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Jüdische Rundschau · 1936-05-26 · Heft 42-43 (26.5.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 42-43 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42/43, 26. V. 1936 INDISCHE RUNDSCHAU Seife 13 Wie gestalte ich den Sclialibat? Für Schabbat, 30. Mal WoehanabschnHt: ״Naßo“ IV. B. M. Kap. 4, 21 - 7, 89 I. Da in unserem Wochenabschnitt von der Institution des Nasir die Rede ist und Simson ein solcher Nasir war, gehen wir von der Haftarah unseres Wochenabschnittes aus, die die Geburt Simsons ankündigt. Wir werden an Hand des Tanach die Simson-Geschichte erzählen und versuchen heraus/uarheiten, wieso dieser Stoff so oft Vorwurf zur dramatischen Gestaltung wurde. In neuerer Zeit sind von Felix Salten und Altalena (Pseudonym für Wladimir Jaboiinsky) Simson-Romane ersenienen. Auch in der Malerei ist die Simson-Geschichtc oft zum Motiv gewählt worden. Fs wäre angebracht, die Rembrandtschen Darstellungen, die mit diesem Motiv im Zusammenhang stehen, zu analysieren. II. Die letzten Verse des 6. Kapitels enthalten den Priestersegen. Aus diesem Anlaß werden wir uns über das ״Du che- 11 e n“ in seinen verschiedenen Formen unterhalten. Das ״Jüdische Lexikon“ bringt unter dem Stichwort ״Rirkat Kohanim“ sehr viel Material zu dieser Frage, insbesondere darüber, wie in den verschiedenen jüdischen Riten der Gebrauch des Duchcnen gehandhabt wird. Der Priestersegen ist eine der wenigen Funktionen, die den Priestern nach Zerstörung des Tempels geblieben sind. J• E. Nahum Sokolow Wir stellen diesmal die Persönlichkeit Sokolows, seine hervorragenden Führerqualitäten und seine Bedeutung für die jüdische Kultur ins Zentrum unserer Unterhaltung. Dabei wollen wir versuchen, aus dem Leben und den Werken dieses Mannes eine Lehre für uns und unsere Zeit zu ziehen. Vor allem werden wir davon auszugehen haben, daß Sokolow jenem osteuropäischen Kulturkreis entstammte, der noch bis vor wenigen Jahrzehnten eine geschlossene und orpanische Ganzheit gebildet hat. In jener Eigenständigkeit jüdischen Lebens naben sich die geistigen Kräfte erhalten, die zur Bildung von Kulturindividualitäten vom Schlage Sokolows geführt haben. In diesem Boden echter jüdischer Tradition war Sokolow zu tiefst verwurzelt, und von dort zog er die Kraft seiner Geistigkeit. Von hier aus lassen sich auch jene Ausstrahlungen verfolgen, jene gegenseitige Befruchtung, die *wüschen Ost- und Westeuropa in den letzten Jahrzehnten .stattgefunden hat, und die für die nationale Rcnaissancebewegung der neueren Zeit von entscheidender Bedeutung waren. Sokolow war einer der Hauptträger der jüdisehen R e n a i 8 s a n ce b e w e gu n g. Seine literarisch-wissonscliaftliche Tätigkeit begann er zu einer Zeit des fortschreitenden inneren Umbruchs itn osteuropäischen Kulturbezirk, in der die Kultureinflüsse des Westens und mit ihnen die Auseinandersetzungen mit dem Ideengut Westeuropas an Umfang gewonnen haben. Die voran gegangene Aufklärung?