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Jüdische Rundschau · 1936-05-01 · Heft 35 (1.5.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 35 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35, 1. V. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 hm« ■**.ר■ ■ wm< m w. wm Wh DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Chassidisdier Tanz Gehört In Warschau, Pefitdi 1936, im Itra/Jawer Chaiwidlm ■ Stuhl Ch. Winawer Nachdruck rerbofen Alle Rechte Vorbehalten Ye. •־/ג *l-pi-km *ra. 2*m.ref *ej, msre>}. m pi- Srfefa rate 41 J(el ju.ej.lo.mejs, *re . . dj?. *dl . jts> i - /een hre - 24 m - roM 40/4, . pi. t). jfrfe-fj srfe/4 r**t 42 kal ftu - °J — 20 - . raojs, *re. Bei den ״toten Chassidim“ Vor etwa 150 Jahren tauchte in der cliassidischen Welt der eigenartige Typ eines Rebbcn auf, der zu seiner Zeit eine Erschütterung für das gesamte chassidische Leben bedeutete. Reb Nachman Braziaver, ein Urenkel des Baal-Schem, war jener Rebbe, der wegen seiner sonderbaren Anschauungen und Lebensart im Kreise der Cliassidim und der cliassidischen Führer geradezu Furcht erregte. Reb Nachinan, dessen Weltinscliauung von der des Baal-Schem in starkem Maße beeinflußt war, begann später, eigene Wege zu beschreiten, und dies trug ihm die Ablehnung, ja sogar die Feindschaft der anderen cliassidischen Führer ein, eine Feindschaft, die mit dem Tode des Reb Nachman Brazlavcr nicht schwand, sondern sich noch verstärkte. In der Hauptsache waren es wohl seine Abstaniinung, seine ungeheure Geistesgröße und seine starke Willenskraft, die ihm jene Gegnerschaft eintrugen. Abgesondert von all den anderen cliassidischen Führern seiner Zeit lebte Heb Nachman sein eigenes Leben. Er anerkannte keinen von seinen bedeutenden Zeitgenossen, nur der Kreis seiner Chassidim war um ihm, und ihnen gab er sich ganz hin. Um jene Zeit ging im Chassidismus eine Wandlung vor rieh, die Reb Nadiman Brazlavers Mißbilligung hervorrief. Der Chassidismus, durch die Baal-Schem-Lehre (die den inbrünstigen Goitesglauben des schlichten Mannes über die rabbinisclie Gelehrsamkeit stellte), zu einer Volksbewegung gestempelt, begann, von seinem Ursprung abzuweichen. Der erste ״rcbbäsche“ Hof mit Glanz und Pracht tauchte auf, der Rebbe lebte, von Schmuck und Reichtum umgeben. Zwischen Rabbi und Chassid begann eine Mauer empor- Zuwachsen. Das mochte die Verbitterung Reb Nachman Brazlavers hervorgerufen haben. Er sah plötzlich die alten chassidisehen Fundamente wanken. Ganz anders war das Verhältnis zwischen Reb Nachman und seinen Cliassidim; da wurde nicht viel gefragt — wer sich in seinen Schutz begab, der ward aufgenommen, mochte es der Aermste und Schlichteste sein. In diesen Dingen verwaltete Reb Nachman das Erbe seines großen cliassidischen Vorfahren, des Baal-Schem. Und dennoch, bei all der Liebe und all dem ״Einssein״ mit seinen Chassidim, bei all seiner Fürsorge und Ergebenheit für sie, in einem Punkt wich Reb Nachman doch von den Wegen des Baal-Schem ab; er sali sich bei allem als den Mittelpunkt, er betrachtete sich als den einzigen Zaddik. Alle brauchten sie seine Hilfe, selbst die Zaddikim schienen ihm seiner Fürspräche bedürftig. Er sah sich hoch über ai! seinen Zeitgenossen. Diese beiden Gegensätze, einerseits starke Hingäbe, ja