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Jüdische Rundschau · 1936-04-24 · Heft 33 (24.4.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 33 (24.4.1936)
Date
1936-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 33 / Jahrgang 41 JÜDISCHE Praia 25 Rfifi RUNDSCHAD a. ^n1eä^rnverv׳»ltnnff ו Bmrllta W1StM«U»ke»tr.lO Famraf 1 Sunmil - Matnmcr J 1 (RUniarck) 9031. — ßezuesproi• einachl. Benaliiteld 1• Monat HM A-,!# Vicn.ijan■ KM 75,י, bei Abholung HM l.bb bzw KM 5,39 — Poatacheck - Konten de? Vertriebt. Abteilung: Berlin 71573 (Mir Groft KerlinX Berlin 17392 <tür da׳ übrige Kelch). In Fallen hdherer Gewalt beatehl kein Anspruch aul Nachlielerun{ oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugagebühren. — Eriehnlnt jeden Diensteg •»4 Freitag. BERLIN ב" אייר תרצ״ו FREITAG, 24. APRIL 1936 Gültig t Anzelgeaprelaliata Nr• S• FH« 12 gehaltene mm •Zeile 20 Rpf, NH f amibennachrichren 15 Rpl. FÖr die Aufnahme von Anzeigen in Kestimrnten Ausgaben oder an bestimmten Platzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit*• anzetgen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 od*t bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annshtneschluß Hir di« D 1 a מ s ' a g - Ausgabe •Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Familienanzeigea am Tag vor Erscheinen bis 13 Uhr) Der Zionismus erstreb« für das JOdlsehe Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Arabischer Generalstreik Zweites Stadium der Aktion in Palästina Feste Haltung der Regierung ־־ Bluttaten nur in Jaffa Obwohl vom Mittwoch noch kleinere Zusammenstöße gemeldet werden, scheinen die Aktionen in Palästina jetzt in das zweite Stadium, das der politischen Demonstrationen und Auseinandersetzungen, überzugehen. Bei den Unruhen in Jaffa wurden insgesamt ca. 20 Juden getötet, die Zahl der getöteten Araber ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Die jüdischen Toten sind Opfer arabischer Ueberfälle, während die meisten der getöteten Araber beim Eingreifen der Polizei umkamen. Die Zahl der Verwundeten dürfte an 100 betragen, davon sind einige schwer verletzt. In dem gemischten jüdisch-arabischen Viertel zwischen Tel-Awiw und Jafia wurden mehrere Häuser niedergebrannt. Der High Commissioner hat die arabischen Parteiführer nachdrücklich aufgefordert, bei der Wiederherstellung der Ruhe und bei der Aufklärung falscher Gerüchte mitzuwirken. Er erklärte, daß die Regierung und die Polizei jeden Versuch der Fortsetzung von Unruhen mit aller Schärfe niederwerfen wird. Sicherheit von Leben und Eigentum sei die unerschütterliche Grundlage der Wohlfahrt jedes Landes. Nichtdestoweniger haben die arabischen Führer ihre aufreizenden Parolen fortgesetzt und einen arabischen Generalstreik nach dem Muster von Syrien proklamiert. Dieser Streik wird bisher in einigen Teilen des Landes durchgeführt, vorzugsweise in rein arabischen Gegenden wie Nablus und Tulkerem, ferner in Jaffa und teilweise in Jerusalem. Die arabischen Führer erklären, daß sie die geplante Entsendung einer Delegation nach London zur Besprechung der Frage des Legislative Council jetzt verweigern. Für Freitag sind arabische Demonstrationen angekündigt. Der High Commissioner empfing Dr. Weizmann und versicherte ihm, daß die Regierung Herr der Lage sei. Die jüdische Bevölkerung Jaffas ist nach Tel-Awiw geflohen und wird dort in Notbehausungen untergebracht. Die Judenheit Palästinas hat in ihrer großen Mehrheit Ruhe und Kaltblütigkeit bewahrt. In vielen Kundgebungen und auch in der Presse kommt die Entschlossenheit zum Ausdruck, den Aufbau des Nationalheims in verstärktem Maße weiterzuführen. Zugleich wird die Regierung aufgelordert, nicht auf Gewalttaten politische Prämien zu setzen. in Jerusalem, Haifa and Sa sämtlichen jüdischen Siedlungen auf dem Lande ist es nicht zu Ruhestörungen gekommen, mit Aus• nähme unbedeutender Zwischenfälle in der Jerusalemer Altstadt. Ueber den Verlauf der letzten Tage informieren die nachstehenden Meldungen: Montag t Unruhen und Brände Am Montag kam es auf der Straße zwischen Tel-Awiw und Jaffa wiederum zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern. Die Araber versuchten, in Tel- Awiw einzudringen, wurden aber von