Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-04-21 · Heft 32 (21.4.1936) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 32 (21.4.1936)
Date
1936-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653953--28654-2690145
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 21. IV. 1936 '«f; F ’fei ־; Jfe 5 ־ |,'J , ^*‘4 ¥t cäfe i $ M L*,. m 4%■ ,W if‘ 11*14 *ו11וו)א*ו״ den Mt* 11 aI»l»at? Für Schabbat, 25. April Wochenabschnitt: Tasria/M'zora (3. B. M. Kap. 12, 1—15, 33). I. Bekanntlich werden in der Zeit von Peßach bis Schawuoth die sogenannten Pirke Awoth gelesen. Wir unterhalten uns deshalb auf unserem Oneg Schabbat ausführlicher über den Charakter dieser Misehna-Sammlung, die von wesentlich anderer Art ist, als die sonstigen Mischna-Traktati•, die wir kennen. Linen ausführlichen Ueberbliek erhält man in der Jüdischen Lttcyklopädic unter dem Stichwort: ״Ahoth״ lind im Jüdischen Lexikon unter dein Stichwort: ״Awoth‘‘. Für eine Behandlung auf dem Oneg Schabbat eignet sich für Fortgeschrittenen־ besonders die Einleitung, die Maimonides zu seinem Kommentar zu den Pirke Awoth unter dem Titel Schemonc Perakim geschrieben hat. Sie enthält fast die gesanite Lthik Maimonides’. Beim Lernen der einzelnen Perakim versuche man, insbesondere die Aussprache der einzelnen Mischnalehrcr in Zusammenhang zu bringen mit dem Zeitgeschehen. Bei manchem ist dieser Zusammenhang ganz offensichtlich. Fine wesentliche Rolle spielt hierbei die Auseinandersetzung der kabbineii mit den Sadduzäern. II. In den Wochen zwischen Peliacli und Schawuoth werden besondere Pijtitini (poetische Einschaltungen in der Liturgie) gesagt. Manche dieser Pijutim sind von besonderer Schönheit und wir empfehlen, auf einem Oneg Schahbat sich einmal der Betrachtung solcher Pijutim zu widmen. Das Standardwerk zu dieser I rage ist Zun/: ״Die svnagogale Poesie der Juden״. Der Charakter der Pijutim in der Omerzeit ist dem sonstigen Charakter dieser Zeit besonderer Trauer angcpaflt. Fs verlohnt sieh, auf einem Oneg Schabbat einmal die Stilmittel eines solchen f’ijut zu aualvsieren. Als Haftarah wird gelesen: 2. Buch Könige, Kap. 7, Vers 3— 20, Der Zusammenhang mit unserem Wochenabsehiiitt ist durch den 1. Vers gegeben, I. E. Geschichtliches aus der Haftarah Wir machen diesmal den Inhalt der Haftarah dieses Schabbats (II. K<">n. 7, 3 20} zum < legenstand der Besprechung. Um das Bild des gesdiichtlichen Vorganges zu vervoliständigeri, weiden wir auf die kurze Einleitung, die im Kap. <>, 24 — 7, 2 vorhegt, zumck/tigreifen haben. Die Besprechung wird ־zunach't von «lern historischen Tatbestand der kriegerischen Verwicklungen des Königreiches Israel mit den Aramäern aws/ugehen haben. Nach dein Tode des stoi/en Und mächtigen Königs Ahab (etwa um 051 v. Ohr.) haben die kriegerist heil I iniäile der Aramaer ins israelitische Gebiet zugenommeii. Wir stehen hier im Zeitpunkt des Kampfes zwischen den Araniäern unter Benhadad II. gegen Joram aus Israel. In diesem Abschnitt wird zuerst die Belagerung der Hauptstadt Samariens durch die Aramäer geschildert, wobei in der Stadt eine grolle Teuerung entsteht und dann eine grobe Hungersnot ausbricht. Linen Begriff dieser Zustände gibt uns der Bericht in Kap. 6, 25, worin es heißt, daß ״ein Lsclskopf 80 Silbersckel und 4 י Kab (etwa 1/4 Liter) Tauben- ווו ist 5 Silbersckel kostete“. Joseph US erzählt anschließend daran sogar, daß der Taubeninist die Stelle des Salzes vertreten mußte (Jüd. Altert. IX, Kap. 4). Die Hungersnot treibt die Menschen zur Verzweiflung und geht soweit, daß Mütter ihre eigenen Kinder schlachten, ein Bild, das uns aus dem Altertum geläufig ist. Man vergleiche hierzu die Stellen in Klage!. 