Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51, 26. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Else Lehmann Zum 70, Geburtstag am 27. Juni Ehe Lehmann ist vor ihrer Verheiratung mit Dr. Oscar Ktth in Prag zum Judentum übergetreten; ihr Gatte, ein Neffe des ersten Hebbel-Biographen Emil Kuh, hat Jahrzehnte lang das ״Montagsbiatt für Böhmen“ geleitet. Ihren Uebertritt vollzog die berühmte Schauspielerin nicht aus äußeren Gründen, die etwa durch ihre Verehelichung gegeben waren, Sondern aus einer inneren Neigung za der Uebetlieferung und den Gemlrtawerteii jüdischen Wesens. Eine zähe Vermutung Wollte, daß Etee Lehmann unmittelbar aus Ostpreußen stammte, worauf vielleicht eine gewisse Breite oder Schwere ihrer Aus- *prache zu deuten schien; vielleicht Jag es auch daran, daß man sich eine Künstlerin, deren Stärke iu ihrer Primitivität, in ihrer naturhaften Gcnüitsgewalt bestand, nicht anders als in ein Bauernland der großen östlichen Eirene zurückdenken konnte, ln Wahrheit ist Else Lehmann in Berlin geboren und auch aus gehobenen bürgerlichen Verhältnissen hervorgegangen-, aber die Leklenschatt für das Theater ließ sie aus einer vorsorglichen Erziehung oder Behütung bald herausbrechen, obgleich in ihrer Kunst am wenigsten von dem lag, was man Theater fm landläufigen Sinn nennt, und fn ihrer Persönlichkett ebenso wenig von den Eigenschaften, die man dem ״leichten Künstlervölkchen“ gern zuzuschreioen pflegt. Nachdem die Anfängerin aus eines kurzen Tätigkeit in Bremen wegen Taleritlosigkeit entlassen worden war, fand Sie Aufnahme am Wallnertheater, das damals zwischen dem Königlichen Schauspielhaus und dem noch jungen Deutschen Theater mit seinen Berliner Possen die leichtere Kost ausgab. Mit ihrer jugendlichen Frische, mit ihrem frühgereiften Frauenhufnor begann sie da die Reihe der hochbeliebten Soubretten fortzuaetzen, die mit der flotten, höchst unternehmenden Ernestine Wegner abgerissen schien. Aber die Dreiundzwanzigjährige wurde zum zweiten Male entdeckt in der denkwürdigen Aufführung der Freien Bühne von ״Vo׳r Sonnenaufgang“, als sie die Liebraszcne deT reinen Tochter verkommener Bauern spielte, zugleich wie mit einer von Sonne erfüllten Gefühlsstärke und mit der um alle Wirkung unbekümmerten Einfachheit, wie sie; die damals neue Lehre des Naturalismus verlangte. Else Lehmann ist dann die Schauspielerin Gerhart Hauptmanns geblieben, wie sie auch die von Ibsen wurde, von den Frauen gewiß diejenige, die dann die kiinstlerische Leitung von Otto Brahm in ihrer Richtung auf Naturtreue und Innerlichkeit am schönsten repräsentiert hat Ihr widerfuhr das höchste Glück des Künstlers, daß ihr Von ihrer Zeit und von einer höchst fruchtbaren Epoche die großen Aufgaben gestellt wurden, für die sie geschaffen war. . Else Lehmann hatte gar nichts von den Königinnen der Bühne mit ihrem erdhaften Weibtum, mit einem Schein von Ungelenkheit, sogar mit einer langsamen, etwas stockenden Sprache, die das einzelne von Ocfiihlsstärke ebenso geladene wie gehemmte Wort nur zögernd zu entlassen schien. Dennoch und gerade deshalb bestehen von ihrer Kunst die großen Gestattcn und die unvergeßlichen Momente. Wenn sie etwa zu Ibsens John Gabriel Borkmann sagte: ״Du hast das Liebesleben in mir getötet“, so ist von diesem kurzen der Scham und dem Schmerz entrungenen Satz ein Klang zurückgeblieben, nicht weniger ergreifend als eine von den mehr lyrischen und melodiös geführten Frauenklagen der zarteren und gebreeldicben Diisc. An ihre Rose Bernd, an die in ihrem iammer verstockte und versteifte Bauernmagd kann man auch eute nicht ohne Erschütterung zuriiekdenken, und ihre Mutter Woiffn im ״Biberpelz“ hat keine ihrer höchst ansehnlichen Nachfolgerinnen