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Jüdische Rundschau · 1936-05-12 · Heft 38 (12.5.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 38 (12.5.1936)
Date
1936-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38, 12. V. 1936 das Gesetz! t'!1d Rebellion wird, scheint mir, immer noch mit dem Tode bestraft! Oder etwa nicht, ihr Herren ...? Vorsteher: Denunziation also? Auch das haben die Gemeinde- Vorsteher in Simrna schon versucht, genutzt hat es gar nichts! Wenn ihr ihn mit der Zunge schlagen wollt, so sage ich euch; die seine ist schärfer, als die unsere. Hier, diesen Brief hat mir die Gemeinde Smyrna gesandt. Sie schreibt, daß man jenen schon ins Gefängnis geworfen hat, aber die Negierung getraue sieh nicht, ihm ernsthaft etwas zuleide zu tun. Und sein Kerker hat sich in eine Art 1 ur.steiihof verwandelt, zu dem die Juden aus allen ficken und finden des Landes strömen, um seine Zelle zu schmücken und ihn mit Ehren zu überhäufen. (f'.iccr zum .111־11•>! ׳״: Ilcir im Himmel! Was ist da 7.11 tun?) Zweiter Purnes: Ich weil! ein besseres Mittel. ״Was beherrscht die Welt? Geld! “ Die Vier-l.nnder-Svnode sollte sofort eine Steuer ausschrc'be 1 für alle ihre Gemeinden, und das Geld inullte man durch einen Vertrauensmann an den Türken schicken und der wird dann alles tun, was wir wünschen. (!Minimen: liiavo!) Vorsitzender: Mit Geld wollt ihr ihm beikommen? Torheit! Dieser Schurke hat sieh selbst schon eine Art jüdischen Tin keil zugelegt, der so von Gehl strotzt, daß er das ganze Land kaufen konnte, samt dem Sultan, seinen Ministern, seinem Harem .- alles . — alles!! Erster Parties: Es gibt also gar kein Mittel ...? Vorsitzender: Doch!! (Kr.״ 1•־still,.. Knie: Wie? Was? Sprecht doch, Ehr- ¬¬־!!ס!!'!;! K!״!> l.ipmum < Kn , sjireclu!) Wir seihst müssen den Tod über ihn verhängen! Rabbi I evi: Verbotenes Blutvergießen, Lipman Os er! Vorsitzender: Nein: gebotene Ausrottung, Reb L.evt! Rabbi l.evt: 1:1 der Thora selbst verboten: ״Du sollst nicht toten!״ Vorsitzender: Von der lhor.1 selbst befohlen: ״Du sollst ausrotten einen solchen .Menschen aus seinem Volke!“ ■- Wenn im Weinbvig das Unkraut wuchert, was tut sein Besitzer, daß die Disteln nicht die Reben ersticken? Rabotai! Es ist Zeit, d• 11 Wtinberg Israels /u roden! Hatte das Svnhedrion etwa kiine Macht über Rehen und Tod? Nun, der Vier- 1 ä 1hlrt-R.it ist für unsere Zeit dasselbe, was das Synltedrion für jene war. Dritter 1‘anie;: Und wer ... ich meine, Reb Lipman Oser ... wer soll Hand au ihn legen? Vorsitzender: Das laßt meine Sache sein! Rabbi \ ',h'.mia («.׳•;■u ■?.!, ־!?״<!: Und wenn ... und wenn er nun doch der Moseluach ist? llßsiT /um .!n• U-1 < n 1 t'm <;1-.11״ willen! Was sagt Reb N׳ m-1.1 1 ■!.: / Il.,h•. ihr ,1.1■. 1״;l1״r1?) Vorsitzender: Rabbi Nehemia! Wir verbieten Euer Ehrwürden, so etwas auch nur zu denken! Rabbi Xthetuin: W enn das Kalb der Kuh nachläuff, geschieht es nicht, weil es die Milch im Luter wittert? Wenn Israel ihm so nachlauft . . . Vorsitzender: Was für Tüfteleien! Was ist Euch in den Kopf gestiegen? Die Zeit des Moschiach ist noch nicht gekommen. Rabbi Nehemia: Aber die Wehen seiner Zeit haben schon eingesetzt. (HMe. kt die Augen mit der Hand.) Ich sehe die Leichen der Märtyrer in den Wäldern ,.. und auf den Ebenen ... den Felshängen ... in den Flußläufen ... auf den Feldern. - — Kam! es denn sein, daß es keine Barmherzigkeit da drohet! gibt . . . daß der Himmel nicht antwollet, wie die Thora es «loch lehrt? Können denn all diese