2, 20; 4, 10 und Jerern. 10, 0. Der Prophet F lisch:! ist die Seele des Widerstandes gegen Ar.1111־ während der Belagerung, im Gegensatz zu dem verzagten König ist er voller Zuversicht. F.r weiß, daß Oolt sein Volk nicht verlassen wird. Fr versichert dem erzürnten König den Beistand Gottes, und bereits am nächsten Tage soll das grobe Wunder der Fnettung geschehen. Hierauf folgt die anschauliche Schilderung der Errettung, die den eigentlichen mhait der liaftarah bildet. Ls ist die Geschichte der vier Auss.ät/igen. Im Altertum war das Eos dieser unheilbaren Mensehen sehr schwer. Sie haben, wie die vier Helden dieser Cieschichte, fern von der men-chlichcn Gesellschaft, draußen vor den Stadtmauern wohnen müssen. Sie durften mit niemanden :11 Berührung kommen, waren au-gestoberi und gingen sicher einem qualvollen Tode entgegen. (Man vgl. hierzu noch die biblischen Vorschriften im III. B. M. Kap. 1 '3 ff.). In unserer Geschichte schleichen sich die Aussätzigen am Abend ins Kriegslage!• der Aramäer, aber der Feind ist überraschenderweise geflohen und hat reiche Beute ziiriickgelassen. Sie melden das den Torwächtern, und das Kriegsvolk mit dem König Israels zieht aus und nimmt von der Beute Besitz. Sarnarien war somit gerettet und die Worte des Propheten Elischa haben ihre Bestätigung gefunden. Geschichtlich werden wir uns den plötzlichen Abzug der belagernden Aramäer damit zu erklären haben, daß sie die Kunde von einem Einfall der Assvrer erhalten haben. Es war die Zeit, in der die später sehr mächtig gewordenen Assyrer ihre ersten Feldzüge gegen die Nachbarn ausmfiihren begattnen. Unter diesen Umständen mußten natürlich die Aramäer den israelitischen Kriegsschauplatz fluchtartig verlassen, um sich dem weit mächtigeren Feinde entgegenzustellen, lieber die .Auswirkungen und Folgen dieses abgebrochenen Feldzuges ist uns geschichtlich nichts weiter überliefert worden. Es wird Aufgabe unserer Besprechung sein, den überlicferten geschichtlichen Kern herauszuarbeiten und manche sagenhafte Züge, die später hinzugekoinmen sein mögen, abzustreifen. Man versuche in diesem Zusammenhänge, etwaige Sagenmotive von der geschichtlichen Ueberlieferung herauszuschälen und sie gesondert zu behandeln. Derartige Geschichten geben vielfach die Möglichkeit eines anschaulichen historischen Exkurses an Hand der überlieferten Quellen. J. M. In der Jüdischen Haushaltunßsschule, Frankfurt a. M., fanden die Abschlußprüfungen statt. Außer den Hausexamen der 14jährigen Lehrlinge, der halb- und einjährigen Hauslialtiingssdiülerinnen und der Fachklasse für Schneidern und Wäschenähen legten unter Vorsitz 11er staatlichen Prüfnngskommission und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland 10 Seminaristinnen ihre Prüfung als Lehrerinnen für Hauswirtschaft und Nadelarbeit ab; die Ergebnisse waren trotz des nur einjährigen Lehrganges recht gut. Auch die staatliche Prüfung des Haushaitpflegerinnenseminars bestanden sämtliche 7 FTüflinge mit gutem Erfolg. Dieses einjährige Seminar wird auch in Zukunft mit starker Betonung der pädagogischen Seite der hauswirtschaftlichleitenden Arbeit