Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Sonder-Ausgabe (29.5.1936)
- Date
- 1936-05-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonder-Ausgabe Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU SdirlfileitaBgtVeriag n. Anzelgenvcrwaltungt BerllnW IS, Meinekeetr.10 Farnrafi Sammet •»Nummer Jl (Bismarck) 9031. — Bezugspreis einschlirßljch je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs . Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reith). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugs gebühren. ־— Erscheint jeden Dienstag und Freitag. BERLIN ח׳ פיון תרצ״ו FREITAG, 29. MAI 1936 Gültig:t AnzelgenprelalUte Nr. 5. Die 12 gespaltene mm. Zeile?0 Rpf., fßg Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmter» Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit*- Anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annnhmeschluß für di» Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F reitag . Ausgabe Mittwoch 13 Uhr, (Für Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina, (Baseler Programm) Unruhen aui dem Höhepunkt Zusammenstöße mit Militär —Verhältnismäßig ruhiger Feiertag — Rundfunkrede Wauchopes — Der neue Kolonial - Minister — Sitzung der Mandats-Kommission Die mit dem arabischen Streik verbundenen Aussch r e i t u 11 gc!1 haben zu Beginn dieser Woche ihren Höhepunkt erreicht. In den arabischen Zentren und auch an vielen Punkten des flachen Landes ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen, und die arabischen Terroristengruppen haben es sogar gewagt, an einigen Stellen der Polizei und dem gegen sie eiligesetzten Militär Widerstand zu leisten. Die Annahme bcsteht daher wohl zu Recht, daß mit diesen Formen des Kampfes, durch den ein großer Teil des Landes in heftigste Unruhe versetzt worden ist, der Höhepunkt der Ereignisse erreicht wurde. Obwohl die Zwischenfälle selbst noch nicht aufgehört haben, wird jetzt eine leichte Entspannung gemeldet, die — wie wir hoffen — den Beginn einer allmählichen Ucberwindung des Unruhezustandes einleitet. Der Jischuw hat auch in diesen schweren Tagen seine unerschütterliche Ruhe behalten. Man hat sich darauf beschränkt, die Regierung bei der Abwehr der Angriffe zu unterstützen und das jüdische Eigentum nach Möglichkeit gegen Angriffe zu schützen. Der Schaden, der dennoch sowohl in den Städten als auch ganz besonders in den Siedlungen entstanden ist, dürfte außerordentlich groß sein und ist heute noch nicht abzuschätzen. Es muß erwartet werden, daß die Regierung für die Geschädigten eintritt und in an* gemessenem Umfange und in rascher Frist für den Ers a t z der Schäden sorgt. Wenn die jüdische Bevölkerung Palästinas in diesen Wochen der ewigen Spannung und des Auf-der-Wacht- Stehens bei Tage und bei Nacht die Nerven behalten hat, so zeigt sich hierin die Stärke, die das jüdische Werk in Palästina im l aufe der vergangenen Jahre bereits erreicht hat. Wir sind uns bewußt, daß keine Macht der Welt imstande ist, das Werk jüdischer Arbeit in Palästina zu zerstören oder in seinen Grundfesten zu erschüttern. Das jüdische Volk empfindet in der Zeit des Unglücks und der Not seine Verbundenheit mit den Menschen um so stärker, die in vorderster Front in Palästina stehen, und gibt ihnen die Versicherung, daß sein Wille zum Aufbau des Landes und sein Mut bei der Durchführung dieses großen Unternehmens unter keinen Umständen erschüttert werden kann! Diese Haltung, durch die die nationale Energie der Juden in aller Welt sich im Aufbau Palästinas konzentriert, ist das Korrelat des Standpunktes der M a 11 d a t s r e g i e r u 11 g, der von Sir Arthur Waue hop e erneut in einer Ansprache auf der Tel-Awiwer Messe bekräftigt wurde, wonach die Regier 1111g um kein Jota von den Mandatsver• p f 1 i c 111 u n g e n a b vv e i c h e n wird. Inzwischen geht die Diskussion der politisehen Fragen Palästinas in der englischen und in der gesamten Weltpresse mit großer Intensität weiter. Das britische Kolonial-Miiiisterium hat in Orinsby-Gore einen neuen Verwalter bekommen, der mit den besonderen Fragen Palästinas wohlvertraut ist und seine positive Stellungnahme zur Politik der Errichtung