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Jüdische Rundschau · 1936-04-28 · Heft 34 (28.4.1936) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 34 (28.4.1936)
Date
1936-04-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 28. IV. 1936 Ein Hundertjähriger Moses Samuel Zuckermandel (gehören am 23. April 1836) Als Chaim Naehman Bialik in seinen letzten Jahren, schon von eigner Todes Ahnung überschattet, (las Bild seines Vaters zu zeichnen unternahm, da fand er für das Wesen des Vaters kein besseres Wort als die Grabschrift auf dem arm■ liehen Grab im Kühler-Friedhof: ״Hier ruht ein redlicher Mann“ — ״ם• נ. איש תם וישר״. Nicht anders könnte man das Wesen des Mannes umschreiben, dessen hundertster Geburtstag in diese Tage fiel: des Talmudforschers und Rabbiners Moses Samuel Zuckermandel. Aber dazu kommt freilich, daß dieser bescheidene Mann all seine Tage im Banne einer Idee verbrachte: jener großen Entdeckung von der Ur-Tosefta, die ihm in jungen Jahren geglückt war — und in der er, umkämpft wie sie war, bis zum Tage seines Todes ״die höchste Freude seines Lebens und den schönsten Lohn seiner Mühen und Kampfe“ sah. Manches Breslauer Kind wird sich des Mannes mit dem silberweißen Haar und den großen hellen Kinderaugen noch erinnern, dem man allsahhatlich auf der Promenade an der Wallstraße begegnen konnte: oft allein, öfter noch im Gesprach mit Schülern oder Freunden... bei jedem dritten Schritte blieb er stellen, wenn sich im Laufe der Unterhaitung ein neues Problem ergeben hatte, das erst ״geklärt“ werden mußte. Denn er hat auch damals bestimmt niemals sich durch den Anblick der grünenden Bäume oder des rieselnden Straßengrabens im ״Lernen“ stören lassen. Gelernt hat er sein ganzes!,eben hindurch: erst als Rabbiner in mancher Stadt des westlichen und östlichen Deutschlands, endlich ir! seiner friedliehen Arbcitsmuße im Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, wo er im Umgang mit g'.eichstrebenden Forschern und begierigen Schülern die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Sein Leben lang hat er nach dem Worte unserer Lehrer Wasser getrunken und Brot mit Salz gegessen, titn sich mit aller Kraft dem Studium der Lehre hinzugeben; schon als Kind hörte ich, wie er mit seinem letzten Gelde vierter Klasse l ag und Nacht hindurch nach Wien gefahren sei, um die dortigen Tahmid-I laudschrifren zu vcrg’eichen . .. während daheim seine tapfere Frau gleich der Gattin des chnssidischen Rabbis, von der uns erzählt wird, Feuer im Ofen atimachtr, auch wenn sic nichts zu backen halte, damit die Nachbarn imht wußten, wie kärg'Hi es /!!ging . . . Damals veröffentlichte er seine noch heute wertvolle Tosct'ta- A 11 s g a!1 e (Pasewalk 1851), der er spater vielfache Ergänzungen folgen ließ. Seine große These, die bis heute nicht anerkannt, aber auch nicht eigentlich widerlegt worden zu sein scheint, lautete: in der Tosefta seien nicht, wie man bisher annahm, nur spatere Zusätze und Erläuterungen, sondern die Quelle des jerusalemitisdien Talmuds zu finden, während die heutige Minima in Babylonien neu redigiert worden sei. Dieser Grundgedanke seiner Forschungsarbeit beschäftigte ihn unaufhörlich; gern erzählte er, daß der große Kenner des talmudisdien Schrifttums. Micha Josef Berditscltewsky und andere, zum Teil auch nicht jüdische Forscher ihn gebilligt hätten. Schlicht und kindlich fromm in der Beobachtung altjüdischer Lebenssitte, verteidigte er doch furchtlos und fast verwegen das Recht und die Freiheit der wissenschaftlichen Kritik... ähnlich wie der andere große Breslauer Talmudist Israel Lcvy, dem ein Freund einmal sagte: ״Ich bitte dich: laß Levy nicht hören, was Levy hier gesagt hat.. .