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Jüdische Rundschau · 1936-06-30 · Heft 52 (30.6.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 52 (30.6.1936)
Date
1936-06-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 30. VI1936 stehen In Interessengemeinschaft mit den Linien, die die Donau befahren (Zentralcuropa—Donau—Levanteverkelir) und bringen daher Güter auch von und nach Europa. Von der Mannschaft der Schiffe sind mehr als die Hälfte Juden, ebenso ein Kapitän; Kadetten werden auf allen Schiffen ausgebiidet. Mit der Schiffahrt verbunden ist der Leichterdienst und das Ausrüstungsgeschäft. In Haifa wie in Tel- Awiw bringt die jüdische ״Lighterage and Supplv Company“ Personen und Güter von den Schiffen an Land. Ein Ausrüstungsgeschäft betreibt in Haifa (zusammen mit einem weit-?:freisten Hamburger Kaufmann aus der Branche! Dr. Sebba, rüher Anwalt in Königsberg und über Deutschlands Grenzen hinaus als Seerechtler bekannt. Von der Theorie ist er mr Praxis übergegangen, in seinem Laden ״Transmarinc Ltd.“ findet man laue, Drahtseile, Anker, Flaggen, Rettungsgeräte, Lampen usw. statt in Paragraphen und Kommentaren zum Gebrauch fertig, auch sein Laden gehört zur jüdischen Schifffahrt. Dr. Albert Baer, Haifa. Regeln fUr den Wachtdienst Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Da jetzt viele unerfahrerie und ungeübte Kräfte sich am Wachtdienst beteiligen, veröffentlicht ״Dawar“ folgende Regeln für Wächter: 1. Trage dunkle Kleidung, damit du nicht gesehen wirst. 2. Trage leichtes Schuhwerk, das beim Gehen kein Geräusch macht. 3. Mach niemals Licht. 4. Beschäftige dich nicht mit irgendeiner Nebenarbeit, deine einzige Arbeit sei der Wachtdienst. 5. Schlafe ausreichend am Tage. 6. Prüfe das Gebiet deines Wachtdlenstes vor Sonnenuntergang, damit dir spätere Veränderungen sofort auffaUen. Besondere Beachtung schenke den Zäu- Tien und den Toren. 7, Wenn etwas deinen Verdacht erregt, wirf dich auf den Boden und beobachte, ohne dich zu rühren, die verdächtige Stelle. 8. Acmlere von Tag zu Tag den Zeitpunkt und die Richtung deines Rumlganges. 9. Unterbrich deinen Rundgang durch ständige Pausen, während derer du lauschst und um dich schaust. Wahrend der Pausen mußt du dich im Dunkeln aufhalten. 10. Wenn auf dich geschossen wird, wirf dich auf den Boden oder stelle dich hinter eine sichere Deckung. Ist der Ort nicht sicher, kannst du ihn direkt nach dem Schuß wechseln. 11. Nimm Eßvorriitc mit, und iß wahrend des Wachtdienstes. Auf keinen Fall darfst du ein I laus attfsttdiett, tun zu essen. 12. Mach dir Zeichen an vcrdjchnccn oder gefährdeten stellen, damit du erkennen k.um-t, ob jemand Unit vorbngekommen oder eingetreteu ist. 13. Wahrem.! de, Wa.hidtcimU s darf nicht geraucht werden. 14. Beim Leber gang von einem erleuchteten zu einem dunklen Ort muß tler Wat Itter eine Minute stellen bleiben, bis sich sein Auge an den Wechsel gewohnt hat. 13, Jedes Geräusch wie Pfeifen, Sprechen usw. ist zu vermeiden. 16. Wer erkältet ist oder hustet, ist ungeeignet /tun Wachtdienst. 17. Bei leichtem Boden lauscht man stehend, bei schwerem liegend. 18. Fällt plötzlich Licht auf den Wächter, so muß er bewegungslos stehen bleiben. I1). Einein verdächtigen Ort nähert man sich kriechend. 