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Jüdische Rundschau · 1936-06-23 · Heft 50 (23.6.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 50 (23.6.1936)
Date
1936-06-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jüdische Rundschau PALÄSTINA-BLATT Nr. 50, 23. JUNI 1936 Weiter Unruhen Jerusalem, 17. Jun!. (Palcor) Kleinere Zwischenfälle Wegelagerer schossen aus dem Hinterhalt auf eine britische Polizeipatrouille in der Nähe von Jaffa; die Polizei erwiderte das Feuer. Ein Araber wurde getötet, die anderen ergriffen die Flucht. Im Haifaer Rathaus wurde heute abend eine Bombe zur Explosion gebracht. Eine Person erlitt leichte Verletzungen; eine Mauer sowie die Fensterscheiben wurden beschädigt. Die Behörden schlossen den Konferenzraum des arabischen Streikkomitees in Jerusalem. Das Erziehungs-Dcpartement der Regierung schloß zwei Schulen in Bethlehem, nachdem seine Aufforderung an die Eltern, die Kinder zur Schule zu schicken, unbeachtet blieb. Die Oedächtnisgottesdienste für die anläßlich der Unruhen von 1929 hingerichteten Araber in den Moscheen zu Jerusalem und Jaffa verliefen ohne Zwischenfälle. Jerusalem, 18. Juni, (palcor) Nächtliche Ueberfälle Während der Nacht wurden auf Mischmar Haemek, Afuleh, Ramat-Hakovcsch, Menahemia, Herut und Mkor-Chaim Schüsse abgegeben. In jedem Falle wurde der Angriff durch jüdische Wächter zurückgeschlagen. Das Oberrabbinat hat für den 22. Juni einen Fasttag angesetzt, an dem Sondergottesdienste für die Befriedung des Landes abgehalten werden sollen. Als erste Spende für den Fonds für konstruktive Hilfeleistung an die Opfer der Unruhen ist von der Agrobank in Tel-Awiw der Betrag von £ 500 gezeichnet worden. Kollektivstrafen Die ״Officia! Gazette“ gibt bekannt, daß eine Anzahl arabischer Dörfer in den Bezirken von Ramleh und Gaza mit Kollektiv strafen belegt worden sind. Das Dorf Kabatia bei Dschenin wurde mit einer Geldstrafe von £ 150, zahlbar binnen 48 Stunden, belegt; den Anlaß dazu bot die Ausrodung von Bäumen in jüdischen Orangerien. Die Jaffaer Altstadt-Sanierung In der Altstadt von Jaffa wurden heute vormittag 20 Häuser in die Luft gesprengt; das Geräusch der Explosionen konnte bis nach Tel-Awiw gehört werden. Unter den niedergerissenen Häusern befindet sich auch eine Synagoge, die seit den Unruhen von 1929 nicht mehr benutzt worden war; die Thorarollen sind noch gestern aus der Synagoge I_fortgebracht worden. Jüdische Arbeiter wurden bestellt, um die Trümmer der Häuser wegzuräumen. Militärwachen auf Lastautos patrouillieren durch die Straßen. Im Hafen von Jaffa ist gestern ein Kriegsschiff stationiert worden, von dem aus die Altstadt nachts mit Scheinwerfern beleuchtet wurde. In den Straßen von Jaffa herrscht Ruhe, mit Ausnahme der Ajjami-Straße, wo Ansammlungen von Arabern durch Militär auseinandergetrieben wurden. Im allgemeinen ist es in Jaffa seit Ausbruch der Unruhen am 19. April bedeutend ruhiger geworden; prominente Persönlichkeiten unter den Arabern betonen, daß der heutige Tag ein Beweis dafür sei, <faß bei gutem Willen der Regierung Ruhe und Ordnung aufrechterhalten werden können. Verhaftete Araber Eingehende Untersuchungen über den Brand im Lufthafen von Ludd haben zu der Verhaftung von zehn Arabern in einem anliegenden Dorf geführt, das eine Kollektivstrafe zu erwarten hat. Bei einem Versuch, die Brücke in Nablus in die Luft zu sprengen, wurden gestern nacht zwei Araber aus Nablus schwer verwundet und ins Spital eingeliefert. Nach Meldungen in der arabischen Presse wurden bei Rantiah bei einer Waffensuchung zwei Araber getötet. Zwei Araber, die auf Mosche Misrachi in Rischonle-Zion