״ Mitten in den Stürmen des Weltkrieges ist sein äußerlich friedvolles, innerlich kampfreiches Leben zu Ende gegangen. Aus den Brettern der Laubhütte, die er selbst alljährlich sich im Serninargarten zu errichten pflegte, hat man ihm nach seinein letzten Wunsche den Sarg gezimmert. Seine Kinder und Enkel leben und arbeiten heute fast alle im Lande Israel. Bertha Badt-Strauß Konzert in Düsseldorf Uraufführung der ״Chassidischen Tfinze“ von Ilcinridi Sdialit Im Düsseldorfer Kulturbund, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Werke Heinrich Schalits in der ()Öffentlichkeit tliin'li/ti'-ii/cn, fand zu Ehren des 30jährigen Komponisten ein I c-.tl,״!:/ert unter Leitung von Erwin Palm statt, 11 as wiederum Zeugin■, ablegte um der aiißergewöhiiliehen Begabung und tiefrcligiösen Persönlichkeit des Meisters. Zunächst erklang 1m Gottesdienst die ״Freitagabend- Liturgie“, die als Anfang einer Reform der jüdischen Kultmusik von ihren historischen Quellen her zu gelten hat. Ferner hörte man die ausgezeichnete Kantate: ״Die Lobpreisungen Israels“ und als Erstaufführung den ),saltn 29. liier zeigte es sich, daß Frömmigkeit für Schalit geradezu: Beladung mit einem unerbittlich ernsten Musikstil bedeutet, aus dem die ״C hassidischen Tanze“ jetzt einen positiven Ausweg weisen. Man darf an .Schalit niemals mit dem ästhetischen Ideal unserer europäischen Musik heranfreten. Für Schalit gibt es zwei physiologische Arten musikalischer Wirkung: die eine peitscht auf und benimmt den Atem; die andere beruhigt diese motorische Erregung wieder, gleicht aus und setzt die Temperamente herab. Aus diesem Gegensatz schuf Schalit seine ״Chassidischen Tänze“, deren Uraufführung wir in der ganz hervorragenden Wiedergabe von Ernst Drucker (Violine) und Erwin P a 1 m (Klavier) erlebten. Es gerät innerhalb dieser religiösen Tänze, die sich suitenartig aneinanderreihen, die Natur des Menschen ״außer sich“; die Schau des Göttlichen führt zu einer Art Massensuggestion, zu einem gemeinschaftlichen Sich-Gehen- Lassen, zur Besessenheit. Nur vom Boden einer Kunst, in der Musik, Tanz und Kultus noch ein unteilbares Ganzes bilden, sind diese Tänze zu verstehen. Sie sind nicht nur abzuhören, sondern auch körperlich rnitzuerlcbcn und als Folge von fanatisehen religiösen Gebärden aufzufassen. Rein musikalisch gehört die Suite zum Besten und formal Geschlossensten, was Schalit bisher geschaffen hat. Der urwüchsige Schwung, den die chassidischen Originalmekxlicn in das Werk hineintragen, steigert sich im Verlaufe der einzelnen Tänze zu Höhepunkten, die wir in ähnlicher Form von der Zigeunermusik her kennen. Dem ekstatischen Wirbel der eigentlichen Tänze folgt dann stets ein plötzliches Zurücksinken, ein Versinken in religiöse Betrachtung. Den inbrünstigen ״Lobgesang des Baal Schem“ kann nur einer geschrieben haben, der die religiöse Verzückung an sich selbst erfahren hat. Die sieben Sätze des Werkes, die vielleicht in ihrer ursprünglichen Gestalt als Suite für Streichorchester noch unmittelbarer wirken, stellen eine Großtat in Schalits Gesamtschaffen dar. Dr. Gerhard Herz Beuthen. Die Beratungsstunde in Auswanderungsangelegenheiten (außerhalb Palästinas) des Hilfsvereins der Juden in Deutschland findet für Oberschlesien am 28. und 29. April von 10—13 und 16—18 Uhr im Büro der Zentralwohlfahrtsstelle der Synagogengemeinde, Beuthen (O.-S.), Schießhausstr. 6, statt. Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bamberg. Im Rahmen eines Informations-Abcnils berichtete Fritz Stein von seiner Palästinareise. Brandenburg (Havel). Die zionistische Ortsgruppe hatte am 21. April ihren ersten Heimabend. Herr Müsse gab eine Einführung in eleu Zionismus. Braunschweig. Den zweiten Kulturbund-Abend bestritt Max Untermaycr (Kühner). Berlin, mit Liedern und Arien. John Mandel- 11 r o (I I erwies si״h als au ■gezei •hnclcr Begleiter. Marion Kocg cl hatte bei ihrem Auftreten großen Erfolg. Ihre licbräi-, ■hen und jiddisehen Lieder zeigten die große Kultur einer echten, jüdischen Künstlerin. Emmerich. Am 30. Marz sprach Dr. Wassermann. Obcrhaiisen, über: ״Palästina-Aufbau“. Im Anschluß an den Vortrag wurde eine Zionistische Arbeitsgemeinschaft gegründet, der siebzehn Mitglieder bcitniten. Eschwege. Am 11. April gab Max U ti l 0 •־ m a y c r einen Lader• und Arienabend. John M a n d e 1 b r o d, Hannover, begleitete den Sänger mit größter Anpassung. Essen. Am 16. April veranstaltete die Wizo anläßlieh ihres zwei• jährigen Bestehens eine Veranstahung, lad der <׳eorg Hat limr n» über das Thema: ״Zur geistigen und scell-vlten Situation der jiidisehen Jugend“ sprach. — Am Abend behandelte der Redner in der Ortsgruppe die ״Idccngcsrhichte der zio!»-'recht,״־ Bewegung“. Euskirchen. Am 9. April schilderte Otto M a r x die Jändrücke seiner Palästinareise. Güppingen. Am 19. April fand eine Jubiläums-Kundgebung für den Keren Hajessod statt. Als Solisten wirkten mit Marie Hut mann, S. Löweristein. Begrüßungsansprachen hielten Kahn. Dr. Tänzer. Dir, Rothschild (Eßlingen), die Festrede Ralih. Dr. Joachim Prinz: ״Die europäische judenfrage und Palästina־'. Hagen (Westfalen). Die zionistische Ort-gruppe vcran-talte'e am 15. April einen Vortragsabend, bei dem th-org (ititlnnaim über das Thema: ״Aktuelle Wirtsehaftsfragen Palästina,'־ spt.nh. Hamburg, liier fand die!cic.li In• Amt ->-10011011״״ des neuen 01!erlahbincrs Dr. Joseph C a r I e b a c h, bi ,her (!berrabbiuer von Altona, statt. Hildesheim, ln den Ferien fand eine Tagung der Jugendgemeiiidcn Hildesheim und Güttingen stab. Die von I.einer Cy 5 11er geleitete Tagung stand im Zeichen der jüdis heu Arbeit. Die einzelnen Arbeilsgcmeinsehalten befaßten sich mit jüdi-cher Literatur, jüdischer Kunst und jüdischem Lernen. Soest (Westf.). Nach einem Vortrug von Dr. X c 1111 c r » e r. Dasseldort, über ״Sammlung des jüdischen Volkes in Palästina“ wurde eine Zionistische Arbeitsgemeinschaft gegründet. Unna (Westl.). Die Gemeinde hatte Herrn Dr. Neuberg er, Düsseldorf, eingefallen, über ״Probleme des deutschen Judentums“ zu sprechen. Wanne-Eickel. Am 9. April sprach Hans Danndi übet die Bedeutung des nationalen Kapitals für den Autbau Palästinas. Weiden. Am 1. April sprach Dr. H. C a p e 1 1. Nürnberg, über das Thema: ״Palästina im Aufbau — Ergebnisse einer Reise“. Ankündigungen Braumchweig: Am 29. April Heimabend itn Restaurant Baron, Stein- Straße 2, 21. Uhr. Es sprechen: Giretav Forstenzer iilrer ״Unsere Situation in Palästina“, Alex Guhrauer iilxrr ״Palästina im politischen Krafte-spiel im Vorderen Orient“. — Breslau: Zion. Vereinigung. Am »30. April. 20.45 Uhr, Gartenstr. 25: Hebräischer Airend: ״Jüdische Jugend und religiöse Frage“; Referent: Rabl). Dr. Simonsohn. — Dresden: ZOG. Am 30. April, 20.30 Uhr, im Trianon, Trabantengussc, Vortrag Dr. Joachim Prinz: ״Zur jüdis.dien Lage in Europa und in Palästina. — Frankfurt a. M.1 Abend im Dienst der jüdisehen Blinden am 9. Mai (I.aglxomer) im großen Saalbau-Saal. Mitwirkende: Magda Spiegel, Professor Ilans Ii;rere׳rmann, Camilla Spira, Willy Prager. — Gesellschaft für jüd. Volksbildung. 