20. I ernc unterscheiden zwischen dem Geräusch der Bäume und 1 ekler um! den Bewegungen eines Menschen. Hüte dich vor Versuchen, dich von einem sicheren Standort fortzulocken! Segen Zerstörung der Pflanzungen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Im ״Dawar“ schreibt A. M. Kol er: Schon neun Wochen lang werden unsere Felder, Plantagen und Weingärten verwüstet, ohne daß es gelingt, der Täter habhaft zu werden und der weiteren Vernichtung Einhalt zu tun. Polizei und Heer scheinen machtlos zu sein. Wir sind also auf uns seihst angewiesen und müssen uns ganz für den Bestand unserer Pflanzungen einsetzen. Vor mehr als zwanzig Jahren war hier eine schwere Heuschreckenplage, die den Bestand unserer Landwirtschaft bedrohte. Damals war jede Bemühung des einzelnen, den Schaden von der eigenen Wirtschaft abzuwenden, ohne jeden Erfolg, denn seine Kraft reichte dazu nicht hin. So schlossen sich die Pflanzer ganzer Bezirke zusammen, und mit vereinten Kräften gelang cs in vlelen Fällen, der Plage Herr zu werden. Aehiilich müssen wir jetzt Vorgehen. Der Einzelne wird nichts vermögen, aber bei Zusammenschluß zu passenden (truppen kann man diese Ueberfälle auf die Pflanzungen verhindern. Wie zur Zeit der Heu״ schrecke muß man die gefährdeten Gebiete dicht umstellen Und durch gute Organisation jedes Eindringen unmöglich machen. Die Sache wird Tausende von Pfunden kosten, aber wir haben keine andere Wald. Der Verlust einer Nacht kann größer sein als alle Lnkodcn. Wie zur Zeit der Heuschrecke müssen den Menschen auf dem Lande die Menschen der Stadt zur Hilfe kommen. Die Wächter müssen nach Möglichkeit bewaffrtet sein. Sollte die Regierung ihnen zusätzliche Waffen versagen, 80 müssen sie die Waffen mit benutzen, die den Siedlungen von der Regierung zur Verfügung gestellt sind. Die Heiligen Stätten Wien, 2b. Juni. <JTA ) Unter der Ueberschrift ״Um den Schutz der Heiligen Statten in Palästina“ bringt die ״R e i c h s p o s t“ einen Artikel ihres römischen Korrespondenten, der sich über die Behandlung beklagt, die der Frage der christlichen heiligen Statten in Palästina sowohl seitens der Mandatsrcgicrimg als auch seitens der Juden und schließlieh auch seitens der Moslems zuteil wird. Das Blatt schreibt dann: ״Die Kirche nimmt keinerlei Stellung zu den palästinensiichen Machtkämpfen; die ,Judenfrage‘ und die ,Araberfrage‘, die ,Mandatsfrage‘ und das ,Mittelmcerproblem‘ sind ihr weder Fragen noch Aufgaben. Aufgabe der Kirche ist cs, überall in der Welt zum Schutze des Christentums wirksam zu sein, besonders aber in Palästina, das in einem höheren und ganz unpolitischen Sinne weder englisch, noch jüdisch, noch arabisch, sondern —- heilig ist!“ Persönliches. Am 18. Juni beging Richard Kaufmann (II.). Tel-Awiw, irüher Frankfurt a. M., den 50. Oeburtstag. Richard Kaufmann, der aus einem alten zionistischen Haus stammt und viele Jahre hindurch in Frankfurt a. M. in der Hachscharah- und Chaluz-Arbeit stand, gehört zu den Zionisten und Menschen, über die man deswegen sprechen darf, weil sie selbst von sich nicht sprechen. Die Funktion des ״Zur Verfügung-Stehens“ wurde durch ihn in einer Person verkörpert. Richard Kaufmann arbeitet wie in Frankfurt so auch in Tel-Awiw als Architekt und hat die Genugtuung, am ״Bau“ einer großen Siedlung für Juden aus Deutschland im wahren Sinne des Wortes mitgewirkt zu haben. Reisen Sie mit der guten CA RS CH~ Kleidung! FRANKFURT a. M. Mittelstands-Siedlung Die ״Rassco“ auf der Levante - Messe Herausgegeben von W, Düsterwald, Tel-Awiw, Ben Jehudastr. 