weitergeführt und bietet gut vorgebildeten Mädchen eine Ausbildung mit ausgezeichneten Berufsaussichten im In- und Ausland, und zwar als leitende oder anieitende Wirtschaftsbeamtin in Heim oder Lehrbetrieb. Fast sämtliche abgehenden Schülerinnen haben bereits Stellen gefunden; die neuen Lehrgänge der Haushaltungssctiule sind voll besetzt; lediglich im Haushaltpflegerinnenseminar sind noch einige Plätze frei. In Danzig sprach Dr. Michael T r a 11 b am 4. April in einer Veranstaltung der Zionistischen Organisation über ״Zionistischc Realpolitik in Palästina“ und am 5. April im Jüdischen Klub über ״Amerika und Palästina“. Beide Vorträge übten eine tiefgehende Wirkung aus. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 2t. April: Luxemburg (1304), 12.40: U. a. Meyerbeer: Der i’rophe׳. -- St r,115! >11; g (349), 17.30: U, a. Mehul: Joseph und seine Brüder. — Wien (506), 17.30: U. a. Rubinstein. —!’ans P. T. T. (432), 20.30: II. a. Milhaud: Die Schöpfung der Weh; Sehmitt: Psalm 47. — Nimes (201), 20.45: U. a. Mendelssehn. — I.uxcmbur21.35 ,(1304) ״: F. a. VVieniawski. — London National (1500). 22.20; L. a. Korngold. Mittwoch, 22. April: Prag (470), 12.35: U. a. Saint Saens: Samson und Dalila; Ottenbach. — Budapest I (550), 13.30: U. a. Verdi: Nebukadnezar. C1״e d'Azur (235), 13.15: U. a. Meyerbeer: Die Afrikanerm. — Wien (506), 14: SehallpL, Mischa Elman; 17.20: 12. a. Wieniavvski. — StraliUirg (349), 17.30: U. a. Mendelssohn. — Luxemburg (1304). 17.45: 12. a. Saint Saens: Die Sintflut — Wien (506). 19.30: Symphonie-Konzert, Mit»־. Rudolf Serkin. — Paris Eiffelturm (206), 19.55: Meyerbeer: Die Hugenotten, Ucbertr. aus der Pariser Oper. — Hilversum I (1875), 20.55: U. a. Honegger: König David. — Kalundborg (1263), 21: U. a. Offenbach, Müszkowski. — Hilversum II (302), 23.40: U. a. WeilL Donnerstag, 23. April: Radio Paris (1648), 11: U. a. Meyexbcer: Der I’rophe:. — Hilversum I (1875), 16.40: lübelvorlcsung. — Laibach (569). 18: U. a. Rubihsiein. — Kalundborg (1263), 20.35: U. a. Weinberger. — Iliivei-um 1t (302), 22.10: U. a. Mendelssohn. Freitag, 24. April: Radio Paris (1648), 11.45: Jüdische Sendung. — Hilversum I (1875), 14.25: II. a. Verdi: N'ctmkadnczar. — Brüssel (fianz., 484), 18.30: Klaviertrio D-Moll von Mendelssohn. — Bukarest (365), 23: U. a. Zierrat Uriel Acosta. Sonnabend, 25. April: Kalundborg (1203), 16: U, a. Goldmark. —׳ Limoges (463), 19.55: Meyerlrccr: Die Hugenotten. — Luzern- Imrg (1304), 21.20: II. a. llalevy: Die Jüdin. —- Radio Citd (280), 22.30: Jehuili und Ilcphzibah Menuhim spielen. — Budapest I (550), 22.40: D. a. Mendelssohn, Moszkowski. Aus Anlaß d׳es elfjährigen Bestehens der Hebräischen Universität in Jerusalem wurde von den amerikanischcn Freunden der Hebräischen Universität in New York ein Bankett veranstaltet, auf dem 16 000 Dollar gezeichnet wurden. Hans Wilhelm Steinberg stellte sich dem Stockholmer Konzertpubiikum im ״Konzertföreinigen“ als Dirigent mit großen musikalischen Qualifikationen vor. Sein temperamentvolles, gediegenes Dirigieren wird lobend hervorgehoben. Die Warschauer Pianistin Rosa Etkfn, Schülerin von Prof. May er-Mahr, hat soeben mit starkem Erfolg erstmalig in Paris konzertiert. Rosa Etkin wurde bei ihrem vorjährigen Auftreten im Berliner, Frankfurter und Mainzer Kulturbund stürmisch gefeiert. Jüdische Kinder in Erez Israel Soeben ist in der Brandusschen Verlagsbuchhandlung, Berlin, ein