4. Mat, 20.30 Uhr, llörsaal Unteriuidaii 21, ״Juden als Erzähler ihrer Eebcnsgoschichtc“, Vorfrag von Dr. Dora Fähiger. — 17. Mai, 10.30 Uhr, Fahrgasse 146, ״Von Peßach bis Sehewuuus“, ein Gang durch das jütlreche Museum unter Führung von Herrn Dr. Getulcrsheimer. —■ Karlsruhe: 29. Aprtl, Konzert. Joseph und Boris Schwarz. — 29. April, in der Carl-Friedrieh-Loge, dort rag Dr. Licht, Mannheim: ,,Die breignisse in Paltistina“. — Kiel: 29. April, Mitgliederversammlung der Zion. Ortsgruppe. Ks spricht: D. Buchen über ״Die Entstellung des amerikanischcn Judentums“. Arbeitsbericht und Neuwahl des 1. \ ersitzenden. — Mannheim: 3. und 4. Mai, Orehestcrkonzcrt, Leitung KapeUmcistci Max Sinzhcimcr. Solisten Joseph und Boris Schwarz. — München 1 2. und 3. Mai. Obcrrabbmcr Dr. Carlcbacli: Midrasehkurs im Sitzungssaal der Kultusgcniemdc. — Pforzheim: 30. April. Konzert Joseph und Boris Schwarz. — Stuttgart: 28. April, Konzert Bettina Feitlci Sopran), Joseph Schwarz (Klavier), Boris Schwarz (\ iühnc). Familien - Nachrichten Frau Heb. D a 11 k w e 1111 ׳, Nordhorn, Grafschaft Bentheim, Haupt straße 11, begeht tim 2. Mai den 90. Geburtstag. Frau Flora F i n k e n - ( 1• i ״. geh. Seeiig. Dui-,bürg-Ruhrart, Land¬ Mchtslr. 78, begeht an) 4. Mai den 70. Geburtstag. Herr Jakob F r a n k e 1! b c t g. Kiefeld, Nordstraße 15, begeht Dm 30. April den 80. Geburtstag. Lina II abermann, geh. Löwenstein, Wattenscheid, begeht am 2. Mai den 70. Geburtstag. Frau Jakobst 11 a 1, llerzfckle, begeht am 4. Mai den 70. Gebuitstag. Herr Carl Kaufmann, früher I.engcrieh (Westfalen), jetzt Krcfcld, Verdinger Str. 100, leegeht am 29. April den 75. Geburtstag. Herr Berthokl 1. c v i, Düdelsheim (Oberhessen) begeht am 2. Mai den 80. Geburtstag. Herr Siegfried Schlesinger, Düsseldorf, Karltor 1, begeht am 30. April den 70. Geburtstag. Bar Mizwati -Termine Am 2. Mai (10 .1jar): Benjamin Hoff m a n 11, Sohn von Rab- Inner ür. Hoffmann, Frankfurt am Main, Dominikanerplatz 16. — Am 9. Mai (17. Ijar): Max Z u c k c r m a n n, Sahn von Abraham Zuckermann, Nürnbcrg-N., Am Maxfeid 3. Jüdische Lehre» reisten nach Palästina. 13 jüdische Lehrer aus allen Teilen des Reiches haben als geschlossene Gruppe kurz vor Peßach eine Reise nach Palästina unternommen. Geführt wurde sie von Dr. Siegfried B r a ti n - Köln. Der Sinn der Reise war es, das Land und den jischuw so kennen zu lernen, daß man nicht nur eine seelische Bereicherung erfahre, sondern darüber hinaus einen Zuwachs an Möglichkeifen, die der Schularbeit zugute kommen sollten. Mit dem Palästina-Amt und der Schulabteilung der Reichsvertretung femeinsam war ein entsprechender Plan ausgearbeitet woren. Die Histadruth hamorim beerez Jisrael empfing die Gruppe und war ihr in ausgezeichneter Weise behilflich, die kurz bemessene Zeit im Lande zweckmäßig aus/unutzen, soweit es darauf ankam, das umfangreiche Schul- und Erziehungswerk kcnncnzulcrnen. Die Peltours (Palestine and Egvpte Lloyd) hatte als Führer Dr. Richter aus Jerusalem zur Verfügung gestellt. Line besondere Ehrung wurde den Lehrern in Tel-Awiw zuteil. Bürgermeister Dizengoff empfing sie am Tage nach der Festvorste!l1111g, die ihm zum 73. Geburtstag iti der Oper Mugrabi gegeben worden war. Mit einer ungemein reichen Fülle von Eindrücken sind die Lehrer zu Peßach wieder heimgekehrt. Im Einvernehmen mit maßgebenden Kreisen der englischen Judcnheit hat sieh vor einigen Tagen eine Sachv e r s t ä n d i g e 11 k o m m i s s i o n 11 a c h E e u a d o r bcgeben, um an Ort und Stelle die Möglichkeiten und Aussichten der Einwanderung, der industriellen und landwirtschädlichen Ansiedlung zu prüfen. Die Kommission bestellt aus C. Hcnriqucs und A. Golodctz. ׳ r IlliÄt!sais zwischen Deutschland und Palästinl«9HB zwischen den Rohstoffländern, den MH■ Und dem Handel der ganzen Welt nffWgg■ dehden Wirtschaftsgebiet im Nahen Osten mm