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Jüdische Rundschau · 1936-05-01 · Heft 35 (1.5.1936) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 35 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 35, 1. MAI 1936 Reichsausstellung Jüdischer Künstler Im Jüdischen Museum wurde die Reichsausstelhing Jüdischer Künstler, veranstaltet vom Reichsverband Jüd. Kulturbünde in Gemeinschaft mit der Reichsvertretung und der Künstlerhilfe der Berliner Gemeinde am 26. April eröffnet Dr. Alfred Klee gedachte der Situation ln Palästina, und seine Rede klang in der Versicherung aus: die jüdische Arbeit geht weiter. Er wie Dr. Kurt Singer dankten Frau Cassirer und der Jury, Dr. Osborn, Dr. Rahel Wischnitzer, Prof. Wolfsfeld, Bato, Prof. Landsberger, für das Museum und dem Bildhauer Alexander Oppler für ihre Mitarbeit. Ernst Dreyfus: Selbstbildnis Marie-Luise Cohn, Muncnen: Mutter und Sohn Angesichts der Fülle der Arbeiten, die jüdische Künstler aus zehn Städten gesandt haben — es sind wohl an 170 Gemälde, Graphiken und Plastiken ausgestellt — ist die Auswahl bei der Beschränkung auf die drei Räume des Museums kaum leicht gewesen. Auch dieser Bericht kann nicht alle Künstler nennen. Der herrliche Leuchter mit dem ausschauenden und ins Weite blickenden und schreitenden Juden zeugt für die Meisterschaft des Bildhauers E I k a n aus Frankfurt, und mit ihm kamen die Gemälde von elf Frankfurter Malern. Ernst Dreyfus zeigt mit der scharfen Licht- und Schatten-Wirkung seines Kongobildes und dem in der gleichen Manier modellierten Kopf seines Selbstporträts, daß er trotz der dunk« len Farben aparte Wirkungen erreicht und ein gutes Stück Malerei! Hermann Lisman 11s Landschaft: Passau mit dem grünen Fluß und den Brücken, Dora Neumand mit dem Porträt ״Frau H. 1.“ reizvoll in dem Detail der Koni- Position, Helga L e i s e r s Mädchenbildnis in vorherrschend grüngelben Tönen (Tempera) interessiert ebenfalls. Rosy Lilienfelds Zeichnung ״Elias mit dem feurigen Wagen“ und besonders Fritz Sch am es zeigen, daß sie etwas zu geben haben Von Schames ist ein Blick in den Garten an einem Regentag mit seinen aparten schönen Farben besonders hervorzuheben. Albert Giannini aus Frankfurt zeigt mit seiner Synagoge am Dominikaner-Platz, daß er ebenfalls subtile Farbwirkungen bevorzugt. Im allgemeinen herrscht starke Farbenfreudigkeit, wenn auch nicht alle so stark farbig sind wie Dina Cum bei ist aus Eßlingen mit ihrer gut gemalten Frau mit dem Kopftuch und dem bequem sitzenden jungen Mann mit Brille von Hanf-Weinhold, wo das starke Blau des Anzugs, das helle Braun der Wände und ein hellrotes Vorhangstück die Harmonie störor», was schade ist; der Gesichtsausdruck des Porträts ist ausgezeichnet. Eine sonnige Straße in grüngelb und weiß, explodierend von intensiver Farbe von Fritz Schames, wird kontrastiert durch die ebenfalls sonnige Straße von Kaufmann aus Stuttgart, der seine lange Straße durch Sonnenstriche teilt, auf kultiviertem Grau und mit sehr gut gemalten farbigen Häusern. Alice Harburger, Stuttgart, zeigt einen noch kahlen Raum in einer Frühlingslandschaft in dem weichen hellen Licht des Vorfrühlings. Duft der Wiesen liegt auch über dem in etwas größerem Format gehaltenen Landschaftsbild von S. Z i e g - ler aus München. Die Münchner bringen von zwei Frauen, einer Malerin und einer Bildhauerin, starke Leistungen. Die Malerin Luiko (Luise Cohn?) zeigt neben sehr guten Radierungen interessante Landschaftskompositionen, die sie in die erste Reihe der junger! modernen Maler stellen und als wichtigstes (unter den besten der Ausstellung) ein Gemälde: Mutter und Kind. Die Mutter, ein ostjüdischer innerlicher Typ, der kleine Sohn mit rundem Kindergesicht, eine kleine Individualität in Natürlichkeit des Ausdrucks, legt seinen hellbraunen Kopf in den Schoß der Mutter, Das Porträt des Knaben erinnert Im Ausdruck an Lotte Lasersteins Kunst. Die Bildhauerin Elisabeth Springer behandelt dasselbe Thema. EHe junge Mutter sitzt auf der F.rde im Badeanzug, ein Strandbila, und hält ein kleines Mädchen umfangen. Das Mädchen ist mit seinem Ausdruck von träumendem unerschlossenem Leben und doch kindlich eine starke Leistung. Ernst Rudolfs Selbstporträt im Hochformat zeigt in hellrosa und grau-hellblauen Farbtönen, daß er ein guter Maler sein kann, einiges Ungleichmäßige zeigt er gleichfalls. Franz Hecht bringt gute Holzschnitte. Asc 11 heims Zeichnungen polnischer Bauern und Fuhrleute sind im Ausdruck und in kultivierter Farbigkeit gute Leistungen, auch Paula Grünfelds Märchenbilder haben dekorative Qualitäten, das Haus an der Promenade ist das Beste, das ich in den letzten Jahren von ihr sah. Die Bildhauerin Betty Hirsch mit ihrer Plastik, einem vergnügten kleinen Kind, das auf allen vieren erste Gehversuche macht, verdient gleichfalls Beachtung. Gute Leistungen sieht man bei den Gemälden der Maler aus Köln. Lisel Wetzlars ״Knabe mit Esrog“ hat so ausdrucksstarke, schöne, fragende Augen und die Farben sind bei aller Freude an den Gegensätzen dunkles Grün des Lulaw und dem starken Gelb des Esrogs mit guter Malkultur und Technik dem Gegenstand untergeordnet, daß man hier schon von starker Begabung sprechen kann. Flora Jöhlingers ״Strandbad in San Malo“ ist gleichfalls gut gemalt. Das jüdisch-soziale Motiv bringt Otto Schloß mit einem beachtenswerten Gemälde ״Wartesaal“, das vom Hilfsverein angekauft ist. Männer und Frauen schlafen auf den Bänken, halb sitzend, ein anderer über dem Tisch liegend, einer auf einer Bank ausgestreckt. Die Bänke in ihrem Holzton sind sehr gut gemalt, auch der Ausdruck der Scillafenden zeugt von starker Einfühlungsgabe und ebenso starkern Ausdrucksvermögen, die Körper weisen zwar starke Vereinfachung in den Linien auf, aber gerade dadurch kommt bei dem über den Tisch Gesunkenen die Wucht der liebermüdung und die Massigkeit des Körpers gut zum Ausdruck. Eine Rheinlandschaft von Elt zba eher, ganz in Weiß und zeichnerisch reizvoll, und seine südliche Landschaft Villa Aldobrani, des Mannheimers Ernst Noether ״Landschaftaus St. Remo“, des Hannoveraners Edvin Oppler ״Flachlandschaft“ und Blick in Landschaft durch den Apfelzweig, verraten, daß die landschaftlich bevorzugten Provinzen gute Landschaftsmaler schicken können. Auch Palästina-Land¬ $.1. 4 Fritz S. Schames: Straße im Herbst Otto Schloß, Köln: Im Wartesaal Fotos: i. Abraham (5), H. Sonnaufrld (3) Elisabeth Springer, München: Mutter mit Kind Aschheim, Breslau: Blumen schäften sieht man im Holzschnitt von dem Hamburger Graphiker D. Rotschild: die Gräber in Galii und die Klagemauer, und ebenfalls von einem Hamburger in Pastell ״Jerusalem“ (Ludwig Neu). Neue Pasteile sind in ihren zarten hellen richtigen Pastellfarben allesamt von guter Qualitat. ״Jerusalem“ ist allerdings sein bestes, abgesehen vom Motiv. Der schmale Himmel in sehr hellem Blau, eine Häuserreihe auf dem Hügel in hellem Orangerot, ein schmaler Strich, ein ebensolcher Turm, und graue und grau-violette, flache Kuppeln. Edith Marcus, Hamburg, zeigt zwei im Thema interessante große Gemälde: ״Abigail begibt sidi ins Dorf“ ist ein malerisches Orientbild, in