Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 32 (21.4.1936)
- Date
- 1936-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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£דח! 4 23 11. $2 / Jahrgang 41 Preis 25 Rpl. JÜDISCHE RUNDSCHAU Rehriftlaltant;, Verlas* D. 8nr® I jf«D verw alt ang 1 Berlin W15, Malnekcatr.lO Famrali SudumI - Nammar J 1 (Blsmardt) 9031. — Bezugspreis eiiwcU. Bastvllgeld ja Monat HM 2,-, Vierteljahr KM 5,75, bei Abholung RM 1,88 brw. RM 53H — Postscheck . Konten der Vertriebe . Abteilung: Berlin 715 73 (Hir GraS - Berlin). Berlin 17392 (für da* übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt bcaeht kein Aneprach aal Nachlielerung oder Eratattung etwa *Aon geiahlter Benagagebühren. — Ernehelnt Jeden Dienstag nnd Freitag. BERLIN כ״ט ניסו תרצ״ו DIENSTAG, 21. APRIL 1936 Gttltlgi AkDz«t^4»npr«Uliate Nr# 4. Die 12 Gespaltene 20 ־ Rpl, für Fsmiliennachrichten 15 RpL FÖ1 die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelegenheit«• *ureigen mir gegen Vorauszahlung aui Postscheck - Konto Berlin 7161B oder bar Montag bis Freitag 9— 18 Uhr. AnnahmeschluS für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für di® breitag ־ Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Faroilicnanreigen am Tag vor Erscheinen bis 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Blutige Unruhen in Jaffa Mehrere Tote, viele Verwundete In Palästina ist es in den letzten Tagen zu überaus bedauerlichen Unruhen gekommen. Im Verlaufe von Auseinander- Setzungen, die durch eine Reihe von Bluttaten eingeleitet worden waren, entstanden am Sonntag, dem 19. ds. Mts., in Jaffa arabische Demonstrationen, die aui Grund von unkontrollierbaren Gerüchten, daß Araber von Juden ermordet worden seien, zu schweren Angriffen auf Juden ausarteten. Im Verlaufe dieser Geschehnisse wurden nach den letzten Meldungen in Jaffa 11 Juden getötet und ca. 40 verwundet, davon 11 schwer. Die Absicht der Araber, im geschlossenen Zug nach Tel־Awiw zu marschieren, konnte nicht durchgeführt werden, da sich ihnen die Polizei entgegenstellte. Hierbei wurden drei Araber von der Polizei getötet, teils weil die Polizei nach vergeblicher Aufforderung, den Demonstrationszug auizulösen, zur Schuß״ waffe greifen mußte, teils um einen Angriff auf Juden zu verhindern. Das offizielle Communique der Regierung, das am Sonntagnachmittag veröffentlicht wurde, stellt ausdrücklich lest, daß die Juden auf Grund von falschen Gerüchten von den Arabern attackiert worden sind. Montag vormittag kam es an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Awiw neuerlich zu Zusammenstößen, die 2 Tote und mehrere Verwundete zur Folge hatten. In Jerusalem, Haifa sowie allen anderen Teilen des Landes herrscht vollständige Ruhe. Der erste Anstoß der entstandenen Unruhen war ein Raubmord bei Tulkerem, bei welchem ein Jude aus Saloniki getötet worden war. Wir geben nachstehend eine chronologische Darstellung auf Grund der vorliegenden Berichte. Mittwoch: Raubmord bei Tulkerem Ueber den Banden(! berf all auf Autobusse auf der Chaussee Tulkerem—Nablus meldete Palcor folgendes: Ein kühner Straßenraub auf Autos wurde am 15. April abends auf der Chaussee Tulkerem—Nablus, die von der Haifa—Jerusalem-Chaussee abzweigt, verübt. Ein griechischer Jade aus Saloniki wurde dabei getötet, ein Passagier schwer und ein anderer leicht verwundet. Die Banditen beraubten ihre Opfer erst und gaben dann Schüsse auf sie ab. Im ganzen wurden zehn Fahrzeuge angehalten; weitere Passagiere wurden jedoch nicht tätlich angegriffen, sondern nur beraubt. Die Untersuchung über den Ueberfall scheint Anhaltspunkte dafür zu bieten, daß es sich um keinen gewohnlichen Raubmord handelt, sondern daß der Ueberfall eine antiffidische Tendenz hatte; denn die Räuber haben arabische Wagen nicht angehalten und ein nichtjüdischer Passagier in einem der jüdischen Wagen wurde nicht belästigt. Die Polizei hat einen Araber, der der Teilnähme an dem Ueberfall verdächtig ist, verhaftet. Es