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Jüdische Rundschau · 1936-04-10 · Heft 29 (10.4.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 29 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 Nr. 2» / Jahrgang 41 JÜDISCHE Preis 25 Rpt, RUNDSCHAD 8d1rlfüeitu1)g,Verlag n. AnzelfenwrwalhiBgi B«rlInW15,Meln*ko«tr. 1# Ftrnrafi Semmel - Nummer J 1 (Blimarck) 90S1• — Bezugspreis einschl. Bestellgeld je Mottet KM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung KM 1,89 b*w. RM 5.39. — Postscheck - Konten der Vortriebs ־ Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin', Berlin!7392 (für des übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch aul Nachlielerung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beiugsgebiihren. — Erscheint Jeden Dlemtag «gd Freit«%. BERLIN י״ח ניסן תרצ״ו FREITAG, 10. APRIL 1936 GWtSgs AnzelgenpreUUate Nr. 4. Die tl gespaltene mm-Zeile 20 Rpf, fßt Familiennachrichten 15 Rpf. Aufnahme von Anzeigen an bestimmten!•gen oder Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Gelegenheit■- anzeigen nur bei Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Donnerstag 9--18 Uhr, Freitag 9—16־ Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgäbe Mittwoch!3 Uhr. (Für Familienanzeigen am lag vor Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt fOr das )Ddlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Arabische Delegation nach London Jerusalem, 3. April. High Comtnissioner Sir Arthur Wauchope empfing eine Delegation arabischer Parteiführer und übermittelte ihnen eine Einladung des Colonial Office, eine arabische Deputation von sechs Mitgliedern nach London zu senden, um direkte Verhandlungen im Zusammenhang mit dem geplanten Legislative Council zu führen. Der High Commissioner informierte weiterhin die arabischen Führer darüber, daß die Frage der Landverkäufe und Einwanderung ebenfalls Geenstand der Unterhandlungen sein werde. Die arabischen ührer nahmen die Einladung an und baten, daß auch ein christlicher Araber die Delegation begleiten könne. Die arabische Abordnung wird in London in einigen Wochen erwartet. Dem Empfang wohnten von arabischer Seite Ragheb Bev Nashashibi, der Führer der arabischen Verteidigungspartei, Dschemal Effendi ei Husseini, der Führer der Arabischen Partei, sowie die Führer der übrigen arabischen Gruppen Abu K h a d r a, Abdul S a 11 a h und Yacoub G h u s - sein bei. In der Unterredung mit der arabischen Delegation gab High Commissioner Sir Arthur Wauchope als Grund für die Einladung des Colonial Office die Tatsache an, daß die Juden eine entschlossene oppositionelle Stellung gegen den Plan einer Einsetzung eines Legislative Council in Palästina einnehmen. Sir Arthur Wauchope erklärte, Mr. Thomas habe ihn ermächtigt, zu sagen, ״die von ihm empfangene jüdische Deputation habe starke F. i n w ä 11 d e gegen die Schaffung eines Legislative Council im gegen wart i g e n Zeitpunkt erhoben und er würde eine entsprechende Gelegenheit, den arabischen Standpunkt zu hören, begrüßen“. Mr, Thomas erklärte telegraphisch, er habe erfahren, daß die arabischer! Parteien im allgemeinen den Legislative Council auf breiterer Grundlage errichtet sehen wollen, als von der Britischen Regierung vorgesehen, und daß sie nur gewisse Aenderungen forderten; er erniächtige daher Sir Arthur Wauchope, die Delegation einzuladen. Sir Arthur Wauchope war der Ansicht, daß die Delegation aus nicht mehr als 6 Personell bestehen solle; er betonte, daß die zur Diskussion stehende Frage von hoher politischer Bedeutung sei und die endgültige Entscheidung bei der Britischen Regierung liege. In Beantwortung einer Frage erklärte Wauchope, daß es der Delegation auch freigestellt sei, ihre Ansicht über die Boden- und Einwanderungsbestim m u n g e 11 zu äußern; doch die Hauptfrage sei der L e g i s 1 a t i