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Jüdische Rundschau · 1936-04-10 · Heft 29 (10.4.1936) · page 19

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 29 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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JÜDISCHE RUND9GFWB NR.?9, TO. APRIL 1936 B % Aus der Repräsentantenversammlung (Offizieller Bericht) Seder in Theorie und Praxis Zahlreiche jüdische Menschen haben auch in diesem Jahre wieder festliche Sederabende begangen. Einem großen Teil derjenigen, die infolge ihrer Lcbensuinständc oder nicht genüeenden Vertrautheit mit der Tradition nicht selbst ihren Sedcrabend veranstalten konnten, boten die zahlreichen Oemeinschaftsseder-Abende Gelegenheit, diesen einzigartigen jüdischen Abend nicht vorübergehen lassen zu müssen. Wir konnten wiederum, wie auch schon in den vergangenen zwei Jahren, einem der beiden großen Sederabende des Synagogen Vereins Fricdenstempel beiwohnen, die abwechselnd von Dr. Joachim Prinz und Dr. Max N u ß b a u m und Oberkantor Neumann abgehalten wurden. Mehrere hundert Menschen im festlich erleuchteten Saale des Logenhauses, an wundervoll gedeckten Tischen, von denen große Kerzen eine Art Familienatmosphäre ausstrahlen -- dieses Bild ist immer wieder faszinierend. Es ist rührend mitanzusehen, mit welcher Eifrigkeit sich viele dieser Menschen bemühen, dem schnellen Vortrag der Haggada zu folgen, und mit welcher Wißbegier sie die erläuternden Bemerkungen des Rabbiners aufnehmen. Vielleicht gellt von solchen Ocineinschaftsveranstaltungen einmal ein neuer Traditionsgeist aus, der den Menschen die Kraft gibt, nicht nur passiv teilzunehmen, sondern selbst einen Sedcrabend zu gestalten. Die Theorie ging diesmal nicht der Praxis voran, sondem umgekehrt. Am 8. 4. sprach im Kulturbund Dr. Irmgard Schüler über die künstlerische Ausgestaltung der Haggadoth. Der Vortrag blieb aber erfreulicherweise nicht im rein Kunstliistorischen stecken, sondern führte an Hand der schönen alten Handschriften und Drucke tief hinein ins Kulturhistorische und auch in die Praxis des Seders, wie sie aus den vorhandenen Illustrationen abzulesen ist. Die Lichtbilder, die den Vortrag begleiteten, waren eine vorzügliche Illustration nicht mir zu den geschichtlichen Betrachtungen, sondern auch zum eigenen Sedcrerlebnis, das ja noch kaum verklungen war. N. Das Elternhilfswerk für die jüdische Jugend hielt am 5. März seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Es war eine Neuwahl des Vorstandes erforderlich geworden, da sich einige Vorstandsmitglieder gezwungen sahen, aus persönlichen Gründen ihre Acmtcr zur Verfügung zu stellen, darunter auch der 1. Vorsitzende, Rechtsanwalt Schwarz, und die bisherige 1. Kassenführerin Frau M i d a s. Walter Call m a 11 n sprach dem ausscheidenden Vorsitzenden den Dank für seine dem EHW. geleisteten Dienste aus. Zum 1. Vorsitzenden wurde einstimmig Senatspräsident i. R. Dr. Spittel gewählt, zum Kassenwart Herr Emil F r i d h e r g. Auch dem erweiterten Vorstand wurden neue Kräfte ge- Wonnen. Für Ludwig Holländer veranstaltete der C.-V. am 5. 4. eine Gedenkfeier, hei der der Stellvertreter des Vorsitzenden, Dr. Ernst H e r z f c 1 d, Essen, in einer kurzen An- Marache des Wirkens des Verstorbenen gedachte. Dr. Franz Eugen E u c h s, Berlin, legte ausführlich den Weg und die Arbeit Holländers dar. Der Aufbau der Organisation des C.-Y: ist zu einem großen Teil sein Werk. Der Vortragende hob auch hervor, daß Holländer bereits vor 1033 die positive Arbeit für Palästina bejaht habe. Dr. Hans R c i c h m a n n, Berlin, vertiefte das Bild durch die Wiedergäbe einiger charakteristischer Stellen aus Holländers Reden und Aufsätzen. Ein Streichquartett des Kulturbunds gab der Feier einen würdigen musikalischen Rahmen. -nn. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Stern, cröffnete die Sitzung vom 26. März und widmete dem in Palästina verstorbenen früheren Mitglied der Versammlung, Dr. Max Mayer, Worte des Gedenkens; er gedachte ferner des Verlustes, den die Gemeinde durch den Heimgang Hermann Falkenbergs erlitten hat und sprach dem Mitglied der Versammlung, Herrn B a r u c h, anläßlich des Todes seines Sohnes Worte der Teilnahme aus. Aut der Tagesordnung stand zuerst die Vorlage des G.-V., durch welche die Zahl der Gemeindevorsteher von 12 auf 7 herabgesetzt werden soll. Zur Begründung nahm das Wort Gcmeindevorsitzender Heinrich Stahl: Es sei bekannt, daß der G.-V, durch Schreiben des Herrn Staatskommissars der Hauptstadt Berlin aufgefordert worden ist, die Zahl der Gemeindevorsteher entsprechend dem Gesetz vom 23.7.1847 wieder von 12 aut 7 herabzusetzen. Die Durchführung dieser Auflage hat erforderlich gemacht, daß mehrere Herren aus dem Gemeindevorsfand ausscheidcn mußten. Ausgeschieden sind Dr. Hirsch durch seine Auswanderung nach Palästina, Dr. Walter Alexander aus Gesundheitsrücksichten, ferner die Herren Kammergerichtsrat W o 1 f f, Wilhelm Graetz und Bruno W'oyda. Ich habe bei der Neuzusammensetzung des Gemeindevorstandes Wert darauf gelegt, den Wünschen, die in letzter Zeit sowohl im Gemeindevorsfand als auch in der Rcpräsenfantenversammlung sowie auch in anderen Gremien eine Rolle gespielt haben, zu entsprechen, und ich habe demzufolge einen Gemeindevorsfand zusammengestellt, der aus drei Zionisten, drei Religiös-Liberalen und einem Konservativen besteht. Die Verhältnisse liegen so, daß wir alle die Aufgabe haben, an Auswanderung zu denken und namentlich unserer Jugend die Möglichkeit zu geben, irgendwo sich anzusiedeln, damit sie vorwärtskommen und eine Existenz finden kann. Die Gemeinde wird Ihnen nicht nur für jetzt, sondern auch für die Zukunft dankbar sein, wenn Sie nur dem einen hohen Gedanken nachgehen, für die in Berlin gebliebenen Juden weiter zu arbeiten und auf geregelte Auswanderung hinzuwirken, in erster Linie auf eine Ansiedlung in Palästina. Auch der Gemeinde- Vorstand und die Repräscntantenversammlung haben die Aufgäbe, an der Erreichung dieser Ziele mitzuarbeiten. R.-A. Kozower: ich möchte namens meiner Freunde einmal den ausgeschiedenen Herren den Da/ik aussprechen für die Arbeit, die sie sachlich geleistet haben, auch wenn sie aut einem anderen politischen Standpunkt standen. Wir danken auch dem Gemeindevorsitzenden dafür, daß er diese Angelegenheit so schnell und reibungslos ohne zeitraubende Verhandlungen erledigt hat. Gestatten Sie, daß ich hiermit gleichzeitig dem Gemeindevorsitzenden auch dafür danke, was er im Wohlfa 11 rts wesen und in der Winter- Hilfe geleistet hat. Ich glaube im übrigen, aus den Worten des Herrn Gemeindevorsitzenden ergab sich, daß er nun durch diese Zusammensetzung des Vorstandes den Anfang gemacht hat mit der Erfüllung der Vereinbarung vom 7. November 1935, daß er also das Kompromiß als bestehend ansieht. Ich glaube, daß die Zusammensetzung des Vorstandes in dieser Art, nämlich 3 :3 s 1, der Anfang der Erfüllung des Kompromisses ist. Ich sage bewußt: der Anfang; denn die Zusammensetzung des Vorstandes allein bedeutet noch nicht die Erfüllung der Vereinbarung, wie sie getroffen worden isf. Wir alle wollen im gemeinschaftlichen Geist Zusammenarbeiten, aber ich denke an die Verteilung der Dezernate und an die Durchsetzung des Gemeindekörpers mit unseren Menschen. Ich hoffe, daß wir in diesem Geiste Zusammenarbeiten, vor allem am Aufbau von Ercz Israel. Dr. Fleischer: Auch wir haben den Wunsch, unserem Vorsitzenden den Dank