Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 47, 12. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 23 Im Heiligen Land Aus Disraelis ״Tancre d“ Im Verlage der Jüdischen Buch-Vereinigung erscheint demnächst der Roman des englischen Staatsmannes Benjamin Disraeli: ״T anervd", den Julius Elb att übersetzt und bearbeitet hat. Mit Genehmigung der JBV, veröffentlichen ivir nachstehend einen Abschnitt aus diesem Buche. Zum Verständnis sei mitgeteilt, daß der Held des Buches, Tancred, ein junger englischer Lord, mit eigener Yacht und großer Begleitung, in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Reise nach Palästina unternimmt, um die heiligen Stätten zu besuchen. Es wird der erste Eindruck geschildert, den er vort dem Lande empfängt. (Red.) Ein letzter Strahl des Mondes zögert noch auf dem Gipfel des Oelbergs; der Garten von Gethsemane, Absalzms Grab, die Gewässer des Kidron und die tiefe Schlucht von Josaphat liegen schon längst in tiefem Dunkel. Mit vollem Olanz scheint er jetzt über der Stadt. Eine hohe Mauer mit Türmen und Toren, dem gewellten Gelände angepaßt, umschließt die verlorene Hauptstadt Jehovas. Eine Hügelstadt wie Rom, aber weit berühmter: Denn ganz Europa kennt den Berg Zion und Golgatha, während die Araber und Assyrer und alle Völker weiter im Osten vom Kapitol nie gehört haben. Der mächtige Felsen Zion mit dem Davidsturm; noch näher der Berg Moriah mit dem gewaltigen Tempel für den Gott Abrahams, den leider nicht Sarahs Auserwählter, sondern Hagars Sohn errichtete; dicht neben seinen Zedern und Zypressen, seinen hohen Türmen und leichten Bogen fällt das Mondlicht auf den Teich Bethesda; weiter unterscheidet das Auge hinter dem Stephanstor den Leidensweg, den langen, gewundenen Bergpfad empor zu dem großen Kuppelbau, der heute den Golgathaberg bedeckt.... Jenseits der steinernen Häusermassen mit ihren Dachgärten und leichten Türmchen erblicken wir den Hügel Salem, wo Melchisedek seine mystische Burg errichtete. Hoch ragt der Skopushiigel, von dem Titus auf Jerusalem sah, am Abend vor dem entscheidenden Sturm. Titus hat den Tempel zerstört. Umgekehrt hat die Religion Judäas die Heiligtümer gestürzt, die ihm und seinem kaiserlichen Vater in ihrer kaiserlichen Hauptstadt errichtet wurden: und der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs wird heute vor jedem Altar in Rom verehrt. Jerusalem beim Mondlicht! Weich ein Schauspiel, auch abgesehen von den ehrfurchtgebietemlen Erinnerungen! Die Strenge der Berglandschaft erscheint durch den sanften Glanz, gemildert. Rauh und ernst in jeder Einzelheit, wirkt die gewaltige Szene nicht wild, sondern wundersam erhaben. Eine Festungsstadt, umschlossen von Abgründen und einer Hügelkette, die hier und da den Blick auf fruchtbares Land in der Ferne freigibt. Der Mond versinkt hinter dem Oelberg, und die Sterne hängen jetzt doppelt hell an der dunklen Himmelskuge! über der Heiligen Stadt. Der völligen Ruhe ist ein Windhauch gefolgt, der von der See über die Ebene von Saron herüberwebt. Er klagt über den Gräbern und seufzt unter den Zypressenhainen. Die Palme erzittert, als wandere ein Geist der Trauer vorüber. Vielleicht versammeln sich in mitternächtlicher Stunde die großen Toten Israels, um auf die Brustwehren ihrer mystischen Stadt