Wehen eingesetzt haben — — und nichts wird geboren ...? Rabbi I.evi: Und glaubst du wirklich, Reb Nehemia, daß ausgerechnet wir das Geschlecht des Moschiach sind — — Du? ... Ich? ... Dieser? ... Jener? Erster Rabbi: Wenn er der Moschiach ist, sagt, warum zweifle ich dann an ihm? Zweiter Rabbi: Gut gesagt' Das erste Zeichen für den wahren Moschiach ist doch gerade, daß alle an ihn glauben, daß es gar keinen Zweitel gibt . . . Rabbi Sehentia: Schweigt! ... סי־ schweigt doch!! .. . Wie gut habt ihr'״ doch, daß euch die Wahrheit so sonnenklar vor Augen .steht! ... Aller ich. Nehemia! Was soll Nehemia tun, der wie in einem Fieber /wischen Glauben und Zweifel umhergeworfen wird!״ Wenn jener der Moschiach ist — ja, warum zweifle ich dem! dann״ Ihn! wenn er nur ein Betrüger ist ■ waimn lechzt mein Herz dann so dan.iclj, an ihn glauben zu können > ... Vater im Himniei, lag für Tag habe ich Deinen Mo-Mnarh erwartet, denn da sind doch die Wehen seiner Zeit, die Dem \X ahrwort verkündet hat, und alle Voraussagen Demes heiligen Soltars haben sich schon erfüllt. Und mtig da einer erstanden ist, dem die Kinder Isr.n Is im Glauben anhangen, warum will da der Glaube nicht standhalfen im Herzen Deines Knechtes Nehemia!■׳ Warum ist dieser Me.hemia geringer als jene Makler und Hausierer, denen voller Glaube gegeben ist. Laß doch im Dunkel mich das Rechte schauen, o Schöpfer des Lichtes. Ihr v1׳:L;gß .1!;■׳ Ural״: und verharrt :Moveigend. Tlijizlieh Meine Herren und Lehrer! Rabbanim und Parnessim! im Namen (iotfes um! des Vier-I.änder-Rates bin ich entschlossen und bereit, zu jenem zu gehen! Rabbi I.evi: Nehemia! Du willst zu diesem Frevler? Rabbi Nehemia: Ja, ich werde gehen! Ich will seine Seele erforschen! (Allgemrine Unruhe.) Wenn er aber ein Lügner und Betrüger ist, ein Stiefvater Israels ... wenn er nicht sein stolzer Hirsch ist, sondern ein reißender Wolf im Schafspelz ... dann! ... dann!! Mit diesen seinen Nageln wird Nehemia das Lamm Israel aus den Zahnen des Wolfes reißen! Ich will seine Seele töten,!laß keine Auferstehung ihm je wird helfen können ... und verlöre ich darüber meinen Anteil an jener Welt. :Meine Seele werde ausgvlöscht, wenn ich mein Volk nicht rette aus der Hand seines Mörders. (Wendet .־.i! i> zur Wand und botet): Vater im Himmel! Ls sei Dein Wille, daß Nehemia nicht einen Lügner und Betrüger finden soll, sondern den wahren Moschiach Israels! Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritx Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde T®i*<ot1 Bismarck 6506 Zusenduog nach allen Stadtteil«« Schnitzler im Kulturbund Es ist das dritte Mal, daß Arthur Schnitzlers reiche Hinterlassenschaft herbclgezogen wird, um einen Abend des Kulturbundes auszufüllen, und man hat meiner Meinung nach nicht immer das richtigste herausgegriffen, dagegen ihn einmal übersehen, da er als der Mann des Augenblicks gerade vor der Tür zu stehen schien. Statt auf Moliüres ״Gelehrte Frauen‘‘ sehr verbimlungslos die üoetheschen ״Geschwister“ -ר§ .w: r Nff / Komtesse Mizzi; von links nach rechts: Lolo Langhuber (Lilly Kann) — Mizzi (Jenny Bernstein-Schaffer) — Craf Arpad Pazmandy (Arthur Levin) — Philipp (Jose Ernvsto Lewy/ — Fürst Kdvy Ravenstein (Fritz Wisten) zu setzen, hätte man damals seinen Einakter ״Literatur“ einsetzen sollen, und das Publikum hätte sich damit vergnügen können, die Behandlung eines sehr ähnlichen Stoffes zu vergleichen, wie sie sich sehr unterschiedlich aus dem Paris des Barock und einige Jahrhunderte später aus