Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 42-43 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 42/43, 26. MAI 1936 B Der Gemeinde-Etat 30 jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Emil Bernhard Cohn Dr. Emil Bernhard Cohn blickt in diesen Tagen auf eine dreißigjährige Rabbinertätigkeit zurück. Wechselvolle Schicksale sind ihm beschießen gewesen. Es bleibt 111m unvergessen, daß er als blutjunger Prediger der Berliner Jüdischen Oemeinde den Mut aufbrachte, gegen das ausdrückliche Verbot des Gemeindevorstandes Theodor Herzl die Gedenkrede zu halten. Das bedeutete in damaliger Zeit eine Tat. Seitdem hat Emil Cohn hundertfach bewiesen, daß er ein Bekenner ist, wohin ihn auch der Beruf, dem mit jenem Wagnis ein jähes Ende drohte, gestellt hat. Keine schönere Rechtfertifung gibt es für den heute ürtrundfünfzigjährigen, als daß er längst als einer der meistgenannten Rabbiner der e r 1 i n er Ci e in e i n d e wirkt — allerdings auf dem Wege über eine private Organisation, den Synagogenverein Grünewald, der dann sein Gotteshaus der Gemeinde iiberwiesen hat. Um die Synagoge Grünewald als Mittelpunkt hat Emil Cohn ein reiches Gemeindeleben zu gestalten verstanden. E; stellte, ebenso wie an seinen früheren Wirkungsstätten Kiel, Essen und Bonn, seine ungewohnliche Belesenheit auf jüdischem und schöngeistigem Gebiet, in Philosophie und Geschichte, seine pädagogischen und rednerischen Fähigkeiten nicht nur der Kanzel, sondern auch dem L e h r s a a I und dem Versammlungsraum unermüdlich zur Verfügung. Neben der Berufsarbeit, die sonst einen Berliner Rabbiner voll in Anspruch nimmt, neben Prediger- und Schulämtern, neben der Lehrtätigkeit am Jüdischen Lchrhaus und einer über das ganze Reich ausgedehnten Vortragswirksamkeit hat er gerade in den letzten Jahren in gesteigertem Maße literarische Erfolge geerntet. Die Welt kennt Emil Cohn als den Schriftsteller Emil Bernhard, der vor allem ais Dramatiker, aber auch als Legenden- Nachdichter, als Lexikograph (mit einem allgemeinen jiidisehen ABC-Buch und einem Neuhebräiscli-Lehrbiich), als phantasievoiien Erzähler, der besonders der Kinderseele die Gcstalten der jüdischen Geschichte nälierzubringen weiß, sich einen Namen gemacht hat. Des ״jüdischen“ Schriftstellers bedeutendste Leistung ist der im Jahre 1023 veröffentlichte ״Aufruf an die Zeit: Judentum“, der in manchen Teilen auch heute noch geschrieben sein könnte. Mögen dem in jugendlicher Tatkraft wirkenden Jubilar, dessen Leistungen für. die zionistische Bewegung und Erez Israel in die Geschichte unserer Zeit eingegangen sind, noch viele Jahrzehnte weiteren Schaffens vergönnt sein! Das jüdische Schulwesen in Palästina. In einer Vcrsammlung der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Lehrer vorband cs referierten Frl. Mali! Lichtenstein und Frl. Dr. Eilen Litt mann über das jüdische Schulwesen in Erez Israel aut Grund von ei׳,reuen Eindrücken und Beobachtungen. Frl. Lichtenstein gab Einzelheiten über die Stadt- und Landschulen und erwähnte, daß die Einordnung der Kinder aus Deutschland in das hebräische Milieu auf dem Lande erheblicli leichter sei ais in der Stadt. Fri. Dr. L i 11 m a n n befaßte sich mit dem Aufbau des palästinensischen Schul- Wesens. Bemerkenswert ist, daß auch in den Volksschulen Englisch Pflichtfach ist, in den Landschulen auch das Arabische. Eingehend befaßte sie sich mit den Lehrplänen und zeigte den Unterschied aut zwischen den Schulen der ailgemeinen Zionisten und des Misrachi. Die Referentin glaubt, daß das Land und die