Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27/28, 3. IV. 1936 UMSCHAU Soziale Fürsorge / Marg. T urnowski Einwandcrcrfürsorgc-Konfcrcnz Die diesjährige soziale Konferenz hatte die Einwandererfürsorge zum alleinigen Gegenstand. Sie fand vor einem überfüllten Saal statt; denn das Thema, das weiteste Kreise unmittelbar berührt, hatte viele neue Menschen herangezogen. Es war ein grober Erfolg, daß Henrietta Szold beim Zionistenkongreß in Luzern zum erstenmal unter allgemeinen Zeichen der Anerkennung und Achtung über diese Arbeit sprechen konnte, und daß man beschloß, das soziale Hilfswerk bei der Budget-Auf- Stellung zu berücksichtigen. In Ausführung dieses Beschlusses bekommt die soziale Abteilung beim Waad-Leumi den Betrag von 800 Pfund im Jahr ausgezahlt, also von ca. 66 Pfund im Monat. Wie bedeutungslos diese Summe ist, wird jedem klar sein, der weiß, daß im Vorjahr allein für die offene Fürsorge in Palästina etwa 20 000 Pfund ausgegeben wurden, und daß alle bisherigen Hilfsmittel ganz und gar unzulänglich sind. Es ist vielleicht auch als Erfolg zu buchen, daß die Referentin der palästinensischen Regierung für Sozialarbeit, Frau Nixon, zum erstenmal an der Eröffnungssitzung der Konteren/. teilnahm und freundliehc Begrülkmgsworte an sie richtete. Aber die Regierung versagt dein jüdischen fliifswerk bisher ihre Beihilfe. Was an sozialer Arbeit von ihr geleis'tet wird, geschieht ausschließlich im arabischen Kreise. Es ist weiter positiv zu werfen, daß im Wahlkampf zmn Stadtrat in Tcl-Awiw die sozialen Fragen diskutiert wurden, und daß nach langen vergeblichen Kämpfen nun endlich die Aussicht auf die .,Schaffung einer Sozi- 1 I e 11 Z e 11 1 r a I s t e I 1 e besteht. Zugleich schädigt die neue Stadtverwaltung die Einwan- .ferer-Fürsorge aber aufs schwerste, indem sie den Platz zurückfordert, auf dem Baracken für die erste provisorische Unterbringung der Immigranten eingerichtet wurden. Die Reden einiger führender Menschen auf der Konferenz verstärkten den Eindruck, daß die mangelnde Hilfe der zur Mitarbeit vorpflichteten Stellen nicht nur aus budgetären Schwierigkeiten, sondern wesentlich aus feh- I e n d e r Erkenntnis und Informiertheit über die Leistungen und Aufgaben der Sozialarbcit zu erklären ist. Orientalischc Einwanderer Der gesamte Zeitraum der Tagung war für die freie Aussprache reserviert. Nur der kurze Ueberblick über die letzte Ent- Wicklung in der Organisation der sozialen Arbeit durch Frau S z. o 1 d, und knapp zusaninienfassende Referate von Cessie Rosenblüth und Helene Hanna Thon gingen der Diskussion voran. Frau Rosenbiüth ging bei ihrem Vortrag über die Ein w a n derung aus den europäischen Ländern von den Erfahrungen der Hitachduth Oie Germania aus, deren Jerusalemer Büro sie leitet: Frau Thon, die durch ihre Arbeit besonders über das orientalische J11 - d c n t u m unterrichtet ist, sprach über die Probleme der Einwanderung von Juden aus den Ländern des Orients. Es war gut, daß die schwere Frage, wie diese östlichen Einwanderer aus der schlimmsten Verelendung gerettet und zu produktiven Elementen im Lande gemacht werden können, hier behandelt wurde. Es handelt sich um ein Ui e bi et, das der großen Oeffentlichkeit fast unbekannt ist. Nur sehr wenige auch von den gut informierten Palästinensern wissen z. B., daß 75 0׳״ der orienta