- bewegung hat vieles zur Belebung der hebräischen Literatur, für die Erneuerung der Sprache beigetragen. Die nunmehr entstandene nationale Bewegung hat noch stärker die lebendigen Volkskräfte betont und die Synthese zwischen der europäischen Kultur und den überlieferten jüdischen Werten .herbeizuführen versucht. Sokolow war einer der ersten, der ׳des europäischen Gedanken, ohne die tendenziöse Beimischung einer seichten Aufklärung, in die Enge des ostjüdischen Lebensraumes hineingetragen hat. Durch die hebräische Tageszcitung ״Hazcfirah“, an deren Spitze Sokolow lange Jahre stand, hat er die erste große Bindung mit der Welt draußen hergestellt und half somit die Brücke zwischen dem G e d ankengut des Westens und Ostens zu sehlagen. Er zog zu Felde gegen jene falsche und mißverstandene Auslegung des Begriffs der Kulturabgeschlossenheit, die nicht zu Kulturlosigkeit und Verengung führen darf und wies auf diejenigen positiven Kräfte im Leben der Völker hin, die sich gegenseitig befruchten. Dabei war seine Erziehungsarbeit keine rein theoretische, sondern ebenso von der Tat begleitet. Neben seinen außerordentlichen Verdiensten 11m die nationale Bewegung des jüdischen Volkes ist noch auf die Verdienste Sokolows für die hebräische Sprache hinzmveisen. Fr war nicht nur der Meister eines originellen und glänzenden Stils, sondern wirkte auch schöpfcrisch-gestaltend auf die Sprache ein, indem er aus den Tiefen der aiten jüdischen Kultur und ihres Schrifttums immer neue Schätze hervorholte. J. M. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 26. Mal: Straühurg (349), 14: Vortrag Ginsburgcr: Die hebräische Universität; 17.15: Schallplai'en: Klavierkonzert und Gesang von Milhaud. — Bordeaux (309), 18: U. a. Massenet ״IltSrodiade“. — Kalundborg (1263), 19.30: IJ. a. Mendelssohn: ,,ilorhzeitsmarsch“. — l’iag-Liblitz (470), 20: Sinfonie Nr. 8 von Mahler. — Oslo (1154), 21: U. a. Mendelssohn: Sinfonie Nr. 4 A-Dur. — Luxemburg (1304), 21.15: Mendelssohn: Ouvertüre zu ״Athalia“, Mittwoch, 27. Mali Hilversum I (1875), 11.40: U. a. Rubinstem: ״Hochzeitsrug“. —■ Prag-Liblitz (470). 15: Mendelssohn: Klavier• konzert Nr. 2 D-Moll. — Hilversum If (302), 17.20: Moszkowski: ״Polonaise“. — Postc ParMcn (312), 18,20: Jüdisch-religiöse Sendüng. — Algier (318), 19,30: Konzert Wanda Landowska. Donnerstag, 28. Mai: Paris (1648), 9.30: U. a. Mendelssohn: Sonate Nr. 8. — Wien (506), 12: Mendelssohn: Scherzo aus ״Sommernachtstraum•‘. — Paris PTT. (431), 15.45: Sagen und Legenden Israels, Vorfrag Weill. — Kalundlrorg (1263), 15.50: Mendelssohn: Lied ohne Worte, Nr. 19. — London (312). 18.30; Moszkowski: Gitarre; 20.80: Mendebsohn: Aus ״Hin ScnimicrnachUtraum“. Freitag, 29. Mai. Wien (506), 12: U. a. Schallplatten: Offenbach. — Luxemburg (1304), 12.40: Halevv: Fantade aus ״Die Jüdin“. — Hilversum II (302), 14.05: U. a. Mendelssohn: ״Rondo Capric״ cioso“. — Warschau (1339), 17.20: U. a. Mendelssohn: ״Olmequintett“; 20: Malilrr: 1־unionie Nr. 4 G-Dur. — Straßburg (349), 19: Moszkowski: Zwei Fniden. — Brü>׳e!, fläm. (322), 20: (La. Offenbach: Potpourri aus: ״Pericholc“. — - Kalundborg (1263), 20.10: Moszkowski: ,-,Polonaise“. — Stockholm (1389): U. a. Meyerbeer: ״Fackeltanz“ Nr. 2. — Luxemburg (1304), 22.40: Schallplatten Alexander Kipnis: Schubert- und Strauß-Lieder. Sonnabend, 30. Mai: Wien (506), 12: Schallplatten: Meyerheer: ״Farkeltanz“, B-Dur. — Warschau (1339), 17: U. a. Ravel: Kad• tlisch. — Paris (1648). 