45, ist das erste Heft von Informationen über nationale Institutionen in Palästina erschienen. Das lieft ist insbesondere den Unternehmungen gewidmet, die eine Synthese zwischen ״Zentratgewalt und Privatinitiative, zwlsehen öffentlichem und privatem Kapitat darstellen“. Das erste Blatt enthält Abhandlungen über die Anglo-Palesline Company, die Palästina Land Development Company, die Gesellschaft ״Nir" und die Ausstellung der Haasco auf der Levante-Messe. Wir geben nachstehend diesen letzten Abschnitt mit einigen Kürzungen wieder. (Red.) Einer der wirksamsten und stärksten Teile der diesjährigeit Levante-Messe Tel-Awiw war die Sonderschau des nationalen Siedlungiwcrks. in klaren Zügen und wuchtigen Bildern empfing der Besucher einen Eindruck von der Heimkehr eines Volkes auf seinen Boden, von den Mühen und Gefahren, die damit verbunden waren, aber auch von den stolzen Erfolgen, die bisher schon erzielt worden sind. Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen dieser Ausstellung, die zusammen mit dem Pavillon der landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen gewissermaßen den agrarisehen Aufbau des Landes versinnbildlichte, und der Leistlingsschau des städtisch-industriellen Aufbaus, der Halle der Tozereth Haarcz. Im industriellen Sektor steht das einzelne Unternehmen im Vordergrund, im landwirtschaftlichen Sektor dagegen dominieren die großen Organisationen und nationaien Fonds. Nur einen verhältnismäßig kleinen Raum nehmen die individuellen Siedlungen des Mittel- Standes ein, und das ist weder Zufall noch böser Wille. Denn so Bedeutendes gerade auf diesem Gebiete in den letzten Jahren geschaffen worden ist, so handelt es sich doch meistens um Versuche Einzelner oder einzelner Gruppen, dagegen nicht um ein organisiertes Siedlungswerk auf breiter Basis. Immerhin sind auch in der Riehtung der organisierten Mittclstandssiedlung Fortschritte gemacht worden, und es darf als Symptom dafür gelten, daß die ״Rassco“ (Rural and Suburban Settlement Company) zum erstenmal au? der diesjährigen Messe mit einer eigenen Ausstellung hervortrat. Denn diese Gesellschaft hat sich gerade die ländliche und vorstädtische Ansiedlung des Mittelstandes in organisierter Form zur Aufgabe gemacht. Drei der Siedlungskomplcxe, mit deren Vorbereitung die Gesellschaft schon seit längerer Zeit beschäftigt ist, sind jetzt nicht mir ausstellungsreif geworden, sondern in allernächster Zelt werden auch die Prospekte erscheinen. In denen die Interessenten unter Vorlage eines genauen Wirtschafts- und Fliianzplanes zur endgültigen Llebernahme bestimmter Siedlerstellen aufgefordert werden. Zunächst handelt cs sich t!m einen Komplex In Herzlia, der 12 km von Tel-Awiw entfernten aufblühenden Siedlung am Meer, wo die Gesellschaft sich einen zusammenhängenden Bodenbesitz von 600 Dunam gesichert hat. 50 Familien sollen dort landwirtschaftlich angesiedelt werden und daneben werden noch Wohnstcllcn mit kleinen Hilfswirtschaften geschaffen, für solche Siedler, die in der Hauptsache in einem ״Außcnberitf“ tätig sein wollen. Die einzelne Vollwirtschaft wird 1012+־ Dunam umfassen, auf denen Hühner- und