Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 47, 12. JUNI 1936 JOOISCHE RUNDSCHAU PAlÄSTI NA Die arabischen Ausschreitungen Neue Terrorakte Jerusalem, 8. Juni. Das abendliche Regierungscommunique erwähnt eine Reihe von Sprengstotfanschlägen während der letzten Nacht Es wurden auch wiederholt zwischen Polizei und Aufständischen Schüsse ge״ wechselt. Bestätigt wird, daß in den Kämpfen um Lifta ein englischer Soldat verwundet wurde. In Jerusalem, Nahlus, Hebron und anderen Ortschaften wurden Polizei- und Militärpatrouillen beschossen. Es werden auch Schießereien, bei denen niemand verletzt wurde, in der Nähe von Moza, beim Skopusberg, in Bet Hake rem und anderen jüdischen Vororten erwähnt. In Jaffa und Akko seien arabische Kundgebungen aufgelöst worden, wobei einige Personen leicht verletzt und mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden. In Akko waren 2 > > Personen nach der Polizeistunde bis 5 Uhr morgens beisammen geblieben, während Polizei in den Straßen gegen Kundgeber einschrciten mußte. Mittags fand in Jaffa eine Demonstration zu Ehren von Assembek, dem entlassenen Bürgermeister von Jaffa, statt. An der Spitze der Demonstration marschierte Assemhek selbst, trotz seiner gestern angeordneten Verbannung in ein Konzentrationslager. Die Polizei trieb die Menge mit Knüppeln auseinander, wobei zwei Personen leicht verletzt wurden. Polizisten führten Assembek dann zu einem geschlossenen Auto und fuhren mit ihm davon. Der Oberkommissar empfing Mosche Schcrtok, der später zusammen mit Dr. Joseph, den! Rechtsberater der Jcwish Agency, den Generalsekretär der Palästina-Regierung, Dr. H a 11, aufsuclite. Magistrat Gaza gegen Streik Der Bürgermeister und acht Mitglieder des Magi- 11 r a t s von Gaza, welche gegen den Streik sind, veröffentlichten eine Erklärung, daß, falls das Oberste arabische Komitee beabsichtigt, die arabischen Städte ohne Beleuchtung, Wasser und sanitäre Dienste zu lassen, sie auf keinen Fall ihre Einwilligung dazu geben werden. Das Manifest weist darauf hin, daß Khaldi und die arabischen Mitglieder der Stadtverwaltung von Jerusalem nicht imstände seien, in den Streik zu treten, weil die Stadtverwaltung in die Hände der Juden übergehen und die 350 arabischen Beamten durch Juden ersetzt w׳erden würden. Auf Ersuchen der Behörden und im Einvernehmen mit der arabischen Autobus-Gesellschaft, weiche am Streik teilnimmt, hat der Verband jüdischer Chauffeure ״Hamckascher“ einen provisorischen Dienst nach dem Deutschen und Griechischen Viertel in Jerusalem organisiert. Diese Linie wurde früher von der arabischen Gesellschaft betrieben. Die Be- ׳?r t n^en zw1sche11 dem jüdischen und dem arabischen jj» Unternehmen waren stets die allerbesten. Trotz energischem Druck seitens des Streikkomitees setzen 1100 Araber ihre Arbeit im Hafen von Haifa fort. . (Palcor.) Arabische Waffenlager aasgehoben Nach dem Abschluß der Kämpfe bei dem Araberdorf Lifta wurde in Lifta eine militärische Besatzung zurückgelassen. Mau erwartet, daß die Unsicherheit auf der Straße Jerusalem—Tel-Awiw durch diese Maßnahme verringert werden wird. Bei der im■ Laufe des Tages vorgenommenen Durchsuchung der Dörfer Lifta und A i!1 Karem wurden große Mengen von Waffen und Munition gefunden. 