12.15: Italic:). Sinfonie von Mendelssohn; 23.15: Schottische Sinfonie von Mendelssohn. Sonntag, 31. Mai: Luxemburg (1304), Schallplatten: Mendelssohn- Barthoidy: Ouvertüre zu: ״Die Fingabhöhlr“. — Riga (515), 19: U. a. Saint Saons: Fantasie aus ״Samson und Dalila“. — Hilversum (Kathol. Rundfunk), 20.10 bis 22.20: Erna Eisner singt. Montag, 1. Juni: Luxemburg (1304), 7.15: Schallplatten u. a. aus: ,.Dreigroschenoper“; 13-25: Offenbarh: Ouvertüre TU ״Orpheus“. — Riga (515), 16.25: U. a. Rubinstein. Todesfälle. Herr Martin Mendelssohn, der langjährige Vorsitzende der Repräsenfanz in Saarbrücken, ist im 75. Lebensjahre in Venedig verstorben. — Durch den Tod von Herrn Salo Grün f eld ist die Gemeinde Reuthen (O.-S.) in Trauer versetzt worden. Der Verstorbene hat fasf 30 Jahre hindurch in der Gemeindearbeit an führender Stelle Restanden. ANTWORTEN DER REDAKTION P. 7% Tel-Awiw, und andere Einsender. Wir haben mft Interesse Ihre Ausführungen gelesen, die sich mit unserer Bcrichtersfattung über die Unruhen in Palästina beschäftigen. Es ist außerordentlich schwierig, die Richtigkeit jeder einz einen Meldung von hier aus nachzuprüfen, zumal die von JTA. und Palcor eingehenden Telegramme sich zum Teil nicht miteinander decken. Rückfragen sind in der Regel im Hinblick auf die erforderliche Raschheit der Bcrichtcrstattung nicht möglich. Trotzdem glauben wir, daß es uns gelungen ist, ein zutreffendes Bild vom Ablauf der Ereignisse und besonders auch von den ersten erregten Tagen zu gehen. Es scheint uns auch nicht, daß in der Aufmachung unserer Berichte eine Ueberbewerfung der Vorgänge erfolgt ist. Selbstverständlich kann hei den Lesern in Palästina, die die ״Jüdische Rundschau“ erst einige Zeit nach den Ereignissen zu Gesicht bekommen, leicht der Eindruck entstehen, daß die für sie schon etwas abgeblaßten Vorgänge in einer allzu krassen Form von uns veröffentlicht worden sind. Naturgemäß muß aber die Veröffentlichung mit dem Gewicht erfolgen, daß die Ereignisse in den Tagen des Geschehens selbst haben. Hinzu kommt, daß besonders in Tel-Awiw als einer Insel rein jüdischen Lehens manches nicht so stark empfunden worden ist wie in anderen Teilen des Landes, aus denen uns Berichte vorlicgen. Lotte Andorn, Nürnberg. Wir stimmen mit Ihnen ganz überein, daß die Anwendung des Wortes ״Iwrith“ statt ״Hebräisch“ in deutschen Sätzen eine sprachliche Stillosigkeit ist. Auswanderer! " Wie transferieren Sie Ihr Vermögen? 1. Beratung über die Einwanderungsstaaten aus •ig. Londeskenntnl» (Europa und Uebersee) 2. ÖestmogliJier und schneller Vermögenstransfer 3. Immobillen-Tausch bei Auswanderungen Dr. jur. G. E. ROSENDAHL Devisenberater (VoUjurist und Vollkaufmann) Frankfurt a. Main, Liebigstraße 50 Spredistunde nur nach Anmeldung / Ruf: 77128 Schach Bearbeitet von!.Mieses Die nachstehende Partie wurde in einem Meisterturnier zu Amsterdam am 4. April gespielt. Damengainbit Landau Weiß 1. d2—d4 2. r2—c4 3. Sbl~c3 4. c4X<15־ Fine pambüarti über deren Wer!. Spielmann Schwarz d7—-d$ c7-~pß c"״~׳c5 c 5X614 ■'piVkvf'i Ami Shilling nach Hem 10. Zuge ▼cm Weiß. diu ITC, ten der Theorcdkcr j chin bezwriiclt, < t'en gr״pfrr!on I den Strl!u:!rj-vnrt 5.!)dl - a4f! Auf eo'or׳ i< S bg-r0. 