Sprache mit der Zeit auch eine innere Begegnung mit der Bibel ausiösen wird. — Der Leiter des Abends, Rektor Dr. Stern, gedachte zu Beginn der Vcranstaltung des plötzlichen Heimganges von Nahum Sok o 1 o w. S. G. Für Frieden und Aufbau in Erez Israel. Unter diesem Motto stand eine Kundgebung der BZV. und des Synagogen- Vereins Moabit und Hansabezirk in der Synagoge Lessitigstraßc. Rabb. Dr. A. H. Colin forderte die Rückkehr zu den alten Tlioraidealen. in temperamentvoller Weise sprach Rabb. Dr. Harry Lewy zu den Auseinandersetzungen zwisehen Juden und Arabern. Dr. David Schloßberg forderte die Stärkung der jüdischen Positionen im Lande. -II- Die Debatte in der Repräsentanten -Versammlung In der Sitzung der Gemeinde-Repräsentanz vom 13. Mai fand, wie bereits kurz gemeldet, die Beratung des Etats statt. Der Vorsitzende des Gemeiudevorstandes, Direktor Stahl, führte hierzu aus: Der Etat hat gegenüber dem ersten Entwurf, der bereits im November v. J. aufgestellt werden konnte, einige Aenderimgcn erfahren. Wir haben geglaubt, Sparmaßnahmen, deren Durchführung beabsichtigt war, zunächst noch zurücksteilen zu sollen und demzufolge enthält die Vorlage Posten, die höher sind, als der Entwurf es vorgesehen hat. Unter Bcriicksichtigung der Verhältnisse, wie sie sich für uns gestaltct haben, sind dies namentlich Aufwendungen zum Zwecke der Auswanderung, der Wanderung und für Vorbereitungen hierzu. Die Aufwendungen für diese Gebiete sind so erheblieh größer geworden, daß wir cs dankbar begrüßen würden, wenn die Mitglieder unserer Gemeinde in. der Lage wären, das gleiche Steueraufkommen wie im vorigen Jahre aufzubringen. Auch einige für die Beförderung von Beamten und Angestellten vorgesehene Ausgaben wollen wir, soweit es irgend gellt, aufrechterhalten. Trotzdem werden wir uns der größten Sparsamkeit befleißigen müssen, wobei einzelne Wünsche auf höhere Dotierung von Etatpositionen zurückgestellt werden sollten. Es folgte der Bericht des Vorsitzenden des Etatausschusses Wilhelm Marcus, der mitteilte, daß der vorliegende Etat für 1936 Ausgaben in Höhe von rund!1867 000 RM: Vorsicht. Dieser Betrag muß durch Steuern und sonstige Einnahmen gedeckt werden. Der Berichterstatter behandelte sodann die einzelnen Etatsposten. Er führte 11. a. aus: Der Wohlfahrts- Etat hat infolge der befriedigenden Entwicklung der Sammlangen eine Entlastung erfahren. Dies hat auch zu der Einsicht beigetragen, daß jede Steuererhöhung vermieden werden soll. Infolgedessen haben auch die Ausgaben für soziale Zwecke keine Kürzung erfahren. Die Wirtschaftshilfe hat das geleistet, was sie unter den gegebenen Umstanden hat leisten können. Im Jugendpflegedezernat ist besonders die Einrichtung der Vor! eh re hervorzuheben, die sich außerordentlieh gut bewährt hat, und die es ermöglicht, die Schulentlassenen in geordnete Beschäftigungen zu bringen und sie für die manuelle Arbeit vorzubereiten. Die Bcrufsumschichtimg und Berufsberatung ist nach wie vor eine der Hauptaufgaben, der wir uns mit Rücksicht auf die Entwicklung der Situation unserer Jugend widmen müssen. Beim Arbeitsnachwcis sind noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Wir haben den Wunsch, daß ein Beirat geschaffen wird, der die Gewähr bietet, daß die angefangene Arbeit erfolgreich fortgesetzt werden kann. Das Schulwesen hat in den Aus- Schußberatungen eine erhebliche Zeit in Anspruch genommen. Hier ließ sich eine weltanschauliche Debatte nicht vermeiden. Von allen Erörterungen über die Schule hat die Frage der Einheitlichkeit des Schulwesens die