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Jüdische Rundschau · 1936-06-19 · Heft 49 (19.6.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 49 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PAIÄSTIKIÄ-BLATT Nr. 49, 19. JUNI,1?36 4 Zur Lase Ruhigere Tage Die letzten Tage haben in Palästina eine gewisse Entspannung der Situation ,gebracht. Obwohl insbesondere in den Nächten noch zahlreiche Schüsse, Ueberfälle, Baumfrevel usw. vorgekommen sind, waren die ersten Tage dieser Woche doch frei von größeren Aktionen der arabischen Seite. Die Regierung hat eine Anzahl von weiteren Maßnahmen ergriffen, um die Ruhe wieder herzustellen. So wurden einige besonders unübersichtliche Straßen der Altstadt von Jaffa evakuiert und werden niedergerissen, um die polizeilichen Maßnahmen besser durchführen zu können. Der Distriktskommissar von Haifa hat verfügt, daß arabische Läden in wichtigen Straßen der Stadt wieder geöffnet werden müssen. Einige arabische Stadträte wurden in Haifa ihres Amtes enthoben, weil sie sich weigerten, den Befehlen der Regierung nachzukommen. Es hat den Anschein, daß der arabische Bürgermeister von Haifa, der äugenblicklich nicht im Lande weilt, seine loyale Haltung der Regierung gegenüber weiter beibehalten wird. An der politischen Front hat es im englischen Unterhaus wieder einige Fragestellungen über Paliistina gegeben. Der Kolonialminister Ormsby-Oo rc lehnte es ab, eine Analyse der Situation in Palästina zu geben, und verwies auf die geplante Untersuchungs- Kommission. Er betonte erneut, daß die Voraussetzung für die Tätigkeit dieser Kommission die Wiedcrhcrstcllung von Gesetz und Ordnung in Palästina ist. Auf eine weitere Anfrage erklärte der Minister deutlich, daß die arabischen Unruhen nicht darauf zurückzuführen seien, daß Araber von ihrem Boden verdrängt wurden. Es ist wichtig, gerade auf diese Stellungnahme hinzuweisen, weil bekanntlich bei den Untersuchungen nach den Unruhen von 1929 dieses Argument eine besondere Rolle spielte. Im übrigen ist eine grundsätzliche Aussprache im Unterhaus, wie war bereits meldeten, angekündigt worden. Für das Nachbarland Palästinas, Syrien, hat sich eine neue Situation ergeben. Die französische Regierung hat den Beschluß gefaßt, Syrien grundsätzlich als u n ־ abhängig anzu erkennen und die Aufnahme von Syrien und Libanon unter dem Namen ״Levante- Staaten“ in den Völkerbund zu beantragen. Obwohl damit noch nicht alle Probleme im französisch-syrischen Verhältnis bereinigt sind, kommt diesem Entschluß doch 1 weittragende Bedeutung zu, da er die Hauptforderung j der syrischen Nationalisten befriedigt. Syrien und Libanon treten als neues Staatengcbilde in die Welt des Vorderen Orients ein und schließen damit im gewissen Sinne den Ring der Länder um Palästina, die ein erheb- Hohes Maß von Unabhängigkeit bereits erlangt haben. Es ist interessant, daß in Pressestimmen aus Aegypten, die wir heute an anderer Stelle zitieren, u. a. darauf hingewiesen wird, daß der jüngst von Dr. Weizmann veröffentlichte Text des Abkommens zwischen ihm und Emir Feisal vom Jahre 1919 auch jetzt noch Bedeutung für die Gestaltung der jüdisch-arabischen Beziehungen Jerusalem, 15. Juni, (Palcor) Schüsse auf Siedlungen Während der Nacht wurde auf die Siedlungen Mischmar liaemek, (iiwat Brenner, Einvered, Scharon, Ekron, Mcnachemia, sowie Misclimar-Hajardcn geschossen, in samtliehen Siedlungen wurden die Angreifer durch das Feuer der jüdischen Wächter znrikkgeschlagen. Das abendliche Communique berichtet über folgende Vorfälle: Streit zwischen zwei Arabern im Dorfe jobna, welcher den Tod eines von ihnen und die Verhaftung des anderen zur Folge hatte; die Sprengung eines Teils der Jerusalemer Wasserleitung bei Latrun; die Ausrodung von 200 Bäumen und die Zerstörung der Wasserpumpe in Tel- Mond mit darauffolgendem Kugchvechsel zwischen den Angreifen! und Wächtern. Ferner wird mitgcteilt, daß die Bombe, welche auf das Polizeirevier in Jaffa geschleudert wurde, zur Explosion kam und einen englischen Soldaten leicht an der Hand verletzte. Zum erstenmal sah man wieder in der Ben Jehuda- Straße und anderen jüdischen Hauptstraßen in Jerusalem Araber in friedlichem Geschäftsverkehr mit Juden wie in trüberen Zeiten. ln Jaffa haben die Terroristen ihre Einschüchterungs- Politik gegen wohlhabende Araber, welche ihrer Meinung nach nicht genügend hohe Beiträge zum Streikfonds leisten, intensiviert. Heute wurden mehrere Araber in den Straßen von Jaffa überfallen und