Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 30-31 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Nr. 30/31, 17. IV. 1936 Wie gestalte i<*l1 den SchaMiat? Für Schabbat, 18. April Wochenabschnitt: ״Sch'mlnl" (3. B. M. Kap. 9, 1-11, 47) I. Unser Wochcuabschnitt erzählt von den Einsetzungsfeierfiehkeiten für Aharon und der Eiiivveihungsfeier für die Stiftshütte. Wir werden für unsere Betrachtung die Erzählung vom Tode der beiden Söhne Aharons hcranrichen und die Motivierung, die für deren Sterben von den alten Erklärem gegeben wird. Eine Zusammenstellung der hierzu geäußerten Ansichten findet sich auf Seite 292 ff. des Kommentars von Professor Hoff mann: Das Buch Leviticus. H. ln unserem Woclieiiahschnitt werden in der Reihe deT R e i 1111 e i t s g e s e 11 e auch Vorschriften über den Genuß erlaubter und verbotener Tiere gebracht. Es ist verschiedcntlieh versucht worden, rationale Gründe für die Speisegesetzgebmig anzuführen. Ebenso häufig jedoch wird die Meinung vertreten, daß gerade diese Teile sich einer nur Verstandesmäßigen Deutung grundsätzlich entziehen. Die wichtigsten Meimm gen zu dieser Frage sind gleichfalls in dem oben erwähnten Buche von Iloffmann zusammengestellt, wo sich auch weitere Literaturangabcn über dieses Problem befinden. III. Bei der Aufzählung der erlaubten und verbotenen Tiere wird viele der etymologische Ursprung der verschicdenen Tiemamcu interessieren. Wir möchten bei dieser Oelegenlieit Hinweisen auf den Kommentar zur Thora _ von Sch. L. Gordoii, der für die meisten Namen überaus iuteressante Ableitungen bringt. Auch für andere Teile unseres Wochenabschnittes ist dieser Kommentar deswegen besonders gut zu verwerten, weil er in einem besonders leichten, m»• dernen Hebräisch geschrieben ist. Als /lafUira wird gelesen: Sclunud fl, Kap. 6—7. Der Zusammenhang mit unserem Wochenabschiiitt ist dadurch gegeben, daß im 7. Vers des Kap. f> von dem Tode des Usa erzählt wird, der unter ähnlichen Umständen erfolgt ist, wie der Tod der beiden Söhne Aharons. I. E. Die Ssefira -Tage Wir haben uns schon das Ictztemal über den naturhaften Charakter des Peßadifesics unterhalten. Wir wissen, daß um diese Zeit in Palästina die Gerste reift und ihre Ernte beginnt. Nach alter biblischer Tradition wurde am 2. Tage des Bestes (in Palästina ist es der 1. Chol ha-Moes-Tag) das E r s 11 i!1 g s o p f e r vom Gerslenschiiitt יומר?' im Tempel dargebracht. Man lese hierzu III. B. M. 23, 10 ff. nach. - Nach talmudischcr Ueberlieferung wurde die erste Gerstengäbe, die im Tempel als Mehlopfer dargebracht wurde, aus dem Jerusalem benachbarten Orte Moza gebracht. Vor der Darbringung des Mchlopfers im Tempel durfte die neue Frucht nicht genossen werden. Die Institution der ,,Ssefira“ beruht darauf, daß man die Tage vom Zeitpunkte der Darbringung des Omer- Opfers, d. 11. vom Vorabend des 2. Festtages bis zum Wochenfest zählt. Es sind im ganzen 49 Tage oder volle sieben Wochen, an deren Schluß das Wochenfest stellt. In späterer Zeit wurden die Ssefira-Tage als Trauer zeit angesehen. Die Legende überliefert, daß den Anlaß hierzu das grolle Massensterben der Schüler R. Akibas gab. So Sollen in "den ersten Wochen der ״Ssefira“ vierundzwanzigtausend jünger R. Akibas an einer Seuche gestorben sein. Das Volk empfand dieses Massensterben als ein großes nationales Unglück, zumal Gefahr für die geistige Führung der Nation bestand. Erst am 33. Tage des Omer-Zählens (ל״ג בעומר) ließ die Seuche nach, wodurch dieser Tag zu den sogenannten aus g e z e i c h 11 e t e!1 Werktage n gehört. Auch