Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653962--28830-2690330- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Lod 1× ep/1045074
OCR text
25 5• *S3G r\ / I ffr« 41 ✓ Jahrgang 41 Prdta 25 Rpt JÜDISCHE RUNDSCHAU SdurlftleKung.Veirlag n. A»1*<sl|jen Verwaltung: Berlin W 15, Mclnekeitr.10 Fernruf: iiantrocl. Nammer J1 (Bismarck) 9031. - Be1״g»prei« rinscMicBlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM J,S8 brw, RM 539. — Portstbrik . Konten der Vertriebs. Abteilung: Berlin 71573 (für Gro6 - Berlin), Berlin 173 92 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gesuhlter Bezugsgebühren. — Erscheint Jeden Di« an tag uni Freitag. BERLIN א׳ סייד תרצ״ו FREITAG, 22. MAI 1936 Gültig* AnzelgenpreUlUte Nr• S• Di« 12 gespaltene mm * Zeile 20 Rpf., ftr Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmt«• Ausgaben oder «rn bestimmten Platzen wird keine Gewahr geleistet. Gelegenheit*« anzei^en nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck ■Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitajr 9 —18׳ Uhr. Annahmesehluß für die Dienstag ־ Ausgabe Monte jf 10 Uhr, für die F r e i t a 2 - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien •Anzeige am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jddische Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Weiler arabischer Terror Militärdetnonstratioii in Jerusalem Jerusalem, 18. Mai. (JTA.) Infolge der Ausdchn u n g des Ausnahmezustandes auf die ganze Stadt hat■ Jerusalem das Aussehen eines belagerten (jebietes angenommen. Die Straßen sind abends in tiefe Dunkeilieit getaucht. Zivilpersonen sind nicht zu sehen, mit Ausnahme weniger Journalisten, denen besondere Erlaubnisscheine ausgestellt wurden. Die Bevölkerung bleibt hinter verschlossenen Toren in den Hausern. Von Zeit zu Zeit hört man in verschiedenen Teilen der Stadt Schüsse. Die Polizeireviere sind durch Drahtverhaue gegen plötzliche Ueberfalle geschützt. Truppen in Kriegsausrüstung mit Stahlhelm patrouillieren durch die Stadt. Angesichts der Unruhen wurden demonstrative Truppe n b e w e g 11 n g e n, an denen auch Tanks und [,anzerwagen beteiligt waren, in verschiedenen Teilen Nord- und Siulpalastinas angeordnet und durcligeführt. Der Distriktskomniissar für den Norddistrikt, Kcith-Roach, hat die Beschlagnahme von 193 Häusern in arabischen Dörfern, deren Einwohner die Zahlung von Kollektivstrafc־n verweigert haben, angeordnet. Die Exekutive der J e vv i s h Agency hat die ganze Nacht hindurch Beratungen über die Lage abgehaiten. Das oberste arabische Komitee hat die Aufrechterhaitung des Streiks im ganzen Lande erneut beschlossen. Neue Terrorakte Uin 8 Uhr morgens wurde in der Prophetenstraße Im jüdischen Viertel von Jerusalem der österreichische Katholik Karl Breitinger, der irrtümlich für einen Juden gehalten worden war, von Araber« ersehe ss e n. Breitingcr, der seit einundeinhalb Jahren in Palästina ansässig war, stand im 40. Lebensjahr. Die Mörder sind entkommen. Ihre Spuren wurden von der Polizei unter Verwendung von Spürhunden verfolgt. Die Polizeipatrotiille wurde von den Hunden zu dem beim Nablus-Tor gelegenen Haus eines Arabers geführt. Er wurde als der Tat verdächtig verhaftet. Am Nachmittag gab es einen Zwischenfall am Jaffa-Tor. Eine arabische Menschenmenge wollte für den ermordeten Oesterreicher einen Kirchengottesdienst in der Altstadt abhalten, obgleich die Regierung ihre Genehmigung nur für einen Gottesdienst am Grabe auf dem Friedhof erteilt hatte. Die Menge riß den Sarg aus dem Grab; mit Hilfe eines starken Polizeiaufgebots wurde sie auseinandergetrieben. Am Montag nachmittag verursachte eine Gruppe von Arabern, die in einem Auto die Jerusalemer jüdische Vorstadt