erheblichste Zeit in An- Spruch genommen. Wir sind zu der Ucberzeugung gelangt, daß wohl die Einheitsschule der gegebene Typ ist, aber eine volle Einigung wird nicht ohne Schwierigkeiten zu erzielen sein. Von den Institutionen außerhalb der eigentlichen Gemeinde-Verwaltung sind zunächst der Hilfsverein und das Palästina-Amt zu nennen, welche beide die Auswanderung betreuen. Diesen Organisationen müssen die für die Durchfiihrung der Auswanderung erforderlichen Mittel gesichert werden. In der Aussprache nimmt als erster Redner der Vorsitzende der Fraktion des zionistischen Volksbundes, Rechtsanwalt Philipp K o z o w e r, das Wort: Bei der Betrachtung der Situation, in welcher wir uns befinden, müssen wir zwischen den Generationen unterscheiden, die in unserem Kreise leben: die Jugend, die hier keine Existenz mehr finden kann, die alte Generation, die kaum mehr wird auswandern können und die mittlere Generation, deren Problematik am schwierigsten ist. Hinsichtlich der jungen Generation haben wir die Pflicht, für weitgehende Auswanderungsmöglichkeiten zu sorgen und ihr alle Vorbedingimgcn dafür zu schaffen. Dazu gehören die Kenntnisse der hebräischen Sprache und die Vorbereitung für geeignete Was entscheidet? Deine Tat! Bringe auch du dein Opfer (0r Einwanderung und neuen Boden I Spenden 7,11 Schawuoth an den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL, Postscheckkonto Berlin 28247 Berufe. So gewiß es notwendig ist, unsere Jugend in handwcrklichcn Berufen aus/.uhildeii, sollten wir darüber nicht vergessen, daß das jüdische Volk ein Volk geistigen Schaffens war. Die Schulfrage spielt deshalb eine wesentliche Rolle, und wir haben einen Antrag eingebracht, wenigstens eine Schule als hebräische Schule mit hebräischer Unterrichtsspräche einzufiihreii. Für die Alten wird in den Heimen gesorgt. Aufmerksamkeit erfordert die Tätigkeit der Wirtschaftshilfc, was wesentlich für die Daseinsbedingungen der sogenannten mittleren Generation ist. Wir begrüßen die Schaffung des Kompromisses in der Gemeinde, weil wir in dieser Zeit den Gemeindefrieden dringend brauchen. Ich hin der Ansicht, daß das jüdische Volk aus dem Galuth-Schicksa! nur dann herauskommen kann, wenn es einig ist. Ich hoffe, daß im Sinne des Kompromisses uuseie Wünsche erfüllt werden. Ich verlange nicht die schematische Durehtiilmmg des Fifty-Fifly- Prinzips, aber ich mochte, daß die ganze Verwaltung von dem Geiste der Zusammengehörigkeit des jüdischen Volkes durchdrungen und mit jüdischen Werten erfüllt wird. Diese Aufgabe kann nur von Menschen dun hgefiihrt werden, die von Jugend auf durch ihre Einstellung und Er/iehung sich dem jüdischen Volke verbunden gefühlt haben. Dr. Fleischer, der für die religiös-liberale Fraktion das Wort nimmt, gibt Malier Befriedigung darüber Ausdruck, daß der Redner des zionistischen V< üksbumles eine weitanschauliche Aussprache vermieden habe. Vom Vorstandstisch nimmt < icim in,levoi Steher Dr. Klee das Wort, um nach E'ebernnbme des >d111!1i>1/׳-n1r1ls einige grundsätzliche Erklärungen über die (ie.