ilSUl liüi iiü * g JÜDISCHE RUNDSCHAU ständige Bezieher in 57 Ländern der ört auch Ihre Anzeige in die UNDSCHAO ״Awodath hakodesdi“ im Hamburger Kulturbund Nach Berlin und Frankfurt wurde am 21. April in Hambürg das große Werk des jüdischen Tonmeisters Ernest Bloch aufgeführt. Dieses ״Gottesdiens t-O r a t o r i u m“ hat vom Oratorium das grolle Format, doch nicht seine episch-dramatische Form; mit liturgischer Musik stimmt es im textlichen und gefühlsmäßigen uehalt überein, nicht aber im gedachten und gewollten Zweck. — Es wirkte in der Aufführung erhebend, stellenweise überwältigend durch die große, reine Kunst der Erfindung und Faktur, durch die tiefe Frommheit des Fuhlens und durch die Jüdischkeit seines Wesens. Die Aufführung verdient alles Lob. Steinbergs über• legene und befeuernde Leitung, sein tiefes Eindringen in den musikalischen und seelischen Gehalt gestalteten das Werk zu einem Erlebnis für jeden Hörer, dessen Herz und Ohr geöffnet war. Das verstärkte Frankfurter Orchester folgte willig jeder Intention, nicht minder der Chor, in dem freilich die Frauenstimmen in jeder Hinsicht überragten; man konnte unter ihnen in den kleinen Solosteilen einige sehr schöne Stimmen hören, ganz besonders einen warmen Alt. Die Vorbercitung des Chores besorgte in inonatelanger intensiver Arbeit der Chordirigent des Tempels, Georg de Haas, und ermöglichte so die Aufführung und das Gelingen. — Ais Solist war Hermann S c h e y zu hören. Seine prachtvolle Stimme, deren ausgezeichnete Führung besonders in der reizvoll hellen höheren Mittellage und edlen, ergiebigen Höhe zutage trat (die Tiefe ist an Resonanz ärmer), war ein ■׳ ll'iges Instrument, mit uem der Künstler seinen großen Part, nämlich den des Kantors, mit eingehendem Verstandnis und tiefem, doch stets meisterlich disziplinierten Empfinden durchführte. — So klang alles zusammen, um den Hörern eine weihevolle Stunde zu bereiten, für die sie mit größtem Beifall dankten. Der Abend wurde eingeleitet durch Mozarts C-Moll- Fuge für Streichorchester und Gustav Mahlers tiefergreifenden Kindertotenliedern, von Hermann Schey gefühlstief gesungen und von Stein berg und seinem Orchester liebevoll, doch vielleicht stellenweise zu stark, begleitet. Leon Kornitzer Das Erholungsheim Lehnitz wurde am 15. April wieder geöffnet. Inmitten sich weit dehnender Wälder, am herrliehen Lehnitzsee gelegen, in kräftigender Luft, bietet in diesen beginnenden Frühlingstagen ein Aufenthalt Erwachsenen und Kindern besondere Erholungsmöglichkeiten. Das dem Haus angegliederte Kinderheim steht unter fachmännischer pädagogischer Leitung und ärztlicher Aufsicht. Nähere Anfragen und Anmeldungen: Büro des Jüd. Frauenbundes, Berlin-Grunewald, Königsalice 11a; Tel. Hochm. 3746. Sprechstunden: Dienstag 4—6 Uhr, Freitag 11 — 1 Ulir. ״Wir vom Bachad“ ln Kopenhagen. Als Peßachausklang veranstaltete der ״Zeire Misrachi‘־, Kopenhagen, am Mozae- Jom-Tow einen Festabend. In übervollem Saale referierte Oberrabbiner Dr. M. Friediger über geschichtliche Bcdeutung, Sinn und Wesen der religiösen Chaluziut und des Misrachi im allgemeinen. Von den Chören der Hachscharah-Kibbuzim Refsnaes und Skibstmp begleitet,wurde bei starkem Interesse der erste Bildbericht vom Schaffen des Brith Chaluzim Datiim vorgeführt. Nachdem Max Sc hör, Skibstrup. u. a. den Kopenhagener Familien für die gastfreundliche Aufnahme der Chawerim wahrend der Peßachtage ein herzliches ״Toda rabba“ entboten hatte, blieben die Teilnehmer einige Zeit beisammen, um sich über die dänische landwirtschaftliche Hachscharali näher informieren zu können. A. N. S., Refsnaes

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