v e C o u 11 c i I. Vor dem Empfang der arabischen Führer hatte der High Commissioner eine längere Unterredung mit David Ben G u r i o n, mit dem er die wichtigsten Fragen, die im Mittelpunkt der Palästina-Politik stehen, durchsprach. Die arabische Presse Palästinas kommentiert die Einladung der Delegation nach London. Die Zeitungen ״A 11 iw a“ (Muftipartei), sowie ״Fa lest in“ (Naschaschibis Organ), begrüßen die Einladung mit Genugtuung. Die radikale Zeitung ״Aldifaa“ dagegen beklagt es, daß das Verhändlungsgcbiet der Delegation auf die Frage des Legislative Council beschränkt ist; die Zeitung bedauert, daß die Delegation sich nicht nach London begibt, wie es die Syrer taten, ״nachdem i '11ruhen im Lande stattgefunden haben“. Die unabhängige Zeitung ,,Alislamia“ kritisiert scharf die Annahme der Einladuiig. In der jüdischen Presse wird betont, die Einladung sei ein Hinweis darauf, daß die Regierung den ganzen Plan des Legislative Council nochmals in Erwägung ziehe. In ״Davar“ und ״Pal es ti ne Post“ wird zum Ausdruck gebracht, daß, wenn die Regierung wünscht, eine Frage von hoher politischer Bedeutung für Palästina zu entscheiden, eine offizielle Einladung auch an eine jüdische Delegation ergehen müsse. Wie berichtet wird, wird sich die arabische Delegation am 4. Mai nach London begeben. Die Ernennung der Mitglieder der Delegation findet auf einer Konferenz der arabisehen Parteiführer statt. (Palcor.) Bündnis Irak — Saudi - Arabien In Bagdad ist zwischen dem Irak und dem Königreich Saudi-*Arabien ein Bündnisvertrag unterzeichnet worden. Der Vertrag steht den anderen mohammedanischen Ländem zum Beitritt offen. Ueber den Wortlaut des Bündnisvertrages w׳urdc in London mitgeteilt: Alle Streitigkeiten, die viele Jahre hindurch in den Grenzgebieten der arabischen Reiche zu blutigen Auseinandersetzungen führten, sollen künftig nur noch auf friedlichetn Wege beigelegt werden. Es ist ausdrücklich vorgesehen, daß der Artikel 17 der Völkerbundssatzung in Anwendung kommen kann, obwohl Arabien nicht Mitglied des Völkerbundes ist. Die vertragschließenden Staaten verpflichten «rieh nicht nur, Angriffe eines dritten Staates gemeinsam abzuwehren, sondern sich auch gegenseitig im Falle eines Aufruhrs im eigenen Lande zu unterstützen und alles zu tun, um zu verhindern, daß die Aufständischen das Nachbargebiet als Zufluehtsstätte benutzen. Ein Austausch von Erz. iehungs- und Militärm i s s i o 11 c n ist verabredet worden, und die k ö n s u I a r i - sehen Vertreter in den fremden Ländern sollen auch die Interessen des anderen vertragschließenden Staates wahrnehmen. Verhandlungen sind im Gange, das Jemen-Gebiet in das Bündnis mit hineinzubringen. Um uns und in uns Bewegung in der arabischen Welt — Palästinensisch-arabische Delegation — Zum ״Phönix“- Zusammenbruch — Aulerstehung und Sammlung Die Bewegung in der arabischen We 11, die seit Beginn des italicnisch-abessinischen Konfliktes und der damit verbundenen Spannung im östlichen Mittelmeer ein rascheres Tempo angenommen hat, hält unvermindert an. In Kairo und in Paris werden zu gleicher Zeit Verhandlungen geführt, die an beiden Orten das Ziel haben, die Selbständigkeit zweier wichtiger Tcrritorien des Nahen Ostens zu erhöhen und den Forderungen der nationalen Unabhängigkeitsbewegungen in diesen Ländern entgegen zu kommen. Dali dabei gewiß noch große Schwierigkeiten zu überwinden sind, liegt auf der Hand; erst vor wenigen Tagen hat ein Zusammenstoß im südlichen 1 ibanongebiet erneut Tote gekostet. Die Aktivität der selbständigen arabischen Staaten ist ohne Zweifel auch für den Fortgang dieser Verbandhingen wichtig. Zw ischen den beiden wichtigsten Mächten der arabischen Halbinsel, dem Nedschd und Hedschas unter der Herrschaft Ihn Sauds und dem Königreich Irak ist soeben ein B ii!1 cl nis vertrag zustande gekommen, dessen Bedeutung für die Entwichhing der arabischen Politik nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, ist es hier doch gelungen, die beiden — wie es zeitweise schien .