Reclutwiaii passierte, eine Panik unter der dortigen Bevölkerung. Die Araber gaben Schüsse auf einen Friseurladen in der Nähe des Verwaltungsgebäudes der Jewisli Agency ab. Die Fensterscheiben des Ladens wurden zertiüinmert, verletzt wurde niemand; die Täter sind entkommen. Miiitürbaracken in B e i s a n und Polizeistationen in Jaffa und Akko wurden mit Bomben beworfen, in den Kolonien R a a 11 a 11 a, Kerkur und Tel Mond wurden Baume ausgerodet, ln verschiedenen jüdischen Kolonien wurde das Vieh jüdischer Kolonisten getötet. Mehrfach wurden jüdische Autobusse m it Steinen beworfen. Im Nurs 11 an-Gefängnis kam es zu einer Menterei von 400 arabischen Gefangenen. Der Aufrulir wurde niedergeschlagen. Hierbei wurden ein Gef ang e 11 e r erschossen und viele verwundet. Der Präsident und der Vizepräsident des arabischen Streikkomitees Hassan Sidky Uajany und Saiakh A b d o u sind wegen Unterzeichnung eines Manifestes, in dem die arabische Bevölkerung zur Steuerverweigerung aufgefordert wird, zu je 25 Pfund Geldstrafe verurteilt worden. Die verurteilten arabischen Führer erlegten sofort den Strafbetrag. Die neue Einwanderungs-Schcdule wurde in der ״üfficial Gazette“ veröffentlicht Wieder eia Jude getötet Jerusalem,!9. Mai. .(JTA.) Der zweite Monat seit dem Ausbruch der Unruhen in Palästina begann mit einem arabischen Ueberfail in der Armenierstraße in der Altstadt von Jerusalem. Der Ueberfail forderte das 26. jüdische Todesopfer. Der 35jährige Maler Feiwel S n! t z e r, Sohn des Bezirksvorstehers der Altstadt, wurde durch drei Revolverschüsse niedergestreckt. Außer den 26 jüdischen Toten wurden während der Unruhen bisher 67 Juden verwundet. Ein amtliches Communiquö berichtet ferner von einem arabischen Ueberfail in der Ben Jehuda-Straße in Jerusalem. Der Ausnahmezustand in Jerusalem wurde verschärft. Die Polizeistunde wurde von 8 Uhr auf 7 Uhr abends vorverlegt. Die jüdischen Beamten im Jerusalemer Department für öffentliche Arbeiten haben um besonderen Schutz angesucht. Es wurde ihnen der Rat erteilt, einen Urlaub zu nehmen. " Beduinen haben einen Angriff auf die Siedlung Kfar Tabor im Emek Jesreel durcligeführt. Sie versuchten, die Wasserleitung abzuschneiden. Die Leitung würde beschädigt, so daß sich in Kfar Tabor :Wassertnanjael fühlbar macht Bei der Abwehr des Angriffes wurden zwei Juden und ein Polizist verwundet. Das Gewehr des Polizisten wurde zerbroclicn. Die Beduinen entkamen. Jüdische Felder in Mizpa, Sedschera und anderen Siedlungen Untergaliiiias wurden in Brand gesieckt. Bei R a m a t G a n setzten Araber in einem irrtümlich für eitlen jüdisch gehaltenen deutschen Wirtschaftsbctrieh einen Heuschober in Brand. In Herzlia wurde ein jüdisches Orangeiipacklmus in Brand gesteckt. Die Polizei überraschte die Brandstifter bei der Tat, doch gelang es diesen, zu Pferd zu flüchten. Sie verschwanden in dem arabischen Dorf Dschelii. An der E i s e n b a 11 n 1 i n i e zwischen Lydda und Tel- Awivv wurde die Leiche eines Arabers neben einer explodierten Bombe gefunden. Die Polizei nimmt an, daß der Araber bei dem Versuch, den Bahnkörper zu sprengen, den Tod gefunden hat. Die Behörden haben die Büros und die Druckerei der radikal-nationalistischen Zeitung ״A Difaa“ in Jaffa geschlossen. Die Regierung hat die palästinensischen Zeitungen aufgefordert, keine Berichte über die angebliche Rolle Italiens bei den Unruhen zu veröffentlichen. Das arabische Streikkomitee bat versprochen, die Straßen nicht mehr mit Nägeln bestreuen zu lassen, nachdem eine Abordnung des nalästinensischen Touring-Klubs von dem Streikkomitee den Erlaß einer solchen Anordnung verlangt hatte. Erster Dampfer in Tel-Awiw ausgeladen Tef-Awiw, 19. Mai. (JTA.) Am 19. Mai ist zum erstenma! ein Dampfer an der neuen Tel-Awiwer Anlegestelle unter Polizeibewachung ausgeiaden worden. Das Schauspiel wurde vom Strande aus von Tausenden von Juden verfolgt. 