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Jüdische Rundschau · 1936-04-28 · Heft 34 (28.4.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 34 (28.4.1936)
Date
1936-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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30. 4.1S3G JÜDISCHE wn [ושי Preis 25 Rpf. RUNDSCHAU Schriftleitun?, Verlag a. 4tut®ig®11v*rw«ltang 1 Berlin W15, Halsackaatr.lO Ftrnntft Sammel - Nummer Jl (Bismarck) 9031• — Berogipr«!! einschi Bestellgeld j® Monat RM 2,-, 1e Vierteliaht RM 8,75» bei Abholung RJM!38 b*w. RM 5»39. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 Oüf GroÄ * Berlin). Berlin 17392 (für das übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beztigsgebühren. — Erscheint )•den Dienstag nnd Freitag• BERLIN ו׳ אייר תרצ״ו DIENSTAG, 28. APRIL 1936 GMtigt Anxeigenpreialiste Nr. 5• Die 12 gespaltene imn Xeile 20 Rpf, für {*amiliennachrichten 15 Rpt. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit*- anzeigen nur gegen Vorauszahlung aul Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für di® Dienstag״ Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag ״Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Familienanzeigen am Tag vor Erscheinen bis 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt tör das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. /Baseler Programm) Ruhiges Wochenende In Palästina kehrt allmählich wieder Ruhe ein. Die mit Befürchtungen erwartete Freitag-Demonstration in Jerusalem ist ohne Störung der Ordnung verlaufen. Auch Sonnabend und Sonntag sind keine nennenswerten Zwischenfälle zu verzeichnen. Die arabischen Politiker organisieren ihrenWiderstand bis zu der Forderung einer ״Non-Cooperation‘ mit der Regierung. Schwere Tage Die ganze judenheit stellt im Banne der Ereignisse in Palästina, die alle anderen Vorgänge des jüdischen Bereiches überschatten. In der ganzen Welt finden die Berichte bei den Juden, zum Teil auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung und Presse, eine lebhafte Resonanz. Die jüdischen Sympathien wenden sich den Brüdern in Palästina zu, die auf vorgeschobenstem Posten und in der Arbeit für den Aufbau einer besseren jüdisehen Zukunft stehend, dern Anprall der Leidenschaften standhalten mußten und eine Reihe von Blutopfern zu beklagen haben. Die jetzt hier eintreffenden brieflichen Berichte von den ersten Unruhetagen sind Zeugnisse der Erregung und der tief aufwühlenden Erlebnisse. Zweifellds sind auch in Deutschland unzählige Privatbriefc angekommen, in denen jeder einzelne Schreiber seine persönlichen Eindrücke und seine Stimmung seinen Angehörigen darstellt. Tel-Awiw war zwei Tage lang wie eine Etappenstadt in unmittelbarer Nähe der Front, Tote und V'erwundete wurden in die sonst so friedliche und arbeitsame Stadt gebracht, Tausende von Flüchtlingen aus Jaffa, vor allem Jemeniten und andere orientalische Juden, mußten behaust und beköstigt werden, es bildete sich ein Hilfsdienst, und in manchen Berichten, die uns erreichten, wird hervorgehoben, daß die Einwanderer aus Deutschland bei dieser Hilfstätigkeit und auch sonst bei allen notwendigen Maßnahmen Vorbildliches geleistet haben. Es ist ja naheliegend, daß in solchen Momenten da oder dort Kopflosigkeit eintritt, und einige ziclbewußte und energische freiwillige Helfer können da Wunder wirken. Inzwischen scheinen glücklicherweise die Ausschreitungen ihr Ende gefunden zu haben. Der Freitag in Jerusalem, den alle vorliegenden Berichte wegen der zum Gottesdienst einströmenden fanatisierten Bauernmassen als kritischen Tag erster Ordnung betrachtet hatten, ist ohne Ruhestörung vorübergegangen. Der arabische Generalstreik wird zwar noch durchgeführt, aber es ist zweifelhaft, wie lange er sieh halten kann. Die Araber glauben jetzt den Moment für politische Pression e n gekommen. Sie stellen ganz radikale Forderungen, wollen eine Art revolutionärer Regierung bilden und fordern