Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 K1NDER-RUNDSCHAU Seite 7 die Siedlung, von der uns die zweite Strophe des Liedes erzählt. ״Die Männer Deganiahs fm Schweiße ihres Angesichts../‘ Der kleine schwarze Punkt Ist nicht nur ein kleiner Punkt, so sieht er nur auf der Landkarte aus. In Wirklichkeit ist es eine wunderschöne Siedlung mit vielen schmucken Häusern und bunten Gärten. ״Deganiah“ lebt. Es wächst, wird größer und schöner und älter. Es ist aber noch jung, dies kleine Dorf Deganiah, denn erst vor wenigen Wochen hat es seinen 25. Geburtstag gefeiert. Vor 25 Jahren stand da wohl erst ein kleiner Haufen von Zeiten und weit und breit kein Baum noch Strauch. Da kamen die Männer Deganiahs und bauten. Sie ackerten und pflügten den Boden und streuten Samen in die Erde, und nach und nach sahen sie ihren Lohn: rings um Deganiah war nur noch ein großes Meer von wogenden Getreidefeldern ־— Weizen, lauter x s Kf«nereffe * Set Weizen. Viel Schweiß hat es gekostet, bis es soweit war. Uno viel Schweiß kostefs auch jetzt jedes Jahr. Immer wieder müssen die Männer Deganiahs die Felder bebauen, damit die jüdischen Kinder in Palästina Weißbrot essen können. Nun werden die Gewitzten unter euch sagen ״ .־Pah, arbeiten müssen ja alle Bauern. Da tun die Männer von Deganiah nichts Besonders.“ Da habt ihr recht. Und wiederum auch nicht. Denn dort, am Kinnereth, in Deganiah, ist es ganz furchtbar heiß. So heiß, daß ihr euch gar keinen Begrift davon machen könnt. Auch diese Weisheit habe ich aus unserem Lied gelernt, denn ״dort ist das Licht der Sonne siebenmal größer“. Nirgends in Erez Israel ist es so heiß wie am Kinnereth. Und, sagt selbst, 50 Grad im Schatten ist doch kein Pappenstiel?! Es will doch schon etwas heißen, wenn Männer bei so einer Hitze fleißig sind und den ganzen lieben Tag Feldarbeit verrichten. Das werden auch die Gewitzten unter euch zugeben, nicht wahr? Nun kommt es uns auch nicht mehr so komisch vor, daß es in unserem Lied heißt, ״dort sei das Licht der Sonne siebenmal größer“. Denn eigentlich gibt es doch kein kleines und kein großes Sonnenlicht, und man kann es nicht mit dem Metermaß messen. Aber das nennt man ״dichterische Freiheit“. Dem Mann, der das Lied geschrieben hat, dem war es so, als könnte er das Licht der Sonne messen, und weil es in Deganiah so furchtbar heiß war, schien es ihm, als sei es siebenmal größer als anderswo. Aber das brauchen wir nicht ganz genau wörtlich zu nehmen. ״Dort schlummert nicht der Wächter, und der Arbeiter schläft nicht . . Das wäre auch zu schlimm, wenn der Wächter von Deganiah ״schlummern“ würde. Denn die Speicher Dega* niahs sind voll von herrlichem Getreide und angefüllt mit Das Licht der Sonne.., xin — anderswo und in Deganiah! Korn und weißem Mehl, und es könnte allzu leicht jemand aut den (wenig schönen) Gedanken kommen, sich nachts mit einem extra dazu angefertigten Schlüssel etwas von dem schönen Gut zu holen, ohne es zu bezahlen. Nein, wer sich mit solchen Plänen trägt, der soll sie schnell wieder fallen lassen. Der Schomer von Deganiah schlummert nicht. Er macht die ganze Nacht mit seinem treuen Hund die Runde und wenn er sich an seinem Feuerchen wärmt, dann hält er Augen und Ohren offen. Wenn wir also Angst vor Dieben haben- ־־־ unser Lied beruhigt uns! Denn es erzählt uns von den Wächtern Deganiahs, die auf ihrem Posten stehen und ihre Pflicht tun. Sie schlummern nicht. Am Tage wohl, da dürfen sie schlafen, wenn alle anderen wach sind und arbeiten. Dann legen sich die Schomrim ins Bett und schlummern. Die andern aber, die Arbeiter, sie schlafen nicht. Sie gehen frühmorgens aufs Feld, und arbeiten dort trotz Siedehitze, und erst abends kehren sie zurück. Auch hier hat unser Lied recht: der Arbeiter schläft nicht. Vs'% ׳»/״ *■- ■ . 1 : •»•0W****• \ 1*4*0. VK. •, Jetzt sind wir fertig mit unserem kleinen Lied, und nun verstehen wir es ganz. Wir wissen, wieviel Mühe und Schweiß es kostet, bis aus dem Boden Weizen sprießt und aus diesem wiederum Weißbrotscheibchen werden. Die Ar* beiter Deganiahs und die von Kinnereth, die Müller, und die Bäcker und die Bauern, alle müssen schwer arbeiten, und auch der Wächter, bis die Mutter oder die Kindergärtnerin rufen kann: ״Ichlu jeladiml“ So wollen wir innen, den Männern Deganiahs zu Ehren, dieses schöne Lied singen l Chajim ben Reuwen T xmxa r"עור א כ1