die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges des Jahres 1090 fanden in dieser Jahreszeit statt, und sie werden nicht zidet/t dazu beigetragen haben, die Traucrslimmung in den Ssefira-Tagen zu erhöhen und die Trauerbräuche zu erweitern. Es dürfte sich empfehlen, bei dieser Gelegenheit die Zeit der Kreu/ziige, besonders des ersten Kreuzzuges, zu besprechen und manche Bräuche der Ssefira-Tage mit denen sonstiger Trauer/eit zu vergleichen. Neben dem Buche von Zobel ״Das Jahr der Juden“, das uns manche gute Hinweise über den Sinn der ״Omer- Zahlung“ (S. 179) und ״Die Omerzeit“ (S. 184 ff.) liefert, werden wir noch das Jüdische Lexikon an den betreffenden Stellen heranzuziehen haben. - Die geschichtliche Besprechung der Vorgänge der Kreuzzugszeit werden wir an Hand von Duhnow Bd. IV und Elbogcn, Geschichte der Juden in Deutschland S. 28 f. vorzunehmen haben. J. M. Lehrerfortbildungstagung in Bonn Jiddisches Leierkasten-Lied VJC« / DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Vom 30. März bis 1. April veranstaltete der Preußisehe Landesverband in Verbindung mit dem Jüdischen Lehrerverdn für Rheinland und Westfalen in Bonn eine Fortbiidungstaguiig. Die Leitung hatte Dr. Fritz Barnb erg er. Etwa 80 Lehrer waren versammelt. Ein Referat von Dr. Kurt Herz, Düsseldorf, über das Thema ״Der Hachscharah-Gcdanke in der Schule“ schilderte das Verhältnis der Schule zu den Bünden. Die Leitung der Bünde, in Personalunion mit der Leitung der Schule, schaltet jede Rivalität zwischen Schule und Bund aus und läßt beide zu ihrem vollen Recht kommen. Ein Referat von H. H. H a m in erste! 11, Bonn, ergänzt durch die Schilderung einer ganzen Unterrichtswoche, endlich dn Referat von Bernhard Groß mann, Bonn, und eine Aufführung seines Antiocliiisstüeks gaben Kunde von der Bonner Schule, die in ihrer Art vom üblichen wesentlich abwekht. Es ist ihr Problem, rund 90 jüdische Stadtkinder m der Art einer Dorfschule in zwei Klassen zu unterrichten, und sie löst dieses Problem mit den Methoden des Gesamt- Unterrichts. Der Erfolg dieser Methode beruht in der Persönlichkeit der beiden Lehrer. Der Bonner Schultag beginnt — nach einem Friihgottcsdienst der älteren Schiller — mit der ״Morgenfeier“ (Singen und Gedichtvortrag) und wird nach drei Stunden unterbrochen durch die einstiiiiuige ״Turnpause“, eine Kombination von Ruhe und Körperschulung (beim Ulmen Knaben und Mädchen getrennt). Die übrige Zeit gehört dem vom jüdischen Gedanken beherrschten freien Gesamtunterricht, von welchem nur das Rechnen und die hebräische Sprache (bisher wöchentlieh drei, ab Ostern täglich eine hebräische Stunde) ausgeuommen sind. Den Abschluß jeder Woche bildet die ״Schlußfeie!־“. Zur Morgen- und Schfußfeier finden sich alle Jahrgänge der Schule zusammen. Den Inhalt des Gesamtunterrichts bestimmen hauptsächlich das jüdische Jahr, die Jahreszeiten der Natur und wichtige jüdische und andere Geschehnisse der Gegenwart. Im Schuilelk-n wird individueller Freiheit und verantwortungsvollem Gemeinschaftsgeist Raum gegeben, die sich gegenseitig ihre natürliche Grenze setzen sollen. Die Tagung brachte außer grundsätzlichen Ausführungen von Abraham Reinhardt, Köln, zum hebräischen Unterrieht das Referat von Rektor Dr. Stern, Berlin, über den Geschichtsunterricht auf der jüdischen Schule, der schon auf der Essener Tagung 1935 mit einem Bericht von Dr. Klib a n s k y, Köln, im Vordergrund gestanden hatte. Auch von der in Bonn geübten Erwachsenenbildung erhielt die Tagung eine Probe. Statt aller theoretischen Erörterungen führte Landgerichtsrat Dr. Saling er seinen seit anderthalb Jahren bestehenden Bibelkurs vor. Es erregte das besondere Interesse der Sachkundigen, wie sfeh hfer ein Mann, der nicht zur Zunft gehört, aus eigenem eine Methodik ausgebildet hat, die alten jüdischen Kommentare direkt an den Laien heranzubringen. Die nachhaltige und lebendige Wirkung, die er mit dieser ältesten aller jüdischen Lehrmethoden erzeugt, zeigt wieder einmal den Kreislauf allen Methodenfortschritts. Otto Toeplitz Juden und Jüdisches im Rundfunk Freitag» 17. April: StralSLurg (340). 