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Jüdische Rundschau · 1936-06-12 · Heft 47 (12.6.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 47 (12.6.1936)
Date
1936-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 47 <׳ Jahrgang 41 Preis 25 Rpf. RUNDSCHAU M1iftlcitBng,V«rUg a. AnuIs«DV«rwaltsngt BertlnW IS, Nalnekcitr.10 Ptrwtfi Sanmtl- Nanuner J1 (Blimarck) 9031• — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 hzw. RM 539. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag, BERLIN כ״ב סיון תרצ״ו FREITAG, 12. JUNI 1936 G&lHgt Anzeigenprelillete Nr* 5• Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf., für Familien * Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit;»- anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck י■ Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß für dia Dienstag * Ausgabe Montag 10 Uhr, für die. F reitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien *Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt tür das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Juden, Araber und England Politische Diskussionen — Der Rechtsgrund unserer Arbeit — Entwicklung des arabischen Nationalismus — Partnerschaft mit England - Weitere Perspektiven! - Erziehungsaufgaben Das Lebensrecht des jüdischen Volkes Die Unruhen in Palästina, deren Unterdrückung der Mandatsverwaltung mit Hilfe der bisher angewandten Methoden noch immer nicht gelungen ist, und der Streik, der einen erheblichen Teil der arabischen Bcvölkerung des Landes erfaßt hat, lenken naturgemäß, je länger diese Ereignisse andauern, um so mehr das Augenmerk auf die politischen Konsequenzen, die sich aus ihnen ergeben können. Wir haben bereits in unserer letzten Nummer Ausführungen behandelt, die in der dem Britischen Colonial Office nahestehenden Zeitschritt ״Near East and India“ enthalten waren und zur Frage der geplanten Untersuchungskommission und der britischen Palästinapolitik überhaupt eine Stellung einnahmen, die nicht unwidersprochen bleiben konnte. Inzwischen hat der neue Kolonialminister Ormsby-Oore selbst dem Unterhaus mitgeteilt, daß eine Untersuchung über die Vorgänge nicht eher vorgenommen werden wird, bevor nicht Gesetz und Ordnung im Lande endgültig wiederhergestcllt worden sind. Zugleich gab der Minister seiner Hoffnung Ausdruck, daß auf Grund der Empfehlungen einer solchen Kommission Mittel gefunden werden, um im Rahmen des Mandates Zufriedenheit unter den Völkern Palästinas zu schaffen. Die Mandatsregierung selbst hat 1!n palästincnsischen Rundfunk erneut erklärt, daß die jüdische Einwanderung weitergehe. Der Wille der Regierung, sich dem Terror nicht zu unterwerfen und den Standpunkt des Rechtes zu wahren, der eindeutig gegen die arabischen Unruhestifter gewandt ist, bleibt also unerschüttert. In der Tat geht man wohl in der Annahme nicht fehl, daß die Haltung der Araber in den letzten Wochen und die Intransigenz, mit der sie alle Vcrmittlungsversuche abgelehnt, ja mit verstärktem Terror beantwortet haben, bei der britischen Beamtenschaft steigende Erbitterung erzeugt hat. Unter den in der englischen Presse erschienenen Beiträgen zum Thema der Palästinaunruhen ist ein an anderer Stelle der heutigen Ausgabe wiedergegebener Aufsatz Dr. W e i z m a 11 n s in der ״Times“ besonders hervorzuheben, der sich mit der Geschichte des Palästinamandates und der Haltung der Araber in der Zeit der Friedenskonferenz, beschäftigt. In diesem Artikel wird auf ein Abkom m e n hingewiesen, das 7. Zt. zwischen Dr. Wcizmann und dem arabischen Vertreter auf der Friedenskonferenz, Emir Feisal, abgeschlossen wurde, und in dem eindeutig festgelegt war, daß Palästina nicht zu den Gebieten gehöre, auf die von arabischer Seite Aspirationen im Sinne nationaler Selbständigkeit erhoben würden, und daß von den Arabern die Verwirklichung der Baifour-Deklaration in Palästina akzeptiert werde. Es ist wichtig, auf diese historischen Tatsachen hinzuweisen, da heute vielfach von palästinensisch-arabischer Seite behauptet wird, daß die Schaffung der Nationalen Heimstatte für das jüdische Volk in Palästina einen Bruch der den Arabern gegebenen Zusagen darstcllt, so daß sie einen moralischen Grund hätten, um mit Gewalt gegen diese von England durchgeführte Politik aufzutreten. Blickt man auf die Geschichte der jüdischarabischen Beziehungen in den Jahren seit dem Ende des Krieges zurück, so begegnet uns immer wieder die Frage, mit welchem Rechtsgrund die jüdische Arbeit in Palästina