sofortiges Verbot der jüdischen Einwanderung. Die Delegation nach London wird nicht abgesandt, denn man meint offenbar, durch Non-Cooperation mit der Regierung am weitesten zu kommen und will sich daher gar nicht erst in Verhandlungen einlassen. Wie weit hinter diesem Programm wirklich ein einheitlicher arabischer Wille steht, ist noch nicht geklärt. Man kann vermuten, daß die alten Gegensätze innerhalb des arabisehen Lagers wieder durchbrechen w'erden; aber das darf nicht die Tatsache verschleiern, daß diese Gegensätze sich nur auf taktische Methoden und nicht auf die Grundfrage der Gegnerschaft gegen das Jüdische Nationalheim beziehen. Innerhalb der jüdischen Kreise, tyteh in der jüdischen Presse, ist eine scharfe Kritik an’der Regierung zu spüren, die für die Ereignisse verantwortlich gemacht wird. Man wirft der Regierung vor, daß sie die skrupellose politische Propaganda der Araber geduldet habe und daß sie bei Angriffen gegen Juden nicht rechtzeitig und energisch genug einschritt. Die Gegensätze zwischen Juden und Arabern sind so scharf wie seit sechs Jahren nicht. Von jüdischer Seite wird die noch weitergehende Separierung aller Einrichtungen gefordert, um z. B. die Stadt Tel-Äwiw völlig unabhängig von Jaffa zu machen. Die völlige Separation beider Völker und die daraus sich ergebende Fremdheit ist aber sicherlich einer der Gründe des Gegensatzes und des Hasses. Die Regierung hat jetzt die Aufgabe, die Vorkommnisse in ihrer Gesamtheit zu untersuchen, die inneren und äußeren Zusammenhänge bloßzuiegen und die an dem furchtbaren Unglück Schuldtragenden zur Verantwortung zu ziehen. Inzwischen bleibt viel zu tun, um das Leben wieder in seinen normalen Gang zu bringen und damit auch der geordneten Wirtschaftliehen Tätigkeit wieder den Weg freizumachen. Gerade in solchen Momenten kann es sich leicht zeigen, wie sehr das Land auf den fortgesetzten Einstrom jüdischer Ein- Wanderer angewiesen ist. Jede Stockung wird auch für die Araber eine harte Lehre sein. Es ist eine Aufgabe der größten Staatskunst, trotz der auf beiden Seiten so leidenschaftlich erregten Gefühle die Geister für einen künftigen Friedensschluß vorzubereiten. Denn wenn erst die unmittelbare Erregung etwas verraucht ist, wird der Wunsch nach Frieden in den Gemütern sicherlich so stark sein wie noch nie. * Wir geben nachstehend wieder eine chronologische Dar- Stellung der Ereignisse gemäß der eingelaufenen telegraphisehen Meldungen: Donnerstag: Kleine Zwischenfälle — Arabischer Generalstreik Der Abend des Donnerstag verlief in J e r u - salem und im ganzen Lande im allgemeinen ruhig. Größere Zwischenfälle waren nicht zu verzeichnen. Es kam nur zu kleineren Zusammenstößen. In Jaffa wurde ein Jude von Arabern schwer verletzt. Ein Omnibus, der von Jerusalem nach Haifa fahren wollte, wurde in der Nähe von Nablus von Arabern angegriffen, wobei drei jüdische Fahrgäste verletzt wurden. Die Polizei brachte die Verletzten nach Haifa. In Jaffa steckten Araber mehrere Häuser im jüdisehen Viertel in Brand. Ferner wurde ein Eisenbahnschuppen in Haifa angezündet, ebenso Getreidefelder der Kwuzah Tel Jossef im Umfange von etwa 100 Dunam. Der Belagerungszustand in Jaffa und Tel-Awiw wurde unverändert aufrechterhalten. in Jerusalem wurde Polizei und Militär zusammengezogen, um gegenüber den für Freitag angekündigten arabischen Demonstrationen vorzusorgen. ln Pctach Tikwah nahmen arabische Arbeiter ihre Beschäftigung in jüdischen Pflanzungen wieder auf. In Jaffa wurden mehrere Araber zu Gefängnis verurteilt, weil sic Waffen getragen hatten. Ferner wurden Achtung! Am Mittwoch, dem 29. April 1936, pünktlich 20.30 Uhr, veranstalten JEWISH AGENCY FOR PALESTINF, und ZIONIST. VEREINIGUNG F. DEUTSCHLAND eine KUNDGEBUNG im Logenhaus, Berlin, Kleiststr. 