Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1936)
- Date
- 1936-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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11. 5. '1936 rp \/ Nr. 37 j Jahrgang 41 Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAD Sdbrlftleitung, Verlag n. Anxelgenverwaltnng! BarllnW 1S, Hfelnekestr.lO Fsniraft Semmel - Nummer J1 (Biimarek) 9031. ־־־ Bezugspreis einschlieBHch Beetellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, bet Abholung RM 1,88 bzw, RM 5^9• — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung: Bcrlio 71573 (für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugs gebühren. — Erscheint Jeden Dienstag nnd Freitag. BERLIN ט״ז אייר תרצ״ו FREITAG, 8. MAI 1936 Gültig! Anxelgenprelsliste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm ־ Zeile 20 Rpf., f8v Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen ra bestimmte» Ausgaben oder an bestimmten Platzes wird keine Gewähr geleisteL Gelegenheit»- anzcigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck •Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9-— 18 Uhr. Annan irre *oh hiß für die Dienstag * Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F reitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien -Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Zur politischen Lage Erklärung im Unterhaus ״Einstellung der Einwanderung: unter keinen Umständen“ Aus London wird gemeldet: In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Commander Fl et eher erklärte der Kolonienminister Thomas am Mittwoch im Unterhaus, ihm sei nichts davon bekannt, daß die Unruhen in Palästina von Italien oder einem anderen Lande gefordert worden seien. In Palästina herrsche jetzt im a i 1 g c m eine 11 R u 11 e, allerdings komme es immer wieder zu vereinzelten Zusamincnstößcn. Der Streik der Araber werde heute schärfer fortgefiihrt als vor einer Woche, obwohl den arabischen Händlern und Transportarbeitern schwere Verluste entstanden seien. Leider sei mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Ausstand zu weiteren Unruhen führen könne. Minister Thomas erklärte weiter: ״Ich bin davon überzeugt, daß diese Unruhen der Ausfluß der arabischen Unzufriedenheit sind, und die Araber haben denn auch damit gedroht, den Ausstand solange fortzusetzen, bis die jüdische Einwanderung eingestellt sei. Wie ich bereits bei einer früheren Gelegenheit betont habe, kann sich die englische Regierung durch keine Drohungen von ihrer Politik abbringen lassen, und die Einstellung der jüdischen Einwanderung kann unter keinen Umständen in Frage kommen. Falls die Araber die Einladung der Regierung, einen Ausschuß nach London zu entsenden, annehmen, dürfen sie davon überzeugt sein, daß ihre Wünsche Jerusalem, 5. Mal, 12 Uhr nachts. (JTA.) Die polttische Situation in Palästina steht Im Zeichen einer, feste• ren Haltung, der Regierung gegenüber den Arabern. Zum Ausdruck kam dies bei einem Empfang der arabischen Führer beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope, zu der der High Commissioner geladen hatte und der nur zehn Minuten dauerte. In einem über den Empfang herausgegebenen offiziellen Comm u n i q u 6 wird mitgeteilt, der High Commissioner habe die arabischen Führer aufgefordert, den Generalstreik abzubrechen und statt dessen die geplante D e 1 e - gation nach London zu schicken. Der High Commissioner warnte die Araber, illegale Aktionen wie Mord, Brandstiftung und Aufforderung zu Ungehorsam gegen- Uber der Staatsgewalt, zu unternehmen. Er verlangte, daß das Streikkomitee sich ohne Verzug von ungesetzlichen Handlungen distanziere und von der Abhaltung öffentlicher Versammlungen und Demonstrationen absehe. Wie es heißt, soll