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Jüdische Rundschau · 1936-06-19 · Heft 49 (19.6.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 49 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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20. 6.133S mm Mr. 49 / Jahrgang 41 JÜDISCHE Praia 23 RpL RUNDS CHAD Sehrlftleltangr,Verlag u. Anzeigenver*r«ltan?t B«rllnWl5, Melsckciir.lO Fararaf: Sammel ■ Kammer J1 (Biimardc) 9031, - Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. ■—* Postscheck - Konten der Vertriebs ■ Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint Jeden Dien ■tag und Freitag• BERLIN כ״ם ם יו ן תרצ״ו FREITAG, 19. JUNI 1936 GGltigt AnzeigenpreisUete Nr. 5, Die 12 gespaltene mtn ־ Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewahr geleistet Gelegenheit»• anzcigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahme sch!uß für die Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag ־ Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt IDr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Unabhängigkeit Syriens ״Levante-Staaten“ werden Völkerbundsmitglied Von unserem Berichterstatter K. Paris, 17. Juni Wie der bekannte, gewöhnlich gut informierte Außenpoli• tiker des ״Echo de Paris“, Pertinax, mitteilt, hat im französischcn Außenministerium unter dem Vorsitz des Unterstaats- Sekretärs Vicnot eine Besprechung über die syrischen Fragen stattgefuiulen. Bekanntlich ist Staatssekretär Vicnot in der Regierung Biuin vor allem mit der Bearbeitung der Mittclmecr- Probleme betraut worden. A11 der Konferenz nahmen die französischen Generäle G a m e i i 11, Georges und Mouchard als Vertreter des Geiieralstabcs, der Generalsekretär im Außenministerium Leger, der syrische Hochkommissar de Martel und der Bearbeiter der syrischen Fragen, St. Quentin teil. Der Konferenz lagen Entwürfe der neuen Vorträge zwischen Frankreich u n d <1 e n syrischen Staaten vor. Syrien und Libanon sollen nach den neuen Verträgen u n a b h ä 11 g i ge Staaten werden, die zu Frankreich in einem Bündnisverhältnis stehen. Sie werden unter dein Namen ״Etats du Lcvan t“ zusammengeschlossen. Die neuen Verträge, die dem französischen Ministerrat in Kürze vorgelegt werden, befreien Syrien von dem Mandat und stellen seine Verfassung auf die gleiche Basis, wie sie Irak bat. Bereits im September soll Syrien in den Völkerbund aufgenommen werden. Besondere Garantiebestimmungen unter der Kontrolle Frankreichs sichern die Rechte der Minderheiten, insbesondere der Drusen und Ahnten, sowie die der fremden Kolonien, denen eine Gerichtsbarkeit vor gemischten Gerichten usw. zugestanden wird. Für die gemeinsamen Interessen der beiden Republiken (z. B. für Zollfragen) ist eine Art ständige Konferenz vorgesehen, die unter dem Vorsitz des französischen Botschafters, der abwechselnd in Beirut und Damaskus residieren soll, steht. Die französische Besatzung wird aufrechterhalten, um im Notfall die Grenzen der beiden Staaten zu schützen. Sie wird aber auf bestimmte Bezirke beschränkt. Eine Anzahl von Punkten ist noch nicht völlig geklärt, insbesondere die Detaillierung des Rechtes der Minoritäten, ferner bestehen territoriale Differenzen zwischen Syrien und dein Libanon. Nach Mitteilung von Pertinax hat sich die Konferenz für die Annahme der bisher festgelegten Vertragsbestimmungen ausgesprochen. Pertinax sieht die Syrien gemachten Konzessionen für unvermeidlich an. Die direkte Verwaltung der Mandatsgebiete hat Schiffbruch erlitten. Sie stellte außerdem für Frankreich eine erhebliche Belastung dar, da die Unterhaltung der Truppen allein 160 Millionen Frcs. ׳jährlich kostet. In einer europäischen Krise wäre Syrien ohne Nutzen für Frankreich. Die