Viehzucht sowie der Anbau von Gemüse, Obst und Futtermitteln betrieben werden sollen. Eine farbige Reliefkarte im Ausstellungspavillon zeigte, wie nahe die Siedlung durch die neue Chaussee, deren Bau mit Hilfe der ״Pizur“-Gescllschaft. des neuen jüdischen Finanzierungsinstituts für öffentliche Arbeiten, in Angriff genommen wurde, an das große Absatz- und Arbeitszentrum Tel-Awiw herangerückt wird. Ist der Komplex Herzlia der Prototyp der landwirtschaftlichen Rassco-Siedlung, so ist die Arbeit in K i r i > t h B i a I i k charakteristisch für die vorstädtische Siedlung«• tätigkeit. ln dieser großen Wohnsiedlung der Haifabucht hat die Gesellschaft den zweiten Bauabschnitt übernommen. Vorgesehen ist die Errichtung von 150 Einfamilicnhäuaern, die durch Anbauten erweitert werden können. Plastische und farbige Modelle zeigten nicht nur die überlegte Innenelnrichtung dieser gefälligen Typenhäuser, sondern auch den neuartigen Sicdlungsplan, der jedes Haus in eine Grünfläche hineinstellt sowie darauf achtet, daß Staub und Lärm der großen Verkehrsstraßen von den Häusern ferngehalten werden. Endlich wird das Modell des großen Wohnblocks von l—2Va-Zimmer-Wohnungen gezeigt, der im nördlichen Randgesunden sozial-ökonomischen und sozial-hygienischen TJrund- Sätzen schaffen will. Größere Komplexe hat sich die Gesellschaft endlich In und bei A f u 1 e sowie auf Boden des Keren Kajemeth kt J okn ea m gesichert. Der Versuch einer systematischen Siedlungsarbeit für den Mittelstand laßt sich kaum besser begründen, als es die Verwaltung der ״Rassco״ selber ln ihren Berichten an den Luzerner Zionistenkongreß getan hat: ״Die Erfahrung lehrt, daß der Mittelständler nur ungern als Einzelner oder ln einer zu kleinen Gruppe auf den Boden geht. Selbst wenn man ihm einen geeigneten Boden zeigt, fehlt ihm vielfach die Phantasie, um sich vorzustellen, wie dieser Boden aussieht, wenn er entwickelt und mit einer hinreichend großen Ansiedlungsgruppe besetzt ist. Der mittelständische Siedler ist wegen seines Alters und seiner bisherigen Berufstätigkeit nicht imstande, die Pionierarbeit zu leisten, die der Chaiuz willig übernimmt. Deshalb hat sich die ״Rassco“ vorgenommen, ländlichen Boden dem Siedler erst dann abzugeben, wenn der Boden hergerichtet ist und ein fertiger Siedlungsplan besteht.“ Ihre Tätigkelt besteht darin, geeignete Bodenkomplexe zusammenzubringen, sie durch Parzellierung sowie durch Anlage von Wegen und Wasserversorgung zu entwickeln, einen spar- Samen Bauplan und einen gesunden Wirtschaftsplan aufzustellen, gegebenenfalls genossenschaftliche Organisationen für Produktion und Absatz vorzubereiten, für die Ansiedlung ständiger Instruktoren in jeder Gruppe zu sorgen und den Siedlern bei Kreditbeschaffung behilflich zu sein. Die finanziellen Mittel der ״Rassco“ betragen nach der letzten Bilanz etwa CP 67 000. Es besteht die Aussicht, das Kapital der ״R a s s c o“ in nächster Zeit weiter zu verstärken, und zwar durch Begebung von weiteren £P 10 000 Stammaktien an die Jewish Agency sowie durch Verkauf neuer Vorzugsaktien und Obligationen an private Transferenten auf dem Wege über Sammelbezöge von Baumaterial. Ziel der Gesellschaft ist es, nicht nur den deutsch-Jüdisehen Mittelstand zu betreuen, sondern zu einer Art Zentrale für Mittclstandssiedlung überhaupt zu