geschossen haben, wurden heute vor Gericht gebracht. Eine ergebnisreiche Haussuchung Wie ״Palcor“ erfährt, wurde gestern im Hause von Fahri Bey Nashashibi eine Durchsuchung vorgenommen, bei der ein Revolver und 600 Kugeln gefunden wurden. Ferner entdeckte man wichtige Dokumente, welche möglicherweise Hinweise auf etwaige Beziehungen Nashashibis zum Ausland enthalten. Fahri Bey Nashashibi, der sich gegenwärtig, nach seiner Verbannung in Aujat-el-Hafir, im Krankenhaus in Berseba befindet, war Sekretär der Jerusalemer Stadt- Verwaltung, als Rahib Bey Nashashibi Bürgermeister von Jeru- Salem war. Anschlag auf Autobus — ein jüdischer Toter Auf einen nach Tel-Awiw fahrenden Autobus wurde heute nachmittag bei Mikweh Israel ein Bombena n s c h i a g verübt. Die Bombe wurde aus einer arabischen Orangerie geschleudert, flog In den Autobus und explodierte im Schoß von Israel Schpater, dem 28jährigen Leiter der Lampenfabrik ״Leviathan“. Schpater starb nach wenigen Minuten. Der 34jährige Simon Blatt wurde schwer verwundet, während ein weiterer Fahrjast leichte Verletzungen erlitt; sie wurden ins Hadassah-Krankenhaus in Tel-Awiw eingeliefert. Polizei und Militär mit Tanks durchsuchten die Gegend, ohne Spuren der Täter zu finden. Tanks zerstörten mehrere Baracken und ein kleines Gebäude in der Orangerie, aus weicher die Bombe geschleudert wurde. Untersuchung der Jerusalemer Bombenattentate Schabtai Mordechai, der im Zusammenhang mit dem ersten Bombenanschlag heim Jaffa-Tor verhaftet wurde, wurde heute den durch die Explosion verletzten Arabern zusammen mit mehreren gleichgckleideten Männern vorgeführt. Es verlautet, daß er von den Arabern nicht als der Täter erkannt wurde. Die zwei Juden aus Kurdestan, welche im Zusammenhang mit dem zweiten Bombenanschlag an derselben Stelle verhaftet wurden, sind für eine weitere Woche in Haft behalten worden. Aus der Jerusalemer Stadtverwaltung Der Stadtrat von Jerusalem hielt heute nachmittag eine Sitzung ab. Anwesend waren der Bürgermeister Hussein Khaldi sowie sechs jüdische Räte; die arabischen Mitglieder des Stadtrats nahmen an der Sitzung nicht teil. Auf der Tages- Ordnung, welche vom Bürgermeister aufgestellt worden war, standen nur Punkte von minderer Bedeutung, während dringende Probleme, die der sofortigen Erledigung harren, unerwähnt blieben. Eine Aenderung der Tagesordnung konnte durch die jüdischen Mitglieder allein nicht vorgenommen werden, da solche Aenderungen eine »/:* Mehrheit zur Voraus- Setzung haben müssen. Dank diesem Manöver ist Khaldi gleichzeitig seiner Verpflichtung gegenüber den Juden und der Regierung durch Abhaltung einer Sitzung und gegenüber den Arabern durch Ignorierung von Problemen von größter Wichtigkeit nachgekömmen. "Die jüdischen Stadträte werden sich bei der Regierung über Khaldis Vorgehen beschweren. Jerusalem, 18. Juni. (JTA) Geschäfte in Haifa wieder geöffnet Am 18. Juni sind in Haifa auf Grund des von der Regierung gestellten Ultimatums zahlreiche arabische Geschäfte wieder geöffnet worden. Die Polizei hat ein Verzeichnis derjenigen Kauflcute angelegt, die dem Befehl zur Wiedereröffnung der Läden nicht Folge geleistet haben. Gegen diese Kaufleute wird ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden. Auch arabische Restaurants und Cafes am Alten Markt in Haifa, welche seit Beginn des Streiks geschlossen waren, haben auf Befehl der Behörden den Betrieb wieder aufgenommen. Jerusalem, 19. Juni. (Palcor) Unruhige Nacht Während der Nacht kam es zu erneuten Schießereien in verschiedenen jüdischen Siedlungen. In Chugim wurde einer der arabischen Angreifer verletzt. Auf das