durchgeführt hat. Einen klassischen Ausdruck hat diesem Problem Acliad Haam in einer Vorrede gegeben, die er im Jahre 1921 zur Neuausgäbe seiner Werke schrieb. Es heißt dort u. a.: ״Für ein historisches Recht eines Volkes auf ein von anderen bewohntes Land gibt es nur eine einzige Auslegung: das Recht, zurückzukehren und sich im Lande der Väter niederzulassen, es ungestört zu bearbeiten und seine Kräfte zu entwickeln. Wenn dann die Einwohner sich beklagen sollten, daß Fremde gekommen seien, um das fruchtbare Land und die Bewohner auszubcuten, dann kommt das Recht und stopft ihnen den Mund: nein, in diesem Lande sind jene nicht fremd, sondern die Nachkommen der einstigen 11 e r r s e h e r des Landes, und sobald sic zurückkehren und sich in ihm ansicdcln, sind sie als Eingeborene zu betrachten. Und nicht nur fiir die Kolonisten als einzelne Bürger gilt das, sondern auch für die ganze Gesamtheit als Volk: sobald es wiederum einen Teil seiner nationalen Kräfte — Menscheu, Güter, kulturelle Institutionen usw. — int dieses Land zurückgebracht hat, ist es wiederum sein nationales Heim, und es hat das Recht, dieses sein Heim zu vergrößern und zu vervollkommnen, soweit nur seine Kraft reicht. Aber dieses historische Recht hebt nicht das Recht der übrigen Landeshewoliner auf, die sich auf das reale Recht des Wohn- Sitzes und der Arbeit im Lande seit Generationen berufen können. Auch für sic ist dieses Land ihr gegenwärtiges nationales Heim, und auch sie haben das Recht, ihre nationalen Kräfte nach dem Maß ihres Könnens zu entwickeln. Diese Lage macht also Palästina zu einem gemeinsamen Ort für verschiedene V ö 1 k e r, von denen jedes sich bemüht, dort sein nationales Heim zu errichten, ln dieser Lage ist es nicht mehr möglich, daß cs das nationale Heim eines einzigen von ihnen vollständig ist und all das umfaßt, was in diesem Begriff enthalten ist. Wenn du dein Heim nicht auf einem menschenleeren Felde errichtest, sondern an einem Ort, an dem es noch andere Häuser und Bewohner gibt, so bist du nur bis zum Tore London, 9. Juni. (JTA.) Der neue Minister für die Kolonien, W. G. A. O r in s b y ־ G o r e, hatte in der ersten Sitzung des Unterhauses nach den Pfingstferien am Abend des <). Juni zum ersten Male Gelegenheit, in Beantwortung von Anfragen der Abgeordneten Williams, Short und Graham White eine Regierungserklärung über die Lage in Palästina und die beabsichtigten Maßnahmen ahzttgeberi. Als der Minister sich zur Beantwortung dieser Anfragen erhob, wurde er von dem Haus durch herzliehen Beifall begrüßt. Der Minister erklärte, er bedauere es tief, daß die von dem Minister für die Dominien im Namen des Kolonienministers unmittelbar vor den Parlamentsferien erwähnte Besserung der Lage in Palästina nicht an gehalten hat. Die palästinensischen Behörden stünden heute vor einer fortgesetzten Reihe von Gewaltakten in vielen Teilen des Landes. Die Palästina-Regierung treffe alle mögliehen Maßnahmen zum Schutze von Leben und Eigentum und des Verkehrs; weitere Notstandsermächtig u n g e n auf Grund des palästinensischen Verteidigungsfesetz.es würden durch Proklamation erteilt. Seit dem letzten usammentritt des Hauses wurden die Truppen in Palästina weiter verstärkt. ״Ich möchte“, schloß der Minister, ״diese Gelegenheit, die erste, seitdem ich mein jetziges Amt angetreten habe, dazu benutzen, um meine tiefe persönliche Besorgnis um das Wohlergehen aller Teile der Bevölkerung Palästinas und mein Vertrauen darauf zum Ausdruck zu bringen, daß letzten Endes auf Grund der Empfehlungen der Kgl. Kommission, deren Ernennung der Regierung Sr. Majestät nahegelegt werden wird, sobald die Ordnung völlig wiederhergestellt ist, Mittel werden gefunden werden, um im Rahmen des Mandats dauerhafteren Frieden und Zufrieden heit unter den Völkern Palästinas zu schaffe n.