-taitung des Schulwesens almigebeii. Die Fragen der Selniien sind heute zu Fragen von größter Bedeutung fur die Gesamtheit der Gemeinde geworden. Die Schulverwaltung steht insbesondere deshalb vor besonderen Aufgaben, weil bei I )urebfuhrung des angekündigte!) Schulgesetzes die Notwendigkeit der Ein- Schulung von etwa 5000 Kindern in neue indische Schulen sieli ergeben wird. Hinzu kommt das i’roblein der Lehrer, deren Ausbildung zumeist in einer Zeit lag, in der namentlieh in den öffentlichen Anstalten die iiu.iis.ehe f rage beim Unterricht eine Rolle nicht spielte, llenie müssen wir unseren Kindern eine Erziehung geben, die sie in der Welt ihren Platz, finden läßt. Die Erziehung muß auf ein zukünftiges Leben in anderen I ändern, ganz besonders in Palästina, abgestellt sein. In diese Aufgaben!1111 sen die älteren Lehrer erst hmeiinvachsen, jüngere Kräfte stehen noch nicht ausreichend zur Verfügung. Jüdische Kulturwerte müssen in allen Unterrichtsfächern unseren Kindern nahegcbracht werden, dabei hat die Ausbildung itn Hebräischen in jeder Form einen Hauptplatz. Vom Vorstandstische geht Dr. Breslauer auf einige in der Aussprache gemachte Bemerkungen ein. Der Redner hebt hervor, daß insbesondere die Beamten des Wohlfahrtswesens unter Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit arbeiten und ein großes Maß von Pflichttreue entwickeln. Der :außerordentliche Aufwand an Arbeit 1md Mühe rechtfertige es, wenn hier allen Beamten des Wohlfahrtswcsens für ihre Tätigkeit der Dank ausgesprochen wird. Die Versammlung wendet sich sodann der Beratung des Etats in seinen Einzelkapiteln zu. Die Aussprache und die Abstimmungen hierüber werden vom Vorsitzenden der Vcr- Sammlung, Rechtsanwalt Heinrich Stern, geleitet. In der Gesamtabstimnnmg wird sodann, wie bereits mitgeteilt, der Etat in erster und zweiter Lesung einstimmig an gen o!n m e n. Die Gemeinde zum Tode Sokolows Anläßlich des Todes Nahum Sokolows hat der Vors t a n d der J ü d i s c h tu (i c m e i n d c z 11 B c r 1 i!1 am 20. Mai an die Exekutive der Zionistischen O r g a n i - s a t i o n in 1. o 11 d ח ס folgendes T e I e g r a m m gerichtet: ״Das Ableben des Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolows ist ein schwerer Verlust für Ihre Bewegung und fur alle Ercumle des Palästina- Aufbaues. Seine hervorragenden Fähigkeiten, seine gereifte Erfahrung haben ihn 711 großen I eistimgen befähigt. Wir nehmen innigen Anteil an dem Gefühl der Trauer und des Schmerzes, von denen die ganze Jmlenheif im Augenblick des Heimganges dieses ln deutenden Mannes erfüllt ist.“ An die E x e k 111 i v e d c r J e w i s h A g e 11 c v i 11 J ent« S a 1 c ni ging folgendes Telegramm ab: ״An dem schweren Verlust, der Sie durch eins Ableben Nahum Sokolows betroffen hat, nehmen wir herzlichen Anteil. Mit der (iesamtheit der Juden beklagen wir den Heimgang dieser hervorragenden, den Interessen des Judentums treu ergebenen Persönlichkeit.•• Foto: Archiv iBtZ# Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Sonnabend, den 30. Mai, 21 Uhr, BZV-Heim Rosenthaler Str. 44 Salchah »Moreoth be’Erez Jlarael“ (Hemschech) Chug iwri Zentrum Donnerstag־, den 4. Juni, 20.30 Uhr, BZV-Heim, Landsberger Str. 87 Erwin Poilak! Da■ Werden de■ jüdischen Aufbauwerkes In PalSatio* (mit Chor, Vorlesung und Lichtbildern). E■ liest! Werner Bakofzer Friedrichshain Unsere Tombola findet erst am 14. Juni statt Jedes Los 1.— RM Hauptgewinn: Palästina-Seereise Triest-Haifa u. zurück t. Gewinn: SadarschUsta! (250.- RM) 3. Gewinn: Rai■• - Schreibmaschine (200.־״־ RM) 4*—ttl. Gewinn: Aufenthalts in Abbazzia, Bad Nauhpim, Brückenau, Celerina, Qräfenberg, Intsrlaken, Marianbad, Maran, Mergentheim, Montreux, Neuenahr, Schuts, Spindlarmühle, Wiesbaden, Kieaingen. Viele Hunderte wertvolle Gewinne! Patenschaftskomitee für das Schuiwerk der Adass Jisroel Slegmundshof 11, Anruf: C 9 Tiergarten 4141 PnttclMcIiliOTt•: Jakob Paten, Schatimctr., Berlin HW, Hr. 5190!TAFELFERTIGE! EISBOMBEN hygienisch IM KARTON verpack! 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