zu blicken. Der Gesetzgeber aus der Zeit der Pharaonen, dessen Gebote noch heute gelten; der Herrscher, dessen Weisheit nach dreitausend fahren unter allen Völkern der Erde sprichwörtlich ist; der Lehrer, dessen Weisungen Europas Zivilisation geformt haben — der größte Gesetzgeber, der größte Herrscher, der größte Reformer: welche Rasse, ausgestorben oder noch lebend, kann sich dreier Männer rühmen, wie es diese waren! Das letzte Licht erlosch im Dorf Bethanien. Die klagende Brise wächst zum stöhnenden Wind; ein weißer Nebelschleier breitet sich über den Himmel; die Sterne verschwinden, alles wird schwarz wie die Wasser des Kidron. Nur e i n Licht leuchtet in der Finsternis: es dringt wie das Feuer eines Leuchtturms aus der Kirche vom Heiligen Grab. Ganz Jerusalem liegt im Schlummer, nicht ein Laut stört die tiefe Ruhe, nur hier und da heult ein wilder Hund... Warum ist die Kuppel des Heiligtums beleuchtet, obgleich die Zeit längst vorüber ist, daß Pilger dort knien und Mönche beten? Eine bewaffnete türkische Wache biwakiert im Hof; in der Kirche halten zwei Brüder vom Kloster Terra Santa die heilige Wache; unten in der Gruft kniet ganz allein ein Jüngling, der sich bei Sonnenuntergang am Grabe niederwarf, um die ganze Nacht bewegungslos dort zu verbringen. Er ist kein Anhänger der lateinischen Kirche, auch keiner von der armenischen, keiner von der griechischen Konfession, kein syrischer Maronite, kein Kopte, kein abessinischer Christ. Er kommt aus einem fernen Land, von einer nordischen Insel, um sich vor dem Grab eines Abkommen der Könige Israels zu beugen, in dem er, wie alles Volk dieser Insel, den göttlichen Erlöser sicht.... Oberrabbfner Dr. Leopold Kecskemöti gestorben. In Großwardein (Rumänien) verschied am 8. Juni der Oberrabbincr des dortigen Zion-Tempels, Dr. Leopold Keeskernet! im 71. Lebensjahre. Er wurde früh nach Großwardein berufen, dessen Rabbinat er mehr als 40 Jahre hekleidete. Er war nicht nur ein Kanzelredner von eigenartiger Wirkung, ein Seelsorger voller Herz- und Gemütstiefe, er war — wie der ״Bester Llovd“ in seinem Nachruf hervorhebt — ״eine prophetische Gestalt im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat den ethischen Gehalt der Religion nicht nur verkündet, sondern auch gelebt.“ Dr. A. F. STELLENMARKT Den Angeboten ■ui Ziffer-Anzeigen sind unter keinen Umständen Original-Zeugnisse oder sonstige wichtige Unterlagen beizufügen. Die eingesandten Zeugnle-Abschrlffen, Bilder u«w״ alnd auf der Rückseite deutlich mit Namen und genauer Anschrift zu versehen. ANG EBOTE Für nichtamchen Haushalt wird fleißige Hausangestellte bei gutem Gehalt per sof.ges. KetneWäsche Dr. med. Kaufmann, fiat) Wildlingen Wir suchen schnellstens für unser Büro jüngere Kontoristin! die die amerikanische Buchführung beherrscht, u. für unsere Abteilung Damenkonfektion jüngere Verkäuferin aus der Branche. Eiloff. unt. L 643 nn d. An*.-AM. der Jüd. Rundsch., Berlin W, Meinekestr. 10 Geb. Mädchen für leichte Hausarbeit von 5Uhr nachm, gesucht. Evtl, gegen kleines möbl. Zimmer. Off.u.L518 an Ar.*.-AM. d.Jüd. Rundschau Suche eine erste uemauferin nu* der SrJiuhbranchc, die se lbständig־ dekoneren kann, nach dein Ausland. Ausführitche Angebote mit Lichtbild unt. 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