übertroffen an pfiffiger Vcrgnüglichkeit oder an der Sicherheit, mit der sie in ihren Pantinen stand. Else Lehmann hatte die Gabe des Leids, der Schmerzen ihres Geschlechtes, die die große Schauspielerin machen, und sie hatte die andere eines aus vollreifem Frauenwesen schöpferischen Humors. Wenn sie auch der Welt, in der man Jamben spricht, nicht zugeneigt sein mochte, so hatte sie von der Natur eine ungemeine Reichweite ihrer künstlerischen Selbst- Vollendung empfangen, und besonders eine, die die großen Schöpfungen ihrer Zeit in das Genie des Herzens aufnehmen konnte. Else Lehmann ist schon vor mehr als zehn Jahren und mitten iin Erfolg von der Bühne abgetreten, da sie sich besonders den Hindernissen einer abnehmenden Schsiärke nicht aussetzen wollte. Ohne a!1 ihre triumphale Laufbahn noch irgendwie zu erinnern, wollte sie nicht mehr sein als die Frau ihre* Mannes, der vor einigen Jahren gestorben ist. Arth ur Eloesser Juden und Jüdisdies im Rundfunk Fraltag, 26, Juni! Paris (1048), 11.45: Jüdische Sendung; 14.30: Paul Tlakas, — Budapest I (550), 12,05: Kubinstein: Melodie. — Prag (470), 12.35: Grünfeld: Kleine Serenade. — Stockholm (1389), 13! U. a. Mendelssohn: Frühüngslicd. — Kalundborg (1263), 10.30: Offenbach: Ouvertüre zu ״Kakadu“. — Ile de France (219), 18,40: U. a. Meverbevr. — Brjzicrs, 21.15: ״Die Jüdin“ (Halevy). Sonnabend, 27. Juni: Warschau (139), 19.05: Korngold: Serenade aus: ״Der Schneemann“. — Wien (506), 19.20: U. a. Oberibach. — Budapest I (550), 20: U. a. Offenbar!!: .,Die schöne Helena“. — Paris (1648), 20.45: ,,Salome“ (Wildc-Mariotte). — Rennes (2S8), 20 30: U. a. Mendelssohn. Sonntag, 28. Juni: Straßburg (349), 16: V. a. Moszkowski. — Prag I (470), 17.50: Vera Schwarz singt. Brüssel, 21: ״Kol Nidrei‘* von Max Bruch. — Straßburg (349), 21: Schallplatten, u. a. Richard Tauber, Montag, 29. Juni: Wien (507), 16.30: ״Messias“ von Händel. — Preßburg (299), 21.10: Mendelssohn. Liste jüdischer Badeärzte. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Zu der von der Reichs- Vertretung der Juden in Deutschland herausgegebenen Liste der jüdischen Badeärzte und Kuranstalten ist eine Berichtigung erschienen, die auf Anforderung von der Reichsvertretuftg der Juden in Deutschland, Be'rlin-Chariottenburg 2, Kantstraße 158, geliefert wird. Kundgebungen der ZVfD. Dr. Siegfried Kanowitz (Tel-Aviv; KRIEG UND FRIEDEN Schicksalstage in Palästina KÖLN Mittwoch, 1. Juli, 20.45 Uhr, Gr. Saal d. Gemeindehauses, Cäcilienstr. 18/22 AACHEN Donnerstag, 2. Juli, 20.30 Uhr, in der Synagoge BRIEFE AN DIE REDAKTION Zum jüdisA-arabisdien Problem Schcrhunath Buruchaw, den 15. Jam 1636 An die ״Jöd. Rundschau“ Mit großer Erregung las ich in Nr. 46 einen Auf•.Uz von Jul. Berger, Jerusalem. Nachdem ich den Aufsatz gelesen hatte, hat mich ein tiefe» Gefühl der Schande «griffen. Weswegen? Während die palästinensische Presse da» Verhalten gewisser Kreise rügt, die den schreckliehen Ereignissen mm Trotz nicht auf einen einzigen Tanzabend verzichten können, bittet Sie Herr Berger, dert Joden in der Golah mehr über Konzerte, volle Kino» and das r.ormale Leben zu erzählen. Ist es nicht ein Zeichen von Gewissenlosigkeit, wenn man mit diesen Dingen spielt, während Tausende von Juden, alte und junge, tagein, tagaus ihr I.ebcn und das Leiten ihrer Nächsten wie auch ihren Besitz vor großer Gefahr behüten müssen? Ist es ein Grund, darauf stolz zu sein, daß die Kinos voll sind? Haben wir gänzlich die Tausende der Flüchtlinge aus Jaffa, die in Tel-Awi» in Höfen und in nicht zu Ende gebauten Haujern wohnen, vergessen? Hat irgendein Konzert oder Vorfrag die gleiche Bedeutung für die Juden der Welt wie der permanente Mord, das Werfen von Bomben auf Juden und