1 Während der Dampfer ausgeladen wurde, kam es in Jaffa zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen arabisehen Hafenarbeitern und Bootseigentümern und dem arabischen Streikkomitee. Mit dem Rufe ״Wir wollen nicht das Brot verlieren, wir wollen Frieden mit den Juden“ forderten die Hafenarbeiter, daß der Streik abgebrochen werde. Die Streikführer ließen Mitglieder• des Obersten Arabischen Komitees kommen, die an die Hafenarbeiter Ansprachen hielten, in denen sie versicherten, Tel-Awiw werde niemals Hafen werden. Es wurde eine Versammlung der Hafen- und Dockarbeiter einberufen, in der entschieden werden sali, oh der Streik fortznsetzen sei oder nicht. Inzwischen wurden alle zum Hafen führenden Straßen durch Polizei abgeriegelt. Laut Vereinbarung mit den Zollbehörden werden folgende Frachten am Tel-Awiwer Ufer gelöscht werden: Holz, Eisen, Zement, Baumaterialien alle Waren, die in Säcken verpackt werden. Zu diesem Zwecke wird eine provisorische Mole in der Nähe des Messegeländes errichtet. Ausschließlieh jüdische Arbeit wird verwendet werden. Araber gegen Untersuchungs-Kommission Jerusalem, 20. Mai. (JTA.) Das Oberste arabische Komitee hat eine Erklärung veröffentlicht, in der die von dem Kolonienminlster angekiindigte Entsendung einer Königlichen Kommission nach Palästina a b g e l e h 111 und die Fortsetzung des Streiks bekanntgegeben wird. Die vom Kolonicnmlnistcr Thomas in der Unterhaiissitzung vorn 18. Mai abgegebene Erklärung ist in Palästina durch R 1! n dfunk verbreitet und in einem Sonderbiilletin der Regierung veröffentlicht worden. Allgemein wird die Ansicht geäußert, daß die Krise in Palästina beendigt werden könnte, falls der High Commissioncr Sir Arthur Wauchopc der in der Erklärung verkündeten Absicht der Regierung gemäß zunächst Maßnahmen zur Wiederherstellung der O r d * nung treffen wird. Die Palästinarcgierung hat ferner durch Rundfunk die Mitteilung verbreiten lassen, daß vom 19. Mai an alle vom Skopus-Berg nach Haifa führenden Straßen von englischen Gcleitabieilungen bewacht werden und daß auch die Straße Jerusalem—Tel-Awiw von englischer Polizei gesichert wird. Ebenso werden die Züge der Linie Tel-Awiw—•Haifa mit besonderen Wachen ausgestattet. (Weitere Nachrichten Seite 2) Die Zertifikate für Deutschland Wie uns vom Londoner Büro der Jewish Agency mitgeteilt wird, trifft die Nachricht über die Zuteilung von 1200 Zertifikaten für Einwanderer aus Deutschland im Rahmen der soeben bewilligten Schedule zu. Diese Zertifikate, von denen 300 für verheiratete Ein- Wanderer bestimmt sind, sollen der zusätzlichen Ansiedlung von Juden aus Deutschland in den bestehenden landwirtschädlichen Siedlungen dienen. Die Zertifikate für Juden aus Deutschland sind auf Grund der Sonderzuwendung des Councils for German Jewry für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina »währt worden» Zertifikats - Schedule und Untersuchung^ - Kommission Der Beginn dieser Woehe hat im Zusammenhang; mit den Vorgängen in Palästina zwei bemerkenswerte Ereignisse gebracht; Die Veröffentlichung der Zc-rtifikats-Sehedule für das Sommerhalbjahr durch die Jerusalemer MandaUrcgicrung und die Erklärung des Kolonienministcrs Thomas im Unterhaus über den Be- Schluß, eine U 111 e r s 1t c h u n g s k o m m i s s i o n wegen der Palästina-Unruhen ein/usetzen. Die Veröffentlichung der Zahl der Arbeitcr-Zertifikate, die für das laufende Halbjahr Geltung haben, ist im gegenwärtigen Zeitpunkt an sich nichts Außergewohnliches, sondern liegt durchaus im normalen Gang der