Photobuch von Nachuni ü i d a 1 erschienen. Daß es mehr ist als ein Bilderbuch, ein Buch nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Nachdenken — darauf zu verweisen, ist der Zweck dieser Zeilen. ״Jüdische Kinder in Erez Israel“ ist sein Titel. Kinderphotos sind beliebt und darum gewiß nicht selten. Diese zwanzig Aufnahmen Gidals aber stehen über dem Ueblichen, weil hier der Gegenstand nicht planmäßig festgehalten wird, nicht in einer gestellten oder verniedlichten Pose, sondern als der lebendige Ausschnitt des neuen jüdischen Lebens in Palästina. Der hohe Sinn des Ruches spricht aus jedem der Bilder zu uns: das sind die Kinder unseres Landes — das ist unsere Zukunft! Diese Bilder nämlich sind keine Porträts. Es sind ״Momentaufnahmen“. Somit hat Gidal nicht nur Umrisse fcstgehalten, sondern Atmosphäre eingefangen. Aus diesen heiteren, gesunden Gesichtern lacht uns der Lebenswille und die Lebensfreude des altneuen Landes entgegen. Diese Kinder verkörpern ja die Existenz des Jischuw, sie führen ein dem Lande natürliches Leben, sie sind organisch ein Teil des Ganzen geworden, hineingeboren oder hineingewachsen. Sehen wir uns diese zwanzig Bilder an, so ist es, als legen wir das Ohr an das pulsierende Herz Erez Israels. Gidal weiß zu sehen, die Kinder sind so fcstgehalten, wie sie leben und sich bewegen — vor den neuen Häusern von Giwath Brenner, auf den noch kahlen Flächen einer neuen Siedlung bei Tel-Awiw, beim Heimweg von der Schule, beim Spiel auf dem Hofe. Man gebe dieses Buch jedem in die Hand, der sich über unsere Zukunft noch im unklaren ist oder Skepsis hervorkehrt: das Bilde!huch Gidals hat eine ebenso überzeugende Sprache wie die beste Wirtschaftsstatistik oder der sorgfältigste Kolonisationsbericht. — Berta Badt-Strauß׳ schönes Vorwort sei noch besonders erwähnt. Manfred Sturmann Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon Riamarek 6506 Zusc-ndueg nach al»«n Stadtteilen Gegenüber anderslautenden Gerüchten wird von der Reichsrcchtsanwaltskammcr ausdrücklich festgestellt, daß die Ehrengerichte der Anwaltskammern ihre Ent- Scheidungen aus ihrem eigenen Rechtsgewissen schöpften ttnd es grundsätzlich und bewußt ablehnten, sich zur Begründung ihrer Entscheidungen auf jüdische Kommentare zu beziehen. In einer Sitzung des Exekutivkomitees des Hauptrates des Verbandes der jüdischen Kaufleute Polens wurde heschlossen, einen Kongreß der gesamten jüdischen Kaufmannschaft Polens nach Warschau einzuberufen. Xeueen-.(. Ii.if! ub/ulegen, <1:105 (ü.u einzig ist. Nur einen l. ntcr.scli s e fl kanmen wir, den /.wischen Gutem und Bösem. Ralii'l /.cra trug cor -- lasen war in der ,,Mittleren Pforte“: Iss heitö : ״Es wird Nacht; in ihr regen sieh alle Tiere des Waldes-” ״Und es wird Nacht“, das ist diese Welt, die der ,in ihr regen sieh alle Tiere des \\ nldes“, sind di 1׳ re\ ler da gier hon; Frommen ״cu'iin die autgeht. Sonne auf!; den Tieren des Waldes eilt", worin die Sonne dom ,./.adik we-1'aseha", ,,fromm und bös“, nur diese zwei Kategorien kannte unsere kleine Welt. Und das Vorbild des frommen 1-1 Abraham, mit. dem sieh auch der Absehnitl über die Lohnarbeiter eingehend belaß!. Wie kommt aber der große Patriaicli unter die Lohnarbeiter? Die Sache ist sehr einfach. Von den Kindern von Abraham, Isak und dakob war die Rede in der ersten Mischna des Abschnittes, und wenn schon Ahraham zur Sprache kam, so