geradezu aufopfernde Treue zu seinen Chassidim, andererseits das Sicherhabenfühlen über all den anderen, mögen zu dem sonderbaren letzten Willen Reb Nachman Brazlavers feführt haben: Er gebot seinen Cliassidim, nach seinem Tode einen Nachfolger für ihn zu wählen. Wie zu seinen Lebzeiten solllen sie auch fernerhin zu ihm kommen, an seinem Grabe sollten sie sich um ihn versammeln, und er werde ihnen weiter so helfen, als ob er noch in ihrer Mitte weilte. Er konnte sich nicht mit dem Gedanken ahfinden, daß ihn auf Erden jemals ein anderer ersetzen könnte, und, obgleich es als etwas sehr Fremdes erschien, etwas im jüdischen Leben Ungewohntes, einen Toten als lebend zu betrachten und seine Hiife anzurufen, tat Reb Nachman Braziaver dieses Gebot. Er wollte seinen Cliassidim auch nach dem Tode noch nahe sein, und es war damals, daß er sein berühmt gewordenes Wort zu ihnen sprach, daß der Tod im Grunde nichts anderes sei als ein Vertauschen des ״unteren‘• Wohnortes mit dem ״oberen“*) Noch zu seinen Lebzeiten wählte er zu seinem Nächsten einen aus dem Kreis seiner nahestehenden Cliassidim: Reb Nossen 11a Cohen, in ihm hatte Reb Nachman einen Mann gefunden, der sich mit aller Hingabe in den Dienst des Rebben stellte, ihm vertraute der Rebbe seine Oedanken an, die er aufschrieb und aller Gegnerschaft zum Trotz populär machte. Ihn schreckte kein Hindernis, und er setzte es durch, die!unterlassenen Schriften des Rebbcn zu verbreiten, in einer Zeit, ais noch ein wilder Kampf gegen die Gedankenweit des Reb Nachman Braziaver tobte. Er gründete eine eigene Druckerei, in der ausschließlich die Schriften Reb Naehmans gedruckt wurden — vermutlich weigerten sich die jüdischen Druckereien, diese Werke zu verbreiten. Dennoch gelang es Reb Nossen ha Cohen, die Lehre Reb Naehmans bis in die verborgensten jüdischen Dörfer dringen zu lassen. Besonders verbreitet war das ״Braziaver Chassides“ in der Ukraine, und alljährlich an den hohen Feiertagen pilgerten Tausende von Chassidim nach Uman zum Grabe Reb Naehmans. Auf dieser Zusammenkunft ging es ebenso her, als ob der Rebbe noch lebte. Man betete wie zu seinen Lebzeiten, tat alles nach seinem Willen, man sang die Braziaver Nigunim, ja man tanzte auf diesem Grabe mit einer Leidenschaft und Verzückung, die bei keiner anderen Chassidim-Gruppe ihresgleichen fanden. Wenn ״Nigu“ und ״Tänzl“ im cliassidischen Leben schon von jeher eine große Rolle spielten, so räumten ihnen die Braziaver Chassidim einen Ehrenplatz ein. Heb Nachman pflegte oft über Tanz und Musik zu sprechen. Um einen Begriff vom Wirken des ״Braziaver“ zu bekommen, muß man Brazlaver Chassidim von der Lehre ihres Rebben reden hören. Der beste Kenner dieser Lehre war Reb Nossen ha-Cohen, doch gibt es auch heute noch Verkünder dieser Lehre unter den Braziaver Chassidim, solche, die sich gemeinschaftlich in die Werke Reb Naehmans vertiefen, Kenner, die hinter jedem Wort Geheimnisse wissen, und besondere Deutung für jeden Satz, Chassidim, deren inbrünstiges Sichversenkeii in diese Schriften einem Gottesdienste gleichen mag. In den Werken Reb Naehmans offenbart sich nicht allein der Geist des großen Denkers, es leuchtet aus ihnen auch die Seele eines Dichters, die sich vor allein kundtut in den gleichnishaften Geschichten, die der Rebbe