17 Araber wurden in Ain Karem im Zusammenhang mit den Waffenfimden verhaftet und nach Jerusalem gebracht. Am Montag abend kam es an der Straße Jerusalem — Jericho zu einem dreistündigen Gefecht zwischen Polizei und Arabern, die einen unter Eskorte nach Jerusalem gehenden Transport der Palcstinc Potash Companv angegriffen hatten, ln dem Gefecht ist ein arabischer Polizist gefallen. Schwerer Bombenanschlag in Jerusalem Eine Bombenexplosion beim Jaffator hat eine größere Zahl von Opfern gefordert. Ein amtliches Communiquö spricht davon, daß eine Frau und acht Männerschwer und 16 Personen leicht verletzt worden sind. Das Communique erwähnt keinerlei Verhaftung im Zusammenhang mit dem Anschlag. Es konnte indessen festgestellt werden, daß auf die Behauptung eines Arabers hin, die Attentäter hätten wie orientalische Juden ausgeschen, fünf kurdische Juden verhaftet worden sind. Vier von ihnen wurden später freigelassen, nachdem sich ihre Anschuldigung als grundlos herausgestellt hatte. Später wurden im arabischen Dorfe Atharoth bei Jerusalem mehrere Araber verhaftet. Eine Untersuchung ist im Gang . High Commissar Sir Arthur Waue h o p e hat die Vcrletzten im Regierungskrankenhaus besucht und sich bei ihnen nach dem Hergang des Anschlags erkundigt. Vereinzelte Zwischenfälle amDienstag Das Abendeomniunique der Palastinaregieruiig vom 9. Juni berichtet über vereinzelte Zwischenfälle. Bei a g u r wurde ein jüdischer Autobus beschossen. Bei B e n ehernen wurden Pflanzungen in Brand gesteckt. Opfer sind nicht zu beklagen. Stellenweise kam es zu kleinen Schießereien, an denen auch Patrouillen beteiligt waren. Es wird vermutet, daß hierbei ein Araber verwundet Wurde. In der Jerusalemer Vorstadt N e e w e Shaanan wurde ein Araber verhaftet, der einen Revolver und Munition bei sich trug, in Akko wurden Demonstranten zerstreut, die versucht hatten, Ladenbesitzer einzuschüchtern. Das (Kommunique bestätigt, daß ein arabischer Polizist bei dem Gefecht an der Straße Jerusalem—Jericho getötet wurde. In Jaffa werden Personen, die die Polizeistunde überschreiten, zur Straßenreinigung herangezogen. Auf diese Weise wird das streikende Straßenrcinigungspersonal ■ersetzt. Die Polizeistation in B a j i t W c g a n bei Jaffa war das Ziel eines Sprengstoffanschlags, durch den jedoch kein Schaden angerichtet wurde. Es sind 170 jüdische Hilfspolizisten neu ausgehoben worden. Von ihnen werden 60 in Jerusalem, die iibrigen in den anderen Teilen des Landes Dienst tun. Zensur über Auslandsverbindungen Die Zensur hat am 9. Juni eine Ueberwachung aller Verbindungen mit dem Ausland wie in Kriegszeiten eingeführt. Telephonische Privatpespräche zwischen Palästina und dem Ausland sind bis auf weiteres verboten. Die Regierung schloß die Druckerei der arabischen Zeitung ״Al Jamia Islamia“. Angriffe auf jüdische Siedlungen Jerusalem, 10. Juni. (JTA.) Am Dienstag abend fanden Angriffe bewaffneter Araber auf die jüdische Siedlung K f a r I w r i bei Jerusalem und auf Ramat Kowcsch statt. Der Angriff auf Kfar Iwri dauerte vierzig Minuten, der auf Ramat Kowesch eine halbe Stunde. Kfar fwri wurde von verschiedenen Selten her aus einer Entfernung von 500 m durch Gruppen gut bewaffneter Araber beschossen, die sich zurückzogen, als das Feuer durch jüdische Hilfspolizisten erwidert wurde. Nach dem Gefecht bei Ramat Kowesch steckten Araber Felder eines englischen Juden in Meschek Kalmania in Brand. Im Baifour-Wald wurden weitere 1000 Bäume durch Feuer vernichtet. Ein Araber, der sich trotz Warnung der Eisenbahnlinie bei Magdiel näherte, ist vor! dem militärischen Posten erschossen worden. Von den durch die Explosion beim affator verwundeten Arabern sind zwei den Vere t z u n g c 11 erlegen. Am 10. Juni wurden in den Wcinpflanzungcii