12: U. a. Tumasi: Hebräisches — Bauers (209), 13: 1. a. ()ftcnbadi, MilhuuJ. •— Luxem* Inirf» (1304), 14.25: H. a. Saint-Saens: Samson und Dalila. — Radio Baris (1648), 18.30: U. a. MemleUxdm. — Budape,! 1 (5501, 17.30; U. a. Guldmark, Mendelssohn. — Hilversum I (1875), 22.25: Jerusalem, Oratorium von Winnubst. Sonnabend, 18. April: Stockholm (1389), 16; U. a. Weinberger. —• Luxemburg (131)4), 16; L. a. Mendelssohn; 17.40; U. a. Bruch; Kol Xidre: 18.30; a. Weil!: Dreigrosehenupcr. — Radio I'aris (1648), 21: Oedipus von Enesco-Fleg, Ueberiragung aus der Parix:f Oper. Nach druck verboten Qi. Winawer Alle Rechte Vorbehalten *Afarscfie/erf reimen jrrte- »e /*st jr aS f r ׳ ׳ rte nemf men. \./ T d :-»tK 1 Wir.Wf,• Itsf men - üj- *rf' '* * **■ X J־־ fr״ - JUhfr ־£T” f?z: J3 u-n Met iS i« rrt'i nc ־׳ Ju ■im £ er — . . // e , :■.,.TU de Sä׳ .■׳ i '׳/ f rOO-'E f E l Je ׳% ־e cfrr>Jer / / ju -cr. _ . aniss toft* mir die Pulke Masurka as tanz'n tanz ach sic nischt, umss taii' mir dass Meldete tun Wurke as lieh’!! lieht sie mich nischt, j>j ivei is aste. umss toji’ mir der naier Wulez as tanzen tanz ech ihm nischt, umss fo/g mir dass Meidele tun Schilez as lieh’n lieh( sie mich 1lischt, oj ivei is usu\ (Gehört in Warschau, von einem jüdischen Leierkastenmann, Warschau, Peßaeh ]030. Ch. I Vimuvcr.) Aus der hebräischen Bewegung I’wrc-Tarbut in Hannover. Wohl das Bemerkenswerteste an dieser Veranstaltung war, daß hier zum erstenmal in Hannovei versucht wurde, eine öffentliche Versammlung hundertprozentig hebräisch zu gestalten, und, wie mau aus den einleitenden Worten des Vorsitzenden der Ortsgruppe, R.-A. Gold st ei 11, vernahm, soll diese Veranstaltung der Beginn der Hehraisierung des hannoverschen Gemeindelebens sein, fm Mittelpunkt ries Abends stand das Referat von Dr. Kali‘ k o, der auf die Bedeutung der hebräischen Sprache für die jüdische Kultur im allgemeinen ihr! für den nationalen Aufbau ries Landes im besonderen liinwics. Es war ein großer Erfolg für den in Hannover tätigen paläsliiiensischeii Lehrer Zwi üallibow, daß der grollte Teil der Anwesenden in der Lage war, den hebräischen Ausführungen der Referenten zu folgen. Umrahmt wurde die Veranstaltung von außerordentlich wirksameil Sprechchöreii und hchräisclieu Liedern, für deren Gestaltung sich alle Kreise der hannoverschen Gemeinde zur Verfügung gestellt hatten, fm Anschluß an die Veranstaltung fand noch mit 1 >r, Kalcko die erste Sitzung des neugcgriimleteu Cluig lwii statt. Abraham, Isaak, Jakob, Josef, der Prophet Samuel und König David... Und in dem Frühe Esrog und Lulnv ergreifen und sie nach oben und unten schütteln und nach allen vier Windrichtungen . . . Und in den kühlen Morgenstunden der Ilalbfeierlage bimnisgehen zun! Bache, in die Berge, und reine, frische Weidcuzweigo holen zur Myrthe aus dem Heiligen Lande... Und am großen Tage der Hosehanot die Weidenzweige so lange aut' die Bank schlagen, bis alle Blatter ablallen, wie die Sünden abfielen während der langen Tuge der Buße und Qual ... Und aulbleiben bis Mitternacht und dem