des Jüdischen Nationalheims mehrfach in klarer Weise präzisiert hat. Ohne Zweifel wird die britische Regierung schon sehr bald eine Erklärung zu den Ereignissen im Lande vor einem internationalen Forum abgeben müssen, da die F r ii h j a 11 r s t a g u 11 g der Mandats-Kommission des Völkerbundes soeben eröffnet wurde, die 11. a. den Bericht der Mandats- Wir haben uns entschlossen, die heutige Sonderausgabe der ״Jüdischen Kundschau*‘ herauszugeben, um unsere I!eser auch in der Feiertags- «eit über die Ereignisse in Palästina xn informieren. regicrung über Palästina zu behandeln hat. Man darf gewiß die praktische Bedeutung dieser Erörterung nicht unterschätzen; dennoch bildet sie eine Gelegenheit, um die Politik der Regierung vor einer großen Hoffentlichkeit zu erläutern. Die Jewisli Agency hat ihrerseits — wie üblich — in einem Memorandum über die jüdische Arbeit in Palästina im abgelauicneii Jahre berichtet, das einen umfassenden Einblick in alle Zweige der Tätigkeit gibt. Das diesem Memorandum beigeiugte Beg 1 e i t s c 11 r e i b e 11 Dr. W e i z m a n 11 s an Sir Arthur Waucliope (dessen wesentlichen Inhalt wir in der michsteil Ausgabe unseres Blattes wiedergebe 11 werden) faßt die hauptsächlichsten jüdischen Forderungen nochmals in sehr einprägsamer Weise zusammen und geht dabei auch kurz auf die jüngsten Ereignisse in Palästina ein. Ohne Zweifel ist die Entwicklung der Dinge in Palästina nicht isoliert zu befrachten. Die Bewegung in der orientalischen Welt, die seit dem Beginn des italieniseh-abessinischen Konfliktes zu beobachten ist, muß als eine der auslösenden Ursachen für die Unruhen angesehen werden, ln der britischen Presse wird in der letzten Zeit der Versuch gemacht, die italienische Politik für den Ausbruch der Unruhen direkt verantwortlich zu machen, während sich Italien naturgemäß gegen einen solchen Vorwurf energisch wehrt. .Wie immer die tatsächliche Lage in Ben Gux-Ion nach London abgereist Jerusalem, 25. Mai. In den Morgenstunden des 25. Mai wurde, wie bereits gemeldet, in Jerusalem wieder ein Jude ermordet aufgefunden. Die Leiche, die an der zur Hebräischen Universität führenden Straße lag, wurde als die des 36jährigen Arbeiters Jakob Razill agnosziert. In einem am Nachmittag veröffentlichten Communique teilte die Regierung mit, daß am Vormittag ein Araber in Gaza bei einem Zusammenstoß mit der Polizei getötet wurde. Ein Araber wurde im Laufe der Nacht in Jaffa getötet; er hafte auf Polizisten geschossen, die das Feuer erwiderten. Die telephonischen Verbindungen mit Kairo und Beirut waren am Montag unterbrochen, da arabische Terroristen die Drähte durchschnitten hatten. Im Laufe des Tages wurden wieder einige Fälle von Brandstiftungen aus verschiedenen Teilen des Landes gemeldet. Zwei Araber wurden von der Polizei bei dem Versuch verhaftet, jüdisches Eigentum in Mischmar Haemek in Brand zu stecken. Polizei, die sich im Emek J e s r e e I bei Löscharbeiten beteiligte, wurde von Arabern beschossen. Die Angreifer verschwanden, als die Polizisten das Feuer erwiderten. In einem Dorf bei Nazareth griffen arabische Frauen die Polizei durch Steinwürfe an. Die Polizei gab eine Warnungssalve in die Luft ab. Von einer verirrten Kugel wurde ein arabisches Mädchen tödlich getroffen. Scheik Farouki, der Chefredakteur der Zeitung ״Alislamia“, erhielt Befehl, seine Wohnung in Ramleh nicht zu verlassen. Der Präsident der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, hat sich am 25. Mai im Flugzeug nach London begeben. Unruhen in Nablus und Tulkerem Jerusalem, 27. Mai. Unmittelbar vor den Schawuoth-Feiertagcn hat der arabische Terror in Palästina seinen Höhepunkt erreicht. Die Unruhen hatten einen gefährlichen Umfang angenommen, und die Beschädigungen jüdischen Eigentums nahmen in besorgniserregender Weise zu. Die Behörden hatten darum am Dienstag zum erstenmal Juden zur Selbstverteidigung mobilisiert. Dies geschah in Rechowoth. Ferner wurde eine neu gebildete jüdische Polizeitruppe im Hinblick auf die Unverläßlichkeit der arabischen Polizei nach T ulkerem gebracht. Zahlreiche Terroristenbanden treiben ihr Unwesen in den Bergen von Nablus und in den