wird auch manches antlere eingeschaltet, das von Abraham erzählt werden kann. Das gehört, mit zur Natur und Konstruktion des Talmuds. Er springt von einem Gegenstand zum zweiten, vom zweiten /.um dritten, je nachdem, was gerade zur Sprache kam; nachdem er dann seine Bemerkungen zu allem gemacht hatte, kehrt, er plötzlich zum ursprünglichen Gegenstand zurück und setzt ohne Uchergttng und Einleitung dort, fort, wo er unterbrochen hatte. Auch uns war es so viel interessanter. Mit der behaglichen Breite eines epischen Gedichtes beschreibt er das Mahl, mit dem Abraham die drei Fremden, die Oreliim, empfing, von denen er freilich nicht wissen konnte, daß sie aus dem Himmel gesandte Engel waren. Er wartete ihnen feinen, in Rahm und Butler panierten Kalbs- Dratcn auf. Freilich, damals war ein solches Mahl noch erlaubt, da die Thora das in Milch gekochte Zicklein noch nicht verboten hatte. Drei Kälber schlachtete Abraham für die Fremden, tun ihnen drei Zungen mit Senf vorsetzen zu können. Selbst seine Krankheit hielt ihn nicht zurück von der Ausübung der Gastfreundschaft, Vor der Tür seines Zeltes verbünd er seine Wunde, um nicht zu versäumen, einen eorl>cigchenden Wanderer in eigener Person Iretmdlich cinzuladen. Da ließ Gott die Sonne aus ihrem Futterale hervortreten, auf daß Abraham genötigt sei, sich in den Schalten des Zeltes zurückzu/.iehen und zu ruhen. Dann besuchte er den Kranken. Mit wunderbarer Zartheit sprach Gott mit seinem Liebling. Sara lachte, als ihm der Engel ein Kind prophezeite. ״Nachdem ich welk geworden hin, sollte ich muh der Liebe pflegen und mein Herr ist alt!“ Und Gott fragte Abraham: ״Warum doch luchte Sara und dachte: Soll ich auch wirklich gebären? Ich bin ja alt.“ Gott änderte vor Abraham Saras Worte, da er den Hausfrieden nicht stören wollte. Er tat so, als ob Sara sich selbst und nicht Abraham alt. genannt hätte. ״Bedeutend ist der Friede, daß sogar der Heilige, gepriesen sei Er, seinetwegen ein Wort geändert hat!“ fügt jemand aus der Schule Rabbi Jisehmaels hinzu, Als nachher Isak durch Gottes Wunder zur Welt kam, räsonnierte man und sprach: ״Habt ihr gesehen, dieser Greis und diese Greisin hallen einen Findling von der Straße heimgebracht, sagen, er sei ihr Sohn, und sie veranstalten sogar ein großes Gaslmahl!“ Da geschah ein neues Wunder, die Brüste Saras öffneten sich wie zwrei Quollen, und sie stillte die Säuglinge aller zu Gaste geladenen Frauen und Fürstinnen. Und damit, auch Ahraham gerechtfertigt erscheine, wurde Isak das genaue .Abbild von Abraham. Da es bis Abraham kein Altem gab und der Alte vom Jungen nicht zu unterscheiden war, verwechselte jeder Isak, nachdem er aufwuohs, mit seinem Vater Abraham. ,,Da kam Abraham und flehte um Erbarmen, und das Altern entstand.“ All dies lernleri wir im Abschnitt ״Die Lohnarbeiter“, gewissermaßen zur Zerstreuung zwischen den halnehischen Erörterungen. Dann kamen wir alsbald auf die Rechte des Arbeiters im Weingarten zurück, der während der Arbeit nach Belieben von den Trauben des Eigentümers essen darf. ״Wie die Seele des Eigentümers ist, auch die Seele des Arbeiters . . . Wie du nach deinem Beiieben essen darfst und frei bist, ebenso darf auch der Lohnarbeiter nach seinem Belieben essen und ist frei.“ Selbst seiner Frau und seinen Kindern darf der Genuß von Trauben nicht verboten werden. ,,Was der Arbeiter ißt, ißt er nicht von dem des Eigentümers, sondern dem des Himmels.