Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 42-43 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 KIN D ER ־ RU ND SCHAU Nr. 9 Qaihhi&kwulü/e mmm ז ': I:-׳. 1 י!’■ ־ .-ין ttי "*יי«׳ ז־»wי!*•».*..•■ v•*»v»*•>«1ל ws**js; ׳״/ j / Vor einem Jahr war ich in Palästina. Ich bin durchs ganze Land gefahren, habe die Städte gesehen, Kwuzoth besucht — und habe mich bemüht, recht viel zu sehen. Und wißt ihr, worüber ich mich am meisten gewundert habe? Ueber einen Eßraum in einer Kwuzah! Jawohl, über einen einfachen Eßraum, über ein ״Chadar-Ochel!“ Das heißt, einfach war er ja eigentlich nicht, der Eßraum. Es war schon etwas Besonderes an ihm, etwas sehr Merkwürdiges sogar. Davon will ich erzählen. Das ״Chadar-Ochel“, das ich sah, hatte eine sehr merkwürdige Form. Es war lang, sehr lang und schmal. Es er- Streckte sich in seiner Länge fast von einem Ende der Kwuzah zum anderen. (Das ist nur wenig übertrieben, glaubt es mir.) Diese ״Länglichkeit“ war eigentlich schon komisch genug. Aber, denkt euch nur, wenn man genau hinsah, sah man, daß der ganze Eßsaal aus einzelnen kleinen Stücken Das Chaclar-Ochel war sehr lang und schmal zusammengesetzt war. Das erste Stück war alt, und an maneben Stellen schon ausgebessert. Da waren die Nägel langst gerostet und die Farbe von der Sonne geblichen. Dann folgte ein neueres Stück. Die Farbe war schon frischer als beim ersten. Das dritte Stück schien noch frischer und jünger zu sein als das zweite und so fort, bis zum fünften und letzten Stück, das so funkelnagelneu aussah, daß man denken konnte, hier sei gestern erst der letzte Nagel eingeschlagen worden. Ich wußte gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Das will schon etwas heißen! War der Eßraum nun neu oder alt? War er hellblau oder dunkelblau? Man konnte es nicht sagen. Das eine Ende war alt und das andere Ende neu. Stellt euch das vor! Ein längliches, ganz langes ״Chadar-Ochel, nicht alt und nicht neu, nicht hellblau und nicht dunkel ...!“ Na, ich, kurz entschlossen, fragte M e n a c h e m, den ältesten Chawer der Kwuzah. Und Menachem schmunzelte und erzählte mir die Geschichte des merkwürdigen ״Chadar- Ochel«: ״Zuerst, als wir mit wenigen Chaluzim hierherkamen, ins Galil, bauten wir uns einen kleinen Eßsaal. Wir waren fünfzehn Mann nur, und wir bauten ein kleines Holzhäuschen. Wer dachte denn von uns, daß uns Chaluzim viele aus der Galuth folgen würden! Wir hofften es zwar, aber dachten nicht im Ernst daran. Eines Tages aber kamen neue Chaluzim ins Land! Wir zögerten nicht einen Augenblick, sie bei uns aufzunehmen. Und, kurz entschlossen, rissen wir eine Wand von unserem ,Chadar-OcheF fort, und — bauten ein Stück dran!“ ״Aha.,.!“ sagte ich und mir ging ein Licht auf. ״So Ist es also oft gegangen?“ fragte ich und zählte die Fugen, mit denen die neuen Stücke an die alten grenzten. ״Viermal schon“, rief Menachem stolz. ״Viermal schon haben wir an gebaut! Viermal ist eine neue Schar von Chaluzim zu uns gekommen! — Hier, schau her!“ Menachem klopfte an das blanke, frische Holz am ״neuesten“ Ende des ״Chadar-Ochel“ — ״dieses Stück ist erst vor wenigen Tagen fertig geworden. Morgen nämlich kommt eine Gruppe der Jugendalijah aus Deutschland zu uns. Auch für sie muß Platz sein im ,Chadar-OcheF.“ ״Wundervoll!“ rief ich aus. ״Mögest du lang und länger werden, du komisches Chadar-Ochel, und immer neuen Chawerim Platz bieten!“ * Das war vor einem Jahr. In diesem Jahre war ich wieder in Palästina, und wieder kam ich in Menachcms Kwuzah. Mein erster Weg führte zum ״Chadar-Ochel“■, zu dem merkwürdigen Eßraum. War er wohl wieder länger geworden? Hoffentlich, hoffentlich! Aber denkt euch meine Enttäuschung — das letzte Stück vom vorigen Jahr, es war das letzte geblieben. ״Sind keine neuen Chawerim gekommen in diesem Jahre?“ fragte ich traurig Menachem. ״O doch“, rief Menachem aus, ״so viele sind gekommen, daß wir nicht angebaut haben.“ ״Nicht angebaut...?“ Da nahm mich Menachein bei der Hand und führte mich hinter das Haus. Da stand ein neues, funkelnagelneues Holzhauschen. Klein und kurz. CcheF bauen“, sagte Menachem stolz. Da freute ich mich wieder, und ich lief hin und pochte gegen die Wände des neuen Hauses: ״Wachse, kleines Da nahm mich Menachem an der Hand und führte mich hinter das Haus ״Wir mußten ein neues ,Chadar Da stand ein neues, funkelnagelneues Uolzhäuschen ,Chadar-OcheF. Werde lang und länger, — Stück für Stück ...!“ Und Menachem rief dasselbe. Ob sich unser Wunsch erfüllt? — Im nächsten Jahre will ich wieder nachschauen gehen ... Chajim ben reu wen Land der Jugend Das Buch der Ki n der-Rundschau ist das schönste Geschenk, das ihr euch wünschen könnt. Wenn ihr es noch nicht habt, bittet eure Eltern darum. £8 kostet nur Reichsmark 2.85 und ist bei eurem Buchhändler oder direkt beim Verlag der Jüdischen Rundschau Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu beziehen