Augenblicke aullaueni, in dem sich der Himmel spaltet lind jeder ausgesprochene Wunsch in Erfüllung geht. Und wir zerbrechen uns den Kopf: Was sollen wir uns eigentlich wünschen? Wer weiß es, was er sich wünschen soll? — Und die Krone von allem: Simchat Thora, das Fest der Thora. An dem wir mit Fahnen, die mit Kerzen und Sternen besteckt sind, den Umgang begleiten dürfen. An dem man uns Kinder alle auf einmal zur Thora aufruft, über unsere Köpfe einen großen Tulis ausbreitet, einem Baldachin gleich, und es ringsherum Mandeln und Nüsse und Haselnüsse regnet wie auf einen Bräutigam, wenn man ihn zum ersten Male zur Thora aufruft.., Und zusehen und schweigen, wenn die Großen in tuumliger Freude über die Thora zu spielen beginnen wie die Kinder vor ihrem himmlischen Vgl er. Nehmen sieh gegenseitig dos Gebet aus dem Munde und werfen sich zusammengelegte Talessim an den Kopf. Beb Cheskel mit dem schlechten Gehör, der bei jeder Melodie danchcntrifft, sieht vor dem Vorbeterpult, um das Mussuf-Gcbet anzustimmen, aber in dem Augenblicke, als er drei Schritte rückwärts geht, fängt Heb David das laute Gebet an: aber auch ihm ergeht es nicht besser. Als ihn ein von hinten gegen ihn geschleuderter Talis er* schreckt und verstummen macht, entreißt das Gebet der flinke Reh Fnlik, der es dann fortsetzt... Und die vielen Tänze und Gesänge in Schul und in den Häusern der drei ״Bräutigame der Thora“. Als dann endlich Davids Psalmen nach der Melodie magyarischer Volkslieder gesungen werden ... was mögen sie nur für eine Freude oben empfinden, wenn die Engelcin zum Ilimmelsfenstor herunterblicken und sehen, daß man sich unten mit der Thora wirklich und wahrhaftig freuen kann! VIII. KAPITEL Verflogen war der Zauber der hohen Feierlage. Nach den vierwöchigen Ferien mußten wir zur ״Mittleren Pforte“ zurückkehren. Die Tage werden immer kürzer, und so müssen sie durch die Abende ergänzt werden. Vier Wochen ist viel Zeit. Viel kann rnan da vergessen. Alles muß daher von Anfang an wiederholt werden. Und doch ״sei jeder Tag vor dir, wie wenn er neu wäre“. Wir fingen beim Abschnitt ״Das Gold“ an. Was es da für genaue Vorschriften, Kegeln für die Kaufleute gibt, für jeden erdenklichen Fall! Wann ein Kauf rückgängig gemacht werden kann und wann nicht. Aber selbst wenn es zulässig war, sagte man: ״Wer die Leute vom Zeitalter der Sintflut und vom Zeit aller der Spaltung beim Turmbau zu Babel gestraft hat, wird dereinst auch den strafen, der sein Wort nicht hält.“ Im Falle eine« übermäßig teuren Kuufes oder eines übermäßig billigen Verkaufes dürfe man zurücklreten. Ein Kaufmann von Beruf könne al>er, nach Rnbbi Jehuda, niemals zurücklreten. Denn (Iw Kaufmann dürfe sich nicht irren. Dieser Rabbi Jehuda geht mit den Kauflcuten und namentlich den Händlern überhaupt sehr streng um. Wenn einem Wasser in seinen W'ein beigemischt worden ist, so darf er ihn nicht im Laden ausschenken oder verkaufen, es sei denn, daß er es dem Käufer milteilt. Einem Händler kann er ihn aber auch so nicht verkaufen, denn dieser kauft ihn nur, um damit zu betrügen. Einst holte man Rnbba Wein aus dem Laden; darauf verdünnte er ihn, er war aber nicht schmackhaft. Da schickte er ihn dem Krämer zurück. Abajo sprach zu ihm: ״Wir haben ja gelernt, man dürfe ihn nicht an einen Händler verkaufen, auch wenn inan es ihm mitteilt.“ ״Bei meiner Mischung ist zu merken, daß der Wein mit Wasser verdünnt ist. Der Käufer kann also nicht betrogen werden.“ ״Wenn er aber die Mischung verbessert und noch Wein dazu gießt?