dem Wien der Dekadenz ergeben hat. Diesmal gal) es eine einaktige Komödie und einen Dialog aus der frühen Sammlung ״Anatol“, der Lustspiel genannt wurde und der noch eher die Bezeichnung Schwank verdient hätte. Das eine ist ein Ding zum Lächeln mit einiger Gelegenheit zum Lachen, das andere mit einiger Gelegenheit zum Lächeln eine offene Aufforderung zum Lachen, wovon auch herzhaft Gebrauch gemacht wurde. Wir können also eine halbe Stunde unbedenklich lustig sein. Arthur Schnitzler ist gleich Hofmannsthal und Beer-Hofmann, der dann den Weg zum Zionismus fand, aus sehr bequemen oder sicheren Lebensverhältnissen hervor״ega!1gen; es geschah in Wien wie hundert Jahre früher in Berlin, zur Zeit der Felix Mendelssohn und Meyerbeer, der Michael Beer und Ludwig Robert, daß das Judentum in stark cingepflanzten und schon patrizisch gewordenen Familien eine fruchtbare Mischung von Besitz und Talent hervorbrachte. Alle diese Dichter sind leidenschaftliche Wiener gewesen und ebenso sehr Altösterreicher geworden. Schnitzler selbst hat sich nur zweimal mit Problemen des Judent u ״! s beschäftigt, einmal mit dem großen Roman, durch den er keinen ״Weg ins Freie“ fand,1 dam! durch den ״Professor Bemhardi“, der als eine sehr männliche, besonders trauenlose Satire vielleicht zäher leben wird als alle die Stücke, die er seiner Hauptentdeckung, den Wiener süßen Mädels und anderen Liebeleien gewidmet hat. Diese ״Komteß Mizzi“ hat Schnitzler mit fiinfundvierzig Jahren herausgegeben, also in einem Lebensalter, in dem der moderne Dramatiker nach einem verhängnisvollen Gesetz den ersten frischen Impetus verloren hat, ohne ihn im Umgang mit der Bühne gegen eine gesteigerte Sicherheit einzutausciicn. Dieser Dichter war eine Ausnahme; er hatte das weichste Handgelenk und erhielt sich am längsten die Fähigkeit, überhaupt Stücke fertigzumachcn. Wie fein sind in diesem nicht umfangreichen Gewebe verschiedene Schicksale zusaminengefädelt, die vielleicht nur den einen Nachteil haben, daß sic uns so von Herzen nichts mehr angehen. An diesem Familientag, wie der Untertitel ironisch sagt, nimmt der ״Graf" von seiner bis dahin treuen Liebsten Abschied, einem solider gewordenen süßen Mädel, das sich wiederum einen Fiaker als treuen Gefährten für einen gesetzten Lebensnachmittag vorstellt. Der ״Fürst“ stellt dem alten gräflichen Freund seinen natürlichen, seinen sehr natürlichen, weil eben, siehzehnjährigen Sohn vor, als dessen heimliche Mutter wir das reife Mädchen Mizzi entdecken. Und diese entläßt ihren letzfen Liebhaber, um sich für späte Freuden als Mutter und Gattin freizumachen. Kein Leser ist so lumpig, daß er nicht von High Life etwas hören will. So sagte der ehrwürdige Oliver Goldsmifh. Dies beiseite — ein Vergnügen, das bei Schnitzler nie ausläßt, ist es, ihn zu hören, diesen beziehungsreichen, sanft einwickelnden, mit Pointen bestickten Dialog, von dem das Publikum allerdings noch mehr Genuß gehabt hätte, wenn er von der Regie Dr. Jeßners pfleglicher behandelt worden wäre. Besonders was Komteß Mizzi selbst zu ihrer etwas schwierigen Rechtfertigung zu sagen hatte, blieb sehr im Dunklen; es war der Spielleitung nicht gelungen, Jenny Berns t e i 11 - S c h a f f e r, die doch sehr viel für die Rolle mitbringt, aus einer gewissen Vcrkrampftheit zu einem freien Spiel und einer klaren Sprache zu bringen. Dazu ein gräflicher Vater, den man als das unschuldige Opfer einer Fchlbcsetzung beklagen muß. Wenn dieser neue und sehr junge Herr Arthur Levin eine Bestimmung