i-ch-jiidis heu Einwandercr-Kiuder ohne S, huluntirricln bleiben, daß sehr viele dieser I in Wanderer von schweren Haut-, Augen- und Kopfkrankluiten befallen sind, daß sie sich in wenigen Vierteln zusammendrängen, die den Charakter der schlimmsten Slums bekommen, daß nur ganz Vereinzelte von ihnen, auch von den mit Zertifikaten Lin wandernden, irgendeine Arb-iUausbildimg haben. Einwirkung auf die Ursprungsländer zum Zwecke sachgemäßerer Z.ertifikats-Erteilung, weitgehende ärztliche Betreuung, Hilfe im ersten Jahr nach der Neueinwanderung, stärkere Heranziehung der östlichen Gemein- «len zur Mitwirkung an dem Hilfswerk, Verteilung der Einwanderer innerhalb des Landes von einer zentralen Steile aus nach dem Gesichtspunkt der Beschäftigungsmögliehkeiten, Einrichtung von Vorbcreitungsklassen, die die Einschulung der Kinder erleichtert, und berufliehe Schulung der Jugend — dies waren die Hauptforderungen, zu denen das Referat von Frau Thon führte. Die Diskussion berührte diese Fragen kaum mehr. Die Probleme der westlichen Einwanderung standen ganz im Zentrum des Interesses, Wohnungsbesdhaffung Es sind drei große Aufgabenkreise, die hier vor den Fürsorgestellen liegen: die Arbeitshilfe, die Hilfe bei der Wohnungsbeschaffung und die Kinderfürsorge. Setzt man dabei, wie Frau Rosenbiüth und auch Frau H o f f e r t, die Leiterin der speziellen Fürsorgestelle der Hitachduth Oie Germania in Tel-Awiw, es verlangen, die Wohnungsbeschaffung an die zweite Stelle, um Geld- und Zeitverlust zu vermeiden (denn erst nach der Arbeitsbeschaffung ergibt sich die geeignete Wohngegend), 80 wird die Frage von Einwandererheimen, welche die Einwanderer in den ersten Monaten billig aufnehmen, doppelt wichtig. Hier ist noch sehr vieles zu tun; die allgemeinen Ein- Wanderungsheime der Jewish Agency behalten die Einwanderer nur acht Tage und entlassen sie dann. Am besten ist wohl Haifa mit einem kleinen, aber gut geleiteten Einwandererheim der Hitachduth Oie Germania versehen. In ferusalem gibt es das Einwanderungsheim der Bene Brith-Logen, das als vorzüglich bekannt ist, aber einen Preis festgesetzt hat, der dem Bettenpreis eiries billigen Hotels entspricht und dadurch für den hilfsbedürftigen Teil der Ein- Wanderer unbrauchbar wird. Von der Gefahrdüng der Finwanderer-Wohnbaracken in Tel- Awiw ist schon gesprochen worden. Wichtig war ln diesem Zusammenhang der Bericht von Frau Gusta Strumpf über das von ihr geleitete Beth-Hachaluzoth in Haifa und der Bericht über den Bau eines gleichen Einwanderinnen-Wohnhauses in Tel-Awiw. Ist durch Einwanderungsheime eine liebergangsreit gesichert, 80 wird die weitere fürsorgliche Hilfe bei der Wohnungsbeschaffung unnötig oder doch stark erleichtert. Keine Stelle wird aber so in der Lage sein, die Schäden ungeeigneter und überteuerter Wohnungen zu erkennen, wie die Fürsorge. Aus dieser Erkenntnis heraus hatte man Izchak O r ü n b a 11 in gebeten, auf der Konferenz über die Wohiibaumaßnahmen der Exekutive zu berichten. Sein Referat gab das Bild eines interessanten ersten Versuchs, durch Wohnungsbau Arbeiter auf dem Lande zu halten. Arbeitsbeschaffung Wenn es der Sinn jeder Fürsorgearbeit und in vielfach erhöhten Grade der Einwandertmgsfürsorge ist, die eigenen produktiven Kräfte des Betreuten frrizuinachen, so ist die Bedeutung der Hilfe bei der Wirtschaftliehen Einordnung des Einwanderers durch Beratung, Arbeitsbeschaffung, Kreditbeschaffung und Berufsschulung evident. Es ist zugleich die schwerste und verantwortlichste Arbeit der Aemter. ,,Ihr zieht eure Grenzen zu weit“, erklärte ein Redner. ״Weder die Arbeitsbeschaffung, noch die Wohnungsbeschaffung kann in euer Gebiet fallen.