Juden daran gehindert. Dabei kam es zu Zusammenstößen imSchapiro-Viertel, im Jemenitenviertel und längs der Grenze von Tel- Awiw und Jaffa. Bei diesen Zusammenstößen wurden 5 Juden und 1 Araber getötet, 3t Juden wurden verletzt. Bei den Unruhen sind zahlreiche Häuser in der Vor- Stadt Newe Schalom von Arabern niedergebrannt worden. Der Schaden ist außerordentlich groß. Die Hütten und Baracken, die von sehr armen, meist jemenitischen Juden bewohnt wurden, sind sämtlich niedergebrarmt. in Jerusalem versuchten Araber, in das jüdische Alt- Stadtviertel einzudringen, wurden aber von der Polizei daran gehindert, die die Menge zerstreute und mehrere Araber verhaftete. In Tulkerem fand ein Zusammenstoß zwischen Arabern und Polizei statt, wobei 7 Araber und 2 Polizisten verwundet wurden. In Nablus kamen arabische Führer zu einer Besprechung zusammen. Nach Beendigung der Verhandlungen fand eine Demonstration statt, bei der die mitgeführten Schilder zur Sperrung der jüdischen Einwanderung aufforderten. Dienstag: Ruhe in Jerusalem — Neue Zwischenfälle in Jaffa — Strenge Maßnahmen Die Nacht zu Dienstag verlief in Jerusalem vollkommen ruhig. Auch am Tage selbst kam es in Jerusalem zu keinerlei Zwischenfällen. In der ״Palestine Gazette“ wurde ein Gesetz veröffentlicht, durch welches der Oberkommissar ermächtigt wird, ln Fällen dringender Not alle Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, die öffentliche Ruhe und Ordnung wieder herzusteilen und diesbezügliche Anordnungen zu treffen. Sir Arthur Wauchope erließ einen Aufruf, in dem betont wurde, daß er entschlossen sei, auf jeden Fa i I die Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten; er warnte davor, sich an Zusammenrottungen zu beteiligen. Der Belagerungszustand im Distrikt Jaffa—Tel-Awiw wird aufrecht erhalten. Das Betreten der Straßen zwischen 7 Uhr abends und 5 Uhr morgens ist verboten. Ansammlungen von Gruppen sind auch am Tage nicht erlaubt. In Tel-Awiw wurden die Opfer des Montag bestattet. Am Grabe sprachen der Vizebürgermeister von Tel-Awiw, Rokeach, und das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Jizchak Grünbaum. Die jüdischen Läden iti Jaffa blieben geschlossen, auch zahlreiche arabische Läden wurden nicht geöffnet. Der Großteil der jüdischen Bevölkerung Jaffas verließ die Stadt und begab sich nach Tel-Awiw, wo sie teils in Privatquartieren untergebracht wurde, teils auf den Straßen, besonders auf dem Rothschild Boulevard biwakiert. Die Wizo und andere Wohlfahrtsinstitute nahmen sich ihrer an. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw betreut etwa 3500 Juden, etwa 2500 befinden sich in privaten Quartieren. ln Haifa sorgen schwerbewaffnete Polizei und Triippen, die in den Straßen patrouillieren, für die Sicherheit der Stadt, die nicht gestört worden ist. Der Eisenbahnverkehr zwischen Jerusalem und Jaffa bleibt aufrechterhalten. Polizeiwachen begleiten jeden Zug. Arabische und jüdische Fahrgäste werden in besonderen Abteilen befördert. Arabische Läden in Jerusalem, die morgens geöffnet wurden, mußten später unter dem Druck arabischer Jugendgruppen wieder geschlossen werden. Mehrere Jugendliche wurden bei dem Versuch, Kaufleute zum Schließen ihrer Geschäfte zu zwingen, verhaftet. Eine Reihe von jüdischen Autobussen und Autos konnte wohlbehalten von Tel-Awiw nach Jerusalem fahrerr. Am Nachmittag kam es In Jaffa zu einigen Ausschreitungen. Ein Jude wurde schwer verwundet und ist später seinen Verletzungen erlegen. Auch ein zweiter Verletzter ist gestorben. Ein jemenitischer Jude wurde von Arabern erstochen, als er versuchte, seinen Laden in Newe Schalom zu betreten. Während eines Zusammenstoßes von Juden und Arabern wurde ein jüdischer Bursche von 16 Jahren von britischen Polizisten verwundet. Wie das Hadassa-Krankenhaus mitteiit, sind 7 Juden mit ernsten Verletzungen eingeliefert worden, einer davon schwebt in Lebensgefahr. Man hofft, daß die übrigen im Hadassa-Krankenhaus Liegenden wieder hergcstellt werden. In mehreren Fällen haben Araber ihre jüdischen Freunde und Kunden in Sicherheit gebracht, indem sie sie versteckt hielten, bis die Gefahr vorüber war, und sie bis Tel-Awiw begleiteten. Ebenso gewährten jüdische Wächter in Tel-Awiw