5. 6. Da4Xd4 7. S gl .13: 8. bei T5 Weif bc - ~F׳r 9. F ['14 ־ ל ׳, I, r7׳> d5, S hfl . 6 uw. 9- FpSXhj! 1 Au! 9..,., p7 -'f׳\ kann ,steh S״h\v, :eilt And. Ale-!’» Schwarz für!it-rn or-nügen- : er!!!24-,־ 3 Dd F. S ן. S1 8. . 14 rr 1, 18 n ׳■־ ..81 ־1■ 0 4 :״4 7 6 T.M 4 ״4״ 4 ■ i ■■ 5 /X .7 4‘״ 4 : 3 * - i M A ' M 2 r, ■ צ- - ־?- 1! a׳ 1! n 1 3 3״* 'L-1, .f - , 10. LfBXdg 10. ... . Ikc-e F׳!r* ve!?11np hist für Sfh'karz Sd4Vf3t, 11. e: 12. S3־״־Xii5 (f F d7 - rfi würde pne Rcrni 1! ״׳ uvt 11. Kel- <12 12. Fdß F-!)er S nl ja? ein jeder Vcr-wh, ih aussichtslos. S, } ) ri4'5!->/־ 2) .׳ u״.! Wr- 13. 14. 15. ]6. 17. 18. w ׳ 17. . . 19. Ti 20. I, 21. T , 22. 1. hT 7־ a z׳׳jm־'h*׳ Ta Ml 1 "1 n Widerrv-rs nun b7 S'-hwarz noch 21. I. t '־ ■ י n Lh7X8'׳ 1״ tnh,-n. 7 cf,f ״. י: .21 J. ( SXc6׳ S c2X.11 25. 3 t!4 ..;'(■•ny K Ög - d7!17.1)5 26. S €6x 18f T h8Xf8 ToöfrtkrimlirHt; 27. LK3.c7;p. zu rc'ton. ist Srhwarz pah hier die hoff 1. T flgl 2. S f3—h2f lose Partie auf- Lösung der Aufgabe Nr. 12. K 1 15- 4״. . . . USW. 2. s 63—12 K g4usw. -h5 I- H8—(6 USW. Lösung der Aufgabe Nr. 13. 1. T 115—114 L d8x׳h4 1. . . . 2. Sh6—(7 usw. 2. Kh3-g4 Richtige Lösungen gingen ein: Aufgabe 12: Rosa und Margot Süßer mann, Berlin. — Aufgabe 13: Sch. Buchhalter, Berlin; Hans Cohn, Berlin; Rosa und Margot Süßer m a n 11, Berlin. Aus jüdischen Schach vereinen Schach Veranstaltung des Bar Kochba Breslau. Am 13. Mai brachte die kiirzli! h 11cu״r:;1 ״ndeio S ׳h.1 rl׳;a)mr 1 lnr:e de. Rar Korhha Brodau in clor Max.Nord .11 Hallo ihre erste ■־>!'!'< nilrdm und damit über- Haupt die erste judm he S׳׳X;,rhvrr;1׳nX11׳rt1״r, in Br0'!:1u zu- Ouroh- Hdtrune. ln mir׳r An.pndir wie, der V,wertende (״!, :. H :1 r nt k auf da-, Bedurfmrn h BiMur:״ einer he״ XXi,!׳!rneinipnn״ tn Rreahtt: Inn. Air־׳ hhriWe] lv׳w!rc Harnik, der früher in Wien beiei'e mehr!.,eh M enter-'hai: r1׳ und Frei׳,»' errang. 111 •■in׳'!?!mult.inpartic gegen 10 Spj, ler .vin gute; Kennen, indem er sam׳ liehe Partien in ti’nerzennenifei Form gewinnen "konnte, DKg, ״Ich habe mir nur einen Spaß gemacht, Chawadja, bei meinem Leben, nur einen Spaß... und er hielt uns für Diebe.. .״ ״Diese Späße kenne ich!“ ״Ich sagte mir, da schlendert einer so herum, wollen wir ihn erschrecken...! Aber er ist ein großer Held!'‘ Dez Araber schaute mit eitlem Blick voller Begeisterung auf den Fremden. Und auch ich sah ihn an, und ich konnte kein Auge von ihm wenden. F.r war ein junger Mensch von etwa achtzehn his zwanzig •lahren, der noch Spuren der Kindheit im Gesicht trug. Sein Gesicht war glatt und rein wie das einer Frau: ohne ein Härchen, ohne auch nur einen Ansatz von Bartwuchs. Die Haut war fest, w׳ie aus Bronze gehauen, er war frisch wie der Nachttau, und sein ganzer Körper, der in seiner Biegsamkeit einer Palme ähnelte, drückte Kraft und Stärke aus. Das Licht des Mondes ver- Stärkte noch den besonderen Reiz, der von ihm nusging. Augenblicklich blitzten seine schwarzen Augen, und sein Gesicht war in ein leichtes Lachen getaucht, in ein angenehnies und weiches I-nchen. ״Ist dieser Jude schön? Ja?