“ Aennlich versuchte eine Arbeiterführerin den Kreis der Arbeitsfürsorge sehr eng zu umgrenzen. Diese Differenzen waren aber scheinbare, die bei der Betrachtung von Fällen aus der Praxis schwanden. Selbstvcrstündlich findet ein erheblicher Teil der Ein- Wanderer seinen Weg ohne Hilfe von Fürsorgern. Ebenso selbstverständlich weisen die Fürsorgestellen die Arbeitsuchenden an die bestehenden Arbeitsnachweise. Aber auch in diesen Fällen tritt oft später die Notwendigkeit der Beratung ein, und bei den Arbeitsämtern, die nach fesigclegten Gesichtspunkten nach der ״Reihe“ vermitteln, kann und muß oft die Informierung über persönliche Besonderheiten zu schnellerer und günstigerer Vermittlung beitragen. Schließlich aber bleiben vor allem die vielen Fälle, in denen nur durch eine Berufs- Umschichtung, oft nur mit Hilfe erheblicher Kredite, geholfen werden kann. Es bleibt die Notwendigkeit, hier zu raten, zu überwachen, Kreditinstitute zu finden oder neu ins Leben zu rufen. Hilfe für Kinder Die schwerste und dringendste Frage der Einwandererkinder wurde von den verseht «lensten Rednern behandelt. Es sind — wie Frau NX׳ ronsky ausführte — im letzten Jahr 12 800 Kinder eingewandert, in ihrer überragenden Mehrheit gesund und das beste Material für den Aufbau des Landes. Es ist schlimmste Vergeudung von Werten, wenn man diese Kinder nicht sofort erfaßt, ärztlich und erzieherisch betreut. Die Agency verschließt sich dieser Aufgabe, und sogar der Hilfsfonds, der bisher für die Betreuung von Kindern aus Deutschland bestand, geht in diesen Monaten zu Ende. Immer wieder wurde von dem Mangel an Schulklassen, an Freiplätzen, an speziellen Vorbereitungsklassen für die Einwandererkinder, von Horten und Tagesheimen, beruflichen Ausbildungsstätten, Sommerlagern gesprochen. Vielfältig größer sind die Mittel, die aufgewandt werden müssen, um das erst einmal vernachlässigte, aus der Bahn geworfene Kind wieder einzuordnen; aber wie sind die für das erste notwendige Werk erforderlichen Mittel zu beschaffen? Das Finanzproblem Dies war die neben den sachlichen Pro• blemen immer wiederkehrende Frage, Zwei technische Vorschläge wurden gemacht: ein Abzug von 20 »/<> von allen in Palästina verkauften Schekalim und Einführung einer Wohlfahrtssteuer. Sind diese Vorschläge durchführbar, besonders der letztere, solange die Durchorganisierung der Gemeinden und ihre Steuereinziehung noch so ,unvollkommen ist? Die Forderung nach geldlicher Unter- Stützung wird sich doch zuerst an die Agency und an die palästinensische Oeffentlichkeit zu wenden haben. Es ist einleuchtend und wurde immer wieder betont, daß Palästina allein die Einwanderer-Fürsorge nicht tragen kann. Selbst das damals blühende Amerika hat sich in den Zeiten der Masseneinwanderung um eine Beihilfe an das Judentum der Welt gewandt und diese erhalten. Gesundheitsfürsorge Neben den genannten war ein wichtiger Diskussionspurikt die Frag? der Gesundheitsfürsorge. Es ist bekannt, daß die gesundheitliche Gefährdung