hat, so ist es ganz gewiß nicht die, sich älteren österreichischen Aristokraten zu widmen. Sein tröstlicher Gegensatz war der verspätete fürstliche Freier, der durch seinen jungen Sohn um die geheime Mutter wirbt. Fritz Wisten hat dazu die natürliche Liebenswürdigkeit und Lebensfarbe, vor allem die Treuherzigkeit, die pfiffig genug auch ihre eigene Naivität spielen läßt. So war ihm der Siebzehnjährige, der eben adoptierte und schon so traditionsvolle Philipp ein sehr natürlicher Sohn von wirklich anrnutiger Keckheit; es offenbart sich immer mehr, daß in dem verflossenen Heldenspicler Ernst Lennart ein durchaus zum Humoristen bestimmter Jose Ernesto Lewy verborgen war. Ein Vergnügen zum Schluß war noch von Lilly Kann die Lolo Langhuber, die vom Grafen zu ihrem Fiaker übergeht, ein sommerlich reifes Frauenzimmer und ganz 1900 schon durch die stilvolle Art, mit der sie ihren Sonnenschirm hantierte. Das Stück fand wie auch bei früheren Aufnahmen einen freundlichen Beifall, den Dr. Jeßner als Abschiedsgriiß vom Kulturbund nach Bern mitnehmen kann, wo wir ihm eine gedeihliche Tätigkeit wünschen. Die Anatol-Dialoge, aus denen das ״Abschiedss o u p c r“ entnommen ist, hat der gerade dem Gymnasium entwachsene Hugo von Hofmannsthal mit den enthusiastischen Versen begrüßt: ״Frühgereift und zart und traurig, die Komödie unserer Seele, unseres Fuhlens Heut und Gestern, böser Dinge glatte Formel..Die ganze Wiener Literatur, am Ein de siede hauptsächlich von jüdischen Talenten besorgt, war eine höchst unvorhergesehene Überraschung. Die literarische Revolution in Berlin hatte kaum den Sieg des Naturalismus altschieden, die Bühne mit Proletariernot und Elendsmalcrei erfüllt, als schon diese mit reichen väterlichen Wechsein ausgestatteten Anatols auftraten, denen das Leben durch die Finger glitt, weil es ihnen zu leicht gemacht war. Schnitzler war der größte Verführer aus dieser Dekadenz, die in Wahrheit eine neue Romantik bedeutete; er hat die besten Franzosen schon auf dem Gebiet des Dialogs, das ihnen vorbehalten schien, erreicht und übertroffen. Dieses Abschiedsouper, der ausgelassenste von den Anatol-Dialogcn, ist im Grunde eine peinliche Angelegenheit, wenn da Jüngling und Mädchen streiten, wer den anderen zuerst betrogen hat, wobei der Kavalier keine sehr ritterliche Rolle spielt. Aber Fritz Wisten, obgleich für den jungen Lebemann etwas zu reif, gibt ihm das Gewinnende einer entschuldigenden Dummheit, und der Verstand, den er bei seinem Freund und Dialog- Partner Max aufgehoben hat, wird ihm von Martin Brandt in einer recht sympathischen Figur beigegeben. Die Rolle der Annie ist bei Otto Brahm von Irene Triesch kreiert worden. Jenny Bernstein-Schaffer wurde ihr eine sehr würdige Nachfolgerin; unter der Leitung vor. Fritz Wisten, der die Szene in einem vergnügten Schwung hielt, schien sie von aller Starrheit befreit, sehr liebenswürdig, sehr unternehmend und mit dem Schuß Banalität, den die Figur eines etwas derberen süßen Mädchens verlangt. Ich habe heute nicht viel Appetit auf Stücke, in denen Sekt und Austern serviert werden müssen, aber das Publikum ließ es sich wohl schmecken und war noch besonders entzückt, wenn Annie bei dem letzten Abschied und den allerletzten Injurien noch die Schüssel mit Creme ausleckte. Das Theater hat nun einmal sein Eigenrecht, das des Augenblicks. Was die Zukunft anbelangt und besonders das Schauspiel des Kulturbunds, so wird Fritz Wisten, ein Regisseur, den namentlieh die Jugend braucht, die durch den