werden. Denn wenn es auch richtig ist, daß die ״Mittelstandsfrage“ durch die neuere Einwanderung aus Deutschland in einer ganz bestimmten Form für Palästina akut geworden ist, so beginnen doch immer stärker auch aus anderen Län-, dern ähnliche Schichten ins Land zu strömen. Schon der Luzerner Kongreß hat es als wünschenswert bezeichnet, durch Ausbau der ״Rassco eine möglichst breite und einheitliche Grundlage für die Bewältigung all dieser Aufgaben zu schaffen und die speziellen Erfahrungen, die bei der Betreuung und Ansiedlung bestimmter Gruppen geschaffen worden sind, allgemein nutzbar zu machen. Presseschau In der ״T i m c s“ vom 26. Juni wird ein Artikel über die Unruhen in Palästina und die arabische Propaganda veröffentlicht. Das Oberste arabische Komitee habe jetzt Delcgierte nach England geschickt, die für die Sache ihrer unruhigen Mitbürger eintrcten sollen. Nachdem sie in der Vergangenheit soviel getan hätten, um Rassenfeindschaft aufzupeitschen, hätten sie jetzt mindestens einige Anstrengungen machen müssen, um ihre Anhänger vor den Folgen ihrer Propaganda zu retten. Die Regierung werde sich der Gewalt nicht beugen; je eher man dies ein sehen werde, um so besser werde es sein. Das Blatt weist sodann darauf hin, daß diese Propagandisten für ihre antizionistischc Politik neben der Unterstützung der faschistischen Schwarzheimlen auch die der Kommunisten gefunden haben. Aber mit der ״unwichtigen und erheiternden“ Ausnahme des Kommunisten Oallacher habe die Erklärung des Kolonienministers über die von der Regierung beabsichtigte Politik in Palästina in- und außerhalb des Parlaments allgemeine Zustimmung gefunden. Antijüdische Exzessc machen auf die englische öffentliche Meinung einen höchst ungünstigen Eindruck. Auch habe sich die arabische Propaganda starke Ucbertreibungen, z. B. in bezug auf jüdi sehe Bodenkäufe zuschulden kommen lassen. Der jüdische Bodenbesitz sei nur ein Zwanzigstel des arabischen. Viel Wesens habe man auch aus der Weigerung der Zionisten gemacht, arabisch«; Arbeiter zu beschäftigen und aus der Konkurrenz jüdischer Einwanderer. Niemals aber hätten die arabischen Wortführer etwas über die Syrer und Hauranier zu sagen, die in großer Zahl ein gewandert sind und ebenfalls mit dem palästinensischen Araber konkurrieren. Solche Ucbertreibungen und Unvollständigkeiten seien geeignet, den Eindruck zu erwecken, daß Eifersucht und Fanatismus die Hauptquellen der arabischen Agitation sind. Würde man aber die gegenwärtigen Unruhen nur diesen Nebenfaktoren zuschreiben, 80 würde man die Lage zu sehr vereinfacht darstellen. Hauptursache des Sturms der Erregung von der die Araber Palästinas getrieben werden, sei die Furcht vor ihrer wirtschaftlichen Zukunft, die Furcht, daß die jüdische Auswanderung großen Maßstabs der letzten Zeit Vorbote einer jüdischen Mehrheit und eventuell einer jüdischen Republik *ei. Diese Furcht ist unbegründet; aber sie sollte durch geeignete Mittel beseitigt werden, sobald der gegenwärtige Wahnsinn, der taub ist für Menschlichkeit und Vernunft, ausgetrieben sein wird. * Der ״Nieuwe Rotterdamsche Courant“ er- Örtert in einem Leitartikel unter der Ucberschrift ״Der zurückgedrehte Film“ den Gang und die Folgen der Erelgnisse Tn Palästina. Es wird darauf hingewiesen, daß die Araber nicht besonders glücklich