des Neueinwanderers besonders groß ist, und daß das Schicksal ganzer Familien durch Krankheiten bestimmt wird. Für die mit Arbeitszertifikat Einwandernden ist eine gewisse Lösung der Schwierigkeiten gefunden worden. Jeder derartige Einwanderer wird automatisch direkt nach seiner Ankunft als Mitglied der Arbeiter-Krankenkasse (Kupat-Cholim) eingeschrieben und erhält dadurch in den ersten vier Aufenthaltsmonaten für sich und seine Familie den vollen Anspruch auf ärzt'iche Betreuung und für sechs Monate das Recht auf Unterbringung in einem Krankenhaus. Ausgeschlossen von der freien Behandlung sind die vor der Einwanderung bestehenden Krankheiten. Entsprechend fehlt das Recht auf freie Entbindungen — ein schwerer Fehler, dessen Abänderung die Fürsorgerinnen übereinstimmend verlangten. Aber auch die Gesamtregelung wurde als nicht ausreichend kritisiert; besonders bei einer Herbsteinwanderung beginnen die Schwierigkeiten oft erst nach den ersten vier Monaten, und da bis dahin ein großer Teil der Einwanderer noch nicht in der Lage ist, sich selbst weiter zu versichern, bleiben die Familien zu früh ohne öffentlichen Schutz. Dazu kommt das Problem der Einwanderung von Kranken. Mit großer Heftigkeit wurde gegen die ungenügende Sorgfalt bei der Zertifikatserteilung protestiert; die Fälle sind nicht vereinzelt, in denen Menschen mit schweren chronischen organischen Erkrankungen, Psychopathen, langjährige Epileptiker usw. die Einwanderungserlaubnis erhielten. Dr. Noack, der leitende Arzt der sanitären Abteilung des Waad Leumi, forderte, daß die Agency, resp, die Landesgruppen in solchen Fällen die dauernde Verantwortung trügen, — ein Vorschlag, der von den Fürsorgern lebhaft begrüßt und von den anwesenden Vortreiern der Agency ebenso lebhaft zurückgewiesen wurde. Die wesentlichste Schwierigkeit liegt aber darin, daß die genannte Regelung überhaupt nur für die Einwanderer mit Arbciter-Zertifikaten gilt. Die übrigen (und es sind sehr viele unter ihnen, die in Krankheitsfällen ohne öffentliche Unterstützung zugrunde gehen müßten) sind ausschließlich auf die Hilfe der Wohlfahrt angewiesen. Hier, wie in so vielen Punkten, ist ale Situation der Illegalen besonders schwer. Eltem-Einwanderung Unter der Reihe der behandelten Einzelfragen muß das Elternproblem speziell erwähnt werden. Von Mosche Brachman wurde hier der Vorschlag einer ländlichen Alterssiedlung auf der Grundlage einfacher Selbstarbeit und geringer Beihilfen der anfordernden Kinder oder Gruppen gemacht. Die Jerusalemer Stelle der Hitachduth Oie Germania hat vielfach Eltern, und damit'auch den anfordernden Kindern, helfen können, indem sie ihnen billige Kredite für die Errichtung kleiner gewerblicher Unternehmungen verschaffte. Zentrale Einwanderer-Aemter Im Laufe dieses Berichtes ist wiederholt die Hitachduth Oie Germania erwähnt worden, — nicht, weil in Deutschland ein besonderes Interesse für diese vorausgesetzt wird, sondern weil sie außer den allgemeinen Fürsorgestellen des Waad Leumi tatsächlich die einzige Einrichtung darstellt, in der eine systematische Einwandererhilfe versucht wird, ln wachsender Zahl wenden sich auch Einwanderer aus anderen Ländern an diese Stelle, und es ist ebenso einleuchtend, daß diese die über ihren Kreis hinausgehenden Forderungen nur sehr unvollkommen befriedigen kann, wie, daß