auszusprechen für das, was er sichtbar und unsichtbar für die Gemeinde tut. Rechtsanwalt Kozower sprach von dem Anfang, wir hoffen, daß mit diesem Fifty-Fifty-Prinzip, das uns nicht sehr wesentlich erscheint, nunmehr auch das Ende dieser ״Berechnungs-Arithmetik“ gekommen ist und das rein Sachliche in den Vordergrund tritt. Unsere Freunde werden alles tun, damit unsere Gemcindcarbeit möglichst entpolitisiert wird. Wir hoffen, daß es aut dieser Basis zu einer gemeinsamen Arbeit mit uns kommt, und daß mm endlich bei der Besetzung der einzelner! Stellen dieses Berechnungsprinzip ausgcschaltet wird. Bei Anwesenheit von 36 Mitgliedern wird die beantragte Statutenänderung sowohl in erster als auch in zweiter Lesung widerspruchslos angenommen. R.-A. Stern dankte ebenfalls den atissclteidendcn Herren und hofft, daß sie bei allen Fragen, die dies Gremium heschäbigen, weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auf die Anfrage des Herrn K r e i 11 d I c r wegen des zu errichtenden Wohnheims erklärt Herr Rosentbal, daß mehrere Projekte geprüft würden, eine Vorlage werde der Versammlung demnächst zügelten. Bei der Vorlage betr. der Zuwabl konservativer Mitglieder in den Schul- und Talnuid-Tboravorstaml widerspricht 1 GR. Rau grundsätzlich einer Zmvahi konservativer Mitglieder in diese Kommission, da die K<mservati\en auch in der R.-V. nicht durch ein einziges Mitglied vertreten seien. Dr. G 11 t tu a n n beantragt die Finset/nm; einer gemischten Deputation, weiche die Mitglieder/ahl der zu sehr angewachsenen und dadurch arbeitsunfähig gewordenen Konimissionen prüfen und evtl, hcrahset/cn solle. Herr Marcus anerkennt Herrn!«!an gegenüber das Recht der Religiös-Konservativen, im Schulvorstand vertreten zu sein, hält aber eine Verkleinerung der Ausschüsse ebenfalls für erforderlich. Der Antrag Dr. Gutmann wird e i n s t i m - t11 i g angenommen, die Wahl seihst bis nach der Arbeit der gemischten Deputation vertagt, in welche aus der R.-V. die Herren W. Marcus, Jaulus, Dr. Gutmann, Stichel, Kaufmann, A. Marcus ,gewählt werden. In der ״Samson und Dalila“-Aufführung des Kulturbundes hörten wir Susanne Loewenstcin als Dalila. Sie blieb der Rolle weder schauspielerisch, noch stimmlich etwas schuldig, sang und spielte mit viel Temperament und bildete wirklich den Mittelpunkt der Aufführung, obwohl das Zusammenspiel mit Max Mansfeld (Samson) ihre Rolle nicht erleichterte. f>en Oberpricstcr gab Siegfried Urias im Ton wie in der Gebärde charakteristisch und würdevoll. Dr. Kurt Singer dirigierte die Aufführung selbst mit Schwung und Temperament und besonders in der Führung der Chöre anerkennenswert. oe. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Sonnabend, den 11. April 20.30 Uhr BZV-Heim Neukölln, Jlgerstr. 6 Onag Schabbat Dr. Leo Schetek Hermarmplatz Mittwoch, den 15. April 20.30 Uhr BZV-Heim Landsberger Str. 87 Palästina im Bildes (MonaUschau 4 and 5) Friedrich shaia Mittwoch, den 15. April 20.30 Uhr BZV-Heim Kanistr. 54 Gruppenveranstaltung mit neuester Pnlnstina-Monnhwchao Savignyplata׳ Sonnabend, den 18. April 20.30 Uhr BZV-Heim Landsberger Str. 87 Abend des Hagibor-Studio. Karten tu RM —.60 und 1.— im Vorverkauf bei: Feig, Strausbergef Str. 24, Salingnr, Neue Konlgutr. 74, Haubenstock:, Goldapar Str. 9a. Friedrich shain Sonnabend, den 18. April 20.30 Uhr BZV-Heim Brückenstraße 9 Oneg Schabbat Südoat Mittwoch, dan iE. April, *0.30 Uhr Loganhaus, W •>, KlalstatraBa 10 Dr. S. SPIRO ״Die ärztliche Arbeit des Berliner Palistinaamts“ Dr. G. JOSEPHTHAL ״Innere Fragen der Hachscharah“ tfnkottanbaltrag 30 Rpf, (für Mitglieder der Aerztegesetlschaft frei) Aerzlegeaellschaft I0r Palästina der BZV. 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