“ fragten meine Kameraden Ibrahim mit einer Stimme, der eine Art Triumph anzuhören war. ״Schön ... 1“ Und der Araber streckte seine Hand nach dem Fremden aus und fragte ihn: ״Wie heißt du, Clmwadja?“ Der ergriff die Hand und öffnete die läppen zu einem leichten Lachen. Zwei Reihen blendend weißer Zähne kamen ziun Vorschein, wie die Perlen. ״Was sagt er?“ ״Er fragt nach deinem Namen.“ ״Ich heiße L a s a r.“ ״Chawadja*) Nasar? Gut! Wir wollen einen Bund des Friedens miteinander schließen. Setze dich hier neben midi...“ Wir übersetzten Lasar das Verlangen de» Arabers. Von neuem erleuchtete ein leichtes und angenehmes Lachen sein Gesicht, und wieder zeigten sich seine weißen Zähne. Dann setzte er sieh neben den Araber auf den Boden und versuchte ihn nachzuahmen, indem auch er seine Beine unter »ich kreuzte. Wir setzten an» alle im Kreise herum. ״Du wirst nicht mehr die Straße unsicher machen? Nicht wahr?“ Der Araber sah ihm in die Augen und verstand, was er gesagt hatte. ״Nein!“ ,Wir werden ihn trotzdem in die Mosdiawa mitnehmen, damit er dort seine Strafe bekommt“, bemerkte einer von uns. *) Chawadja =־* arab. Herr. ״Nein, laßt ihn. Er wird nicht mehr stehlen...“ Verschwände“, sagte ich zu dem Araber, ״aber hüte dich, je wieder in die Hände von Chawadja Nasar zu fallen!“ Mit besonderer Herzlichkeit verabschiedete sich der Araber von seinem Kampfgegner und verschwand im Fehle. Wir blieben noch im Sand sitzen und fragten unseren Gast nach seinem Wege und seinem Begehr: Erst gestern war c-r in Jaffa angekommen, er hatte in der ersten Mosehawa übernachtet und beute war er den ganzen Tag auf dem Wege zu uns. Er wollte in unserer Mosehawa arbeiten. Vom ersten Augenblick an hatten wir ihn gern, und wir sahen ihn alle freundlich an. Auch sein Blick war wohlwollend und vertrauensselig. ״Ist eure Mosehawa schön?“ ״Sehr schön!“ ״Werde ich dort Arbeit finden?“ ״Bestimmt.“ ״Das ist gut!“ ״Komm jetzt zur Mosehawa, Chawadja Nasar. Man wird sich schon um uns sorgen.“ Wir standen auf und marschierten singend zur Mosehawa zurück. Auch Chawadja Nasar sang, und seine Stimme wnr tief und schön. Vor der Mosehawa trafen wir die ganze Einwohnerschaft. Schon aus der Ferne hörte ich die Stimme meines Nachbarn, der sich zwischen den Kleidern hatte verbergen wollen, wie er darauflosphilosophierte und seine Weisheit mit dem Tone eines Sachverständigen zum Besten gnb. ״Sie hätten sich in zwei Abteilungen teilen sollen und den Berg von beiden Seiten umzingeln . . .