kurz vor seinem Tode zu erzählen pflegte. Seine Gegner versuchen, den Wert dieser Geschichten herabzumindern durch den Einwand, der Rebbe habe sie in seinem gesteigerten fiebrigen Zustande, dem Fieber seiner Krankheit (der Tuberkulose), erzählt — ein Einwand, der den künstlerischen Wert nicht anzutasten vermag. Ais Sechsundzwanzigjähriger (Reb Nachman ist nur 46 Jahre alt geworden), reiste er nach Erez Israel. Seine Sehnsucht, das Heilige Land zu sehen, war so mächtig, daß er •auszog und die Seinen unversorgt zurückließ. Diese Reise war für ihn so bedeutungsvoll, daß er später einmal sagte, sein ganzes Leben bis dahin sei eigentlich wertlos gewesen. Allein er konnte es nicht über sieh bringen, seine Chassidim im Goltis allein zu lassen, und so kehrte er zurück. Doch seine Liebe zu Erez Israel pflanzte er auch iri die Herzen seiner Chassidim. Noch heutigentags lebt ia ihnen dieses starke Gefühl der Sehnsucht und Verbundenheit *) Nach dem Tode ihres Rebben begann man die Braziaver Chassidim, die das Gebot ihres toten Rebben befolgten, geringschätzig die ״toten Chassidim“ zu nennen. Billige Kuren an den heißen, hochrad. Thermen Bad Teplitz-Schönau bei Gicht, Rheuma, Ischias. Auskunft: Städtische oder Clarysche Kurdirektion. Merkwürdigerweise war es in Polen beinahe 100 Jahre lang still geworden um die ״toten Cliassidim“, und erst während der letzten 30 Jahre erstand diese Bewegung aufs neue und hat einen beträchtlichen Teil der polnischen Chassidim erfaßt. In Warschau gibt es ein eigenes Chassidim-Süibl, in dem die ״Braziaver“ Zusammenkommen. Hier halten sie ihren Gottesdienst ab, der teilweise von Reb Nachmann verfaßte Gebete enthält, hier tanzen sie nach dem Gebet, und es ist ein starkes Erlebnis, sie in tiefster Ergriffenheit und höchster Verzückung beim ״Lernen“ und gemeinschaftlichem Tanz 711 sehen. Die Braziaver Chassidim sind davon überzeugt, daß einzig ihr Chassidismus der richtige ist, und sie blicken mit ehrliebem Mitleid auf all die anderen Cliassidim, die, ihrer Mcinimg nach, vom Irrtum befangen sind. Es ist geradezu riihrend, wie diese Ueberzeugung des ״Atiserwähltscins“ sich schon bei den kleinen ״Bra/Iavern“ bemerkbar macht, und wie die kleinen Knaben schon diese Wurde zu tragen verstehen. Die Braziaver Cliassidim sind Optimisten, sic vertrauen noch jetzt, 120 Jahre nach dem Tode Reb Naclunanns, auf seine Fürsprache beim Herrn der Welt. Was auch geschehen mag, welche Not auch über das indische Volk kommen mag, immer wenden sie sich an ihren ..toten Rebben“, in völliger Zuvorsicht, daß er das Verhängnis ab/nwenden vermag. Der schon zu I.eli/eiten Reb Naclunanns beginnende Abstieg im Chassidismus hat das chassulische Leben allmählich zum Verfaß gebracht. Der ״Hof“ des Rebben ist erblich geworden, und, im Bestreben, die Dynastie zu erhalten, wird iiicht mehr darauf gesehen, ob der Sohn würdig ist, Nachfolger des Vaters zu werden. Und cs kommt sogar vor, daß nach dem Tode eines Rebben mehrere Sohne zugleich einen ״Hof“ gründen, was zuweilen zu Streitigkeiten fuhrt, die zum Geist des alten Chassidismus sehr in Widerspruch sichen. Nur bei den Braziaver Chassidim ist noch ein Hauch dieses alten cliassidischen Geistes zu verspüren. 