Hadassah-Krankenhaus in Safed wurden Schüsse abgefeuert, welche niemanden trafen. Auf Bnei Brak wurden aus einer anliegenden arabischen Orangerie Schüsse abgegeben; eine Militärpatrouille, welche gerade vorbeikam, erwiderte das Feuer. Bei Raselein wurde eine Militärpatrouille angeschossen; e$ folgte ein regelrechtes Scharmützel. Der Eisenbahnkörper bei Tulkerem wurde zum viertentnal beschädigt; ein Wagen, in dem sich die Militärwache befand, entgleiste; verletzt wurde niemand. In einer jüdischen Orangerie in Ekron wurden auf einer Fläche von 25 Dunam Bäume vernichtet; die Spuren der Täter werden verfolgt. Auf den Oberwächter von Kfar Saba wurden aus einer arabischen Orangerie Schüsse abgegeben, welche ihn leicht am Bein verletzten. In Kfar Saba ist Militär eingetroffen. Das arabische Dorf Yczur, von dem aus der Bombenanschlag auf einen Autobus erfolgte, dem ein Jude zum Opfer fiel, wurde mit einer Kollektivstrafe belegt. Wie verlaufet, wurde das Dorf heute vormittag von einer Truppenabteilung umzingelt, während Haussuchungen durchgeführt wurden. Die Dorfältesten wurden verwarnt und darauf hingewiesen, <!aß im Wiederholungsfälle die schärfsten Maßnahmen ergriffen würden. Weiter wird gemeldet, daß zur Eintreibung der Kollektivstrafe Vieh und Schafe der Bewohner beschlagnahmt wurden. Jerusalem, 20. Juni. (Palcor) Zahlreiche Zwischenfälle In der vergangenen Nacht wurden wieder verschiedentlieh Angriffe auf jüdische Siedlungen verübt. Auf Karkar wurden von drei Seiten Schüsse abgegeben; Polizei erwiderte das Feuer und verjagte die Angreifer. Auf Beth Alpha wurde von den Bergen aus geschossen; eine Militärpatrouille erwiderte das Feuer mit Maschinengewehren, ein Kriegsflugzeug überflog das Gebiet und leuchtete die Umgebung mit Raketen ab. Man nimmt an, daß die Angreifer Verluste zu beklagen haben. Bei einem Versuch, einen Waldbrand in Atarot zu löschen, wurden Wächter von den Brandstiftern mit Schüssen überfallen. Die Wächter erwiderten das Feuer und verjagten die Angreifer. Schüsse wurden ferner auf Beer Jaakow und Gedera abgegeben, wo jüdische Wächter und Militär das Feuer erwiderten. Bei einem Ucberfall in Mesha in Galiläa, wo ■den Kolonisten 100 Schafe gestohlen wurden, wurde ein arabischer Schafhirt verwundet. Britisches Militär in Palästina Ein militärisches Zeltlager in Bath Galim hei Haifa Foto: Z««w Pi tick In Hebron wurden mehrere Araber, die Schüsse auf Militär abgegeben hatten, verhaftet. Das amtliche Communique vom Nachmittag berichtet über die leichte Verwundung eines englischen Soldaten bei einem Kugclwechsel mit Arabern auf der Chaussee von Nablus; zwei weitere Soldaten wurden durch ein umstürzendes Militärlastauto auf der gleichen Chaussee verletzt. In Ruhama, der südlichsten jüdischen Kolonie, die während der Unruhen von 1929 zerstört und dann wieder neu angelegt wurde, ist ein Schuppen mit Maschinen niedergebrannt. Aut Eisenbahnschaffner von Personenzügen wurden bei Kalkilia Schüsse abgegeben, ohne daß jemand verletzt wurde. In einem arabischen Dorf bei Haifa, das die Zahlung der Strafkosten für eine Polizeistation verweigert hatte, wurde Gefreide beschlagnahmt. Das Kinderheim der Wizo in Talpioth wurde angezündet; der Wächter, dem Militär aus dem nahen Lager zu Hilfe kam, löschte das Feuer. Unglücksfälle Elieser Li es er, ein Mitglied des Kibbuz Ramat Ha• kowesch, wurde durch einen unglücklichen Zufall getötet, als der jüdische Wächter in einer Orangerie in Kfar Saba einen Schuß auf ihn abfeuerte, nachdem I.ieser, der nicht genügend Hebräisch verstand, auf dreimal wiederholte Aufforderung nicht stehen blieb, Lieser, der 2) Jahre alt war, kam