10 Vorsitz: Rabbiner Dr. Leo Bacck Thema: Die Ereignisse in Palästina — Unsere Antwort Redner: Rabbiner Dr. Leo Baeck — Justizrat Brodnitz — Dr. Otto Hirsch — Dr.Franz Meyer — Dr. Michael Tratib mehrere Juden, die nach Eintreten der Dunkelheit noch auf der Straße waren, zu Geldstrafen verurteilt. Dr. f cizmann besuchte die im Tcl-Aviwer I ladassah- Krankenhaus liegenden jüdischen Verwundeten und sprach ihnen seine Wünsche für ihre Wiederherstellung ans. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat eine■ Kommission ein• gesetzt, um Maßnahmen für die A u f r e e h t e r h a 11 u n g d e 1׳ L e b e 1! s nt i 11 e 1 z u f u h r zu treffen. Nach Meidling der arabischen Tageszeitung ״LI Liwaa“ haben in T r a n s j o r d a n i e!1 Sympathiekundgebungen für die Araber stattgefunden. Die Polizei halse die Demonstranten zerstreut, wobei cs mehrere Verwundete auf beiden Seiten gegeben habe. tr eitag: Ruhiger Verlauf der moslemischen Prozessionen Am Freitag kam es in Palästina zu keinen Ausschreitungen und größeren Demonstrationen. Eine arabische Prozession, die in Jerusalem bei der Großen Moschee und der Omar-Moschee mittags stattfand, ist in Ruhe verlaufen. Der Gottesdienst war nur schwach besucht. Politische Reden wurden nicht gehalten. Der Zug der Betenden löste sich in Ordnung auf. Demonstrationen wurden nicht veranstaltet. Die Regierung hatte außerordentliehe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Schwerbewaffnete Polizei und Militär waren in Jerusalem und in seiner Umgebung zusammengezogen worden. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden von Sir Arthur Wauchope seihst überwacht, der eine Rundfahrt durch die Stadt machte und sich von dem Verlauf der Ereignisse laufend berichten ließ. Starke Polizeikräfte waren in der Altstadt stationiert worden. Sie nahmen teilweise Untersuchungen von Passanten nach Waffen vor. Das jüdische Viertel in der Altstadt wurde scharf bewacht. Den Juden wurde von der Polizei der Rat erteilt, die Altstadt nicht zu betreten. Am Jaffa-Tor waren alle jüdischen Läden geschlossen. Der Verkehr beschränkte sich auf ein Minimum. In Jaffa, Haifa und anderen Teilen des!;indes fanden keine Demonstrationen statt. Dagegen kam es in Nablus, Jen in und Beisan zu Kundgebungen, die aber unterdrückt werden konnten. Die Demonstration in Tulkm׳ nt verlief stürmisch. Acht Araber und ein britischer Offizier wurden verletzt, der Belagerungszustand verhängt. Die Arbeit im Hafen von Jaffa geht 11! ungestörter Weise vor sielt. Der High Commissioncr hatte am I)onnerstag den Mufti von Jerusalem und den Führer der arabischen Partei!)sehemal ei Hussein i empfangen, um sie davor zu warnen, der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Pr wies sie darauf hin, daß die Regierung sieh nieht von Drohungen einschüchtern lassen werde. Sir Arthur Wauchope forderte vom Mufti eine persönliche G a r a!1 t i e f ü r die Aufrcchtcrhaltung der Ordnung in J e r u s a 1 e m, die dieser übernahm. Die A n vv a 11 s k a m 111 e r von T e 1 - A vv i \v stellte an die Regierung die Forderung, alle richterlichen Institutionen von Jaffa nach Tel-Awiw zu verlegen. Die jüdische Handels- Kammer von Jaffa—Tel-Awiw hat sich telegraphisch an Sir Arthur Wauchope gewandt und von ihm gefordert, daß die Regierung schnellstens die erforderlichen Maßnahmen zur Wiederherstellung eines normalen wirtschaftlichen Lebens ergreife. Wie die Stadtverwaltung von Tel-Awiw niitteilt, sind 9309 Juden von Jaffa nach Tel-Awiw g e f 1 ü c h - tet. Die Regierung übernahm auf Ansuchen des Waad l.ettmi einen Teil der Kosten für ihre Versorgung. Der arabische Arbeiterführer Mctri in Jaffa wurde verhaftet. Die Druckerei der Zeitung ״AI Islamia“ wurde geschlossen. Sonnabend: Weitere Entspannung Der Sonnabend verlief ruhig, ohne da" sich im gesamten Lande größere Zusammenstöße oder Brandstiftungen ereignet hätten. Es sind nur einige kleinere Brände auf Feldern in der Nähe von Beisan und Nazareth vorgekommen. Eine Reihe von arabischen Dörfern in der Nähe von Beth Alpha und Ejn Charod wurden von der Regierung streng

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