bewalinete Ueberfälle aal die Ettiek-Sied lungen? Und was bezweckt denn eigentlich Herr Berger? Wird es etwa sehbdlieh »ein, daß man in der Golah wissen wird, wie groß die Sorgen der Jaden im Lande sind? Es ist selbstverständlich, daß wir nicht verzweifeln werden, niemals! Mit größter Energie werden wir unsere Aufbauarbeit fortsetzen, aber es »oll nicht die große Schwere der Lage des Jisehuw in den jetzigen Tagen unterschätzt werden, und es ist nicht nötig, daß die Nachrichten die» vet tuschen »ollen. Noch mehr habe ich darüber gestaunt, wie Herr Berger das arabische Problem behandelt. Er fand einen neuen Faktor des Mißverständnisses zwischen Juden umi Arabern; nicht etwa die wilde Hetze unter den Arabern, aber das Prinzip der jüdischen Arbeit verartlaßte den Haß der jüdischen Jugend gegen die Araher. Herr Berger ist der Meinung, daß der jüdische Arbeiter aulgehetzt ist, denn man habe ihm eingeredet, daß es nicht* Schlimmeres gibt als einen Araber zu iresc.häftigen. Er be.schuldigt keineswegs die jüdisehen PlautngcnbcMtzcr, die durch den Ausschluß der jüdisehen Arbeiter die Arlwitslosigkeil in den Kolonien verursacht haben, er klagt keineswegs die Besitzer der Plantagen an, daß sie arabische Wächter angestellt hatten und daß sie den Zer- Störern der Pflanzungen Eintritt gewühlt haben. Sie irren, Herr Berger. Der jüdische Arbeiter haßt seinen arabischen Kollegen nicht; er verlangt nur von dem Arbeitgeber sein Recht, und er kämpft nicht gegen den arabischen Arbeiter, sondern gegen den jfidisehen Arbeitgeber, der sein Recht nicht anerkennen will. Mit vorzüglicher Hochachtung Aba Lipinski (.Aus dem Hebräischen übersetzt) Nothmnls: Familienurkanden Berlin N 24, den• 22. Juni 1936 Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie, daß ich auch auf das Eingesandt von Herrn Rabbiner Dr. NeufcM, Elbing, in Nr. 49 der ״Jiid. Rundschau“ eingehe. Dr. Neufeld macht auf die Mitteilung eine- Lehrers auf• merksam, daß die um 1840 erfolgten Gehurten seiner Großeitern im Rheinland schon starrdesamtlich vermerkt seien, weil im Rheinland schon seit der napolconischen Zeit Standesämter bestanden haben sollen. Ich bemerke dazu. daß in Auswirkung der französischen Konstitution vom 14. 9. 1791 das Gesetz vom 18. 2. 1800 erging, wonach die Maires und ihre •Adjunkten mit der Füllrung der neuen Register betraut wurden. Diese Bestimmungen gingen in den Code civil über und bildeten die Grundlage für die Personenstands-Registrierung sowohl in Frankreich als auch für die Gebiete, in denen der Code civil galt, also vor allem für die preußische Rheinprovinz, die bajerische Rheinpfalz, Rh-in- Hessen und das Hessen-homburgische Oberamt Meisenheim. Ziviktandsregister aus der Zeit der franzö-is'hcn Okkupation haben sich auch im Hamburger Staatsarchiv erhalten (s. Eduard Heytienreich. Handbuch der praktischen Genealogie. Bd. 2, Leipzig 1913). Für die eben Irenannten Gebiete können also jüdi•״! ״: Petenten Personen- Mandsurkunden schon von der napoleomschtn Zeit her von den Standesämtern beziehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. J. Jacobson Anm. d. Red.: Wir glauben, daß die weitere Erörterung dieser Fragen in sachverständigen Kreisen fortgeführt utcr• den muß, und schließen deshalb unsererseits die Diskussion an dieser Stelle. Palästina-Kundgebung In Frankfurt a. M. Die Frankfurter Zionistische Vereinigung hatte anläßlich der Ereignisse in Palästina zu einer Kttntf gebung aufgerufen, der nahezu 1000 Menschen Folge leisteten, wahrend mehrere 100 Personen umkehren mußten. Dr. Hans Pomeranz sprach. Er schilderte die Haitung des Jisehuw, der ohne von der Gewalt Kenntnis zu nehmen, das Leben seinen Gang gehen lasse. Er zeichnete kritisch das Gesamtbild