geschlagen. Die Regierung hat das revis'׳ •i li ehe Wochenblatt ״H a y a r d e!1“ fiir einen Monat verboten. Die Verteilung der Truppen Die Paliistinarcgierung gibt die Verteilung der jetzt in Palästina stationierten acht I 1! f a n - tcriebataillone bekannt. Das erste Bataillon des Lancashire-Rcgiments ist in Haifa, Nazareth, Atlit, Sichren Jaakow und Chcdera untergebraclit; das erste Bataillon des York- und Lancaster-Regiments steht in Nazareth, Safed. Rosch Pina und Afulc; die Seaforth Highlanders sind in Nahlus, Tulkerem und Dschenin stationiert; das zweite Bataillon des Bedfordshire- und Hertfordshire-Regiments ist in Jerusalem einquartiert, wo auch das zweite Bataillon des Dorset-Regiments steht; die Camcron Flighlanders sind auf Jerusalem, Hebron und Ramaliah verteilt; die Kgl. Schottischen Füsiliere stehen in Sarafend, Jaffa, Ramehl und Gaza, das zweite Bataillon des Cheshire-Regiments in Sarafend und Haifa. Verurteilte Araber Das Gericht in Haifa hat heute einen Araber wegen Besitzes einer Bombe zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein lSjähriger Araber wurde ebenfalls wegen Besitzes einer Bombe zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt. Heute nachmittag wurde ein Araber am Bahnhof von Raselain verhaftet; in seinem Besitz fand man zwei Revolver. haben könnte, falls Syrien und Aegypten ihre nationalen Forderungen gewährt bekommen. Ohne Zweifel werden die politischen Entwicklungen, die in den Nachbarländern Palästinas vor sich gehen, auch für Palästina selbst nicht ohne Einfluß bleiben, und wir müssen daher auf diese Vorgänge unsere volle Aufmerksamkeit richten. Aus dem Haifaer Stadtrat Acht ara' ‘•־־he Mitglieder des Stadtrats von Haifa, welche vor zehn Tagen erklärt hatten, ab 15. Juni ihr Amt niederlcgen zu wollen, falls bis dahin die arabischen Forderungen nicht erfüllt werden, werden von heute an von der Regierung als abgesetzt betrachtet. Dem neuen Stadtrat gehören vier Juden, von denen einer Vi/evorsit/emler ist, drei Engländer und zwei Araber an, zu denen noch der bisherige Bürgermeister Hassan S c h u k r i Bey als Vorsitzender hinzukommt. Schukri hält sich gegenwärtig im Libanon auf; an seiner Stelle amtiert Vizebürgermeister Lcvi. Das Konzentrationslager Die in Auja-el-Hafir internierten Araber wurden heute in das neue Konzentrationslager in Sarafend überfuhrt. S rotz stürmischer Proteste seitens der Araber erfolgte ihre Behörderung in jüdischen Autos. Jüdische Polizisten 15 Juden wurden in die Poli/eisehule zur Ausbildung aufgenommen. 30 weitere Juden wurden als Hilfspolizisten im Jerusalemer Bezirk eingestellt. Jerusalem, 16. Juni. (Palcor) Tod eines Juden Jakob Gerson, der am 14. Juni während des lieberfalls bei Moza verwundete Chauffeur, starb heute früh im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem. Durch seinen Tod erhöht sich die Anzahl der seit dem 19. April geladenen Juden auf 29. Gerson, der 21 Jahre alt war, kam vor vier Jahren nach Palästina. Er stammte aus Riga. Kugelwechsel Im Laufe der Nacht wurde wieder auf eine Anzahl von Siedlungen geschossen. In Her/lia wurden die Scheiben im Packraum zertrümmert. Auf Tiberias wurde von mchreren Richtungen 11er vom Berge geschossen; die Polizei erwiderte das Feuer. Auf das H a t i k wa - Vi er t e 1 zwischen Jaffa und Tel-Awiw wurde aus dem arabischen Dorfe Sallaineh geschossen; Polizei und Militär erwiderten mit Maschincngcwchrfcuer; desgleichen wurden Schüsse auf Bajit- Wega 11, Kfar Azar und Ramat-Izchak aut der Straße nach Petach-Tikwa abgefeuert. Auf den Kibbuz Ge sch er wurden aus der nächsten Nähe Schüsse abgegeben; Polizei und eine Abteilung des transjordanischen Urcnzkorps stieß auf eine Gruppe bewaffneter Araber, welche sich nach einem Kugelwechsel zurückzog. In Kfar Tabor wurden 500 Bäume ausgerodet. Waffenschmuggel An der transjordanischen Grenze wurden gestern mehrere Beduinen verhaftet, welche sich ansciiu kteu, eine bedeutende Anzahl von Gewehren und Munition nach Palästina zu schniug- .geln. Waffenschmuggler werden täglich an sämtlichen Grenzen angehalten; die Polizei hat bereits eine beträchtliche Quantität von Waffen beschlagnahmt. Die A nlegestelle in Tel-Awiw Zementsäcke, werden von einem Dampfer, auf Leichter umgeladen. Jüdische Bootsleute führen die Arbeit durch, Im Hintergrund die eiserne Landungsbrücke Foto•; R, Wfli&enat«ia• T*i*Awiw; i&iSi ו!» «m .r-2 '--י,-.;«»■*יי f l '., v׳ i׳.ü« 1 gpsp g1P2f; ■יי׳ 4tg" fr

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