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Jüdische Rundschau · 1936-06-04 · Heft 44-45 (4.6.1936) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 44-45 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PAlÄSTlNA-BLAfT Nr. 44/45, 4. JUNI 1936 Aufrechterhaltung des Streiks Weitere Maßnahmen der Regierung — Vergrößerte Anstrengungen der Araber — Jüdische Disziplin Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 24. Mai 36 Palästina zählt heute den 35. Tag des arabischen Streiks. Nach wie vor hält die anormale Situation im Lande an. W i e anormal sie ist, läßt sich daraus erkennen, dal? man Brände, Schüsse, Terrorakte zu den Alltäglichkeiten rechnet und nur Ereignisse, die auf diesem Hintergrund besonders hervortreteu, also besonders kühne Akte der Sabotage oder besonders grau• same Beispiele des Terrors und größere Zusammenstöße z.wisehen der arabischen Menge und der Polizei allgemeinere Aufregung in allen Kreisen hervorrulen. Diese Permanenz des anormalen Zustandes und nicht nur besondere Einzelercignisse haben die Regierung in den letzten Tagen dazu veranlaßt, schärfer als bisher durch/ugreifen. Diese Linie war bereits nach dem dreifachen Mord in dem Jerusalemer Kino erkenntlieh und verschärft sich jetzt noch erheblich. Die Eisenbahn, die in letzter Zeit schwer unter Sabotage-Akten 7u leiden hatte — Versuche zur Brückensprengung, Bombenlegung, Lockerung der Schienenschvve’len — wird besonders von Militär bewacht, und wer sich außer an den notwendigen verkehrsreichen Uebergängen auf mehr als 50 m der Balmlinie nähert, tut es auf eigene Gefahr. Die Telephondrahte, die in letzter Zeit immer wieder an den verschicdensten Stellen durchschnitten wurden, werden jetzt von elektrischem Strom durchlaufen. Die Patrouillen des Militärs und der Polizei werden, besonders an den Hauptverkehrs- Straßen, die nach wie vor unsicher sind, verstärkt. Neues Militär ist aus Aegypten gekommen. Soweit die reinen polizeilich-militärischen Siclierlieitsmaßnahmen. Neben ihnen gehen solche, die auch eine p o I i - tische Bedeutung haben. Zum ersten Male seit Beginn der Unruhen hat die Regierung nicht nur durch Vcrwarnungen, Drohungen und Verhandlungen, sondern durch offene Schritte gegen bestimmte Organisatoren und Agitatoren der arabischen Bewegung in den Streik und die Terrorbcwegung einzugreifen versucht. An verschiedenen Stellen des Landes sind die lokalen Führer der arabischen Bewegung an andere Orfe verbannt und damit ihrem angestammten Arbeitskreis entzogen, die lokalen Gruppen der gewohnten Füllrer beraubt worden. Verschiedentlich sind diese Umsiedlungen und Verbannungen mit Polizeiaufsicht verbunden. Die Konferenz der Bürgermeister, die für den Samstag nach Ramallah einberufen war, wurde von der Regierung für ungesetzlich erklärt, und als die arabischen Bürgermeister doch nach Ramallah aufbrachen, wurden sie unterwegs abgefaßt und an ihre Orte zuriickgesdiickt, Die Konferenz fand nicht statt. Für die Stimmung ist charakteristisch, daß zwei arabische Stadträte in Nablus und Hebron den Streik erklärt, also den eventuellen radikalen Beschluß der Konferenz von Ramallah vorweggenommen haben. Demonstrationen in verschiedenen arabischen Städten, die dauernd Vorkommen, werden auseinandergetrieben. Dieser Prozeß verläuft bisher an den meisten Stellen unblutig, weil Führer und Massen wissen, da ßl’olizei und Militär scharfe Orders haben und jeder Widerstand sehr ernste Folgen haben kann. Die arabische Aktion sucht sich gerade unter diesem Gesichtspunkt auch neue Wege, So hat man Ende der letzten Woche in Jaffa versucht, die Sperrstunde, nach der jeder, der nicht