Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 30-31 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 30/31, 17. IV 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 25 BRIEFE AN DIE REDAKTION Jüdische Wissenschaft Hamburg, den 9. April 1936 An die Schriftlei'ung der ״Jüdischen Rundschau“ Sehr geeinte Herren! Durch die Umfrage bei jiidischeu Gelehrten über ״die Zukunft der jüdischen Wissen- Schaft“ haben Sie sich verdient gemacht. Alle, die das Absinken dieser Wissenschaft in Deutschland beklagen, werden Ihnen dankbar sein. ln den Antworten kann man viel Kluges lesen, aber nicht sehr viel Ermutigendes. Es gebt ein elcgi.- her Ton durch alle Antworten. Vielleicht wäre es Ihnen willkommen, neben den Stimmen aus der Gelehrtenwelt auch einmal eine Stimme ״aus dem Publikum“ zu hören. Die Belehrung in jtidisoh-wissenschaftlichen Dingen in wissen- Schaftliclter Form ist für viele Menschen nach meiner Firfahrung eine I.el׳״ns11״h>.!•׳idigkeit. Diese Belehrung erfolgt jetzt durch: 1. die jüdische Presse; 2. die Monatsschrift der Gesell- Schaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums; 3. die Veröffentlichungen des Schocken- Verlages und einiger anderer Verlage; 4. in den größeren und großen Gemein ien durch die Lehrhäuscr und auch z. T. durch von diesen in Veibmdung mit der MitteLstelle für jüdische Erwach-scncnbildung veranstaltete Lerntagungen. Ich möchte mich auf Grund von eigener Erfahrung nur mit dem letzter! Punkte befassen. Der von Franz Rosenzweig zuerst ausgesprochene und mit ungeheurer Energie in die Wirklichkeit, — ״ins Leben“ (Schlußwort ״Stern der Erlösung“) — hincingcfiihrte Gedanke der Errichtung von ״freien jüdischen Lehrhäusern“ hat sieh als überaus fruchtbar erwiesen. Der Beweis ihrer LelHtnsfähigkeit ist erbracht. Zwar sind es keine richtigen Lehrhäuscr im wissenschaftlichen Sinne, aber sie sind aus dem jüdischen Leben in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Und je größer die Gefahr wird, daß ein neues geistiges Ghetto entsteht, desto notwendiger wird ihre Erhaltung. Dazu geitören erstens Mittel und zweitens Lehrkriifie aus allen jüdischen Lagern. Es wäre eine der wichtigsten Aufgaben der Reiclisver• Irctung, für beides zu sorgen. I m die Mittel hat sie sich bis jetzt noch gar nicht gekümmert. Sie »!)erlaßt diese Angelegenheit den Gemeinden, die aber ihre alten Aufgaben kaum bewälligen können, l'iir die Lehrkräfte hat sie durch, die Errichtung der Mittclatcllc für Krwachsenenbildüng einen ersten Schritt getan. Daß dadurch Martin Buber zum Mit artieiter der Lehrhäuser geworden ist, ist jedenfalls eine hockst verdienstliche Leistung. Martin Buber kann aber nicht überall sein. Es macht sich schon jetzt ein Mangel von jüdisch durchgcbildelcn Lclukrüften bemerkbar. Es wäre daher dringend notwendig, für Nachwuchs bei Zeiten zu sorgen. Wenn das geschieh!, dann wird die Wissenschaft vom Judentum von selbst ihren Platz auch in der schrumpfenden Judcnheit Deutschlands behaupten. Tel-Awiw, im April Sehr geehrte Redaktion! Einer meiner Bekannten aus Berlin, der hier als Tourist weilte, gab für Nachsendungen aus dem Ausland meine Adresse an. Nach einigen Tagen Aufenthaltes in Tel-Awiw zog er nach Jerusalem und hinierließ beim hiesigen Postamt den schrittliehen Antrag, rite ausgefüllt, seine an mich adressierten Briefsachcn dorthin riachzusendcn. Die