des Aufbaus in Stadt und Land und schilderte das Leben jenseits der Unruhen. Die Entwicklung der städtischen und der ländlichen Wirtschaft, des kulturellen Lebens, insbesondere aber auch die politischen Probleme des Landes wurden von ihm dargestellt und insbesondere auch die Leistung der Alijah aus Deirtschland gewürdigt, die in diesen Wochen zum ersten Male das Land von seiner schwersten Seite kenncnlernt. Er nahm das Ergebnis des Abends vorweg durch ein Wort Gordons, das er zitierte, ״Und wenn schwere Augenblicke kommen — und sie kommen sehr oft — und mm erhält schlimme, sinnlose, unerwartete Schläge, daß cs einem dunkel vor den Augen wird und man wie betäubt bleibt, da kommt einem die alte Aggadah in Erinnerung, und man denkt, daß es der Engel ist, der im Frühling mit einer Rute auf das Gräslein schlägt und ihm zuruft: ,Wachse‘!“ Rabbiner Dr. Hoff mann begann sein Referat mit einem zweifachen Gedenken. Er gedachte zunächst Nahum Sokolows und sodann der jüdischen Menschen, die in diesen Wochen für Erez Israel ihr Leben hillgeben mußten. Zum eigentlichen Thema übergehend, sprach er von vier Faktoren, die auf die Vorgänge in Erez Israel eine Antwort zu geben hätten und haben: Von der britischen Regierung, der Exekutive der Jewish Agency, dem jüdischen Jisehuw in Erez Israel und dem jüdischen Volk in der Diaspora. Nach einer Kritik an der Haltung der Mandatarmacht in den ersten Tagen der Unruhen, und nach Würdigung der festen und dabei disziplinierten Haltung des jüdischen Jisehuw sprach er eingehend voll der Antwort, die die Jüdische Oemcinschaft in der Diaspora auf die Vorgänge in Erez Israel zu geben habe. Unsere Antwort ist im ganzen Verlauf unserer Geschichte gegeben. Schwierigkeiten und Hemmnisse haben niemals vermocht, unsere Einsatzbereitschaft zu vermindern und unsere Tatkraft z« schwächen. Schwierigkeiten und Hemmnisse haben uns vielmehr immer stärker, entschlossener und opferbereiter gemacht und nun gar erst im Hinblick auf Erez Israel. Erez Israel ist nicht ein Weg neben anderen Wegen auch. Es ist der einzige Weg, der ins Freie führt. Sollten wir uns diesen einzigen Weg verbauen oder auch nur verengen lassen? Nicht als Eindringlinge kommen wir ins Land. Wir kommen kraft unseres historischen Rechts und unseres anerkannten Anspruchs, und wir wollen niemanden beherrschen und bedrücken. Unser Werk dient dein ganzen Lande und verhilft den ärmsten Fellachen zu besseren Lebensbedingungen. Wir kommen in das Land, in dem jeder Stein Denkmai ist für unsere unvergänglichen geschichtlichen Leistungen. Für uns kann es nur eine Antwort geben: Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln und vervielfachen, unsere ländlichen Siedlungen erweitern, unsere Positionen ausbauen und mehr Menschen nach Erez Israel bringen. Aber eine umfassende Forderung tritt an uns mit innerer und äußerer Notwendigkeit heran: Kommen •ollen wir ms Land, nicht nur gestützt auf die Balfwtrdeklaration, sondern auch gestützt auf ein um 3300 Jahre älteres Dokument. Kommen »ollen wir als Volk der Bibel, als Volk der Thora, als Volk, das an diese geschichtliche Vergangenheit anknüpft und das Land auf den Grundlagen aufbaut, die aus dem Lande Kanaan Erez Israel gemacht haben. Dies bedingt, daß im Lande der Thora die Thorakultur blüht und des Judentums Geist und Gesetz da» Leben gestaltet Viele *i'iid mit den religiösen Zuständen, wie sie äugen• blicklich im Lande herrschen, nicht zufrieden. Allein nur Leistungen berechtigen zu Forderungen, und nur Mitarbeit verschafft Einfluß. Das Nichtetun ist von keinem Standpunkt aus zu rechtfertigen. Bauen wir unser Land, bauen wir unsere Zukunft, Dr. Schloßberg zeigte einleitend, In wie ganz verschiedener Art das Judentum