Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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29.6.1S36 cf Nr. 51 .׳> Jahrgang 41 Preis 25 Rpi. JÜDISCHE RUNDSCHAU Sdtflftleit1mg,Verlag n. An *tilgen Verwaltung! BerllnW 15, M«!neke«tr.lO Farnrufi Saminei - Nummer J 1 (Bismarck) 9031. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. — Postscheck ־ Konten der Vertriebs * Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag: und Freitag. BERLIN ו׳ תמוז תרצ״ו FREITAG, 26. JUNI 1936 GültigI Anzeigenpreisliste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm-Zeile 20 Rpf,, für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»- anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck . Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — ]8 Uhr. Annahmeschluß für d!o Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F rcita? - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das JQdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Auswandererschutz Vor der Genfer Regierungskonferenz W ochenschau Die Lage in Palästina — Charakter der arabischen Nationalbewegung — Palästina-Wirtschaft — Der Radomer Pogromprozeß — Zur Genfer Auswandererschutz-Konferenz Die Unterhausdebatte und insbesondere die Erklärungen des Britischen Kolonienministers über Palästina sind in der englischen Presse und darüber hinaus in zahlrcireichen Blättern der Welt günstig atifgenommen worden. Es wird vielfach betont, daß der Wille der englischen Regierung, ihr Prestige in Palästina zu wahren, aus dem Verlauf der Aussprache deutlich hervorgegangen ist. ln Palästina seihst sind inzwischen eine Reihe von M a 15 n a h in e 11 und A k t i o n c 11 durchgeführt worden, die in diese Richtung zu deuten scheinen. Es gelang dem britischen Militär, mehrere arabische Banden zu fassen und sie unter schweren Verlusten für die Aufständischen zu zersprengen. Ueberhaupt haben die arabischen Verluste, insbesondere in der Gegend von Tulkerem, in den letzten Tagen einen sehr erheblichen Umfang angenominell. Obwohl wieder Verordnungen erlassen wurden, die praktisch eine Verschärfung der Ausnahmegesetzgebung bedeuten, hat sich die Mandatsregierung doch noch nicht dazu entschließen können, das Kriegsrecht über das ganze Land zu verhängen. Man geht wohl in der Annähme nicht fehl, daß hierbei auch Gründe initspielen, die auf die wirtschaftliche Seite des Lebens in Palästina Bezug haben. Es ist nicht zuletzt mit Hilfe der großen Opferbereitschaft des Jisciuivv gelungen, das wirtschaftlichc Leben und den Verkehr einigermatten in Gang zu halten, und man müßte mit Recht befürchten, daß bei einer Verhängung des Kriegszustandes über das gesamte Land diese Bemühungen außerordentlieh erschwert würden. Andererseits verbietet die Situation, die erneut auch zu jüdischen Todesopfern geführt hat, jedes Zögern bei der Durchführung der militärischen und polizeilichen Abwehrmaßnahmen. Im arabischen Lager hat der innere Terror, der von den radikalen jugendlichen Kreisen ausgeübt wird, weiter zugenommen. Ohne Zweifel haben die offiziellen Repräsentanten der arabischen Seite die Herrschaft über ihre Anhänger weitgehend verloren und stehen selbst unter einem starken Druck der radikalisicrten Gruppen. Auch für die von der inoffiziellen arabischen Delegation in London angestrebten Verhandlungen bedeutet diese Situation naturgemäß eine außerordentliche Erschwerung. Es wäre allerdings falsch, w'ollte man auf jüdischer Seite glauben, daß die Bewegung im arabischen Lager einzig und allein mit den Mitteln des