“ X. KAPITEL Im .Abschnitt ״Die Lohnarbeiter“ lasen wir die schönste Legende, die ich je gehört halte. Noch jetzt habe ich in Erinnerung Schrecken und Spannung, mit denen wir die Entwicklung der!,egende verfolgten. Wer Rabbi Eleasar har Simon war, wußten wir alle, namentlich ich, der schon damals in die mystische Welt der Kabbala verliebt war und wußte — las cs mir doch Mutter öfters aus einem großen jiddischen Buche vor —, daß sich Rabbi Simon Iren Jocht!j dreizehn Jahre mit seinem Sohne Rabbi Eleasar vor den Römern in einer Höhle ve '.xgen hielt. Da geschah ein Wunder, ein Brotlmum wuchs in der Höhle. Au h eine Wussonpielle zeigte sich. Sie zogen ihre Kleider aus und saßen im Sande lös zum Halse, Sie beschäftigten sich den ganzen Tag mit der Erforschung der!,ehre, nur zur Zeit des Gebetes zogen sie ihre Kleider wieder an und beteten, hernach zogen sie die Kleider wieder aus, damit sie nicht verdürben. So verweilten sie dreizehn Jahre in der Höhle. In dieser Höhle schrieb Rabbi Simon hon Joehaj den Sohar, das Buch der heiligen Geheimnisse. Den Eingang zur Iföhlo umzüngclte ein himmlisches Feuer, •so daß selbst der Vogel, der vorbeiflog, zu .Asche verbrannte. Als am Endo des dreizehnten Jahres der Prophet Elijahu ihnen die Nachrieht brachte, daß der Kaiser gestorben ist, und sie nunmehr die Höhle verlassen dürfen, erschien ihnen der Lauf der Welt vollständig fremd. Insonderheit kränkte sich Rabbi Eleasar darüber, daß die Menschen dem Brotverdienst nachjagen, statt der Lehre von den ewigen Geheimnissen obzuliegen. ״Sie vernachlässigen die Dingo des ewigen Lebens und beschäftigen sich mit dein zeitlichen Lehen“, sprach er zornig, und wohin sich seine glühenden Blicke richteten, verbrannte alles. Da ließ sieh eine Himmclsstimme hören: ״Seid ihr aus der Höhle gekommen, um meine Welt zugrunde zu richten?“ Von diesem Rabbi Eleasar lasen wir im Abschnitt ״Die Lohnarbeiter“, daß er auf irgendeine sonderbare Weise in den Dienst des Kaisers gelangte, und sein Beruf bestand darin, jüdische Frevler festzunehmen. Nach dem Talmud nahm er diese Stelle auf Einladung des Kaisers unter Zwang an. Die Meister verdroß es freilich, daß der Sohn des großen Rabbi Simon solch ein Amt bekleidet. Und so ließ Rabbi Jehosehua be.n Korctie ihm sagen: ״Aus Wein entstandener Essig, wie lange noch wirst du das Volk unseres Gottes zur Hinrichtung ausliefern?“ ״Ich entferne nur die Dornen aus dem Weinberge“, erwiderte Rabbi Eleasar. Jener ließ ihm entgegnen: ״Mag der Besitzer des Weinbergs kommen und selbe! »eine Dornen entfernen .. Eines Tages begegnete ihm ein Wäscher und nannte ihn ״aus Wein entstandener Essig!“ Rabbi Eleasar erboste. ״Da er so frech ist, ist er wahrscheinlich ein Frevler.“ Hierauf ließ er ihn festnehmen. Nachdem er sich beruhigt hatte, ging er hin, um ihn ausz.ulösen; er vermochte es aber nicht mehr. Er stand nun neben dem Galgen und weinte. Da kamen seine Schüler und sprachen zu ihm: ״Meister, laß es dir nicht leid tun, er und sein Sohn vergewaltigten am Jom Kippur eine verlobte Jungfrau.“ Da legte er seine Hände gegen seine Eingeweide und sprach: ״Freut euch, meine Eingeweide, freut euch! Wenn da« eure Zweifelhaften sind, wie sind eure Zweifellosen! Ich bin dessen sicher, daß Gewürm und Geschmeiß keine Gewalt über euch haben werden (Fortsetzung folgt) :;ft '!tif ä i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.