Folge war aber, daß mir meine sämtlichen Korrespondenzen, soweit sie über die Post gingen, drei Wochen lang nicht mehr 7•'•■Begangen sind; inzwischen war auch der Bekannte wieder abgereist. Nach energisclier Reklamation Ausländische Hilfe wäre dringend nötig, denn das Judentum Deutschlands kann ohne Geistigkeit nicht existieren. Da unter den Antworten sechs von zehn von ausländischen Gelehrten starnmen, so richte ich an diese die Bitte, dafür zu wirken, daß wir nicht geistig verkümmern. In ausgezeichneter Hochachtung Hermann Philipp (Franz-Rosenzwcig-Geiliichtnis-Stiftung) hoffe ich nunmehr das Postamt in Tel-Awiw von meiner An- Wesenheit überzeugt zu hoben. Gespannt bin ich aber, welche Weltreisen inzwischen meine Korrespondenzen antreten, bis sic, hoffentlich vor Jahresfrist, den Weg zu mir zurückfimlen- Ich bitte meine Freunde im Inlande zu entschuldigen, wenn ich die ergangenen Einladungen zu Sitzungen dann nicht mehr beantworte. Meine Freunde im Auslande bitte ich, falls sie ihre an mich adressierten Briefe zurückerhaltcn sollten, keinen Schrecken zu!»kommen. Ich bin weder verhaftet, noch heimlieh ausgerüe1 ' sondern wohne nach wie vor Tel-Awiw, R. I’insker 19. Rabb. Dr. Emil Natan Levy Postalisches aus Tel-Awiw Hamburger Kulturbund-Arbeit Der Hamburger Jüdische Kullurbund bot im letzten Monat nur wenige, doch um so gelungenere Veranstaltungen. Als wertvollste das Konzert des Frankfurter O r ־ chesters, das diesmal itn Tempel stattfinden mußte. Dieser Ausnahmefall zeigte solch gutes Ergebnis, daß daraus die Regel werden sollte. Gewisse lokal-religiöse Schwierigkeiten, die schon langst hatten beseitigt werden sollen, müßten in der Schwere unserer Tage unbedingt fallen. Der Tempel bietet für die großen Orchesterkonzerte alle Vorzüge: einen wahrhaft festlichen Rahmen, eine ideale Akustik, die gehobene Stimmung, die für uns günstigste Stadtgegend nsw. Sehr 7.U bedauern ist, daß die demnächst erfolgende Aufführung von Ernest B 1 o c h s ״Awodath Hakodesch“ nicht an einer Stätte des heiligen Dienstes stattfinden wird. — Steinberg brachte als ersten Programmpunkt eine 3- (im Original 4-) sfetzige Ürchestersuitc unseres heimischen jüdischen Toncjichters Robert M ü 11 e r -11 a r t m a n n, gin feingeistiges und interessantes Werk, das besonders in seinem warmempfundenen Mittelteil Lento sehr gefiel. Steinberg und das Orchester nahmen sieh des Stückes liebevoll an und brachten es zu vollem Erfolg. — In Beethovens Violinkonzert verabschiedete sich unsere Hamburger Geigerin Hertha Kahn; sie übersiedelt nächstens nach Brasilien. Sie spielte mit voller technischcr, musikalischer und geistiger Erfassung des unsterbliehen Werkes. Das Orchester hot eine große Leistung, Steinberg begleitete sehr fein und anschmiegsam. — Den Abschluß bildete Tschaikowskys Symphonie pathetique, für den echt nmsikantischen Dirigenten Steinberg das richtige Vortragsstück. Das Orchester ließ alle Klangschönheiten erblühen und die Hörer in Wohllaut schwelgen. Dr. Buxbaum brachte mit seinem Schauspielensemble das Lustspiel riiit Musik ״Meine Schwester und ich“ von Berr und Verneuil heraus. Es war ein heiteres, ungebunden Fröhliches Spiel, dessen Hauptträger Liselotte Cohn und Carl Heinz Jaffe waren. Fritz Melchior, Kurt Appel, Edith Herßlik und Meister Kobler {in einer Gestalt von Hoffmannesker Skurrilität) halfen