- unversöhnlichen Gegner im arabischen Lager nicht allein an den Verhandlungstisch zu bekommen, sondern auch ein Bündnis zwischen ihnen herzustellen. Bekanntlich regiert im frak ein Mitglied der H aschimitenfamilie, ein Enkel jenes Königs Hussein, der sein Königreich Hedscbas an Ihn Saud verlor. Bei diesen Kämpfen handelte es sich nicht allein um die Austragung dynastischer Gegensätze, sondern auch um einen religiösen Zwiespalt zwischen den eine Art von Puritanertum repräsentierenden VC'ahabis des Nedschd im Inneren Arabiens und den eine weit laxere religiöse •Auffassung vertretenden Mohammedanern der arabischen Randgebiete. Wenn heute der Enkel jenes Königs Hussein, der auf dem Thron des Irak sitzt, mit Ihn Saud zu einem Bündnis gelangt, so bedeutet dieser Schritt ,ohne Zweifel einen W e 11 d e punkt in d e r arabisehen Politik. An dieser Tatsache mag nicht zuletzt auch der Umstand beteiligt sein, daß in Zentralarabien von Ihn Saud der Versuch unternommen worden ist, eine Kolonisation der mehr oder weniger nomadischen Stämme durchzufülue!1 und dem Lande die Errungenschäften der technischen Zivilisation zu etscliüclkn. Dadurch muß zwangsläufig eine gewisse Annäherung des Lebensstandards au die Verhältnisse in den arabischen Randgebieten eintreten mit der Notwendigkeit, in einen engeren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontakt zu diesen zu gelangen. Mesopotamien, das Gebiet des heutigen Königreichs Irak, das noch bis vor kurzem das Einfallsgebiet der räuberischen Wiistcnsiämme war, wird so allmählich in den Augen der Bewohner von Intierarabien aus einem Raubgebiet, dessen Reichtiimer locken, zum Partner, den man bei der Entwicklung der eigenen Heimat braucht. Wie zugleich gemeldet wurde, ist an die übrigen arabischen Staaten die Einladung zum Beitritt in dieses Bündnis ergangen. Es schweben bereits ernsthafte Verhandlungen, die den Beitritt Jemens zum Ziele haben. Bekanntlich ist dieses Gebiet, das von den Wahabiten erfolgreich bekriegt wurde, in starker politischer Abhängigkeit von Ihn Saud. Eine j e men i sehe Delegation wird sich demnächst nach dem Irak begeben. Was nun die Rolle Englands im Rahmen dieser Entwicklung anbelangt, so darf man sic nicht unterschätzen. Gewiß ist Ihn Saud ein völlig unabhängiger Fürst, der aber dennoch stets verstanden hat, die große Machtposition richtig einzuschätzcn, die England im Vorderen Orient besitzt, und der es vermied, in einen offenen Konflikt mit England zu geraten. Erst vor kurzem erfuhr man, daß Ihn Saud englischen Wünschen entgegenkam, die auf Schaffung von Z w i s c h c n I a!1 d e - platzen für die Luftlinie nach Indien innerhalb seines Gebietes hinaustiefen. In seiner nächsten Umgebung lebt Sir John Philby, ein zum Islam iihergetretener Eng- Linder, der gewiß kein Vertreter der offiziellen englischen Politik ist, aber dennoch nicht ohne Einfluß in dieser Richtung sein dürfte. Das Zustandekommen des Bündnisses zwischen Saudi-Arabien und dem in außenpolitischer Hinsicht von England abhängigen Irak gewinnt dann noch größeres Interesse, wenn man an das Zustandekommen eines anderen Orientblockes denkt, der sich in letzter Jüdische Privatschulen gestattet Ein nauer Schulcrlaß Reichsminister Rust hat durch Erlaß vom 4. April d. J. angeordnet, daß voin Schuljahr 1936 ab Lernanfäuger in privaten Vorschulen und Vorschulklassen nicht mehr aufgenommen werden dürfen. Auf private jüdische Vorschulen und Vorschulklassen findet der Erlaß keine Anwendung. Diese Nachricht ist für das jüdische Schulwesen insofern von Bedeutung, als der größte Teil der vorhandenen jüdischen Grundsehulklasscn zu der Gruppe der privaten Schulen gehört; daneben gibt