Terrors seitens einer geringfügigen Minorität aufrechterhalten wird. Gewiß sind die aktiven Elemente im arabischen Volke auch heute noch in der Minderzahl, und es gibt breite Schichten insbesondere unter der Landbevölkerung, die an einer ruhigen Entwicklung des Lebens im Lande interessiert sind. Demgegenüber aber steht fest, daß die Aktionen der Aktivisten und der Jugendgruppen auch bei anderen Schichten auf Sympathien stoßen und von ihnen gefördert werden. Die Tatsache, daß die Bewegung nunmehr bereits im dritten Monat fortgeführt wird, zeigt, daß sie von einem ins Gewicht fallenden Teil des arabischen Volkes getragen ist, und weist zugleich auf einen verhältnismäßig hoben Grad der Organisation der arabischen Natioiialbewegung hin. Obwohl es uns schwer fällt, eine Bewegung, die mit den Mitteln des blutigen Terrors arbeitet, als politischen Ausdruck eines Volkes zu betrachten, mit dem wir in einem Lande Zusammenleben müssen, und obwohl wir wissen, daß hunderttausende Araber persönlich mit dem Terror nichts zu tun haben, wäre es doch verfehlt, die Bedeutung dieser aktivistischen Bewegung zu unterschätzen, die nach dem Muster anderer im Orient gegen etiropäische Mächte geführter Bewegungen arbeitet. Sie steht durch ihre Aktivität heute in vorderster Linie des arabischen Lebens und kann daher nicht übersehen werden. Wir hoffen, daß es den gemäßigten Elementen im arabischen Lager gelingen wird, allmählich wieder die Zügel in die Hand zu bekommen, aber wir müssen doch zugleich feststellen, daß die jugendlichen Kreise, die heute im arabischen Lager den Ton angeben, für die Zukunft der Bewegung und damit auch der jüdisch-arabisehen Beziehungen von größter Bedeutung sind. Inzwischen sind Schätzungen darüber bekannt geworden, wie hoch der unmittelbare wirtschaftliche Genf, 22. Juni. (JTA.) Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen werden an der am 2. Juli lüih in ( i e 11 f zusamincntrctcndcn R e g i c r u 11 g s k o 11 f e r e ח z zur Lest- Setzung des Kechtsstatus aus Deutschland Ausgewanderter Vertreter und Beobachter von etwa zwanzig Regierungen europäischer und einiger überseeischer Staaten teilnelunen. Im Mittelpunkt der Beratungen der Konferenz wird die Ausarbeitung — und, wie angenommen wird, die sofortige Unterzeichnung■ — eines provisorischen Abkommens über den k e c 111 s s t;1111 s der aus Deutschland a u s g e w a n d e r t e 11 P e r.s o 11 e n stehen. Auf (!rund dieses vorläufigen Abkommens, das bis zur Unterzeichnung cinci endgültigen internationalen Konvention in Kraft bleiben soll, würde auf dem Wege administrativer Maßnahmen den aus Deutschland Ausgewanderten von den Regierungen der Länder, in denen sie sich augenblicklich befinden, ein zunächst für ein Jahr gültiges und dann zu erneuerndes Zionistische Beratung in Jerusalem Eine Beratung der in Palästina ansässigen M i t g I i c d e r des Zionistischen A k t i o 11 s - C o m i t e s fand an! 22. 6. unter dem Vorsitz von U s s i sc h k i n in Jerusalem statt. In seiner Eröffnungsrede gedachte IJssischkin zunächst der jüdischen Opfer der Unruhen sowie der nichljüdischen Soldaten lind Polizisten, die hei der Verteidigung des Jisdiuw und des Landfriedens ums Lehen kamen, und sprach bewegt über den schweren Verlust, den die Bewegung durch den Heimgang S o k o! o w s erlitten hat. Ferner erklärte Ussischkin, daß angcsichts der Unmöglichkeit, eine Volltagtnig des Aktions- Comites im gegenwärtigen Zeitpunkt abzuhaltcn, die Exekutive sich entschlossen habe, die in Palästina wohnhaften Mitglieder