Ist eine Belohnung von 300 Pfund für die Ergreifang der Täter des Raubüberfalies ausgesetzt worden. Bei der Beerdigung des bei diesem Ueberfall getöteten Juden mit Namen Israel Chasan aus Saloniki kam es sodann zu schweren Zusammenstößen in Tel- Awiw mit der Polizei. Hierüber liegt folgender Bericht vor: Freitage Demonstrationen in Tel-Awiw Tausende von Menschen hatten der Bestattung dieses ans Saloniki eingewanderten Juden namens Israel Chasan beägewohnt. Die Polizei hatte verboten, daß am Grabe Reden gehalten würden. Es wurde nur Kaddisch gesprochen. Nach Schluß der Beisetzung formierte sich ein großer Demonstrationszug zum Rathaus. Ein junger Jade aus Saloniki richtete an den Zug eine Ansprache und forderte, der Zug solle nach Jaffa ziehen, um für den Mord Rache zu nehmen. Die Menge folgte dieser Aufforderung jedoch nicht, sondern begab sich zum Stadthaus. Dort richteten der Vizebürgermeister von Tel-Awiw, Israel R o k e a c h, und das Mitglied des Stadtrates, Dov Kos, Ansprachen an die Menge. Sie ermahnlen, Ordnung zu bewahren und sich ruhig zu verhalten. Sie versprachen, die Forderungen der Demonstranten, die über die bisher erfolglose Untersuchung des Raubüberfalles entrüstet waren, an die zuständigen Stellen weiterzuieiten. Bei Ihrer Rückkehr vom Rathaus wurde die Menge von der Polizei aufgefordert, sich zu zerstreuen. Die Aufforderung der Polizei wurde jedoch mit einem Steinregen aus der Menge beantwortet. Daraufhin machte die Polizei von ihrer Schußwaffe Gebrauch und schoß zur Warnung in die Luft. Ueber 30 Personen wurden be! den folgenden Zusammenstößen durch Gummiknüppel verwundet. Im Hadassah-Krankenhaus und durch den Roten Magen David wurden insgesamt 14 Verwundete festgestellt; der Zustand bei vier von ihnen ist ernst. iin Verlaufe der Maßnahmen, die zur Herstellung der Ordnung ergriffen wurden, drang Polizei, die aus nichtjüdischen mit Stahlhelmen ausgerüsteten Polizisten bestand, In jüdische Häuser ein und holte aus ihnen mehrere Personen heraus, die in dem Verdacht standen, Steine aus den Fenstern geworfen zu haben. Fast eine Stunde lang dauerten die Unruhen. Die allgemeine Erregung wurde noch durch das Gerücht gesteigert, daß auch der andere der bei dem Autobusüberfall verwundeten Juden gestorben sei. Ein jüdischer Polizist wurde durch Steinwürfe ernstlich verletzt. Die Polizei befindet sich ln Alarmzustand. Dfe Allenby Street ist von Polizei abgeriegelt worden. Zahlrefche Verhaftungen wurden vorgenommen. Weiter wird gern eklet, daß am Freitag verschiedene Jugendgruppen in Tel-Awiw arabische Lüden, Kutscher und Stiefelputzer überfielen und verprügelten. Auch am Sonnabend kam es in Tel-Awiw zu kleineren Zwischenfällen, ais eine Gruppe Jugendlicher ein aus Jaffa kommendes arabisches Fuhrwerk zum Verlassen der Stadt zwang. Die Regierung erließ an die Presse eine Warnung, die sich gegen jede aufreizende Propaganda wandte. Donnerstag: Mord bei Klar Saba Am vergangenen Donnerstag war in der Nähe von Kfar Saba ein Mordfall vorgekommen, über den ״Palcor“ wie folgt berichtet: In eine einsam gelegene Siedlung zwischen Raanana und Kfar Saba drangen zwei Unbekannte und gaben Schüsse auf zwei Araber ab, von denen einer sofort getötet wurde, während der andere am nächsten Morgen im Krankenhaus starb. Dieser erklärte vor seinem Tode, die Angreifer hätten ein jüdisches Aussehen gehabt. Polizeihunde verfolgten Fußspuren, die zu einem der von arabischen Arbeitern bewohnten Häuser führten. Eine Belohnung von 200 Pfund Ist für die Ergreifung der Täter ausgesetzt worden. Sonntag: Unruhen in Jaffa Dieser Mord scheint die Ursache zu den schweren Unruhen gewesen zu sein, die am Sonntag in Jaffa sich ereigneten. Eine JTA-Mcldung besagt, daß in Jaffa bei einem Demonstrationszug, der gegen die Tötung von zwei Arabern protestierte, jüdische Geschäfte sowie Arbeiter des Ruthenberg-Kraftwerkes angegriffen wurden, wobei sieben Juden und zwei Araber getötet wurden. Das offizielle Common! qa£ Das offizielle