die palästinensische Situation z e n t r a 1 e Einwanderungsämtcr erfordert. Diese Aemter müssen in umfassender Weise die Beratung und Unterstützung von Einw׳anderern aus allen Ländern übernehmen. Durch diese Aemter wird sehr viel persönliches Leid für den landesfremden Einwanderer und sehr viel Verlust an persönlichem und nationalem Vermögen vermieden werden können. Bei dem Aufbau und der praktischen Arbeit der Stellen werden die bisherigen Erfahrungen der Hitachduth Oie Germania wichtig sein. Diese Einrichtung zentraler Einwandererämter war eine der bedeutungsvollsten Forderungen, die die Konferenz aufstellte. Frau Szold berichtete von ersten, erfolgversprechenden Verhandlungen mit den Vertretungen der einzelnen Landesgruppen in Tel-Awiw über diese Frage. Eine befriedigende Verwirk- Hebung des Plans wird aber kaum zu erreichen sein, wenn nicht gleichzeitig die zweite Hauptforderung der Konferenz erfüllt wird: ausreichende Unterstützung des Einwandcrer-Hilfswerks durch die J e wis h A g e ncy. HebräischeLiteratur / juraei Koben In den letzten Monaten ist in Palästina eine verhältnismäßig große Anzahl hebräischer Publikationen zu verzeichnen. Obwohl es sich um Arbeiten verschiedener Art, um Aufsätze in Zeitschriften, um Belletristik, Forschungen und wissenschaftliche Literatur handelt; geben sie gerade in ihrer Vielfältigkeit ein Bild davon, womit sich die geistigen Kräfte im Lande beschäftigen. Wir werden auf manches noch gesondert cingehen. Heute sollen einige Bücher herausgegriffen werden, die für aie allgemeine Tendenz bezeichnend sind, nämlich einerseits für das entstehende neue Leben im Lande einen Ausdruck zu finden und andererseits die Vergangenheit Palästinas und des jüdischen Volkes darzustellen. Das Gebiet, das zur Bearbeitung steht, ist sehr weit. Das geistige und soziale Leben im Lande wartet auf literarische Verarbeitung und die naturwissenschaftliche Erforschung des Landes und seiner Bewohner ist noch zu leisten. Ein Buch zum Beispiel wie ״Hanegew“ (Der Süden) von Bar Droma, das eine Darstellung von Südpalästina enthält, umfaßt sowohl die Resultate früherer Forschungen wie auch eigene wichtige Beiträge zur Landeskunde in geo■ logischer und topographischer Hinsicht. ״Mibafith" (Von zu Harne) Der junge Dichter Abraham Broides hat unter dem Titel ״Mibajith“ einen neuen Gedichtband herausgegeben (der an dieser Stelle bereits kurz besprochen wurde — Red.). Der Autor ist aus dem palästinensischen Leben herausgewachsen, gehörte zum Kreise des ״Noar Haowed“ (der Arbeiterjugend) und ist bereits durch einige Publikationen bekannt. Das Grundthema dieses Dichters, das in dem neuen Band besonders hervortritt, ist der jüdische Mensch mit seinen besonderen Idealen und Aufgaben, seinen persönlichen Konflikten und seiner Sehnsucht nach individueller Abgrenzung, ln den Gedichten kommt jener Mensch zum Wort, der sich nach Hause sehnt, nach Vater und Mutter, der dann selbst eine Familie gründet, sich an den ersten Worten seines Kindes freut und den schweren Kampf um seine Existenz führt. Das Buch hat besonders unter der Jugend ein Echo gefunden. ״Negue Hamoledeth״ (Die von der Hei• mat Geschlagenen) Ein kleiner Roman von Moschch Temkin erschien vor kurzem unter dem obigen Titel. Temkin ist in der hebräischen Literatur kein Neuling, Der neue Roman ist ein