Arabern Schutz und eskortierten sie bis zu den Außenbezirken von Jaffa. Arabische Agitatoren bemühen sich vergeblich, die Araber in den jüdischen Kolonien gegen die Juden aufzuwiegeln. So wurde von ihnen das Gerücht verbreitet, daß Juden in der Umgebung von Natania arabische Dörfer zerstört hätten. In dem arabischen Dorf Umkhaled forderten Redner die arabische Menge auf, die Kolonie Natania anzugreifen. Die Einwohnerschaft des Dorfes erklärte jedoch, daß sie immer in Frieden und Freundschaft mit den Juden gelebt habe. Die in den Pflanzungen von P e t a c h T i k w a h beschäftigtcn arabischen Arbeiter nahmen die Arbeit nicht auf, während in Chederah diejenigen, die die Arbeit aufgenommen hatten, später auf Drängen von Agitatoren die Arbeit wieder einstellten. In Dschenin wurden Autos mit französischen Offizieren aus Syrien, die eine Tour durch das Land machten, vpn Arabern attackiert Die Polizei zerstreute die Menge. Ein Bericht vom Dienstag Die Londoner ״Times“ veröffentlicht am 22. April von einem Spezialkorrespondcnten aus Jaffa einen anschaulichen Bericht vom Dienstag, dem wir folgendes entnehmen: ״Die Straßen von Jaffa bieten!!eilte (Dienstag) das Aussehen eines ruhigen Sonntag-Nachmittag. Die Gcschäfte sind geschlossen, im Hafen herrscht Arbeitsruhe infolge des Streiks, und die Einwohner sind zu Hause oder sitzen, Wasserpfeife rauchend, in den Cafes. Dies ist ein völliger Umschwung gegenüber gestern (Montag), da auferegte Mengen Juden überfielen und jüdische Häuser in rand steckten. In T e I - A w i w ist das Geschäftslcben normal und die Straßen eher noch belebter als sonst infolge der Levante- Messe; aber Gruppen in aufgeregter Unterhaltung an den Straßenecken hier und dort verraten die allgemeine Nervositat. Der Stadtrat tagt seit gestern drei Uhr in Permanenz. Es ist klar, daß die Unruhen j c d e n M o in ent wieder ausbrechen können. Die Erregung unter den Arabern am Sonntag entstand durch die durch die Stadt flitzenden Gerüchte, daß Juden mehrere Araber ermordet hätten. Niemand weiß, woher dieser Bericht stammte, aber man gibt allgemein zu, daß er vorsätzlich verbreitet worden ist, und seine Wir- Uung war durchschlagend. Man erzählte mir, daß viele der ungebildeteren Araber glauben, daß agents provocateurs der Regierung das Gerücht ausgesät haben, Woraus zu ersehen ist, wie gering das Vertrauen zur Regierung ist. Jedenfalls kann das, was gestern und Sonntag geschah, mit Leichtigkeit wieder geschehen. Gegenwärtig scheint die Stimmung in Tel-Awiw explosiv zu'sein. Führende Mitglieder der Stadtverwaltung sagten, daß sic nur mit großen Schwierigkeiten ihre jungen Leute von Racheakten zurückhalten können, und sie glauben, daß ihre Aufgabe erschwert wird durch das, was sie die Nachlässigkeit der Regierung bei der Unterdrückung der arabischen Unruhen nennen. So liegen die beiden Städte, die geographisch als eine gelten können, einander wie zwei feindliche Armeen gegenüber. Kein Jude wagt sich nach Jaffa, kein Araber nach Tel-Awiw. Eine Art Niemandsland ist jetzt zwischen den beiden Städten entstanden durch die freiwillige oder teilweise Beseitigung der Bevölkerung. Die Verbindung zwischen den beiden bildet das Mans h i e ־ V i e r t e I, das von einer gemischten jüdisch-arabischen Arbeiterbevölkerung bewohnt wird. Hier, rund um die Moschee von Hassan Bey, _ begannen auch die Unruhen 1Q20. Hier begannen auch die Araber am Sonntag, jüdische Häuser anzuzünden, und später haben einige Juden, bevor sie nach Tel-Awiw entflohen, an die Häuser ihrer arabischen Hauswirte Feuer angelegt. So stehen jetzt 30 oder 10׳ Häuser verödet, und die Bevölkerung hat sich nach beiden Seiten zurückgezogen, so daß ein Gebiet von etwa 200 Yard Breite zurückblieb, das jetzt in den Händen der Polizei ist. Ein Vorkommnis während der Unruhen verdient der Erwähnung: Arabische Bootsleute aus Jaffa, ein recht ungebärdiger Menschenschlag, haben freiwillig einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung Jaffas auf dem Seewege nach Tel-Awiw gebracht und auf diese Weise zweifellos das Leben vieler Menschen gerettet. Diese Tatsache wird von den jüdischen Führern dankbar hervorgehoben.“

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