Deutschlands heute auf die Unruhen in Palästina reagiert, als noch vor wenigen Jahren bd entsprechendem Anlaß. Die tiefgreifende Veränderung der gesamten Lebensbedhvgungen des jüdischen Volk«! zeigte allen Juden die Notwendigkeit des Palästina-Aufbaus, Diese Notwendigkeit werde auch nicht dadurch eingeschränkt, daß Auswandcrungsmöglichkeften in andere Länder gesucht werden müßten und «ich b! gewissem Umfange auch böten. Die Wanderung fei andere Linder sei auch fen Hinblick auf Rillstina insofern zu begrüßen, als sie eine Sonderung der Mensehen gestatte, die für Palästina geeignet seien, und derer, die weder für sich noch für das Land durch eine Wanderung nach Palästina Segen .stifteten. Wir Zionisten haben uns niemals die großen Schwierigkeiten verheimlicht, die mit dem Palästina-Aufbau verbunden sind. Das vielleicht schwerste Problem, die Araberfrage, ist in den letzten Wochen in ein akutes Stadium getreten. Die Fronten, gegen die sich der arabische Angriff entscheidend richtet, sind England und das üaluth-Judcntutn. England ist aus verschiedenen Gründen an Palästina stärksten» interessiert. Wir werden als sein Bundesgenösse um so wertvoller, je stärker wir im Lande sind; um so mehr können wir aber auch der Mandatarmacht gegenüber unsere lebensnotwendigen Forderungen durchsetzen. Die Stärkung unserer Zahl und wirtschaftlichen Kraft in Palästina ist auch das beste Mittel, um die Araberfrage einer Lösung entgegen zu führen. Der jüdische Jisehuw weiß, daß es jetzt entscheidend darauf ankommt, allen Angriffen und Terrorakten zum Trotz, die Arbeit entschlossen weiterzuführen. Er tut es auch gerade für die Juden der Qaluth, für uns, denn wollte er sich bescheiden mit seinen eigenen Positionen und nicht den Raum offenhalten für weitere Entwicklung und neue Einwanderer, so könnte er morgen schon Ruhe haben. Die Leistungen des jisehuw sind nicht nur den* Juden und dem Lande, sondern auch den Arabern weitgehend zugute gekommen. Wir wollen niemanden unterdrücken, aber auch nicht unterdrückt werden. Der echte Kampf in Palästina erfordert «inn volle Opfer anders als in den Ländern der Galuth. Unsere Antwort auf die Ereignisse in Palästina kann nur bestehen in der Bekundung des unerschütterlichen Willens, den aus tiefster geschichtlicher Notwendigkeit besehrittenen Weg fortzusetzen. Die eindrucksvolle Veranstaltung wurde von Dr. P o m e - ranz mit dem Aufruf an die Anwesenden geschlossen, sich der Zionistischen Organisation anzuschließen, die heute von neuem einen Kampf um Erez Israel für das jüdische Volk führe. ANTWORTEN DER REDAKTION Dr. Jean Blumenthal, Berlin. Wir stimmen Ihnen ganz zu, wenn Sie sich gegen geschmacklose Heiratsinserate wenden. Besonders unerfreulich ist es, wenn Berufsbezeichnungen wie etwa die eines Rabbiners in Zusammenhang mit derartigen Gesuchen gebracht werden. Das in Nr. 49 besprochene Buch von Prof. Dr. Heinemann ״Altjüdische Ailegoristik“ ist im Verlage M. & H. Marcus in Breslau erschienen. Beatrice Waghalter beendete ihre Amerikareise mit großem Erfolg. Sie wurde ab Ende dieses Jahre» nach New York verpflichtet. Kundgebungen des Keren Hajessod WUPPERTAL Montag, den 29. Juni 1936, 20.30 Uhr In dar Synagoge Rabbiner Dr. Hugo HAHN, Essen Erez Jlsrael — heute Dr. Siegfried KANOWITZ, Tel-Aviv Krieg und Frieden — Schicksalstage in Palästina ORTSKOMITEE DER JEWISH AGENCY AUGSBURG Dionstag, den 30. Juni 1936, 20.18 Uhr in dar Synagoge, HaldorsiraD• 6 Anapraohan: 3u»tlzrat Dr. EUGEN STBAUSS Batirksrabbiner Dr. ERNST 3ACOB Dir. ADOLF UPPMANN Dr. Michael TRAUB, Berlin Palästina in diesen Tagen — Tatsachen und Probleme ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE / ORTSKOMITEE DER JEWISH AGENCY / ZIONISTISCHE ORTSGRUPPE