111 r Gemeinschaftsleben ist unverfälscht innig, sie folgen noch heute den Worten ihres Rebben nach, der lehrte, daß gerade der Arme Gottes bedürfe. Sie sind arm und helfen einander, sie ziehen Unwissende in ihren Kreis und lehren sic, Reb Nachmanns Schriften zu verstehen. Die Braziaver haben ais einzige Gruppe noch etwas vom einstigen echten Chassidismus bewahrt. Auf die Frage, warum man in Polen so lange Zeit nichts vom Braziaver Chassidismus gehört halte, entgegnete einer aus ihrem Stuhl: ״Vom heiligen Buche ,Sohar‘ des Rabbi Schiin’on bar Jochai hat man auch Jahrhunderte lang nichts gehört, bis die Zeit der Offenbarung kam. So war es auch mit Reb Maehmann!“ Der obenstcliende Tanz ist noch beute bei den Braziaver Chassidim üblich. Stundenlang tanzen sie, nach beendetem Gehet, in ihrem Stuhl zu diesem Ni״un, und der aus ein paar Worten bestehende Text wird immer wiederholt und ekstatisch gesteigert. Die Ucbcrsct/ung der Worte, die sich auf ihren toten Rebben beziehen, lautet etwa: ״Dennoch und trotz alledem Uebt er eine große Wirkung aus Auf alle Weiten.“ _Cliemjo Winawer In Amsterdam beging, wie uns von dort berichtet wird, die Vereinigung ״De Joodsche Invalide״ die Feier ihres 25jährigen Bestehens, die gleichzeitig mit der Grundsteinlcgung für ein neues Verwaltungsgebäude verbunden war. Die Vereinigung, die in Holland zahlreiche jüdische Invaliden betreut, ist durch ihre rege Propagandatätigkeit, vornehmlich durch die von dir veranstalteten ' Lotterien, außerordentlich populär. Bei der Jubiläumsfeier sprachen ti.a. der B 11 r g e r - meist er von Amsterdam, Dr. W. de Vlugt, Vertreter des Ministeriums, des Rahbinats und des Vorstandes der Niederländisch-israelitischen Gemeinde. Die Königin hat der Vereinigung eine größere Spende zukommen lassen. Wenn der Untere seinen Garten zuschütten wollte, so gäbe es da kein Kraut. Da sprach Rabbi Mcir: Da nun beide einander hindern können, 60 sehe man, woher das Kraut seine Nahrung zieht (nicht wahr aus der Erde, und diese gehört dem (Mieren ־— erklärt Raschi). Rabbi Schimon sagt: Soweit der Obere die Hand misstrecken und erfassen kann, gehöre ihm und das übrige gehöre dem Unteren. Den letzten Ausspruch Rabbi Meirs pflegte Reb Schalem auch schon vorher auf uns anzuwenden, wenn eine Antwort falsch ausfiei. ״Woher lebt dieses Kraut?" Jetzt erst kannten wir den Ursprung und die wahre Bedeutung. Und ganz besonders freuten wir uns über den Schluß, wonach die Ansicht des Rabbi Schimon dem König Sapor berichtet wurde, der diesen hierauf sehr lobte und sprach: ״Man zolle Rabbi Schimon Anerkennung.“ Wahrhaftig, für uns hätte der Traktat Baba Mezia keinen schöneren Abschluß finden können. Ein König drückte seine Anerkennung dem Weisen dos Talmud aus! — Wir hatten irgendwie das Gefühl, daß diese Anerkennung auch unserem Winterstudium galt, das endlich seine Früchte trug. Freilieh fehlte cs auch sonst nicht an Anerkennung während des ganzen Jahres. Am Schahhatnachmittag, wenn sieh die Kinder vor Minelia bei uns versammelten und die Väter auf ein wenig ״Sahabbesobst“ zu uns kamen, begann die improvisierte Prüfung, das ״Verhören“. ״Jossele, bring die Gemore her!“ ״Was habt ihr diese Woche gelernt?