Schwierigkeit der neuen Verfassung Syriens sicht Pertinax vor allem in dem Rückwirken auf Frankreichs andere Mittelmeerkoionien. Wird außerdem die neue syrische Regierung gegenüber den Intrigen des .syrisch-palästinensischen Komitees ihre Autorität bewahren können? Erklärungen Ormsby-Gores Palästina-Anfragen im Unterhaus London, 15. Juni. (JTA.) Abg. Peter Mac Donald fragte den Minister für die Kolonien, welches die Ursache für die jüngsten Unruhen unter der arabischen Be. völkerung sei. Seien diese auf Propaganda zurückzuführen, und aus welchen Quellen stamme diese? Wer werde die Kosten des zusätzlichen militärischen Beistandes tragen, der notwendig war, um die Lage zu meistern? Minister Ormsby-Gore antwortete, die Ursachen der Unruhe in Palästina würden einer der Gegenstände sein, die die geplante Kgl. Kommission zu untersuchen haben werde; unter diesen Umständen würde er — der Minister — es für sehr unangebracht halten, in diesem Augenblick den Versuch einer Analyse *u machen. Was die zusätzlichen militärischen Hilfskräfte betrifft, die nach Palästina entsandt wurden, so werde die.Palästina- Regierung etwaige Mehrkosten tragen, die dadurch entstehen sollten, daß die verschiedenen Einheiten in Palästina statt anderswo stationiert sind. Der Abg, Mac Dona Id fragte weiter, wann die Kommission eingesetzt werden und nach Palästina gehen werde. Der M i n i s t 0 r antwortete, die Kommission werde erst eingesetzt, wenn Gesetz und Ordnung vollständig wieder hergestellt und die englische Verwaltung in der Lage sein werde, Sicherheit und Frieden in dem Lande zu gewährleisten. Der Abg. Thos. Williams fragte, ob die Regierung keine Informationen über die durch die Unruhen verursachten Kosten besitze, und was von dem Führer der mohammedairischen Bevölkerung, dessen Gehalt von der englischen Rcgicrung bezahlt wird, zu dem Zweck unternommen worden sei, eine Unterdrückung des Aufruhrs zu versuchen. Minister O r m s b y -Gor c erklärte, er müsse den zweiten Teil dieser Zusatzfrage dahin beantworten, daß er auf vollständigem Mißverständnis beruhe. Es sei durchaus falsch, daß der Führer der mohammedanischen Bevölkerung, nämlich der Großmufti, von der englischen Regierung bezahlt sei. Lassen Sie mich, sagte der Minister, dieser Behauptung hier mit voller Klarheit und Bestimmtheit widersprechen, denn es könnte zu ernsten Wirren iin ganzen Mohammedanertum führen, wenn man erklärte, das Oberhaupt dieser reiigiösei! Gemeinschaft sei von der englischen Regierung bezahlt. Gewiß habe ich mancherlei Ansichten über die verschiedenen Ursachen der Unruhen iin Nahen und Mittleren Osten; cs wäre aber höchst unangebracht, diese Ansichten Zu äußern, nachdem die Regierung die Entsendung einer unparteiischen kgl. Kommission angekündigt hat, die auf die Dinge - eingehen, sie untersuchen und beeidete Aussagen auf ihre Fragen entgegennehmen soll. London, 17. Juni. (Palcor.) Iin Unterhaus fragte heute der Abgeordnete ,Graham White, was die Petition der Araber ah die Ständige Mandatskom״ m i s s i o n enthalte. Der Kolonienminister Ormsby-Gore antwortete: Die Partei Palästinensischer Araber befaßt sich in ihrer Petition mit der Regierungsform in Palästina, mit arabischer Erzieluing, ferner mit der von ihr gewünschten Einstellung der jüdischen Einwanderung und mit der Bodenpolitik. Die Petition des arabischen nationalen Aerzteverbandes betrifft die allzu große Anzahl praktizierender jüdischer Aerzte in Palästina. Die dritte Petition geht von einem Privaten aus. Die Anfrage des Abg. I. u 1111, ob die Mandatskommission Be- Schlüsse betreffend die Petitionen unterbreitet habe, beantwortete der Kolonicnministcr verneinend. Aut die Frage des Abg. G a 11 a c h e r, ob