die Unterredung des High Commissioners mit den arabischen Führern sehr stürmisch verlaufen sein. Der High Commissioner soll die Araber darauf aufmerksam gemacht haben, daß er strenge Maßnahmen ergreifen werde, wenn der arabische Terror fortgesetzt werde. Er warnte die Araber auch davor, sich nach affa zu begeben, wo eine arabische Versammlung abgealten werden sollte, in der man die arabischen Regierungsbeamten auffordern wollte, sich dem Generalstreik anzuschließen. Der arabische Streikführcr in Jerusalem, Hassan Sidk v D a j a n y, sowie die in der Streikbewegung an führender Steile stehenden Rechtsanwalt Elias Moughanem und S a 1 a k 11 A b d o u, wurden verhaftet. Saiakh Abdou und Dajanv werden beschuldigt, durch die Unterzeichnung eines Aufrufs zur Steuer ver Weigerung aufgefordert zu haben. Bei dem Transport der verhafteten Araber zur Polizei versuchte eine arabischen Menge, Dajanv aus der Gewalt der Polizei zu befreien. Zwanzig Polizisten mußten zur Verstärkung herangezogen werden. Sie zerstreuten die Menße mit Gummiknüppeln. Am Abend des Dienstag wurden die verhafteten Araber wieder auf freien Fuß gesetzt. Offiziell wird mitgeteilt, daß über ein arabisches Dorf eine Kollektivstrafe verhängt worden sei, weil Dorfhewohner jüdische Automobile mit Steinen beworfen haben. Insgesamt sind im Verlaufe des Dienstag sieben arabische Dörfer mit Koilektivstrafen belegt worden. inzwischen wird von arabischer Seite nach wie vor versucht, die Gene ™!Streikbewegung über die von ihr bisher ertaßten Kreise atiszudelmen. Das arabische nationale Komitee sandte nach Syrien und Aegypten Abordnungen, die den Auftrag hahen zu verhindern, daß Lebensmittel nach Tel-Awivv verschifft werden. Für den 12. Mai wurde nach Jerusalem eine Kon* f e r e n z aller Streikkomitees des Landes einberufen, um die Lage zu besprechen. Die extremistische Zeitung ״Difaa“ greift das Komitee wegen der Verschiebung der Versammlung auf nächste Woche an, welche das Blatt als Zeichen von Schwäche betrachtet. Es weist auf die Gefahr des inzwischen drohenden Streikzusammenbruchs hin. Ruhe Im ganzen Lande Jerusalem, 6. Mai, f2 Uhr nachts. (JTA.) Zum ersten Male seit 17 Tagen ereigneten sich am Mittwoch keine Zwischenfälle in Palästina. Bis zum späten Abend sind keine Brandstiftungen oder sonstige bemerkenswerte Vor- •äße gemeldet worden. Allerdings wird der arabische Generalstreik in unverminderter Schärfe fortgesetzt von der englischen Regierung mit voller Aufmerksamkeit geprüft werden.“ * London, 6. Mai. (JTA.) Der Abgeordnete Commander Fl et eher fragte im Unterhaus den Kolonieriminister, wieviele Fälle von Waffenschmuggcl nach Palästina in den letzten zwei Jahren zur Kenntnis der Behörden gekommen seien, und ob er die Maßnahmen, die von den palästinensisehen Beiiörden gegen den Waffenschmuggel ergriffen worden seien, für ausreichend halte. Kolonienminister Thomas erwiderte, er habe den High Commissioner über den ersten Teil der Anfrage um nähere Auskunft ersucht. Was den zweiten Teil der Anfrage betreffe, so könne er den Abgeordneten versichern, daß alle erforderlichen Schritte von den Behörden in Palästina unternommen werden, um den Waffenschmuggel zu unterbinden. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Captain Peter Mac Donald über die Errichtung einer Flotten basis in Palästina oder Cypcrn antwortete der parlamcntarische Sekretär der Admiralität, Lord Stanley, daß die Vorteile einer Flottenbasis im östlichen Mittelmeer i!1 Erwägung gezogen werden, daß es aber im gegenwärtigen Augenblick nicht beabsichtigt sei, solch eine Flottenbasis zu errichten. Die Araber haben heute dem High Commissioner die Antwort auf seine Aufforderung erteilt, den Generalstreik abzubrechen und eine Delegation entsprechend der Einladung des Colonial Office nach London zu entsenden, sowie sich jeder illegalen Aktion zu enthalten. Die Antwort der Araber ist negativ ausgefallen. Sie haben nach längeren Besprechungen beschlossen, den Generalstreik fortzusetzen und ihre Abordnung nach London nicht eher zu entsenden, bis die jüdische Einwanderung vollkommen gesperrt worden ist. Entgegen dem Verlangen des High Commissioners haben sie außerdem erklärt, öffentliche Versammlungen und Demonstrationen fortsetzen zu wollen. In der ״Palestine Gazette“ ist eine Verordnung des High Commissioners erschienen, die die direkte oder indirekte Aufforderung zur Steuerverweigerung mit Strafen bis zu sechs Monaten Gefängnis oder 50 Pfund oder mit beiden Strafen zusammen bedroht. Aut Grund einer Verfügung der Behörden sind die Waffen- und Munitionslager in den Kolonien R a a n a n a und Kfar Saba entsiegelt und die Waffen unter die jüdischen Siedler verteilt worden. Verlegung von Regierungsämtern Jerusalem, 4. Mai. (JTA.) Die Regierung hat die seit den Unruhen in verstärktem Maße geäußerte Forderung der beteiligten jüdischen Kreise erfüllt, das Gericht in Jaffa nach Tel-Awiw zu verlegen. Das Gericht wird seine Verhandlungen in hebräischer Sprache führen. Auch der Forderung der jüdischen Kolonien im Scharon- Gebiet und im Emek Cliefer, in Natania ein Distriktsamt einzurichten, ist nachgegeben worden. Die Regierung wird in Natania eine Distriktsbehörde unter Leitung eines jüdischen Distriktsbeamten cinricliten. Die Juden werden in Zukunft nicht mehr gezwungen sein, die von Arabern bewohnte Stadt Tulkerem, wo. sich die Distriktsbehörden bisher befanden, aufzusuchen. Jüdische Beratungen Jerusalem, 5. Mai. Lieber 200 Vertreter des fischuw trafen heute nachmittag in Tel-Awiw zu einer Konferenz zusammen, um die gegenwärtige Lage im Lande zu besprechen. Die Konferenz wurde von Ben Zwi eröffnet; Schertok erstattete einen umfassenden Bericht über die letzten Ereignisse und die sich daraus ergebende politische Lage. Der erste Redner in der Debatte war Zißling (Ejn Charod), dessen Schilderung über den im Emek angerichteten Schaden großen Eindruck hervorrief, in Ejn Charod allein wurden 3000 Dunam zerstört; 1000 Bäume wurden entwurzelt. Danach sprach Rabbi Mcir Berlin. (Palcor.) Verurteilung jüdischer Demonstranten Tel-Awiw, 5. Mai. (JTA.) Der Prozeß gegen die neun jüdischen Demonstranten, die der Teilnahme aii den Unruhen des 17. April in Tci-Awiw angeklagt sind, ist vor dem Tel-Awiwer Stadtgericht beendet worden. Einer der Angeklagten wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Vier andere Angeklagte erhielten je fünf Monate Gef ä n g n i s, die übrigen zwischen einem und drei Monaten Gefängnis. Einer der Angeklagten, ein illegaler Einwanderer, wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten aus Palästina ausgewiesen werden. (Weitere Nachrichten Seite 2) Entschiedene Haltung der Regierung — Erklärung im Unterhaus — Die Krise des Völkerbundes — Mussolinis Ziele — Die Mauer der Fremdheit Die Entwicklung der Dinge in Palästina ist in den letzten Tagen in ein entscheidendes Stadium getreten. Zwar haben die Brandstiftungen und sonstigen Zwischenfälle noch immer nicht aufgehört und der Streik wird von arabischer Seite unvermindert fortgefiihrt, ja es ist sogar in Aussicht genommen, ihn auf neue Lebensbezirke auszudehnen, aber die Haltung der britischen Regierung hat eine deutliche Wendung genommen. Wenn es zu Beginn der Ereignisse hier und da den Anschein hatte, daß von seiten der Regierung nur mit einer gewissen Zurückhaltung gegen die arabischen Ueberfälle vorgegangen wurde, so hat die unmißverständliche Erklärung Sir Arthur Wauchopes den arabischen Führern gegenüber