starken Farben mit Esel und Palme und Agave und Turbanen in Rot vor einem Torbogen. Ein zweites Gemälde zeigt einen Brunnenplatz, auf dem in hellen Farben ein Gemüse- und Obstmarkt aufgebaut ist. Wasserträgerinnen gehen die breiten Stufen hinaut und hinunter. Alice Becks Porträt von Fräulein Dr. H. zeigt in hellen Farben einen sympathischen Typ der geistigen Frau. Kurt Löwcngard ist ein guter Maler und brauchte, um aufzufallcn, sich nicht mit dem Pinsel itn Mund zu malen. Hermann F e c 11 c n b a c h s ״Selbstbildnis“, Lotte P r e c 11 - ners alte Bauernfrau aus der Eifel sind tüchtige Arbeiten. Nicht zu vergessen einige gute Leistungen der zum Teil bekannten Düsseldorfer: Von Julo Levin ein Hafen, von Max Stern die eindrucksstarken Hafenarbeiter, dessen helle Farben seiner Provence-Landschaft zugute kommen, und das sehr gute Herrenbikinis von Max W c s t f e 1 d. Von den Dresdnern ist Bruno Gimpel mit seinen Blumen im gelben Topt und Lithos der Synagoge in Prag gut vertreten. Es wäre sehr gut, ab und zu die Münchener Maler, die Hamburger, Kölner in Einzelausstcllungen zu zeigen, jetzt sahen wir die Ergebnisse der örtlichen Jury, aber als Gesamtausdruck bleibt doch, daß das Reich gute Kräfte zu stellen vermag. Hanna Schlesinger-Morold Rosenstock und Jeßner verlassen Berlin Generalmusikdirektor Rose 11 stock scheidet, wie der Kulturbund mitteilt, auf Grund gütlicher Vereinbarung mit dem Jüdischen Kulturbund Berlin e. V. mit Ablauf seines Verträges aus seiner Stellung aus, um mehrfachen Berufungen ins Ausland sowohl als Konzertwie ais Opernairigent Folge zu leisten. Dr. Fritz J cssncr hat einen Ruf als Spielleiter an das Stadttheater in Bern erhalten. Der Jüdische Kulturbund Berlin e. V., für dessen Bühne Jessner seit zweieinhalb Jahren tätig war, hat deshalb sein Vertragsverhältnis mit ihm gelöst. Zionismus als lebensgestaltende Kraft In einer Gesamtveranstaltung der BZV. sprach Dr. Etavid Schloßberg über das Thema ״Der Zionismus als Gestalter der jüdischen Gegenwart“. In außerordentlich wirkungsvollen, scharf pointierten und einprägsam formulierten Sätzen entwarf er ein Bild von der jüdischen Entwicklung seit dem Jahre 18(10, dein Jahre, in dem Rieß er als erster Jude Richter in Preußen wurde, dem Geburtsjahre Herzls und Lord R e a d i n g s. An diesen Figuren ließ sich mit Leichtigkeit zeigen, welche Wege seit jener Zeit die jüdische Gesamtheit gegangen ist und von welchen Ideen sie sich leiten ließ. Rießer ist der Typ des luden, der in der Emanzipation die letzte Erfüllung sieht, Reading ist der Typ der wenigen aus unserer Mitte, die zu höchstem Glanz aufsteigen, und Herzl ist der Mann, der den Mut hat, unter der geglätteten Oberfläche die offenen Wunden zu entdecken und neue Wege zu weisen. Dr. Schloßberg stellte eingehend die Grundfragen der nationaljüdischen Auffassung dar und betonte, daß es gerade von unserem Standpunkt aus besonders erwünscht wäre, wenn sich in anderen Ländern noch Raum für Juden bieten würde, weil erst dann eine Auslese der Menschen, die nach Palästina gehen, möglich ist. Die Versammlung, die unter der Leitung vor! RA. Lewinsohn stand, gedachte eingangs der Toten in Erez Israel und beschloß den Abend mit der Hafikwah. N. Das jüdische Sagengut Mit seinem Vortrag über ״Das fabulierende Israel“ (eine Kultur fiunci Veranstaltung am 27. 