beiSichron Jakob 9000 Weinreben durch Araber ausgerissen. An zwanzig Stellen des Landes wurden Bäume in jüdischen Pflanzungen umgebrochen. Der Schaden beträgt über 15 000 Pfund. Ein englischer Polizist wurde, als er Araber daran verhinderte, einen nach Tel-Awiw fahrenden Wagen mit Elektromaterial in Brand zu stecken, durch Messerstiche schwer verletzt. Er wurde in das Regierungskrankenhaus in Jerusalem gebracht. Bei Kfar Jechcskcl wurde ein Auto durch eine Bande bewaffneter Araber aus dem Hinterhalt beschossen. Der jüdische Chauffeur wurde verwundet. Die Araberbande wurde später durch Truppen zerstreut. Bittgebete um Ruhe und Frieden Das palästinensische Oberrabbinat hat Bittgebete 11m Ruhe und Frieden für Mittivoch, den 10. Juni, im ganzen Lande angeordnet. Bei den Bittgottesdiensten wird der Schofar geblasen werden. 1•*. Englischer Kreuzer in Haifa Im Hafen von Haifa ist der englische Kreuzer ״A j a x“ eingetroffen. Die Besatzung Palästinas soll binnen kurzem durch ein weiteres Bataillon verstärkt werden. Acht Bataillone in Palästina Amtlich wird bekanntgegeben, daß das 2. Bataillon des Cheshire-Regiments in Palästina cingetroffen ist. Aus Aegypten ist das 2. Bataillon des . Dorsctshire-Regiments eingetroffen. Es befinden sich nunmehr neben den Tank- und Panzcrwagenabteilungen und den Luffstrcitkräftcn acht Bataillone englischer Infanterie in Palästina. Die Kupat Cholim in Haifa Foto; Hubert isuaaenfeid מובחר! נברת־הופת min tmun ernum nmiwh KUPAT (HOUN VILLAOl CtlHIC 1‘■ JIWSH LWOW HSllMtON Verhaftete und Verurteilte Amtlich wird bekanntgegeben, daß, abgesehen von den wegen Ueberschreitung der Polizeistunde angehaltenen Persollen, seit Beginn der Unruhen am 19. April 1313 Araber und 182 Juden v e r!1 a f t e t wurden. 751 A r a b e 1־ u n d 162 Juden wurden verurteilt, 226 Araber und siebzehn Juden freigesprochen; die Verhandlung gegen 333 Araber und 6 Juden steht noch aus. Kämpfe mit Aufrührern Jerusalem, 10. Juni, (JTA.) An der Eisenbahnlinie bei B eis an kam es zu einem Gefecht zwischen Truppen und arabischen Aufruhrern. Die Araber zogen sich in die Berge hei Dschenin zurück. Man glaubt, daß sie Tote und Verwundete mit sich geführt haben. In Hebron kam es bei der Beisetzung eines beim Jaffator in Jerusalem getöteten Arabers zu St r ,1 0 c« k uiulge hu 11 g en, Gegen die Polizei wurden Steine geschlendert. Bei der Wiederherstellung der Ordnung wurden fünf Araber verwundet, einer von ihnen schwer. Bei Bethlehem wurde ein deutscher Kolonist, dessen Name bisher nicht festgestellt werden konnte, von einem Araber ni cd er ge stoche’11. Durch eine Bomheiiexplosion in Safed wurde eine Frau leicht verletzt. Auch in Tel-Awiw und (iaza wureien Bomben geworfen, ohne daß Schaden entstand. Das Allenby-Denkmal in Her sc 11c ha wurde durch einem Sprengstoffansclilag leicht beschädigt. ln Nablus wurden Militärbaracken in Brand gesteckt. Zu vereinzelten Schießereien kam es in den Vororten von Jerusalem, Moza und Mekor C!1 a j i tu, sowie in Kfar E z i o n. Auf der Eisenbahnlinie bei Lvdda wurden Eisenbahnschwellen in Brand gesteckt. Das heuer wurde rechtzeitig gelöscht. Kein Streik der Jerusalemer Stadtverwaltung Jerusalem, 11. Juni. (JTA.) Der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Hussein Khaldi, hat sich den Regierungs-- stellen gegenüber verpflichtet, allen Sitzungen des Stadtrats beizuwonmen und damit das ״Quorum“ zu sichern. Es wird angenommen, daß damit die Gefahr einer Krise der Jerusalemer Stadtverwaltung beseitigt ist. Die Behörden haben mit Rücksicht auf die wiederholten Angriffe aut das an der Stadtgrenze von Jerusalem gelegene städtische Schlachthaus die Errichtung eines jüdischen Schlachthauses bei dem Viertel Mea Schcarim genehmigt. * Aus Tel Jossef erhalten wir folgendes Telegramm vom 11. Juni: ״Angriff zurückgeschlagen, uns allen geht es wohl.