jeden Zweifel darüber behoben, daß die Regierung entschlossen ist, nunmehr mit aller Energie gegen Versuche der Unruhestiftung vorzugehen. Die vorübergehende Verhaftung einer Reihe von Streikführern und die Verhängung von Koilektivstrafen über arabische Dörfer sind ein deutliches Zeichen für diese Wendung. in der gleichen Richtung bewegt sich eine bedeutsame Erklärung, die der britisciie Koloniahninister Thomas im Unterhaus abgegeben hat. Er stellte in dieser den Ernst der Lage in Palästina nicht in Abrede und wiederholte nochmals die an die Araber ergangene Einladung, ihre Wünsche in London vorzutragen, betonte aber mit aller Schärfe, daß die britisciie Regierung sich Drohungen und Unruhen nicht füge, und daß insbesondere die Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina unter keine,! Umständen in Frage komme. Dieser Erklärung des Ministers, die in einem Augenblick abgegeben wurde, in dem die Spannung in Palästina selbst noch an hält, verdient unsere stärkste Beachtung. Sie zeigt, daß die Regierung entschlossen ist, ihren aus dem Mandat erwachsenen Verpflichtungen nachzukommen, und daß sie dabei das Gefühl haben kann, sich auf die Meinung der britischen Oeffentlichkcit zu stützen. Bereits in der vor einigen Wochen durchgeführten Unterhaus-De hatte über die Frage des Legislative Council war ja deutlich zum Ausdruck gekommen, daß die politisch maßgebenden Kreise Englands die Bedeutung der jüdischen Einwanderung nach Palästina richtig cinschätzen. Man weiß heute, wie schwer auf dem jüdischen Volke die Judenfrage lastet, und kennt die Rolle Palästinas bei der Erleichterung dieses Problems. Auch in einem Artikel der ״Times“, den wir auszugsweise an anderer Stelle des Blattes wiedergeben, wird dieser Standpunkt eingenommen und betont, daß die Regierung keinen Zweifel an ihrem Entschluß lassen dürfe, das Versprechen der B a 1 f o u r -1) c k I a r a t i o n e i n z u! ü se 11. Für diese Haltung ist wohl auch die Erwägung mitbestimmend, daß die Schaffung einer an der ruhigen Entwicklung der Dinge im Vorderen ()rient interessierten Bevölkerungsgruppe in Palästina bei der gegenwärtigen Weltsituation von größter Bedeutung ist. im Nachbarlande Palästinas, in Aegypten, haben die dort durchgeführten Wahlen zu einem überwältigenden Siege der extrem nationalistischen Wafd-Partei geführt. Diese Tatsache in Verbindung mit dem Thronwechsel wird die Beziehungen zwischen England und Aegypten kaum erleichtern, und die in Kairo geführten Verhandlungen, die an sich schon auf große Schwierigkeiten gestoßen sind, werden dadurch nicht vereinfacht werden. Hinzu kommt, daß das gesamte System der Machtverteilung im Vorderen Orient und besonders in den ehemals türkischen Gebieten im Augenblick einer außerordentlichen Belastungsprobe ausgesetzt ist. Es beruht im wesentlichen auf der Institution des Völkerbundes, dessen Stabilität naturgemäß durch den Ausgang des italienischabessinischen Krieges schwer erschüttert ist. Sein Prestige, das schon seit langer Zeit in den Augen der Welt immer tiefer sank, wird dadurch noch verringert, und es kann nicht ausbieiben, daß diese Entwicklung bei den Völkern des Orients, die in den Formen des Mandat- Systems regiert werden, ihren Widerhall findet In diesem Zusammenhänge ist eine Erklärung von Bedeutung, die Mussolini nach dem Siege über Abessinien gegenüber dem englischen Journalisten Ward Price abgegeben hat. Er sagte darin u. a. folgendes: ״Italien hat keinerlei politisches Interesse im Sudan oder in Palästina. Es ist daher völlig unrichtig, den Italienern irgendeine Verantwortung für die Maßnahmen der Regierung: Forderungen des High Commissioners — Verhaftung von Streikführern — Kollektivstrafen •יי* Verbot des Steuerstreiks t 1