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Jüdische Rundschau · 1936-06-16 · Heft 48 (16.6.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 48 (16.6.1936)
Date
1936-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 48 / Jahrgang 41 Preis 25 Rpi, JÜDISCHE RUNDSCHAU 8«hrlftielh1ng,Verlag n. A1utigenvenr«ltn11;s Berlin W15( Melnekectr.lO Femnifi Semmel Nummer J1 (Blemardk) 9031. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bxw. RM 5,39. — Postscbeck - Konten der Vertriebs ׳. Abteilung: Berlin 71573 (für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beragsgebuhren. — Erscheint jeden Dienstag and Freitag. BERLIN כ״ו סמן תרצ״ו DIENSTAG, 16. JUNI 1936 Gültig! Anzeigenpreislitte Nr. 5. Die 12 gespaltene mm ״Zeile 20 Rpf, für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit»• Anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien * Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Wohin geht der Weg? 0 Die Palnslina-Unruhen Angriffe auf Exnek-Siedlungen — Jerusalem, 10. Juni. (Palcor) Ueberfall auf Kwuzah Chugim Ueber einen Ueberfall auf die Kwuzah Chugim werden folgende Einzelheiten bekannt: Eine aus etwa 50 Arabem bestehende Bande wurde in ihrem Vorhaben, K f a r Jecheskiel und Kwuzah Chugim zu überfallen, durch Begegnung mit einem jüdischen Polizeiwagen, weicher auf Patrouillendienst war, gestört. Die Araber schossen auf das Auto. Die Insassen, zwei jüdische Polizisten und zwei Siedler aus Kfar Jecheskiel, stiegen aus und erwiderten das Feuer. Mit Hilfe einer Militärpatrouille, welche in einem Lastauto gerade vorbeifuhr, gelang es, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Gleichzeitig wurde vom Berge Gilboa von drei Richtungen her auf die Kwuzah Chugim geschossen. Der Zustand des verwundeten Joseph Tabor ist ernst. Brandstiftungen Heute wurde im f iclitenwalde bei Ataroth Brand gelegt. 50 Bäume verbrannten, bevor der Brand gelöscht werden konnte. Die Täter flüchteten nach dem arabischen Dorf Kalandia. Auch im Balfour-Wald brach erneut Feuer aus. SO Personen beteiligten sich an den Löscharbeiten, welche über zwei Stunden in Anspruch nahmen. 6 Dunain sind abgebrannt. Die Spuren der Brandstifter werden verfolgt. Ferner brach im Manschieh-Viertel in Tel-Awiw Feuer aus, welches bald gelöscht werden konnte. Prozeß gegen arabische Mörder Dem arabischen Mörder Bisutskys, des ersten Opfers vom 19. April, wurde befohlen, den Hinterbliebenen £ 250 als Entschädigung zu zahlen, den vom türkischen Gesetz vorgesehenen Höchstbetrag. Fünf Araber, welche des Mordes von Karl Feldberg am 1. Mai in Haifa angeklagt sind, sind dem Bezirksgericht zur Verurteilung überwiesen worden. Die arabische Delegation nach London Monain E 1 m a a d i, ein Istaklal-Führer, wurde an Stelle des verbannten Auni Abdel Hadi zum Sekretär des arabischen Obersten Komitees ernannt. Das Komitee hat beschlossen, Jamal Husscini nach London zu entsenden. Husseini reist in der Begleitung von Dr. T a n n o u s, eines Anhängers der Husseini-Partci, sowie von S h i b 1 e y Jamal, welcher als Sekretär der arabischen Delegation vom Jahre 1922 fungierte. Tannous und Jamal sind Christen. Die Ab- Ordnung wird Rom, Genf und London besuchen. Jerusalem, 11. Juni. (Palcor) Angriff auf Emek - Siedlungen Die Siedler von Tel-Joseph verteidigten erfolgreich Jie Siedlung, als eine Rotte von etwa 50 Arabern unter heftigem Schießen gestern nacht in das Wirtschaftsgehöft einbrach. Einer der Angreifer wurde verletzt; von den Siedlern wurde niemand getroffen. Auch auf Ejn-Charod, Bet-Alpha und Scho11a wurden von bewaffneten Banden