zwecks Informierung und Beratung zu einer Sitzung cinzuberufen, während die in der Diaspora ansässigen Mitglieder eine ähnliche Sitzung in London ablialten werden. Schertok erstattete einen ausführlichen Bericht über die Lage und die politische Tätigkeit der Exekutive in London tind Jerusalem. Er verurteilte die Haltung der Regierung gegeuüber dem arabischen Streik, ihre Saumseligkeit in der Ergreifung von Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen, sowie ihre unentschlossene Politik gegenüber den arabischen Führern. Zum Schluß wies Schertok auf die (}(.'fahren hin, die das jüdische Werk i!1 der Zukunft bedrohen, und auf das Vorhandensein restriktiver Tendenzen, die sich bereits vor den Unruhen bemerkbar machten. F.s folgte die G e n e r a 111 e b a 11 e, an der sich Lichtheim, Suprasky, Rabbi Gold, Rabbi Berlin, Mossinson, Bogratsehew, Dr. Bernstein und Ussischkin beteiligten. In der Nachmittags- Sitzung sprachen Chasan, Berl Katznelson und Schragai. Scher- Schaden ist, der durch die Vernichtung jüdischen Besitzes in Palästina in den vergangenen Wochen entstunden ist. Die genannten Zahlen sind sehr erheblich, und es muß die bereits früher ausgesprochene Erwartung wiederholt werden, daß die Regierung, die dazu durchaus in der Lage ist, diese Schäden ersetzt. Damit ist allerdings die Fülle der Probleme, die durch die Unruhen auf wirtschaftlichem Gebiete aufgeworfen sind, noch nicht erschöpft. Die Frage der endgültigen Unterbringung der in Tel-Awiw, Jerusalem und Haifa vorhandenen jüd i s c 11 0 ־ r i e n t a 1 i s c h e 11 F1 ü c h 11 i 11 g e, die mit dein Problem ihrer ökonomischen Produktivierung verbunden ist, erscheint vordringlich, da sie täglich jedem vor Augen steht. Weiterhin werden wir uns über die Fragen, die mit der Einordnung der neuen Alijah und insbesondere mit dem Ausbau unserer landwirtschaftlichen Siedlungen Zusammenhängen, in den nächsten Monaten intensiv zu beschäftigen haben. Es gilt, auch unter den gegenwärtigen Umständen das private Kapital weiter z u ermutigen und es zur Anlage in produktiven Werten in Palästina zu veranlassen. Daneben muß das jüdische Volk in seiner Gesamtheit aufgerufen werden, die großen nationalen Mittel zur Verfügung zu stellen, die in der kommenden Periode mehr denn je erforderlich sein werden, um den Fortgang und die Erweiterung der jüdischen Arbeit in Palästina zu sichern. * Wenden wir unsere Blicke nach Polen, so sehen wir ein Bild, das gewiß aus den letzten Monaten beinahe schon gewohnt erscheint, aber immer wieder erschüttert. Oie Reihe der judenfcindlichcn Ausschreit u ngen reißt nicht ab und führt zu immer neuen Verlusten. Indessen rollt vor unseren Augen in Radom ein Prozeß ab, der wegen des furchtbaren Pogroms von Przyt v k geführt wird. Auf der Anklagebank sitzen nicht allein diejenigen, die den Pogrom veranstalteten, sondern auch I (1 c 11 t i t ä t s z 0 r t i f i k a t ausgeh,imligf werden. Dieses Zertifikat würde als provisorischer Paß dienen; seinem lnhabe!־ konnten Ausreise- und Kuckm.sevKa erteilt werden. * Unser Pariser K-Benchtersfutter sehruht uns; 111 Paris ist in diesen Tagen die 1 11 t e r 11 a G 0 n ,1 I e K o!1 f e 1־ e 11 / f u r d a s A s \ I r e c h l ziis.immciigctreH'n. Das Ziel dieser Konferenz war, für das Problem der Rcfugies verschiedener Herkunft eine internationale l.ösmig zu finden. Die Konferenz hat einen Umschlag für eine Regelung der internationalen Rechl.