ein entsprechendes gehaltvolles Eigenleben noch fehlt. Die Folge ist, daß die nationale Idee statt der befruchtenden Wirkungen, deren sie fähig ist, rein mechanisch übertragen nur ihre zerstörenden entfaltet. Zunächst gegen die verhaßten Fremden; erst später wird sich wohl heraussteilen, daß auch die eigene geistige Entwicklung nicht davon profitiert, wenn man sie am falschen Ende beginnt. Die nicht erkannte Aufgabe Von dem Augenblicke an, wo die Balfour-Deklaration den Juden Rechte auf Palästina gab, standen sie also vor einer schwierigen kolonial-politischen Aufgabe, nämlich der Infiltration des Landes unter Berücksichtigung der seelischen Verfassung, der Wünsche und der Interessen der so beschaffenen Bevölkerung. Dieses Problem hat m. E. an unseren maßgebenden Stellen leider niemals die ihm gebührende Beachtung gefunden. Immer nur wenn wieder einmal Unruhen stattgefunden und es damit in den Brennpunkt des zionistischen Denkens gerückt hatten, versahen unsere jeweiligen Exekutiven, dann nicht ohne Geschick und Erfolg, etwa die Rolle einer Feuerwehr gegenüber dem Brande, oder vielleicht richtiger gesagt: machten sie die Ansprüche gegenüber der Versicherungsgesellschaft — England — geltend. Nie aber bemühte man sich, einen konstruktiven ,1 > t