“ Und da öffnete sich die ״Mittlere Pforte“, und die Worte klangen, dig Fragen summten und die Antworten sangen und das süße väterliche una mütterliche Lächeln ließen dio Feigen, Datteln und Zibeben noch süßer schmecken. Als wir jedoch zu König Sapor kamen, stellten wir uns einen Augenblick eine solche Prüfung im Königsjialnste vor. Oben auf dem goldenen Throne sitzt im Purpurmantel König David selbst, um ihn herum in voller Pracht die Großen des Reiches, die Aeltesten von Juda, und wir Chedcrjungen schlagen die großen Talmudfolianten auf und warten. Auf dem 'Fische frische Früchte aus dem Heiligen Lande, auserwählte Süßigkeiten, süßer denn Honig. ״Lasset nun hören“ — winkt der König und wir stimmen alle auf einmal die wunderbare talmudiscke Melodie an: ״Die Mischna sagt“ — ״die Gcmara fragt“ — ״Wetanne tüne“... Und wir singen und erklären die hebräischen Worte unter den glitzernden Kristallüstern im herrliehen Palaste. Und König David steigt vom Throne herab una küßt mich auf die Stirn: ״Mein Sohn, das hast du gut gesagt... Wir zollen dir Anerkennung...“ Vom persischen König Sapor hatten wir auch schon früher in der ״Mittleren Pforte“ viel gehört. Wir lasen, daß er ein gutes Herz hatte, daß er den Juden und namentlich den Weisen sehr zugetan war. Aus Raschi erfuhren wir, daß er in der jüdischen Lehre bewandert war und sich ab und zu in einen Meinungsstreit mit den Talmudisten einließ, die seine Gäste waren. In den Tossafot lasen wir, König Sajior sei seinen jüdischen Gästen gegenüber so entgegenkommend gewesen, daß er ihnen nur unbot, was sie ohne Verletzung des Gebotes bei ihm genießen durften. Als er für seinen Gast Rabbi Jehuda Etrogim und Granat- Spfel anschnitl, steckte er das Messer vorher zehnmal in harte Erde, damit es sich tüchtig abreibe, wie wir dies auch zu Hause oft sahen, wenn mit einem Milehdingmcsscr irrtümlich in etwas Fleischiges geschnitten wurde. Da bohrte es meine Mutter in den steinigen Boden unseres Hofes, und cs erlangte wieder seine verlorene Güte. Daß ein König mit jüdischen Gelehrten befreundet ist, habe ich durchaus nicht als Herablassung empfunden. Warum sollte er es nicht tun? Welcher König hat einen älteren Adel als die Kinder Israel? Es ist erlaubt, um Schabbat Rosen zu pressen — lernten wir —, um uns mit ihrem wohlriechenden Dole einzureiben. Aber Rosenöl verwenden doch mir Königssölinc? — wird gefragt. Die Kinder Israel sind alle Königssölinc! — lautet die Antwort, die wir an verschiedenen Stellen schon gehört haben. Wir wußten sogar, daß manche unter den Weisen wahrhaftige Fürsten waren. ״Der Stallmeister des Rabbi Jehuda“ — lasen wir im Abschnitt über die Lohnarbeiter — ״war reicher denn König Sapor.“ Und dieser Rabbi Jehuda war doch nur ein später Nachkomme von König David, neben dem sich jeder heidnische Fürst ausnahm, wie der Zwerg neben dem Riesen. König Sapor hatte jüdische Weisen als Gäste bei sich. Und König David war selbst ein jüdischer Weiser. Er saß und lernte mit den jüdischen Weisen Thora und Talmud. Zumindest stellte ich mir’s «o vor. Aus der Haggadah zu Peßach kannten wir sein Bild. Ein Weiser mit wallendem Bart, der lernt und betet, Laute spielt, aber auch das Schwert führt. Nur darin unterscheidet er sich von meinem Vater oder einem anderen jüdischen Weisen, der kein König ist und es doch ist, da er die schönste Krone trägt, dio Krone der Thora... In seiner Kindheit besuchte wahrscheinlieh auch König David den ganzen Winter