-stellung der Rcfugies angenommen, der der Konferenz, der Regierungen, die am 2. Juli in Genf zusammentreten soll, vo! gelegt werden wird. Die (׳nn->er Konferenz schlägt namentlich die Ausdehnung der Rechte des 1 loehkoinniissais f!11־ die Lmigranieii aus i)et11-.el1l.1mi am 11 auf die Emigration aus anderen I.andern vor. Sie empfiehlt weiter die Schaffung von IlilüfomU für die l hiU rsiiit/ung der Flüchtlinge bis zu ihrer Einordnung in die Wirtschaft ihres Gastlandes. fok beantwortete eine Ruhe von Fragen. Es wurde beschlossen, die Ergebnisse cier Sitzung zu veröffentlichen; mit der Redaktion des Textes wurde ein Ausschuß betraut, m dem sämtliche Parteien vertreten sind. In der Abendsii/uiig drückten Redner sämtlicher P.irteien ihre Zufriedenheit m i t der Politik de r E x e k 11 - t i v e ans. Eine Sondersitzung der palästinensischen Mitglieder des A.-G., weiche wirtschaftlichen Frag e n gewidmet sein soll, wird am 1. Juli stattfinden. (Palcor.) A.-C.-Sitzung im August Die Exekutive der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation beabsichtigt, eine Tagung des Aktions- C o m 11 d s und des Administrative Committee der Jewish Agency für August einzuberufen. Ort und Datum werden später angekündigt werden. (Palcor) Araberdelegation im Colonial Office London, 2j. Juni. (JTA.) Die von Dsehcmal linss e i 11 i geführte p a I ä s t i n e 1! s! s e h - a r a bische Abordnting hat dem Unterstaatssekrchir 1m Colonial Office Sir John M affe v einen Besuch abgcstallcf. Wie ״Daily I lerald" berichtet, gab ('er l nuerstaaissekretar der Abordnung auf ihre Forderungen eine Antwort im Sinne der Erklärung des Koionieninimsici's ()rmshv Gore im Unterhaus. Die Milgheder der Abordnung erklärten daraufhin, der Araberstreik in P a I a s t i n a w e 1׳ d e fort g e s e t / t w e r - den, bis die jüdische Einwanderung eingestellt sei. zahlreiche Juden, und zwar wegen ihrer Teilnahme an der Abwehr der Exzesse. Von seiten der polnischen Angeklagten und ihrer national-demokratischen Verteidiger wird dabei die These verfochten, daß es sich nicht um einen Judenpogrom handelte, sondern daß die Juden d i e p o!nisch e n B a u e r n ü b e r f 11 ח e 11 h a 11 e n. Zugleich wird die Verteidigung zu einer heftigen nntijüdischen Aktion bemit/t, die sich insbesondere gegen die Glaubwürdigkeit jüdischer Zeugen wegen ihrer Verbaudenheit mit dem Talmud richtet. Der Ausgang des Prozesses steht noch dahin. Dal! die Behauptung, die Juden hätten den Pogrom selbst ins/euiert, der zu so furchtbaren Verlusten für sie führte, absurd ist, liegt auf der Hand. Darüber hinaus bestellt das Problem, ob es den Juden gestattet bleibt, sich zu verteidigen, wenn sie überfallen werden. Nach den Angaben der Juden von Przytyk hat dort kein organisierter Selbstschutz bestanden, und es handelte sich um spontane Akte der Abwehr seitens derer, die in ihren Häusern und Wohnungen überfallen wurden. Gewiß erhebt sich bei derartigen Vorfällen stets die Frage, bis zu welchen Grenzen die Notwehr gehen kann; dieses eiem entare Recht selbst wird man jedoch keinem Mensehen abstreiten können, auch nicht den so gefährdeten Juden zahlreicher kleiner Städte Polens. * Diese Vorgänge — und in den letzten Tagen auch Meldungen über schwere antisemitische Ausschreitungen in R u in ä n i e 11 — beleuchten erneut das große Problem der jüdischen Zukunft. Weite Teile des europäischen Judentums in vielen Ländern leben in einer Sackgasse, und sie wissen, daß es für sie Hoffnung nur dann gibt, wenn sie den Weg in andere Länder finden können. Die Frage der jüdischen Eimigration ist das zentrale Problem des jüdischen Schicksals, und sie hat auch für