Außenbezirken von Tulkerem. Zwischen der Polizei und Militär einerseits und Terroristenbanden andererseits gab es fast unaufdieser Hinsicht sein mag — es kann nicht verkannt werden, daß die englisch-italienische Spannung für die ruhige Entwicklung in den orientalischen Ländern von nachteiligsten Folgen ist, da die Hoffnungen radikaler Elemente der Landeshevölkerungen durch den Gegensatz zwischen europäischen Machten genährt werden. Wir Juilen sind daher aufs lebhafteste daran interessiert, daß ein Ausgleich dieser Spannungen möglichst rasch erfolgt, damit das!.and, mit dem unsere Arbeit verknüpft ist, aus den (iefahrenzonen der Weltpolitik herauskommt. Nichts wäre ja so gefährlich, als wenn die weltpolitischen Gegensätze, die im Orient bestellen, Palästina zu einem Objekt ihrer Bestrebungen machen und das Land dadurch in einem Unruhezustand ,’alten würden. Die zionistische Arbeit in Palästina bedarf einer Atmosphäre der Stetigkeit und der Ruhe als Voraussetzung ihrer konstruktiven Wirtschaftliehen und kulturellen Tätigkeit Ihre Wiederherstellung im Lande mit den Mitteln der Mandatsregierung und ihre Anbahnung im gesamten Raume des Vorderen Orients ist eine Grundforderung des jüdischen Volkes, deren Erfüllung im Interesse der gesamten Welt hoffentlich nicht allzulange auf *sich warten lassen wird. K. L. hörlich Kugelwechsei, wobei mehrere Soldaten und Polizisten verwundet wurden, während es unter den Terroristen viele Verwundete und mehrere Tote gab. ln Safed, Tiberias uftd Gaza wurde gestern abend der Ausnahmezustand erklärt. Zu einem Zusammenstoß zwischen Arabern und Polizei kam es dem CommuniquC zufolge auf dem Berge Tabor, als Polizei Araber von jüdischen Feldern trieb. Die Polizei erlitt hierbei keine Verluste. Es ist jedocli anzunehmen, daß es auf arabischer Seite Verluste gab. Das Heim des arabischen Sportklubs in Nablus wurde von Militär besetzt. In einem Communiquö wird bekanntgegeben, daß die Ruhe in Gaza nach Heranziehung militärischer Verstärkungen w i e d e r h e r g e s t e 111 wurde. Die Familien der englischen Beamten wurden aus Gaza und Jaffa in Sicherheit gebracht. Ein zwischen Jaffa und Tel-Awiw gelegener großer jüdischer Holzplatz ist in Brand gesteckt worden. Andere Brände wurden aus Rech o w o t h und B a j i t h Wegan gemeldet. Zu Schießereien kam es bei Beth Alpha und an der Peripherie von Haifa. Elimelech B e r k o w i t z, der als Werkführer vom Departement für öffentliche Arbeiten der Regierung beschäftigt wird, wurde von einem arabischen Arbeiter schwer verwundet, als er die Arbeit beim Bau der Straße Akko Safed beaufsichtigte. Berkowitz erhielt Messerstiche in den Rücken und Magen. Ein anderer arabischer Arbeiter eilte ihm zu Hilfe; der Angreifer entkam. Berkowitz' Verletzungen sind lebensgefährlich. Am 26. Mai sind über 11 000 junge Bäume in Palästina ausgerodet und viele Felder im Emek Jesreel in Brand gesteckt worden. Uebcr arabische Dörfer im Beisan-Gebiet wurden wegen der Brandstiftungen im Emek Kollektivstrafen verhängt. In verschiedenen Teilen des Landes, hauptsächlich in der Nähe von Chederah, sind Träger der Hochspannungsleitungen der Ruthenberg - Elektrizitätswerke umgestürzt worden. In Haifa fand das erste Verhör der neun Araber statt, welche angeklagt sind, einen jüdischen Autobus mit Steinen beworfen und den Tod von Dr. Carl Feldberg verursacht zu haben. Unter den neun befindet sich ein Schullehrer, welcher bereits im Gefängnis zu Akko eine neunmonatliche Strafe wegen Hetze abbüßt. In der Nacht vom Montag zum Dienstag sind jüdische Kolonien in der Scharon-Ebene von bewaffneten Banden angegriffen worden. Militärische Verstärkungen gingen in das gefährdete Gebiet ab und schlugen die Angreifer rechtzeitig zurück. In der Kolonie R a a n a n a versuchten Araber, die Bewässerungsanlage durch Unterbrechung des Zuflusses stillzulegen. Es wurden auch Bomben in die Brunnen einzelner Besitzer geworfen. An der Grenze von Tel-Awiw sind neun Bomben geworfen worden. Dies führte zu einer Panik unter den Bewohnern der jüdischen Vororte. Das Neewe Schalom-Viertei wurde geräumt; die Einwohner sind nach Tel-Awiw gezogen. Kämpfe mit Terror gruppen