der Kolooienminister die nach London kommenden Araber empfangen würde, erfolgte keine Antwort. Abg. Stephen D a v i e s fragte, unter Bezugnahme aut die Feststeilung im Bericht über Einwanderung, Kolonisation und Entwicklung vom Jahre 1930, daß von den 86 980 arabischen Bauernfanlilien in Palästina 29,4 «b landlos sind, ob die Statistik für das Jahr 1933 bekanntgegeben werden könne und ob die Lage der Fellachen sich seitdem verschlechten habe. Der Kolonien minister antwortete, daß der Bericht sich auf Familien bezogen habe, welche nicht unmittelbar von Landwirtschaft leben; er beziehe sich nicht aul Familien, welche früher Bodenbesitzer oder -Pächter waren. Für das Jahr 1935 seien statistische Angaben nicht vorlianden. Die Lage in Palästina habe sich von vielen Gesichtspunkten aus bedeutend gebessert, was gewiß auch dem Schutz zu verdanken sei, den die Bauern genießen. Wo die Bodenbearbeitung um 50 ״״ reduziert worden sei, seien die Bodcnsteucrn tun 70 »0 herabgesetzt worden. Es sei unmöglich, vergleichende Zahlen für das Jahr 1935 betreffend die Anzahl der auf dem Lande lebenden, in der Industrie beschäftigten und in den Dörfern wohnenden Araber anzugeben. Die Zeit, da solche Statistiken, wie sie die Kommission vom Jahre 1930 a n f ü 11 r t e, e r r e c 11 - net werden konnten, sei nun vorbei. Abg. G a 11 a c 11 e r fragte, oh der Streik der Araber nicht teilweise auf die Tatsache zurückzuführen sei, daß sie vom Boden verdrängt werden. Der Kolonienminister gab eine verneinende Antwort. Die arabische Delegation in England London, 17. Juni. (JTA.) Die von Dschemal H u s s e i 11 i geführte inoffizielle Delegation palästinensischer Araber ist in London e i 11 get ro.f f e n, um hier an der Propaganda für die arabischen Forderungen und der Sammlüng von Mitteln für die Fortführung des Streiks teilzunehmen. Von araberfreiirtdlichen Kreisen wurde!! Besprechungen der• Abordnung mit Mitgliedern des Parlaments vorbereitet. Die Abordnung wird auch Manchester-, Liverpool, Newcastle, Glasgow und ändere große Städte besuchen. Von arabischer Seite wird mitgeteilt, daß Verhandlungen irgendwelcher Art mit der Regierung von der Abordnung nicht geführt werden sollen. 612 57S Pfund in England durch den Council Sor German Jewry aufgebracht Fond 011,15י. Juni. (JTA.) Der Council for German ■Jewry hat die achte Spendenliste bei seiner Aktion zur Aufbringung von einer Million Pfund für die Hilfsaktion zugunsten der Juden aus Deutschland veröffentlicht. Die Sammlungen haben einschließlich der in dieser Liste ausgewiesenen Beträge die Höhe von 612 575 Pfund erreicht. Die achte Spendenliste setzt sich aus 35 Beiträgen und Zeichnungen zusammen. Die drei größten Beiträge leisteten Oberstleutnant Claude Beddington (4500 Pfund), Louis Thurner (1290 Pfund) und Ernest. M. Cohen (1000 Pfund). Die übrigen Zeichnungen bewegen Sich zwischen 140 und 900 Pfund. 1 Erste Eindrücke in USA RW, New York, Ende Mai Die allgemeine Regel, daß man als Reisender in fremdem Land nicht vorschnell urteilen soll, gilt in verstärktem Maße für Amerika. Denn die tiefe Fremdartigkeit dieses Landes verbirgt sich hinter der äußeren Oberfläche der gemeinsamen Zivilisation europäischen Ur- Sprungs, so daß im Gegensatz etwa zu exotischen l audern, bei denen der Europäer sich des Unterschiedes und der Distanz, voll bewußt ist, die Verführung, mit den eigenen Maßstäben zu messen, sehr groß ist. Dazu kommt das mitreißende Tempo des amerikanischen Lebens und die freundliche Offenheit, mit der die Menschen hier dem Fremden entgegenkornmen, so daß er beinahe ״dazu zu gehören“ meinen könnte. Darum ist besondere Vorsicht am Platze, man muß sich selbst dauernd in Erinnerung bringen, daß dieses l