Verlust von Dr. Jeßner Abschiedssouper; von links nach rechts: Max (Martin Brandt) — Annie (Jenny Schaffer-Bernstein) — Anatol (Fritz Wisten) Foto•: J. Abraham entstandene Lücke ohne weiteres ausfüllen können, mit dem Vorbehalt allerdings, daß die schauspielerische Tätigkeit dieses ergiebigen und erfahrenen Darstellers keine Verkümmerung erfährt. Arthur Eloesser Stuart Webbs’ letzte Rolle. Aus Prag wird uns geschrieben: Es wußte zuerst niemand davon. Bis die Lokalredakteure der Prager Zeitungen unter den Dutzenden von Todesfällen der offiziellen Polizeikorrespondenz den Namen Ernst Reieher hcrausfischten, den man in einem Fiotel in der Altstadt tot aufgefunden hatte. In einem kleinen, engen Zimmerchen, an einer Straße gelegen, die weit ab von den Bahnen des Ruhmes war. Die Träger, die den Toten im ״Institut für gerichtliche Medizin“ auf bahrten, wußten nicht, wen sie da auf den kalten Seziertisch legten. Aber die ganze große Schar der Kinobesucher wird sich an diesen Mann erinnern, der sie in der Jugend begeistert hatte. Den Namen Ernst Reicher kennen'nur wenige, aber der Name Stuart Webbs ist schon eher geläufig. Er war der erste Held deutscher Detektivfilme, und Ernst Reicher war sein Darsteiler. Eine große Serie spannender Krimmaigeschichten voll komplizierter, abenteuerlicher und aufregender Verwicklungen, aus denen sich Webbs stets im letzten Augenblick mit überraschender Bravour herauszuziehen vermochte, ist an Millionen von Zuschauern vorbeigeflimmert. Sein letzter Film ״Der Schuß im Panzergewölbe“ war zugleich der größte Erfolg. Dann erwischte Reicher das Schicksal. Anerkannt und reich war er nicht nur Rennstallbesitzer in Berlin gewesen, sondern auch ein begeisterter Automobilist. Eines Tages verunglückte er mit seinem Rennwagen und wurde erst nach langem Krankenlager als geheilt entlassen. Freilich: er hatte drei Viertel seines Gehörs verloren. Ungefähr zur gleichen Zeit kam der Tonfilm auf. Nun war cs mit Reichers Filmkarriere aus. Später übersiedelte Reicher, der Jude war, nach Prag. Der hünenhafte, hoch in den Vierzigern Stehende wanderte nun, ein Schatten seines früheren Ruhms, als Ver- Sicherungsagent durcli fremde Straßen und Büros und war froh, wenn er auf dem Prager Filmhügel, dein Barrandov, irgendeine kleine Statistenrolle bekommen konnte. Wie strahlte er, als er kürzlich in Duvivicrs ״Golem“ eine Rede voll stummer Gestikulation halten durfte. Wenn es auch nur wenige Sekunden waren, wieder einmal waren wenigstens Lampen und Scheinwerfer zur Großaufnahme auf ihn gerichtet. Aber als dann der Film gezeigt wurde, da war diese Szene mit vielen anderen dem Schnitt des Cutters zum Opfer gefallen. Nun ist der Einundfünfzigjährige zwischen den grauen Tapeten eines fremden Hotelzimmers gestorben. Den gleichen Tod wie der andere Hauptdarsteller seiner Filme, Max Landa, dessen Name nun auch schon längst verschollen ist. — Ernst Reicher war übrigens der Sohn des berühmten Otto Brahms-Schauspielers Emanuel Reicher. _ m.g. Berichtigung. In dem Bericht unserer Warschauer Korrespondenten ״Devisensperre in Polen“ in Nr. 36 war ein sinnentstellender Druckfehler enthalten. Es muß im 2. Absatz richtig heißen: ״Man horcht auf, verfolgt die Ereignisse mit großer Spannung, man ist sich aber des Unterschiedes klar zwischen den antijüdischen Ausschreitungen hier und in Palästina.“ Lugano PARKHOTEL AM SEE Dat kaltialerta Hau• dar guten Kreis• Hiuatr.Preap.knetenie». Fam. Zähringer

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