Ueberfälle versucht. Die Angreifer wurden von Truppen, welche Maschinengewehre gebrauchten, in die Flucht geschlagen. Ein Flugzeug Uberflog unter Abfeuem von Leuchtraketen den Schauplatz der Gefechte, welche zw׳ei Stunden dauerten. Siedler wurden dabei nicht verletzt. Wauchope in Mischmar Haemek Der Oberkommissar, der von Mosche Schertok begleitet war, besuchte Haifa und eine Anzahl von Siedlungen. In Mischmar Haemek ging Wauchope in den Wald, um den gestern abgebrannten Teil zu besichtigen. Von 20000 Bäumen, welche einen großen Hügclabhang bedeckten, ist nichts übriggeblieben. Die Siedler wiesen darauf hin, daß dies bereits der elfte Fall von Brandstiftung in ihrem Walde sei, von dessen 200 000 Bäumen nicht weniger als 30 000 vernichtet worden seien, und verlangten die Belegung sämtlicher arabischer Dörfer in der Nähe mit schweren Kollektivstrafen. Schertok stellte dem Oberkommissar Vertreter der benachbarten Siedlungen vor. Alle forderten die Ver- Stärkung der lokalen Verteidigungskräfte durch Rekrutierung eeigneter Siedler als Hilfspolizisten, welche entsprechend ewaffnet werden müssen. Schertok brachte diese Forderungen vor und fügte die Bitte um Genehmigung eines Freiwillige 11 - S cli utzdienstes im ganzen Lande hinzu; er bemerkte, daß die Ereignisse der letzten zwei Tage in der Gegend von Ejn-Charod einen solchen Dienst ganz besonders dringend erscheinen lassen. Der Oberkommissar besuchte ferner die neue Siedlung Jokneam und besichtigte den neugepflanzten Obstgarten, welcher fast in seiner Gesamtheit vernichtet wurde. Neue Zwischenfälle Das amtliche Comniunique vom Nachmittag meldet folgende Vorfälle: Eine Schießerei zwischen Arabern und einer Militärpatrouille bei Deir-Sharaf im Norddistrikt, welche keine Opfer forderte; die Verwundung eines Arbeiters, welcher die durchschnittenen Telephomlrähte reparierte; Todesstrafe für Unruhe-Vergehen das Abschrauben einer Eisenbahnschiene zwischen Nablus und Tulkerem; Schüsse auf Militärposten in verschiedenen Teilen des Landes; Bombenexplosionen auf der Eisenbahn bei Khanyounis, sowie auf der Straße nach Auja-Hafir, welche unbedeutenden Sachschaden anrichteten und niemanden verletzten; die Beschädigung einer Brücke auf der Hebron-Straße durch Sprengung, welche jedoch keine Stockung im Verkehr herbeiführte; die Verbrennung des einzigen jüdischen Hauses in Jericho; einen Bombenanschlag auf ein jüdisches Lastauto bei Jaffa, wobei ein Mädchen durch Glasscherben leicht verletzt wurde, und die Verhaftung eines verdächtigen Arabers, welcher einen automatischen Revolver samt Munition bei sich hatte; die Verbrennung von drei jüdischen Baracken hei R a 1111 c h und die Verhaftung von fünf arabischen Hirten. Bei Ramallah wurde ein verwundeter Araber gefunden, welcher der Beteiligung an der Schießerei bei Lifta am 8. Juni verdächtig ist. Auf der Straße zwischen Nablus und Tulkerem wurden auf ein Auto, in dem der Bezirkskommissars- Assistent Foot fuhr, und auf den hinter ihm fahrenden Autobus-Transport Schüsse abgegeben. Die Eskorte erwiderte das Feuer; kurz darauf trafen Truppen mit zwei Tanks ein, welche nach einer ziemlich lange andauernden Schießerei die Angreifer in die Flucht schlugen. Die Autobusse konnten unversehrt Tel-Awiw erreichen. Zwei Araber aus Anabta wurden getötet, mehrere verwundet. In den Hof des Marineklubs in Haifa wurde eine Bombe geschleudert. Nach Eintritt der Polizeistunde wurden in A k k o in der Nähe der Moschee zwei Bomben zur Explosion gebracht. Die Polizeiwache schoß aus Maschinengewehren auf die Moschee. Spät nachts entstand ein Brand m