über den Glieder, um dann im Frühling hinaufzusteigen in die Berge von Gilead und dort mit seiner Hirtenflöte dio Herde zu weiden... Was ist das für ein schönes Leben!... Am letzten Tage vor Peßach versammelte uns der Melamed nach dem Frühgebet zum ״Sijum“, zum Abschluß der ״Mittleren Pforte“. Mit der tiefen Bedeutung des Sijum waren wir alle im klaren. Was heißt denn Peßach? — lernten wir in der Haggadah: Überschreitung. Als Gott durch Aegypten zog und all seine Erstgeborenen erschlug, schritt er über die Häuser Israel« hinweg. Seither lodert immer der Zorn des Herrn auf, weil auch Unschuldige bestraft werden mußten. Und die Erstgeborenen in Israel hahon an diesem Tage durch Fasten und Thorastudium die Wange göttlicher Bann, herzigkeil gegen sich zu lenken. Dahingegen gibt es immer Leute, die zufällig oder absichtlich an diesem '1 age das Lernen eines Tairmidtraktatcs beenden, und da gibt es ein Sijum-Fest und am Festtag wird nicht gefastet. Diesmal hat unser Meister mit seinen Schülern das Fest heranfbeschworen. Einige Erstgeborene gab es auch unter uns, und waren wir auch als kleine Kinder vom Fasten befreit, so erfüllte uns dieses Aufheben des Fastens mit mehr Stal/., als wenn wir am Jomkippur eine mit Gewürznelken bespickte Ouittc in der Hand, das Fasten zumindest bis Mittag anshielten. Wir scharten uns andächtig um den Meister und legten die letz ton Ziegelsteine zum ״Haus und Söller“. Und wir hatten das Gefühl, jetzt, für die ganze Gemeinde gebaut zu haben. Und wie die, die einen großen und mächtigen Palast errichtet haben, nahmen wir gerührten Herzens und mit zarter Liebe Abschied von unserem Werke mit dem alten heiligen Gebot, das am Ende eines jeden Talmudtraktates zu lesen ist. Und wir erhoben unser Fichen, indem wir uns samt den Großen hin und her wiegten, und sangen: ״Wir kehren zurück zu dir, o ,Haus und Söller‘, es schließe sich die ,Mittlere Pforte‘!“ ״Wir kehren zurück zu dir, Baba Mezia, und du kehrst zurück zu uns; unser Andenken sei mit dir, Baba Mezia, und dein Andenken mit uns, auf daß du unser nicht, vergessest, Baba Mezia, und wir dein nicht vergessen, weder in dieser Welt, noch in der künftigen Weit!“... 011״, lasse angenehm sein, Herr, unser Gott, die Worte deiner Thora in unserem Munde und im Munde deines Volkes Israel, und so mögen wir alle, wir und unsere Nachkommen und die Nachkommen deines Volkes, des Hause« Israel, deinen Namen erkennen und deine Thora lernen. Deine heilige I.chre macht mich weiser als meine Feinde, denn sie ist mit mir für und für.“ ״Es möge dein Wille sein, Herr, mein Gott, daß du, wie du mir geholfen hast, das Buch Bahn Mezia zu beenden, mir deinen Beistand leihest, damit ich auch andere Bücher beginnen und beenden könne lernen und lehren, hüten und erfüllen deine heilige Lehre mit Liebe, auf daß di« Lehre sich aus meinem Munde und dem Munde meiner Kinder und Kindeskinder nicht entferne, nie und nimmer. Una es möge sich an mir das Wort erfüllen: Er führet dich, wenn du gehest, er hütet dich, wenn du liegest, und so du erwachst, spricht er mit dir, langes Leben in seiner Rechten und Reichtum und Ruhm in »einer Linken. Der Ewige verleiht Kraft »einem Volke, der Ewig« segnet «eia Volk mit Frieden.“ En da t

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