“ Palästina-Unruhen und Vatikan ״United Press“ verbreitet ein Interview ihres Vertreters mit ״hohen Persönlichkeiten der vatikanischen Politik“, das sich u. a. mit den Vorgängen in Palästina beschäftigt. Es heißt in diesem Bericht u. a. wie folgt: ״Auch der Aufruhr in Palästina, in dein er Keime für eine sich weiter ' ausbreitvndc Unruhe erblickt, bereitet dem Heiligen Vater schwere Besorgnis. Für ihn ist Palästina in erster Linie das Patrimonium aller Christen,, und darum wünscht er mit aller Dringlichkeit eine baldige befriedigende Lösung der gegenwärtigen Streitfragen herbei. Der Vatikan hat die in Palästina seit dem Weltkrieg sich vollziehenden Veränderungen von jeher mit Mißtrauen beobachtet und dies schon in dem Memorandum an den Volkerbund vom •1. Juni 1922 über die Bestimmungen für die Britische Mandats• Verwaltung ausgesprochen. Die Vertreter des Vatikans erklärten dem Korrespondentfeil der United Press, daß die in diesem Memorandum entlialtenen besorgten Voraussagen durch die gegenwärtigen Unruhen voll und ganz bestätigt worden seien. Es habe sich eben unvermeidlich ungünstig für den inneren Frieden Palastinas auswirken müssen, daß man eine eingewanderte Minderheit der eingesessenen Bevölkerungsmehrheit aut'gezwungen habe. Es sei zu beklagen, daß das Memorandum des Vatikans seinerzeit von dem Volkerbund nicht genügend berücksichtigt worden sei." Die liier erwähnte Note des Vatikans an den Völkerbund, die dem Völkerbundsrat von Kardinal Gasparri im Jahre 1922 unterbreitet wurde, beschäftigte sich, mit der Stellung der Juden in Palästina, denen nach der Ansicht des Heiligen Stuhles die gleichen bürgerlichen Rechte zugebitligt werden sollten wie den anderen Nationen und Konfessionen, während die Note dagegen protestierte, daß ״den Juden eine privilegierte und vorherrschende Stellung gegenüber den anderen Teilen der Bevölkerung eingeräumt wird“. Der zweite Teil der Note beschäftigte sich sodann mit der Stellung der verschiedene« Religionsgemeinschaften und der Behandlung der Heiligen Stätten in Palästina. ״Panarabicn und Palästina“ Die ,,Frankfurter Zeitung“ vom 11. Juni bringt einen Bericht ihres Kairoer Korrespondenten über das Thema ״Panarabii-11 und Palästina“. Der Artikel kommt zu folgendem Ergebnis: ״Britische Truppen können Ordnung im Mandatslande schaffen. Sie können aber nicht gegen den gesamten Islam und seine gewaltigen Mittel, die weit über Indien hinausreiclten, marschieren. Die Unterstützung der arabischen Streikbewegung Palästinas durch Hilfskomitees einflußreicher Araberführer in Aegypten und Syrien, im Irak und Arabien beweist, daß es für England diesmal darum gehen könnte, sich für oder wider Gesamtarabien und damit den Islam entscheiden zu müssen. England muß jedoch im Rcichsintcressc eine Entscheidung vorläufig vermeiden, deren unausbleibliche Rückwirkungen auf das britische Prestige gerade jetzt nicht wünschenswert sind. Man kann daher damit rechnen, daß England — nachdem in Palästina eine gewisse Ruhe cingetrcten sein wird — jene auf Zeitgewinn berechnete Politik der Verhandlungen einschlägt, die sich auch in Aegypten seit ,Monaten als Ausweg bewährt.“