zu dem vollen Erfolg des Abends. Benatzkys witzige Musik, von Kurt Behrens geleitet und von ihm und Paul Sonnenberg aut zwei Flügeln famos begleitet, zeigten unsere Schau- Spider als mehr oder minder passable Sänger aut dem Gebiet der heiteren Muse. Den richtigen Stil besitzt allerdings nur Edith Herßlik. — In einer Wiederholung der ״Komödie der Irrungen“ war die Rolle des Antipholus von Ephesos mit Klaus Brill neu besetzt. Er fügte sich zwanglos in das Ensemble. Leon Kornilzer Das Israelitische Waisenhaus in Dinslaken teilt mit: Die zahlreichen Zuschriften aus den verschiedensten Kreisen, die uns in den letzten Tagen zugingen, beweisen, einen wie starken Widerhall unsere Absicht fand, in Sde Jaa'tow in Palästina ein neues Jugendlichenheim zu gründen. Um aber Mißverständnissen vorzubeugen, möchten wir betonen, daß wir keinesfalls an eine Schließung oder eine Verkleinerung unseres Hauses in Dinslaken denken. Gerade die Kinder, die bereits irn Dinslakener Heim waren bzw. in Zukunft dort autgenommen werden, sollen zur weiteren Ausbildung nach Sde Jaakow gehen. Fritz Mordechai Kaufmann, dessen 15j;ihrigen Todestages wir in Nr. 25 der ״J. R.“ gedachten, hat im Jahre 1020 die Sammlung ״Die schönsten Lieder der () s t j u d e n“ im Jüdischen Verlag, Berlin, herausgegeben. Wie uns der Verlag hierzu mitteilt, ist vor kurzem eine Neuauflage dieses Buches in kleinerem Format erschienen, die ebenso wie die Erstauflage außer den Noten den jiddischen Text samt deutscher Ueberscfzung und auch Kaufmanns Interprcfation zu jedem Lied enthält. Die zweite Auflage des Buches, die 47 Volkslieder enthält, ist zusammen mit dem M a k - kabi-Liederbuch und ״S c h i r e E r e z Israel“ von Dr. Jakob Schönberg zu einer Kassette hebräischer und jiddischer Volkslieder vereinigt worden. Ein mlsrachistlscher Jugendverein in Amsterdam, Am 22. April wird im Hause Samas, in Amsterdam, Valerius Plein 18, ein Elternabend abgehalten werden, bei dem die Gründung des misrachistischcn Jugendvereins in Amsterdam vorgenommen werden soll. Redner: Rabbiner Ch. Coppenhagen. Auskünfte: Amsterdam-Z., Dufaystraat 3. Breslauer Vorbereitungskurse für palästinensische Lehrer- Seminare. Beginn am 29. April. Aufnahmeprüfung am 28. April, 10 Uhr, im Jüdisch-Theologischen Seminar, Breslau, Wallstr. 14. Paula Ehrenhaus-Ehrens wurde auf Grund ihres sehr beifällig aufgenommenen Vortrags über ״Heinrich Heine und seine Komponisten“, der im Rahmen des Berliner Kuitur bundes gehalten wurde, aufgefordert, in der Berliner B׳ne-Briss-Logc, sowie in verschiedenen süddeutschen Städten zu diesem Thema zu sprechen. ANTWORTEN DER REDAKTION N. S., Berlin. Sie haben recht mit Ihrer Beobachtung. Das in der ״D. A. Z.“ vom 10. April veröffentlichte Bild stellt die Omar-Mosclite in Jerusalem und nicht die Grabeskirche dar. Schach Bearbeitet von J. Mieses Die nachstehende Partie wurde im ״Premier Reserves״* Turnier zu Hastings am 1. Januar 1936 gespielt. Eröffnung! Caro — Kann. Mieses Lenton Weiß Schwan 1. c2—c4 c7—< 6 2. <12 - d t (17—(15 3 S bl—c3 d5X,e4 4. S c3Xc4 S »3 ft, 5. S e4—g3 e7—e5 Geber den Wert dieser Variante sind die Ansichten der Theorctiker geteilt. 6. Lei—c3 c5X<14 7. Ddlxd4 . Line red 11 empfehlenswerte Spielweise. Sie führt, nach dem Dainentausche. zu einer für Weiß etwas iibcile;!