“ Da begegneten seine Augen meinem Blick, —■ und er schwieg. Sein Gesicht wurde rot. 2. KAPITEL Chawadja Nasar mietete sich eine Wohnung in demselben Ilnuse, in dem auch ich wohnte. An dem Zustand seiner Wohnung und an seiner Lebensweise war zu erkennen, daß er reichliche Mittel zum Leben hatte. Schon am ersten Tage nach »einer Ankunft fing er an zu arbeiten: Es war Winter und die Arbeitssaison auf ihrem Höhepunkt. Morgen für Morgen sah ich ihn, wie er, Korb und Spaten auf dem Rücken, über den Hof an meinem Fenster vorbeiging und den Weg zur Glocke, dem Sammelplatz der Arbeiter, einschlug. Ich beobachtete ihn und hatte meine Freude an seiner Gestalt, die schön und stark war wie eine Zeder. Es waren schon einige Wochen seit dem Abend unseres ersten Zusammentreffens vergangen, ead noch hatte es der Zufall nicht gefügt, daß ich mit unserem Gast in ein Gespräch gekommen wäre. Ich war sehr mit meiner Arbeit, der Vorbereitung von Roden für die Anlage einer neuen \\ einpHun/ung bosehiiltigt, und ich haue eine Gruppe von Arbeitern, die unter meiner Aufsicht daran arbeiteten. Den ganzen Tag, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, w-ar ich auf dem Felde, und am Abend mußte ich die Arbeit für den nächsten Tag vorbereiten. Am Schabbnt war ich in den benachharten Mos:i1aw־oth, um dort spazieren zu gehen, leb hörte, wie man von dem Neuen erzählte, Und daß er sich ebenso durch seine Arbeit anszeichnet 0 wie durch seine Kraft. Schon um ersten Tag der Arbeit, ging er mit dem Sputen um, als ob er daran gewöhnt wäre, und am zweiten Tag wollten die Araber, seine Kollegen in der ״Reihe“, den ,,Juden“ müde machen. Da zog er seine Bluse aus, krempelte seine Acrmel bis zur Achsel hoch und grub mit Schnelligkeit und Fleiß solange weiter, bis die .Araber, die hinter ihm waren, zurückblieben, und diejenigen, die vor ihm knieten, unter ihrer Arbeit zusammenbrachen. Schließlich warfen sie ihre Spaten weg und sprangen aus der ״Reihe“. Von da ab stellten ihn seine Arbeitgeber an die Spitze der Reihe, erhöhten seinen Lohn und ״segneten ihn“. Von allen Nachbarn wurden sie um diesen Arbeiter beneidet. Und unter den Arabern wurde sein Name gepriesen. Der Name Chawadja Nasar wurde berühmt, und die Araber sprachen ihn mit Ehrfurcht aus. Von Zeit zu Zeit, wenn er mich auf der Straße oder auf dem Hofe traf, blieb er einen Augenblick stehen und horüßte mich in seiner typischen russischen Sprache — er onnte nicht ein Wort jiddisch .und auf seinem guten, jungen und frischen Gesicht schwebte ein leichtes Lächeln von Zuneigung. Ich grüßte ihn immer mit, besonderem Wohlwollen, und auch aut seinem Gesicht erkannte ich in diesem Augenblick einen Ausdruck fast von Liebe und Ehrerbietung. Einige Male, als er an meinem Fenster vorbeiging, schien es mir, als ob er bei mir eint roten wolle und sieh nur kein Herz fassen könne. Ich wollte gern mit ihm in ein Gespräch kommen und mich ihm ein wenig nähern, verschob das aber von Tag zu Tag. An einem Schabbat fiel ein Landregen, und ich konnte nicht, wie ich es sonst tat, in die benachbarten Moschawotä gehen. Ich blieb in meinem Zimmer, denn wegen des Regens konnte ich nicht einmal in unserer Mosehawa auf die Straße gehen. Um die Mittagszeit herum hörte ich an meiner l'Ur ein Klopfen, leicht und schwach, wie von einem Menschen, der zögert und sich nicht entschließen kann: Soll ich klopfen oder lieb־■״ nicht? (fiortsetzang folgt)

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