eben nach seinen eigenen Gesetzen beurteilt sein will. In jedem Lande begegnet man einer Vielfalt von Erscheinungen und Mensehengrunpen, so daß VeraUgemeinerungeu ein schiefes Bild geben, liier in Amerika aber ist diese Vielfalt von ganz spezifischer Art, da bis vor ganz, kurzer Zeit die E i n vv anderung das konstitutive Faktum dieses Landes war. In dieser Hinsicht ergibt sich eine gewisse Parallele zum jüdischen Natio* nalhcim in Palästina, dessen Bevölkerung gleichfalls sozusagen Jahresringe ansetzt, indem ständig Wellen neuer, unter anderen Voraussetzungen großgewordener Menschen herangespült werden, die erst allmählich in die Gesamtheit eingegliedert werden. In diesem Lande hier sind deutlich verschiedene Schichten übereinandergelagert, und sie alle haben ihre Eigenart und ihre Kultur mitgebracht; und dieses ungeheure Land, ein Riese an Kraft und Leistung, das seine Mutterländer überflügelt hat, ist noch immer ein Land im Werden, es ist vielleicht erst am Anfang seines eigenen Ausdruckswillens, denn nach dem Aufhören der Einwanderung beginnt Amerika sich u m z u f o r m e n, sein Gesicht auszuprägen. Vielleicht wird dies ein langer Prozeß sein, und man findet jetzt schon da und dort Besorgnisse, oh die spezifischen Güter und Traditionen dieses Landes, das ja eine relativ kurze Geschichte hat, auch in Zukunft , richtunggebend bleiben werden. Heute sind in den maßgebenden Schichten des Landes, gerade in den alten Familien und Nachkommen der ersten Siedler und der Revolutionäre von 17 76 die Ideen der amerikanischen Konstitution, auf die das ganze Volk stolz ist, noch sehr lebendig; diese reinste Aiwpnigütig des klassischen Liberalismus des!8. Jahrhunderts mit seinen Idealen der Freiheit und Menschenwürde. Aber man sieht auch die S c h a 11 e n s e i t e n der ungezügelten Entwicklung des 19. Jahrhunderts und weiß, daß in der neuen Zeit neue Wege gesucht werden müssen. Und die Vorstellungen dieser neuen Wege variieren zwischen Roosevelts New Deal-Politik bis zu den Ideen der (antikatholischen und antisemitischen) ״Black Legion“, gegen die gerade ein das Land erregender Prozeß im Gange ist. Jedenfalls scheint es, daß das unterirdische Ringen der Kräfte noch lange hin und her gehen wird, ehe die USA. ihre gesellschaftliche und geistige Zukunftsform stabilisiert haben. Dabei ist an eine definitive Form hier ebenso wenig zu denken wie anderwärts. Es ist ein unendliches Werden, alles ist ja im Fluß. Aber sicher ist, daß mit dem Aufhören der Einwanderung eine neue Epoche für Amerika beginnt, vielleicht eine neue Epoche fürdie Weltgeschichte, wie wir ja auch von der Entdeckung Amerikas einen neuen ücschichtsabschnitt zählen. Die Geschichte der amerikanischen Bevölkerung reicht zurück nach Europa, und dies gibt der B i I d tt n g sweit Amerikas sein besonderes Element, denn auch die amerikanische Jugend, die Europa nie gesehen hat und von der europäischen Wirklichkeit u׳enig weiß, muß, um ihre eigenen Voraussetzungen zu verstehen, über den Atlantic blicken; ähnlich wie für die Juden überall in der Welt die Geschichte Palästinas die unentbehrliche Voraussetzung ihres Daseins ist. * Wie die ganze Bevölkerung Amerikas ist auch das amerikanische Judentum ein Konglomerat von Schiebten verschiedener Herkunft und verschiedener Einwanderungszeiten. Amerika ist auch ein jüdischer ״Kontinent“, nicht in dem Sinne, daß der Kontinent jüdisch oder von Jüden ״beherrscht“ (wie oft fälschlich gesagt wird) wäre, sondern in dem Sinne, daß innerhalb der ״jüdischen Geographie*‘ das amerikanische Judentum Umfang und Bedeutung eines separaten Kontinents hat.!Wer nur den Osten des Landes bereist, muß sich

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