1.) hat sich Emanuel bin Gorion ein Verdienst erworben. Der reiche Schatz des jüdischer! Sagengutes ruht wohlverwahrt und unbekannt in Büchern verborgen, die teils der Masse unzugänglich sind, teils zu wenig gelesen werden. Welcher Reichtum des Gefühls tut sich hier auf; aus ganz fernen Welten her scheint die jüdische Seele zu sprechen, ln andeutenden Bemerkungen verwies Bin Gorion darauf, daß die Quellen des jüdischen Sagenschatzes in die Jahrtausende zurückreichen, zu einem Großteil jedoch der nachbiblischen Zeit angehören. Großartig waren die Beispiele, die der Vortragende den äußerst gespannt aufmerkemlen Zuhörern gab. Da zog die berühmte Fuelis-Leviathan-Eabcl wieder an uns vorbei, nachbiblischc Legenden erweckten Nachdenklichkeit, und die grotesken Mittel, mit denen die jüdische Sage z. T. arbeitet, verfehlten auch heute — nach Jahrhunderten und Jahrtausenden — ihre Wirkung nicht. Wie erstaunlich frisch bleibt das alles, was das Volk dichtet. Die Hörer lauschten gebannt, als hörten sie einem fremden Dichter zu . . . und dabei hörten sie doch nichts anderes als sich selbst, die Stimme ihres Volkes über die Zeiten hinweg. N. Ein ״ßeth-Hachasanim“ in Berlin. Im Anschluß an die neu eröffnete Jüdische private Musikschule Hollaender, Berlin- Charlotten bürg 4, Sybclstr. 9, ist ein Beth-Hachasanim eingerichtet worden. Den künftigen Vorbetern soll eine allgemeine jüdische Schulung verbunden mit gründlichem Studium der Chasanuth vermittelt werden. Neben der hauptfachlichen Vorbildung muß eine gründliche allgemeine musikalische Schulung erfolgen. Oberkantor Leo Ahlbeck und Jakob Dymont lehren: Nussach ha t’fillah, seine Bedeutung und Anwendung beim Sagen und Rezitieren. Synagogalc Stilistik -■ Stillcbrc für synagogalcn Gesang und Vortrag. Traditionelles Chasanuth in Form und Ausdruck. Die Kunst der Improvisation zur Ausgestaltung der Andacht. Praktisches gottesdienstliches Vorbeten an Hand synagogaler Kompositionen. Kriath batbora, Megilloth, Haftarah. Dr. Aron () 11 r e!1 s t e i n gibt eine Einführung in den hebräischen Gottesdienst sowie Bibelkunde und ausgewählte Texte ,־!us dem kantoralen Gebiet. Die Leitung des Beth-Hachasanim hat Dr. Oskar Gut{ mann. Vom Verband polnischer Juden. Unter Vorsitz, von Herrn David Fisch fand am 27. April eine Veranstaltung des Verbandes Polnischer Juden statt. Dr. Michael Trauh sprach über die Lage der Juden in Polen, über ihre Auswaudertingsmöglichkeiten im Verhältnis zu den Auswanderungsmöglichheiter! der polnischen Juden in Deutschland nach Palästina und anderen Ländern. Er unterstrich die Notwendigkeit des Be- Stehens einer geschlossenen Organisation der polnischen Juden in Deutschland und appellierte an die Anwesenden, tatkräftig durch Werbung von neuen Mitgliedern den Vorstand in seiner Arbeit zu unterstützen. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Trauh hat sich ein Kuratorium, bestehend aus 20 Herren, gebildet, das gemeinsam mit dem Vorstände die Gewahr dafür bietet, dal! der Verband nicht nur erhalten, sondern auch darüber hinaus ausgebaut wird. Ernst Ewald Gebert als Gastdirigent im Kulturbund. Wir hörten eine ״Samson- und Dalila״-Aufführung, bei der Ernst Ewald Gebert als Gastdirigent den Stab führte. Gebert führte Orchester, Chor und Solisten mit sicherer Hand und erzielte vortreffliche Wirkungen. Das Publikum dankte ihm und den übrigen Mitwirkenden durch lebhaften Beifall. —th. Mittwoch, den 6. Mai, 201/2 Uhr KUNDGEBUNG im Hack eschen Hof, Rosenthafer Str. 46 41 Die Ereignisse in Palästina — Unsere Antwort Ansprachen: Dr. Franz Meyer Dr. David Sdilossberg Dr. Hans Friedenthal Boris Eisenstadt Isi Eisner Referat: Dr. Michael Trauh BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG

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