einen speziellen Paß bekommt, nach 6 Uhr zu Hause zu sein hat, zu durchbrechen. Es versammelte sich, kurz vor der Sperrstunde, eine große Menge in* der zentralen Moschee der Stadt und begann die Abendgebete, die man über die festgesetzte Stunde ausdehnte. Man hoffte auf diese Weise, in Masse die Regierungsorder über die nächtliche Räumung der Straßen zu durchbrechen. Die Behörden ließen aber die Moschee umstellen und keinen auf die Straße, so daß die Beteiligten gezwungen wurden, in der Moschee zu übernachten. Die Regierung versucht zudem, der überaus stark angescliwollenen Agitation, die durch reisende Redner betrieben wird, einen Riegel vorzuschieben, indem sie für Autos besondere Pässe verlangt, die täglich erneuert werden müssen. Die Polizeiverordnung, die diese neue Maßnahme bekanntgibt, bemerkt sehr bezeichnend, daß die Polizei ״friedlichen Bürgern“ damit keine Schwierigkeiten zu bereiten gedenkt. Ueberliatipt sind die Befugnisse der Behörden, insbesondere der Distriktskommissar, durch neue Orders stark erweitert worden, so daß die legalen Grundlagen für jede neue Gegenaktion geschaffen sind. Gegenüber dieser unmißverständlichen Haltung der Regierung vergrößern die Araber ihre Anstrengungen. Es ist jetzt 11a 11 fünf Streikwochen bereits außerordentlich schwer, die Aktion weiterzutragen. Die Wirtschaftliehen Störungen im arabischen Sektor sind überaus schwer, die kleinen Leute haben schwere Entbehrungen, die Bemittelteren schwere Geldverluste zu ertragen. I >a?u kommt, daß die politischen Antworten der Regierung, die Gewährung der Zertifikate au die Jesvish Agency und die Erlaubnis zum Landen von Schiffen in T el-Awiw einen sehr nie der drückenden Eindruck auf die Menge gemacht haben. Unter den Hafenarbeitern in Jaffa erregte das erste in Tcl-Awiw anlegende Schiff einen wahren Sturm, und die trotz aller anders lautenden arabischen Propaganda immer mehr sichtbare Tatsacht•, daß die Juden durch alle Storungen nicht von ihrer Arbeit ahgehalten werden und die Regierung bisher nicht zum Rückzug gezwungen wurde, tun das ihre. Aber ge ra d e d i e s c s Mißlingen der A k t i oiv e 11 i in pol» t i sc!1 e n Sin n c z w 1 n g t den Arabern e i!1 e n w eiteren K a in p f auf. I >ie Führung sicht keinen Ausweg aus der Lage, die Beziehungen zwischen dem obersten arabischen Rat und dem ()herkommissariat spannen sich immer mehr, und die Masse hält durch, in der Hoffnung, daß schließlieh doch irgendein Erfolg sichtbar werden wird.! me solche Aktion wie die, mit der wir es zu tun haben, ist nach einer Woche leichter abzubrechen als nach fünf. Fs ist freilich jetzt nur eine Frage relativ kurzer Zeit, wie lange die Kräfte zum Streik und dem sie begleitenden Terror ausreichen werden. Der syrische Streik hat 45 Tage gedauert, der palästinensische hat diese Periode jetzt bald erreicht. Hier manifestiert sich die Hartnäckigkeit, mit der sich die arabische Masse und vor allein die Jugend in diese Aktion fe«tgebissen hat. Sie ab/ubrechen ist aus politischen wie aus psychologischen Gründen gleich schwierig. Die Juden überall im Lande haben bis heute die ungeheure Nervenprobe, die die letzten fünf Wochen ihnen auferlegten, Aus dem Hule-Gebiet Der Ingenieur and seine Helfer kehren von Vermessungsarbeiten zurück. Beduinen am Hule-See Links oben; Bodenproben aus dem Hule ■Gebiet im Bodenforschungsinstitut in Rechowoth *>»<>•! Herk.rt Sow«i«iä י. זו I » rar u י.-*ז «? ■ 4* «•י ־ ** % V «•י; V״ י Ein Schomer reitet aus Die Gebäude der Hula-Station; 1 jsdKfe #•י־!© je!? ״säst $ו$נ»ז<' י*׳•" s*< 1111 HK **Vti* I r \ I f I t ft I f (

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