einer jüdischen Orangerie bei Tel Mond. Der Eisenbahnkör per nördlich von Tulkerem wurde abends angezündet. Die Brandstifter schossen auf das Militär, welches das Feuer erwiderte. Schulz für die jüdische Industrie Jerusalem, 11. Juni. (JTA.) Der Verband der jiidisehen Industriellen hat beschlossen, eine Abordnung zur Regierung zu entsenden, und volle Entschädigung für den den jüdischen Industriebetrieben im Laufe der Unruhen zugefügten Schaden zu verlangen. Es soll auch ausreichender Schutz für Fabriken in exponierter Lage verlangt werden. Weiter wird gefordert, daß die Regierung Maßnahmen treffe, um die Frage der Verladung von Exportwaren zu lösen. Schließlich wird der Ausbau des Hafens von Tel-Awiw mit der Begründung verlangt, daß die jüdischen Industrieunternehmungen um Jerusalem und Tel-Awiw konzentriert sind und die Notwendigkeit, den weit entfernten Hafen von Haifa zu benutzen, für sic einen Nachteil darstellt. Jerusalem, 12. Juni (Palcor) Anschlag auf Eisenbahnzug Heute morgen wurde ein Bombenanschlag auf einen Eisenbahnzug in Richtung Haifa—Lydda verübt. Die Bombe gelangte zur Explosion, als der Zug aus dem Bahnhof in Kalkilia herausfuhr. 16 Juden und ein Araber wurden verwundet. Vor Explosion der Bombe sollen die Araber aufgefordert worden sein, den Zug zu verlassen. 12 der Verwundeten wurden nach dem Hadassah-Hospital nach Tel-Awiw geschafft; fünf davon sind schwer verletzt, und zwar: Frau Mirjam Firestein aus Haifa und ihre sechsjährige Tochter, David Ben Rachel aus Ginegar, Hannah Rechtshalter aus Nesher und Abraham Sähe aus Herzlia. Augenzeugen berichten, daß die Bombe durch ein Fenster hineingeschleudert wurde; infolge der starken Explosion wurde der Eisenbahnwagen zertrümmert. 10 der Verwundeten befinden sich im Krankenhaus in ärztlicher Behandlung; der Zustand von Frau Fi restein ist ernst. Attentat an! englischen Polizeioffizier Ein höherer englischer Polizeioffizier, Allan Sigrist, wurde auf seiner Rückkehr von einer Inspektionstour zwischen dem Stephens- und Herodes-Tor in Jerusalem verwundet, als zwei Araber Revolverschüsse auf ihn abgaben. Sigrist, der selbst chauffierte, verlor die Gewalt über seinen Wagen und stürzte 30 Fuß tief ins Tal hinunter. Sein Begleiter, ein englischer Polizist namens D o x a t, schoß auf die Angreifer, von denen einer durch einen Brustschuß tödlich getroffen wurde• Sein Name ist Ansari; er war Lehrer an einer Regierungsschule. Der andere Angreifer entkam; Polizeihunde sind auf seiner Spur. Sigrist wurde in bewußtlosem Zustand ins Spital geschafft, er hat Wunden in der Schulter und in der Brust; man hofft jedoch, daß seine Verletzungen nicht ernster Natur sind. Sigrist hat seit vielen Jahren In der palästinensischen Polizei gedient; in letzter Zeit hat er einen besonders aktiven Anteil an Kriminal- Untersuchungen genommen. Zwei Araber wurden später unter dem Verdacht der Beteiligung an dem Attentat verhaftet. (Weitere Nachrichten Seile 2) Verschärfter arabischer Terror — Arabisch-politische Aktivität — Stimmen aus England — ״Non- Domination“ — Landentwicklung — Nationale Nachbarschaft — Politik und Wirtschaft Die arabischen Aktionen in Palästina haben sicli in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche weiterhin verschärft. Zu den zahlreichen Bombenwürfen, Schüssen, Ueberlallcn, Brandstiftungen usw., die seit Wochen eine Begleiterscheinung des Streiks darstellen, sind in den letzten Tagen größere Angriffe auf eine Anzafil von Siedlungen getreten. Der Polizei und dem Militär gelang es im Zusammenwirken mit den Siedlern diese Angriffe, die auf eine