Communiqul der Palästina-Regierung über die Unruhen am Sonntag lautet wie folgt: ״Der High Commissioner muß zu seinem Bedauern mitteilen, daß heute vormittag in Jaffa Unruhen vorkamen, die eine Reihe von Todesfällen zur Folge hatten. Infolge falscher, sofort offiziell dementierter Gerüchte, wonach Araber getötet worden seien, versammelten sich etwa um 11 Uhr vormittags im Stadtteil Manschte in Jaffa Menschenmassen, und es entstanden Unruhen, in deren Verlauf mehrere Ueberfälle auf Juden gemacht wurden. Die Polizei griff sofort ein und vermochte am frühen Nachmittag die Ordnung wiederherzustellen. Die Behörden sind völlig Herren der Situation. Soweit bekannt, sind folgen de Todesfälle zu verzeichnen: 7 Juden getötet (inzwischen ist die Ziffer auf 10 gcstiegen — A. d. R.), 11 schwer und 28 leicht verletzt. 2 Araber getötet, 1 schwer und 14 leicht verletzt. Es wurden drei Salven unter direkter Verantwortung des obersten Polizeioffiziers abgefeuert, nachdem zu-vor die entsprechende Warnung gegeben worden war, und zwar die eine Salve, als die Menge sich weigerte, sich zu zerstreuen, und zwei Salven zu dem Zwecke, um einen bereits vor sich gehenden Mordüberfall zu verhindern. Der Tod der zwei Araber ist auf die Schüsse zurückztiführcn. Als Vorbeugungsmaßnahme wurde der Ausnahmezustand proklamiert, der den High Commissioner ermächtigt, Notstandsverordnungen in Kraft zu setzen. Für Jaffa und Tel-Awiw wurde angeordnet, daß die Einwohner zwischen 7 Uhr abends und 5 Uhr früh in den Häusern sein müssen. In anderen Teilen des Landes sind keine Zwisehen fälle vorgekommen.“ Namen der Toten Weiteren Telegrammen der ״Palcor“ aus Jerusalem entnehmen wir: Gemäß Nachrichten vom Sonntag abend hat sich die Zahl der Toten auf 10 e r h ö 11 f. An Namen der Getöteten sind bisher mitgeteilt: Przigoda, Fliezer Bischitzky, Fabrikbesitzer Chidkowitz, Pflasterer Chain! Kornfeld aus Jaffa, der Student Mordcehai f'riedmann aus Mikweh Israel, der Klcktrizitätsarbciter David Shameadal. Die Zahl der getöteten Araber beträgt drei (Ursprunglieh zwei gemeldet). Das Präsidium der Stadtverwaltung Tel-Awiw intervenierte heim Distrikt-Kommissar des Süd-Distrikts, Grosbie, der die Erklärung abgab, daß die Regierung mit Polizei und Militärkräften die Situation v ö 1 1 i g in d c r I i a n d habe. Er hoffe, daß keine weiteren Unruhen stattfinden werden. Mit Zustimmung der Regierung hat die Stadtverwaltung eine spezielle W a c 11 m a n n s e 11 a f t bestellt, die die Polizei in Tel-Awiw unterstützen soll. Oie fetzten Berichte ans Jaffa besagen, daß dort völlige Verkehrsstille herrscht. Bei einer von Vertretern aller zionistischen Parteien beschickten Konferenz, die Sonntag nachmittag in Jerusalem zusammentrat, um die Schaffung einer vereinigten zionistischen Organisation für Palästina zu beraten, gab Ben Gurion eine Darstellung der Ereignisse in Jaffa und forderte den Jischuw auf, sich von jeder Panik fern zu halten und zuversichtlich zu bleiben. In demselben Sinne sprachen Ussischkin, Mossinson und Suprasky. Montag: Das Begräbnis der Opfer Das Begräbnis von 0 jüdischen Toten, von denen drei noch nicht identifiziert werden konnten, fand Montag um 7 Uhr früh statt und war um 8.15 Uhr beendet. Ansprachen hielten: Dizengoff, Ben Gurion und Ben Zwi. Ungeachtet der frühen Stunde versammelten sich große Menschenmengen in den Straßen Tcl-Awiws. Der Umzug bewegte sich von dem Hadassah Hospital, am Stadthause vorbei, zum Friedhof. Dizengoff spraeli vom Balkon des Stadthauses zu der Menge. Große Polizei- und Militärkräfte hielten die Ordnung aufrecht. Die Behörden hatten nur den offiziellen Vertretern der jüdischen Institutionen und den Angehörigen die B©* tretung des Friedhofs gestattet. Montag früh kam es in Jaffa neuerlich tu Zwischenfällen. In der Carmcl-Straße zwischen Jaffa und Tel-Awiw griffen um 7 Uhr früh mehrere Araber Juden an. Die Polizei kam sofort und machte dem Zwischenfall ein Ende. (Ueber die Opfer dieser Kämpfe vgl. auch Seite 2.)