seien. Sie würden plötzlich von der Entschlossenheit Englands getroffen, obwohl sie aut Grund dessen, was in der letzten Zeit an der englischen Politik zu beobachten war, allen Grund hatten, damit nicht zu rechnen. Da die arabischen Nationalisten nun die Macht Englands fühlen, ist ihre Bewegung aus anti-jüdisch in erster Reihe anti-britisch geworden, jetzt kann aber auch niemand mehr sagen, daß die Engländer für die Juden und gegen die Araber Partei nehmen, wenn ihre eigene Autorität so deutlich im Lande auf dem Spiele steht. Die wirtschaftlichen Vorteile, die die Juden dem Lande gebracht haben, bildeten eher noch einen Anreiz zur Feindschaft der Araber als ein versöhnendes Element, Was wir in Palästina geschehen sehen, ist in seinen Hauptzügen eine der für unsere Zeit typischen nafionalcn Tragödien, Jedoch noch verschärft durch sehr ungewohnliche Umstände. Man steht jetzt vor folgendem tragischen Konflikt: Die auswandernden Juden kommen zurück in das Land ihrer Väter, wohin sie Instinkt und Gefühl zogen. Sie meinen dort ein Recht zu haben und sie suchen dort ihren Platz mit rechtmäßigen Mitteln. Aber nach ihrer Vertreibung aus jenem Lande hat sich dort eine andere Bevölkerung niedergelassen. Diese Bevölkerung wohnt dort bereits länger als manch großes europäisches Volk auf seinem nationalen Gebiet. Das ist ein Bild, das prinzipiell nicht so sehr verschieden ist von dem Bild, das sich in Europa darbieten würde, wenn die Umstände die europäischen Rassen und Nationen zu einer Bewegung veranlassen würden, die das Ziel hat, das Ergebnis der großen Völkerwanderung aufzuheben. Die Rückkehr der zerstreuten Juden in einem breiten Strom ist ein Schauspiel, wie es der Film zeigt, wenn er zurückgedreht wird. ________ Von der Woche Die Palestine Potash Company hat den Bau einer neuen großen Fabrik am südlichen Ufer des Toten Meeres, wo nach der Ueberlicferung Sodom und Gomorra standen, in Angriff genommen. 120 jüdische Arbeiter, deren Mehrzahl dem Kibbuz Hameuchad angehört, sind beim Bau beschäftigt. Die Verbindung mit Palästina wird durch Schiffe, welche zweimal wöchentlich verkehren, aufrecht erhalten. In den letzten Tagen sind in Palästina vierzehn neue Handelsgesellschaften, darunter mehrere ausiändisehe, registriert worden. An der Spitze der neuen Gesellschäften steht ein Kreditinstitut mit einem Kapital von 50 000 Pfund, das Kredite an Unternehmungen von öffent- Sichern Charakter geben will. Ferner wurde eine Bodenkauf* gesellschaft mit einem Kapital von 10 000 Pfund eingetragen. Am 1. Juli wird in Tel-Awiw die neue Telephonzentrale e!,öffnet, in der mit der Zeit 3000 Appa^ rate installiert werden sollen. Damit wird endlich ein langjähriger Wunsch der Stadt Tel-Awiw erfüllt, die trotz ihres bereits sehr umfangreich gewordenen Teiepnonnetzes bisher von der Regierung im Gegensatz zum arabischen Jaffa keine eigene Telephonzentrale erhalten hatte. Das jüdische Schiff ״Amal“ traf im Hafen von Tel-Awiw ein, wo die Ausladung statt finden wird. Die dort in Bau befindliche Mole hat bereits eine Länge von 126 m erreicht. Die Firma Olnat Bigdei Gewarim Ltd., Tel- Awiw, Jerusalem, Haifa, Jaffa, erhielt bei der diesjährigen Levante-Messe die goldene Medaille für Herrenbeklcidung. (Schluß des Palästina-Teils)

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