Reihe der wichtigsten jüdischen Siedlnngspunktc im Emek Jesreel unternommen wurden, abzmvehren, ohne daß auf seiten der Verteidiger Verluste eintraten. Dennoch darf man die Tatsache nicht übersehen, daß arabische Terrorgruppen und Banden es zum ersten Male während der gegemvärtigen Unruhen gewagt haben, geschlossene jüdische Siedlungspunkte anzugreifen, während sie sich bisher auf Einzelaktionen beschränkten, die aus dem Hinterhalt verübt wurden. Unter den Einzelaktionen, die die letzten Tage charakterisierten, ist ein Anschlag auf einen Eisenbahnzug auf der Strecke Haifa Ludd besonders verabscheuenswert, der zu einer großen Zahl z. T. schwer Verletzter geführt hat. Diese Form des Terrors, die eine Gefährdung einer großen Zahl ganz anonymer Personen bedeutet, die sich gegen den Angriff überhaupt nicht wehren können, muß besondere Erbitterung hervorrufen, und wir können nicht glauben, daß verantwortliche arabische Kreise eine solche Methode billigen, durch die die nationale Bewegung des arabischen Volkes selbst aufs schwerste diskreditiert wird. Die Regierung scheint diese arabischen Terrorakte nun doch mit den allerschärfstcn Maßnahmen beantworten zu wollen. Eine Verordnung, durch die für eine ganze Reihe von Delikten die Todesstrafe eingeführt wird, ist erlassen worden. Es ist gewiß bedauerlich, daß es zu derartigen scharfen Maßnahinen der Regierung mit all ihren Konsequenzen für die betroffenen Kreise kommen mußte, aber die Schuld h i e r.a n haben sich diejenigen im arabischen Lager zuzuschreiben, die die Bewegung von Woche zu Woche mehr übersteigerten. Die Forderung nach Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Lande und nach Sicherstellung des Lebens seiner Bürger ist eine so vordringliche, daß hinter ihr alle sonstigen Gesichtspunkte zurückzutretcn haben. Die arabische Aktivität hat auch auf der politischen Linie erheblich zugcnomnien. Wir berichten heute über einen Vorfrag, den der bereits seit einiger Zeit in London weilende Sekretär der Mufti-Partei Ghory hielt und in dem er die Furcht der Araber vor Majorisierung und die Meinung, daß die jüdische Prosperität im Lande ״künstlich“ sei, zum Ausdruck brachte. Zur Verstärkung der arabischen Propaganda in London hat sich eine Delegation nach Europa begeben, und es ist anzunehmen, daß diese den Versuch machen wird, auf die öffentliche Meinung Englands und seine politischen Kreise in einem pro-arabischen Sinne einzuwirken. Die Stimmung, die in England selbst herrscht, ist unverändert. Man betont eindring•• lieh, daß es die erste Aufgabe der Mandatsregicrung ist, die Ruhe wiederherzustellen, und daß die Araber die Aufgabe von Streik und Terror als Vorbedingung jeder weiteren Verhandlung akzeptieren müßten. Darüber hinaus wird in der englischen Presse im allgemeinen der Gedanke vertreten, daß die Baifour-Dcklaration als Grundlage der britischen Palästinapolitik in ihrem vollen Umfange dem Mandat entsprechend beachtet werden müsse. Es gibt allerdings Einzelstimmen, die mehr oder weniger verhüllt ein A b - gehen von diesem Prinzip befürworten und der Gewährung von Zugeständnissen an die arabische Seite das Wort reden. So w׳ird z. B, im ״Spektator“ eine vorübergehe nde Ein wanderungssperre nach der Ausgabe der jetzt gewährten Zertifikate propagiert, falls die Ordnung im Lande wieder hergestellt ist Auch die Zeitschrift ״Great Britain and the East“ äußerst sich erneut in dem Sinne, daß Araber und Zionisten niemals zusammen kommen würden. Das Blatt stellt in diesem Zusammenhänge die Frage, ob man

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