es natürlich auch eine Anzahl von ürundschulklassen in öffentlichen jüdischen Volksschulen. Ein Teil der Jugendlichen, die neu in das schulpflichtige Alter getreten sind, werden somit jüdische Schulen besuchen können, soweit Unterbringungsmöglichkeiten .vorhanden sind. Die übrigen sind vorläufig auf den Besuch der allgemeinen öffentlichen Schulen angewiesen. Jüdische Delegation bei Eduard VIII. London, 2. April. (JTA.) Der König von England, Eduard VIII., empfing eine Abordnung britischer Juden im Buckingham• Palast, die ihm im Rahmen eines größeren Empfanges von Abordnungen großer englischer Organisationen vorgestellt wurde. Der Deputation, die vom Präsidenten des Board ot Deputies of British Jews, Ncville Laski, geführt wurde, gehörten der Präsident der Anglo Jewish Association, Leonard M o n t e f i o r e, sowie Sir Osmond d’Avigdor Q o I d s in i d, Lady S p i c I in a n, Sir Isidore Salmon und L.ioncl de R o t h s c h i 1 ü an. Lioncl de Rothschild verlas im Aufträge der Abordnung ein; Huldig 11 ngsadrcssc an den König. König Edu- 3ra antwortete in allgemeinen Ausführungen, auf die Huldifungsadressen der jüdischen und der anderen Abordnungen. r übergab sodann jeder Deputation eine schriftliche Antwort, ln der an die jüdische Delegation gerichteten Erwiderutig wird der Dank für die Teilnahme anläßlich des Ablebens König Georgs und für dje Glückwünsche der Juden zur Thronbesteigung ausgesprochen. Das Komitee für den Koni g -Ge oyg- Jubiläumswald erhielt eine Spende von 4000 Pfund von kanadisehen Juden, um in dem jetzt als Gedächtniswaid für den verstorbenen englischen König geltenden Forst Bäume auf ihren Namen zu pflanzen. ״Die Juden Gesetzgebung abgeschlossen“ Erklärung Reichs minister Franks in Rom Die ״Nationalzeitung“ in Essen veröffentlicht einen ausführlichcn Bericht über den Vortrag, den Reichsminister I>r. Frank vor dein faschistischen Knlturinstitnt in Rom über ״Gesetzgebung und Rechtspflege des Nationalsozialismus“ gehalten hat. In diesem Bericht heißt es u. a.: ״Nachdem Slaaisl,cgrilf und Ge-elFelial'l-Ix-griff umgewertet sind, mußte, wie l)r. Frank des weiteien erklärte, auch der Volksb c g r i f i eine t'unverlung erl,ihren. Gerade sic 11:11,e dem National- Sozialismus in der Welt die meisten Mißverständnisse eingetragen. Dr. Frank ging in diesem Zusammenhang eingehend aul die rass i s c!1 e V ס i k s! e h r e de.- Nationalsozialismus ein und hob h<־rvor, daß wallte i’olitik nicht aus dem Augenblick komrnen kenne, sondern die (;tobe I'olilik, wie der Führer sie sieh denke, mit Jahrhunderten und Kontinenten rechne. A11 die Lösung der J u tl e 11 - frage sei Deutschland in aller Form des Recht, um! rler ge-elzliehen Sicherung hentngegaiigen. Die J u d e n g c -x e t z g e btt n g sei vollendet und abgeschlossen, lös müs-e fcäge.-lclll werden, daß heute noch in Deutschland eine halbe Million Juden leben, denen nicht der geringste Schaden zugciiigt werde.“ Botschaft von Staatssekretär Hüll Der amerikanische Staatssekretär Cordcll Hüll übermittelte Dr. Wise ein Schreiben, in dem er die Bcstrebungen der U. P. A., 3(4 Million Dollar aufzubringen, rühmt. In dem Schreiben heißt es u. a.: ״Die Existenz eines Jüdischen National heims in Palästina ist für viele Juden, die in dieser schweren Zeit Zuflucht suchen müssen, eine Quelle der Ermutigung und des Trostes. Alle sind sich darin einig, daß es ein äußerst selbstloses 1111 tl nachahmungswertes Werk ist, Zuflucht für heimatlose Juden im Heiligen Lande zu schaffen. Es ist meine aufrichtige Hoffnung, daß Ihre Bemühungen in diesem lobenswerten Unternehmen erfolgreich sein werden.“ (Palcor) Wegen der Feiertage erscheint die Ausgabe Nr. 30/31 am Freitag, dem 17. April Fam i 11en־NachrIchten nehmen wir bie zum Tage vor Erscheinen gegen Mittag entgegen

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