“ ״So hat ja die Sache überhaupt kein Ende“, erwiderte Rabba, ״da dürfe man auch kein reines Wasser dem Händler geben, damit er keinen Wein dazuschütte." Beleidigt dachten wir an Rcb Jischok, Reb Cheskel und Reb Dovid, an die drei Schankwirte in unserem Dorfe, die in Riesenfässern Wein in Tausenden von Litern erzeugen. Ist es denkbar, daß sie sich an wenigen Litern Wasser bereichern wollen? Wo doch der Wein bei uns fließt wie Wasser. Und was sagt in der nächsten Mischna Rabbi Jehuda: ״Ein Krämer darf nicht geröstete Aehren und Nüsse unter die Kinder verteilen, weil er sie dadurch anlockt,“ Wir nahmen dies dem strengen Meister ein wenig Übel, da wir das Gefühl hatten, er habe uns persönlich gekränkt. Wir beruhigten uns aber bald, als wir fortfuhren und lasen, daß ״die Weisen es aber erlauben“. Oh, diese Weisen waren bestimmt Feine, edle, alte Herren, die es nicht als unzulässig erachteten, daß der Krämer den Kindern ein wenig Naschzeug, einige Nüsse oder Plätzchen gebe, wenn sie bei ihm einkaufen. Daß er dadurch die kleinen Kunden anlockt? Soll di« Koakurrens auch etwa•׳ springen iaseenl Nun gehen wir weiter: Nach Rnbbi Jehuda ״darf der eine Krämer nicht mit dem Preise liimmtergchcn, da dies unlauterer Wettbewerb ist, —• auf diese Weise wird der Nachlmrkrämer, der vielleicht nicht so billig verkaulen kann, um seine Kunden kommen“. Hasch übertrugen war diese 'Fliese auf die kleinen Kauflcnlc in unserem Dorfe, liier tritt jeder in Wettbewerb mit dem linderen. Man hört ja nichts, anderes von den Bäuerinnen als: ,,Warum gibt’s der Dolfi Billiger?“ ״Warum gißt der Mohnkopf mehr'“ ״Dann geh ich zur Mehlraite!“ Worauf stützen sieh Doll'i, Mohnkopf und Mehlratto, lauter fromme, gollcsfürvhtigc, Bra\e Juden, daß zwischen ihnen die hemmungslose Konkurrenz derart in die Hnltne schießen konnte? Fieilich lautet die Antwort: die Weisen! Oh, diese Weisen, die stets anderer Meinung sind! Auch in diesem Falle, in Bezug auf den Wettbewerb, sagen die Weisen, daß ״er gesegnet sei!“ Gesegnet sei, wer die Preise hcrabselzt, damit die Käufer die Ware billiger erstehen können. Freilich, wir alle waren im reinen damit, daß das, was Rnbbi Jehuda sagt, und das, was die Weisen sagen, ״dieses und jenes Gottes lebendiges Wort ist“. Was als wirklich lebende Wahrheit aufrecht bleibt, wird der Prophet Eiijahu entscheiden, wenn er am Ende der Tage erscheint. Er kann es aber auch gleich entscheiden. Denn er kann in jedem Augenblick in irgendeiner Gestalt erscheinen. Wir fanden cs durchaus natürlich, daß irdische Menschen mit himmlischen F.ngcln verkehren, und daß der wundertätige Prophet Eiijahu plötzlich bald da, bald dort aultaucht, den auf Erden Wallenden die Meinung der llimmelshewohrier kundtut, den Armen in ihrer Not, beisteht., Märtyrer von ihren Leiden erlöst und allenthalben die Pfade des Messias ebnet... Rabba bar Avuha begegnet Eiijahu auf dem Friedhof der Heiden, lasen wir in der ״Mittleren Pforte“. ״Der Meister ist doch ein Kohen, wie darf er einen Friedhof betreten?“, fragte Rabba. Da lehrt ihn Eiijahu die halnchische Bestimmung, daß der Kohen bloß einen jüdischen Friedhot nicht^ betreten dürfe, dagegen »oi dies bei einem heidnischen Friedhof gestattet. Nachher geieitel Rabba Eiijahu nach dem Garten Eden, wo er von einem Baume des Paradieses einige Blätter pflückt und in ein Tuch legt. Da ruft, eine Stimme: ״Wer trägt seinen Anteil vom Jen- »eits fort?“ Da streut Rabba erschrocken die Blätter aus dem Tuch, doch bleibt an diesem der überirdische Duft haften, so daß er es einem Kunstsammlcr für zwölftausond Golddinar« verkauft und das Geld unter die Armen verteilt. (Fortsetzung folgt.)