■׳ cn S ellung. Um dic-en kleinen Volteil weiter aus- . Und den Lg5—c7 S cl5—c7 .29 ,5״- 6״ ,. Weiß zum min- '1' (18—<17 folgt 27. Ld4—c5. wenn Schwarz darauf, um vereinzelten Bauern auf (15 zu vermeiden, T;18 --(18 erwidert, so 28. Lc5-->16, S <15.!6. 29.1.(18 —07!, T (17, 011, 30. Lf3Xdl, und Weiß gewinnt die Dualität. 27. 1)2—114! 28. 114—115 Nach 28. T hlel erreicht deUen, daß Schwarz < einzehen Hauern nufdE 29. L 13.e2 30. I, (14 — co 31. 115>'fi6 32. T.ll—cl nen »er- «kommt. S c7-.06 S cf>-g7 H7XR6 dazu >\ :11. 11» forderlich. 7. 3. I. c3Xd4 9. 1. fl—,13 10. S ß3 E Damit em den kleine I.ä u fern Snri ״״er. S;i1, ln; I) dB 1. 18 0 0 itieli hrttn; «14 t7׳ eine ׳ er- Di ge art 1e die von W ln, genei irden i sen an■ sti Mal;18 ein m gelülire 11er ab an: cs interr vorn. ei! hf Will׳ •n Vorteil gegen L; 1, d 8 '> 10. ... . Auf 10. Lr8> I. v 7 - if) 18׳ würde 8 1 I $ ' 11. sr, :6 ■rk׳l1/׳ ■s 7 i %, n. 1 < :3. 13 12.;12- •;13! S 1,8 S 6״. 6ח• 5 1 6 £ & j. 4 1 ׳־ i 13. 0 - (') .0 k r« ל 14. T ,!1 - ei: S 16!15 4 י/■ SA 15. I. f5 -g4 L c7!16 , 16. 112—114 S r5 ־;16 t*;׳ 4־>~ 02 .17 18. v4 — vS S 1 ] 5 I. ,16!10 Mt 2 ׳r ־ ' * a 19. K cl —12־ S 1,6- 15׳- 1 ■;( 1 20. S l1׳— f2־ I. f4- ■116 a h c d c i % h 21. S 02 - . 3 S ,,d , 7 22. S c3־X(15 S , 7>;<15 23. I, g-t - 13 . Dm even'ueil I.f3vd5 mit nachfolgendem Tel —«7 zu -pidan. 8!: 18 יי .... .23 24. Tel-dl! n7— a5 -Varl) 24. 1,116 25 .7״. L (14Mg7. K g8'<g7, 26. I. 13־ < (15 würde das Tmmcntkpiel wegen des vereinzelten Bauern auf cl5 liir Weiß giindg stehen. 25. K 2 3־י a5xb4 26. a3Xb4 L 116—g5 Bi« hierher hat sieh Schwarz durchaus einwandfrei veiieldigt. •Sein letzter Zug kommt aber der Absicht des Gegners, even'ueil den 11 Bauern vorzu-mBen. zu sehr entgegen. Es ist freilich kaum noch möglich, einen wirklieh befriedigende״ Zug fiir Schwarz anzugehen. Auf 26. 33, Zuge T hl 1,3' «!1.Dt Telul Sg7 Im. (lie-e Dro'.iin; e uuoci( hende 36. .Nu dar ge! k, 1' 36. 37. 14'/e5 38. Tel--hl 39. g2 -■4״! Dies ist weit '1!13!;3 szuneen.!«1 und falls 4״־. Ge- Schwarz K! 1 le. c5 a? -f8 nach Kort־( 39. . 40. T Bull- 1־ .41 13 Uov Line inXr Bariie.;1-.fl «0. . fl ■ f7, stärker als die .sich ergebenden L f,G—(14 Schwarz gibt auf. , K (8 L0׳. so 117 XD, 42. T 113 •ante und lehrreiche Dr. Moritz, l.cwitt Die Berliner Schachkreise, titul besonders die älteren jüdischen Schachfretmde Berlins, weiden mit Bedauern erfahren, daß Sanitätsrat Dr. Moritz Lew itt am 2. April nach längerem Leiden gestorben ist. Fr zählte in der Vorkriegszeit zu den besten Spielern der Reielisliatiptstadf, In der Zeit von etwa 1905 bis Bll() war er Vorsitzender der ״Berliner Schachgesellsehaft“. In den letzten zwanzig Jahren hat er sich vom praktischen Spiel zurückgezogen und sich nur noch — und zwar mit großem Erfolg -• als Verfasse; interessanter und lehrreicher Fndspiel.-tudicn betätigt. Als solcher ist er unserem Leserkreis wohlbekannt, denn einige seiner letzten Kompositionen sind als OrigmalheiUägc in unserer Sehaclmibrik erschienen. -- Dr. Lew itt hat ein Alter von 73 Jahren erreicht. I HERER Potsdamer StraBc 104 2 LOtzow 0210 gute Lederwaren UNSERE VERKAUfSGISCHAFTE, Ssrffn, TauentzlenstraOe lä tuen! Llmbeckerttraöe 10 Botfium KortvimtroSe 47 Hamburg, Jungferntticg 43 £««en,AmHaU(j1bahnhofl0 Frankfurt. M ז Roßmarkt IS K?'n 0.W1.. Hehr5.'! גיד.'־ V:,),׳??•־rttr.S* Zentrale• Offenbare. M. 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