Dinge. Dennoch kommt dieser Mitteilung gerade jetzt eine besondere politische Bedeutung zu; in ihr drückt sich der entschiedene Wille der Regierung aus, sich dem arabischen Terror und den Drohungen nicht zu unterwerfen und auch den politischen Forderungen nicht nachzugeben, die von den arabischen Parteiführern als Vorbedingung für die Aufnahme von Verhandlungen über den Abbruch des Streiks aufgestellt wurden und die Unterbindung der jüdischen Einwanderung a!1 erster Stelle verlangten. Mit der Gewährung der neuen Zertifikate hat die Regierung nochmals ihren Entschluß bekräftigt, getreu den Bestimmungen des Mandates für eine Fortführung der Entwicklung des Landes und der jüdischen Einwanderung Sorge zu tragen. Die Zahl von 4500 Zertifikaten, von denen die Regierung 500 Zertifikate zur Verteilung an bereits im Lande befindliche illegale Einwanderer ־zurückbehält, ist gewiß nicht übermäßig groß. Die Forderung der Jewish Agency lag ganz erheblich höher und basierte auf einer Einschätzung der sich in diesem Halbjahr bietenden Arbeitsmöglichkeiten. Immerhin ist zu konstatieren, daß die Schedule wesentlich höher als im vergangenen Winter liegt, in dem nur 4350 Zertifikate ausgegxben wurden, von denen die Regierung 1200 für illegale. Einwanderer zurückbehielt. Es ist klar, daß das jüdische Volk, das aus allen Weltteilen nach Palästina blickt und dessen Hoffnungen mit dem ungestörten Fortgang der Einwanderung aufs engste verbunden sind, aus der Veröffentlichung der neuert Schedule Mut und Zuversicht schöpfen wi d. Wie auch immer die äußeren Bedingungen sind, die sich uns in Palästina bieten, wie groß die Schwierigkeiten des Tages auch erscheinen mögen — unsere friedliche Arbeit im Lande geht weiter! Der jischuw, der sich trotz Terror, Morden und Branden von dieser Linie seines Lebens nicht hat ahbi ingen lassen, darf die Empfindung haben, daß das ganze jüdische Volk hinter ihm steht, und daß die Knarcs unserer Jugend bereit sind, sich in die Reihen der Arbeit in Palästina eiii/uordneti. Die Juden heit Deutschlands, die durch unzählige Fäden mit Erez Israel verknüpft ist, hat mit besonderer Genugtuung erfahren, daß von den jetzt zur Verteilung gelangenden Zertifikaten der relativ hohe Anteil von 1 200 auf sie entfallt, und daß diese Zuteilung dadurch ermöglicht wurde, daß die auf Initiative der Samuel-Kommission in England durchgeführte Aktion des ״Council for German Jewry“ zusätzliche Mittel aufgebracht hat, die nunmehr der Ansiedlung von Juden aus Deutschland in den landwirtschaftlichen Siedlungen Palästinas dienen sollen. Die besondere Lage, in der sich die Juden Deutschlands befinden, rechtfertigt auch jetzt die verhältnismäßig hohe Zuteilungsquote, die geeignet ist, den Fortgang der Uebertührung wesentlicher Teile des Judentums Deutsch- Lands nach Palästina zu gewährleisten. Natürlich wird auch diese Zahl nur einen Bruchteil des vorhandenen Bedürfnisses befriedigen können, obwohl sie immerhin höher ist als die im letzten Winterhalbjahr zur Verfügung gestellte Zahl von 950 Zertifikaten für Juden aus Deutschland. Die Zertifikats-Veröffentlichung wirft wiederum ein Schlaglicht darauf, daß die Vorgänge in Palästina nicht isoliert betrachtet werden können. Die politischen Schwierigkeiten, die in diesen Wochen zu einer bedauerlichen Zuspitzung geführt haben, sind nicht allein eine Angelegenheit Palästinas und seiner gegenwärtigen Bewohner, sondern gehen das ganze jüdische Volk an. Die Verfassung des Landes, die auf dem Mandat beruht, enthält diesen Gesichtspunkt als integralen Bestandteil. Diese Tatsache muß naturgemäß für jede Erörterung der von der arabischen Seite vertretenen Forderungen von entscheidender Bedeutung bleiben. Sie wird auch für i