Ausschnitt aus dem Leben des Landes und seiner Men• sehen. Das Motto, das dem Buche vorangeht, gibt den Sinn des Romans: ״Von einer Unheilschwangeren Sehnsucht nach der Heimat ge• trieben, stiegen diese gesunden einfachen Men• sehen auf der Leiter der Generationen bis zu den Fanatikern der Vorzeit hinab, ohne Blick für die Fragen des Lebens und mit einer grauenerregenden Gleichgültigkeit, um ein schicksalsschweres Werk zu vollbringen. Wie eine Herde Schafe wurden sie in der Heimat und für die Heimat hingeschlachtet. Ein Glorienschein der Tapferkeit umhüllte ihr Haupt. Wir haben uns daher nicht der Dinge zu schämen, die ihr Leben enthält. Und wir dürfen die Trauer, die nachher über sie kam, nicht leicht nehmen und ihre Klagen nicht überhören: ״Warum habt ihr uns verlassen? Seinerzeit haben wir nicht darauf hören wollen. Wollen wir wenigstens jetzt über die kleinen Dinge des Tages hinweg in das Geheimnis der von der Heimat Geschlagenen schauen.“ Der Roman deckt die menschlichen Elemente des ״Chaluz“ auf, den viele nichl mehr als Menschen betrachteten, sondern mit als den Beauftragten der Gemeinschaft. Die Rebellion des Individuums, die jetzt bei verschiedenen Dichtem ihren Ausdruck findet, ist kein Zufall und verdient besondere Beachtung. ״Mekorot Hachinudt Befisrael" (Die Quellen der Erziehung in Israel) Im Verlag Dwir ist der dritte und letzte Band von ״Mekorot hachinuch beiisrael“ erschienen, der die Zeit vom sechzehnten fahrhundert bis zur Periode der Haskalah (Aufklärung) umfaßt. Die Redaktion besorgte Raw Simchah Assaf. Der dritte Band erschließt die Quellen, die mit Palästina und dem Orient Zusammenhängen, insbesondere ist viel Stoff über Safed, das damalige Zentrum der Judenheit, enthalten. Die Erziehung in Palästina, so heißt es in der Einleitung, stand im 16. und 17. Jahrhundert auf einer beträchtlichen Höhe und war in mancher Hinsicht der in Polen, Litauen und Deutschland überlegen. Wir finden in diesem Bande auch Beiträge zur Geschichte der Erziehung bei den Karäem. Manches ist hier zum ersten Male aus unveröffentlichten Manuskripten publiziert oder aus seltenen Drucken gesammelt. Die drei Bände beweisen, welche Bedeutung die Erziehung bei den Juden in allen Zeiten hatte, und wie sehr sich die Führer des Volkes immer um sie bemühten. Tsdtemidiowski Zum sechzigsten Geburtstag von Tschernichowski brachten die Tagespresse und die Wochenschriften ausführliche Würdigungen des Dichters, in denen er als Erzieher, als Schöpfer neuer Formen der hebräischen Poesie, als Uebersetzer der Klassiker und als Erzähler gefeiert wurde. Die große Liebe des Publi- Rums für den Dichter fand ihren Ausdruck in der zehnbändigen Ausgabe seiner Schriften, die bereits vor einigen Jahren begonnen wurde und bis heute noch nicht beendet ist. Eine solche Gesamtausgabe ist außer für T. nur für Bialik veranstaltet worden. Mosnaiim und Giljonoth, die wichtigsten literarischen Wochenschriften des Landes, f" ” "־ ' J־* Analysen seiner Dichtungen wie Würdigungen des Mannes enthielten. (Schluß des Pallstlna-Tells) ld.ZG. I Fabrik. [Mtfedernr ־־ ׳P _6ustavl irr*■■'י~' י!,■ ''•־ Priniaiitrili 41 Eoka SaUasllanatraS« Frankfurt•!■ *Um KM Wilmeradarfar Str. IM an dar BUmarnkstraS« Bcttfedcm*Betten*Jn!ette*Bettwäschc*St(?ppu.Pauna1d«fcen Bcftst«? I Ic n Matra tzc n .*.PRA-KLAPP- Pa nt-Sch I af11