erst vor zwei Monaten aus Luxemburg nach Palästina. Ein zweiter Unglückstall ereignete sich in Migdal. Araber überfielen einen jüdischen Wächter in der Nähe der Siedlung und versuchten ihn zu entwaffnen. Der Wächter rief um Hilfe, worauf der 15jährige Pinohas Jino herbeieilte; während des Kampfes entlud sich das Gewehr und verwundete den Knaben am Bein. Die Araber flohen. Jino, an dem eine Operation vorgenommen wurde, ist außer Gefahr. Beschädigung der Jerusalemer Wasserleitung Das amtliche Commiinique vom Abend berichtet über eine Beschädigung einer Brücke durch Sprengung an der Jericho-Straße. Zu einer Beschädigung der Jerusalemer Wasserleitung wird gemeldet, daß Polizeihunde die Spuren der Täter bis zum Dorfe Saris verfolgten, wo lnstrumente gefunden wurden; 20 der Dorfbewohner wurden zur Ausbesserung des Schadens herangezogen. Zwei jüdischen Hilfspolizisten in Ness-Ziona wurden die Gewehre gestohlen; während der darauffolgenden Untersuchung wurde ein Araber verhaftet. Verbannungen Der vom arabischen Obersten Komitee an Stelle des verbannten Auni Abdel Hadi zum Sekretär des Komitees ernannte Izzat-Darwaza wurde ebenfalls nach Safafend verbannt; desgleichen Taher Futiani, Beamter des Obersten Moslemischen Rats und Sekretär des Büros des Moslemischen Kongresses. Neue Ausnahme-Verordnung Die heutige ״Officia! Gazette“ veröffentlicht eine neue Ausnahmeverordnung, wonach Personen, welche Feuerwaffen, Handgranaten, Sprengstoff oder Brandmaterial besitzen, sich einer lebenslänglichen Gefängnis• strafe aussetzen. Jerusalem, 21. Juni. (Palcor) Angriffe auf Siedlungen Während der Nacht wurde in Reehobotli sowie in mehr®• ren Vorstädten von Tel-Awiw geschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und durchsuchte später arabische Orangerieri, aus denen die Schüsse vermutlich abgefeuert wurden; Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Auch auf andere jüdische Siedlungen wurde geschossen; in jedem Falle konnten die Wächter die Angriffe abwehren. Jerusalem, 22. Juni, 14 Uhr. (JTA.) Schüsse gegen die Universität Gegen die Hebräische Universität auf dem Skopusberg sind am Montag vormittag Schlisse abgegeben worden. Das Feuer wurde von Polizei erwidert. In der Altstadt von Jerusalem explodierte eine Bombe, ohne Schaden anzurichten. Arabische Terrorbande gefangen Am Sonntag ist es einer Abteilung der Seaforth Highianders gelungen, auf dem Berg Ebal bei Nablus eine arabische Terroristenbande nach einem Kampf gefangenzunehmen. Damit ist zum erstenmal von den Truppen erfolgreich die Offensive gegen die arabischen Banden unternommen worden. Schwerer Kampf bei Nur el Shem In der Nähe von Nur el Shem wurde eilte englische Eskorte am Sonntag von einer etwa 70 Mann starken arabischen Bande aus dein Hinterhalt überfallen. In dem Kampfe wurden drei Mann des Kgl. Schottischen Füsilierregiments verwundet, zwei von ihnen schwer. Der Sergeant Henry Sills vom ersten Bataillon der Seaforth Highianders ist später seinen Verletzungen erlegen, im Laufe der Nacht starbein zweiter englischer Verwundeter. Auf seiten der Araber sind über zehn Mann gefal- Icn. Zur Verstärkung waren zunächst Abteilungen der Seaforth Highlanders herangeozgen, später griffen auch Flugzeuge mit Maschinengewehrfeuer ein. Die Bande wurde in zwei Teile gesprengt, von denen der kleinere nach Norden, der größere nach Süden entfloh. Montag morgen wurden die Kämpfe zwischen dem Militär und den Rebellen wieder auf genommen. An der Verfoigung der flüchtenden Araber beteiligten sich abermals Flugzeuge. Es ist anzunehmen, daß die Araber schwere Ver-

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