“ Der Abgeordnete Herbert Morrison fragte, ob es der Regierungnicht bekannt sei, wer die Führer der Unruhen sind, nnd oh, wenn dies der Fall sei, die Regierung nicht die Pflicht habe, gegen sic cinzuschrciteii. Kolonienministcr Ormsby-üore: Wie dem Abgcordliefen bekannt ist, sagen die Führer, daß es sich um'einen Streik handelt. Abg. G a 11 a c h e r: Hört, hört! Ein Streik, der sich rechtfertigen läßt. Minister O r in s b y - G o r c: Es ist richtig, daß diejenigen Führer, die verdächtig sind oder gegen die ein offenkundiger Beweis vorliegt, daß sie für Verbrechen oder Gewaltakte verantwortlich sind, verhaftet oder in K o n /. e n t r a - tionslagcr nach Südpalästina gebracht wurden. Der Abgeordnete Thos. Williams fragte, ob das gegenwärtige Oberhaupt der arabischen Bevölkerung als einer der Führer angesehen werde, die die Aufrührer beeinflussen. Der Minister antwortete, er verstehe diese Frage nicht. Er wisse iiiobt, wen der Abgeordnete als Oberhaupt der aradeines Hauses unumschränkter Herrscher. Dorf, nach innen hin, kannst du deine Angelegenheiten nach deinen Winischeii regeln, aber außerhalb des Tores sind alle Einwohner des Ortes beteiligt, und die allgemeine Leitung muß in liebereinstinnmiiig mit »!ein Nutzen aller geführt werden. Auch nationale Heimstätten verschiedener Volker in einem Lande könne״ nationale I reiheit für jedes einzelne von ihnen nur in seinen inneren A 11 g e 1 e g e!1 11 e i t e n fordern und die Leitung der allen gemeinsamen Landesangelegcnhciten durch alle ״Hausherren‘‘ insgesamt, wenn ihr gegenseifiges Verhältnis und ihr Kulturstand sie dazu befähigt, oder, wenn diese Vorbedingung fehlt, durch einen Vorniinid von außen, der darauf achtet, daß nicht die. Rechte eines von ihnen verletzt werden.“ Diese Worte haben auch für unsere Tage ttneingeschränkte Gültigkeit. Sie zeigen mit aller Deutlichkeit, daß das jüdische Volk nach Palästina nicht als Träger einer Gewaltpolitik zurückstrebt und nicht als Fremder wieder in dieses Land kommt. Zugleich aber hat Acliad Haam die Grenzen gesteckt, die der jüdischen Arbeit im Lande naturnotwendig tnnewohnen. Er hat damit all dem die Basis entzogen, was in der Entwicklung des Zionismus später unter dem Namen der Diskussion bischen Bevölkerung bezeichne. Es gebe niemand, der als solches anerkannt sei. Darauf fragte der Abgeordnete Thos. Williams weiter, ob es nicht zutreffe, daß der von Sir Herbert Samuel cingesetzte G r o ß in u f t i als das Oberhaupt der mohammedanischen Bevölkerung Palästinas angesehen werde und ob irgendwelche Informationen vorlägen, in denen er mit den gegenwärtigen Unruhen in Verbindung gebracht wild. Minister Ormsby-Oore antwortete, das Amt des Mufti sei rein religiösen Charakters. Der Träger dieses Amtes sei Vorsteher eines religiösen Gerichtes, das sich mit Fragen des Personenrechts und der Rcligiorisubung befasse. Gewiß sei der Mufti ad personal», wenn nicht erblich, religiöses Oberhaupt der Omar-Moschee in Jerusalem; ihn aber als von Sir Herbert Samuel eingesetzt zu bezeichnen, sei zu weitgehend; es wäre sehr unrichtig, wenn das Haus daraus den Schluß zöge, daß der Mufti R c g i e r u n g s b e a m t c r sei. Lord Wintert o n fragte, ob die Namen der Mitgl i cd er 11 e r Kgl. Kommission sofort veröffentlicht werden würden oder oh die ganze Prozedur auf gehalten werden solle, bis dieser beklagenswerte Zustand beendigt sein wird. Minister Ormsby-Oore antwortete, daß die Regierung nicht beabsichtige, eine Kgl. Kommission einzusetzen oder ihr Arbcits- und Berichtsprogramm zu veröffentlichen, bevor nicht die englische Verwaltung wieder Herr des Landes, Gesetz, und Ordnung endgültig wiederhergestellt und Gewaltakte verhütet sein würden. Der Abgeordnete Herbert Morrison fragte, ob nicht die Führer dieses sogenannten Streiks, der anscheinend ein politischer Streik sei, gutgestellte Leute, manche von ihnen Kapitalisten, und nicht Gewerkschaftsführer in irgendeinem Sinne dieses Wortes seien. Sei dies der Grund, warum man sic schütze? Minister Ormsby-Oore antwortete, es sei richtig, daß unter denjenigen, die diese Bewegung führten, Personett aller Art waren. Der Abgeordnete Ga Hach er fragte, ob es auf Grund der ersten Antwort vom Standpunkt des Kolonalminisiers aus nicht wünschenswerter wäre, das, was gerecht sei, in der Form einer Gesetzgebenden Versammlung zu gewähren, statt zu versuchen, eine Militärdiktatur attfzurichten. Der Minister stellte fest, daß der High Commissioncr seit dem Beginn der Unruhen mit Arabern, Juden und Christen wegen der Bildung eines Legislative Council verhandelte und daß das Angebot gemacht worden war, eine Abordnung arabischer Führer in London zu empfangen, um die Sache zu besprechen. Zum Schluß fragte noch Commander Oliver Locker- Lampson den Minister, oh er etwas tun könne, um Italien zu verhindern, eine antienglische Propaganda durch den Rundfunk in arabischer Sprache zu treiben. Die Frage blieb unbeantwortet.. Unterhauserklärung Ormsby- Gores ״Besorgnis um das Wohlergehen aller Teile der Bevölkerung Palästinas“ Keine Untersuchungskommission vor dem Ende der Unruhen

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