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Jüdische Rundschau · 1936-03-24 · Heft 24 (24.3.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 24 (24.3.1936)
Date
1936-03-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24, 24. Bl. 1936 JÜDISCHE &UNDSCHAÖ Seite 11 S!*D״wLr 0esc,’fr machen? Nicht lieber gleich querfeldein die Richtung nach Tel Or nehmen? Die Sonne stand schon re־> w,rw.°!ltc" 11,00*י vor Sonnenuntergang baden. Zwar natten wir leise Bedenken, den Grenzposten von Gescher zu urn£G>cn — aher schließlich taten wir es doch! Wir kamen?n. “6״ btausee, wir waren auf palästinensischem Boden, .^,renzwache hatte uns angehalten, wir erfrischten uns m Kuhlen Wasser, die Dämmerung kam und mit ihr unser Auto, wir stiegen ein und fuhren singend heimwärts. , “j??1’mach. Dort standen vor der Polizeistation drei Polizisten und hielten uns an! Der Grenzposten von uescher hatte uns gesehen, uns für illegale Einwanderer gehalten — unsere Rucksäcke waren groß genug dafür — und hatte nach Zemach telephoniert, man sollte uns ablangen! Was tun? Wir hatten keine Pässe bei uns, wie sollten wir den Polizisten glaubhaft machen, daß wir nur einen Ausflug gemacht hatten? Wahrend ein Teil von uns 1 זייייn die wachtstube ging, tanzten die übrigen im Scheinwenerlicht unseres Autos vor der Polizeistation eine wilde Horra. (Ohne die geht’s nun einmal in keiner Situation ab.) wir beschrieben den Polizisten unsern Weg, sagten ihnen, wir hatten tags zuvor bei E! Chaina die Grenze überschritten. 1 11 0n*er*en nac*1 Chama, ob man uns dort gesehen 5־, n״n schlug uns eine Undiszipliniertheit unserer Mädchen zum Glück aus: Die Mädchen pflegen in kurzen Mosen zu wandern, ein Anblick, der für arabische Augen nicht taugt; es besteht daher die Vorschrift bei uns, daß, sobald wir uns einem arabischen Dorf nähern, Röcke angezogen werden müssen. Trotz dieser Vorschrift hatten einige Mädchen ihre Röcke nicht mitgebracht. Und so fragte denn der Mann in El Chaina am Telephon, ob es sich um die Gruppe handle mit den Mädchen in Hosen? Es gab ein schallendes Gelächter. Nun konnte auch der strengste Polizist nicht mehr an unserer Legalität zweifeln, denn die Hosen sah er ja leibhaftig vor sich! — Aber eine andere Schwierigkeif kam jetzt hinzu: Der Posten von Gescher hatte 38 Leute gezählt, während wir nur 28 waren. Wo waren die andern zehn hingekommen? Das waren Illegale, die wir unterwegs abgeschoben hatten? — So gingen in der Wachtstube die Verhandlungen 11•» Stunden lang, während draußen vor dem Haus die Horra tobte. Schon klapperte ein Polizist beängstigend mit dem (iefängnisschiüssel. Da kam von dem obersten Gren/polizcibeamten aus Tibcrias eine telephonische Weisung — wir wurden verhaftet! Aber nicht ins Gefängnis gesteckt, sondern in unser Auto febracht und unter polizeilicher Bewachung ging’s nach iberias. Unsere Gefängniswärter bekamen einiges an hebräischen Horraliedern zu hören! Und sie lachten und taten mit — es war ein tideles Gefängnis! In Kirjath Schmuei, dem neuen Stadtteil von Tibcrias oberhalb der Altstadt, hielten wir vor einer prächtigen Villa. Die Polizisten stiegen aus, nicht ohne den Motorschlüssel ab/uziehen, um uns am Auskneifen zu verhindern. Bald kamen sie zurück und kommandierten uns in die Villa. Dort empfing uns auf seiner Terrasse, die bei Tag einen herrlichen Ausblick auf See und Hermon bieten muß, der oberste ürenzpolizeibeamte, ein feiner sympathischer Herr, christlicher Araber, den wir zuerst für einen Juden gehalten hatten; er sprach fließend Hebräisch. Er erklärte uns, daß, wenn er nicht zufällig heute abend zu Hause wäre, wir nun alle bis morgen früh ins Gefängnis müßten. Dann begann er jeden einzelnen von uns zu prüfen (Prüfungssprache nach Wald des Kandidaten) auf die Wahrheit unserer Angabe, daß wir Palästinenser seien: ״Wie kommt man von hier zur Kadoorischule am Tabor?“ — ״Wieviele Kinos gibt es in Haifa?“ — ״Wie weit ist es vom neuen Merkas zum Hafen?“ usw. Wer eine Frage richtig beantworten konnte, wurde freigclassen und zuletzt waren wir alle frei, keiner war durchgefallen! Eigentlich wäre nun wieder eine Horra fällig gewesen. Diesmal unterblieb sie aber ausnahmsweise, denn es war schon spät geworden. In ausgelassener Fröhlichkeit fuhren wir heim nach Haifa. Dr. Robert Beer, Haifa Der Mord bei Tulkerem Es sind Gerüchte im Umlauf, daß die Polizei eine neue Spur im Mord an dem Juden üaluthman verfolgt, die zu der Verhaftung des Chauffeurs und des Schaffners des arabischen Autobus führte. Ferner wurde eine Reihe von Fahrgästen, die si<1!־ in ihren Aussagen in Wider- Sprüche verwickelten, verhaftet. Man glaubt, diese Verhaftungen seien ein Hinweis darauf, daß die Polizei darüber im Zweifel ist, ob Galuthman wirklich durch Schüsse von der Landstraße her getötet wurde. (Palcor.) Sir Arthur Wauchope ist von seiner Besuchsreise aus Aegypten zurückgekehrt. iVf's'O.G...***->, Unsere jüdische Jugend will nicht nur Auswanderung. Unsere Kinder wollen ein Leben in Arbeit, Freiheit und Ehre. Sie alle brauchen Boden! Es ist die ernsteste Aufgabe der Juden in Deutschland, ihren Kindern die neue Basis ihres Lebens und ihrer Arbeit in Er« Israel zu geben. Schafft Euch Lebensraum I Spendet Boden für neue Siedlungen KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Berlin W15, Meinekestr.10, Postscheck-Kto. Berlin 28247 Um den Legislative Council Die Zeitschrift ״Great Britain and the East“ bemerkt in ihrer Ausgabe vom 19. März über den Council und die jüdischen Widerstände gegen ihn u. a., daß die Zionisten die Hoffnung nicht aufgegeben hätten, die Britische Regierung zur Zurücknahme des Planes zu veranlassen. Die Zeitschrift sagt dazu: ״Wir beklagen diese Kritik nicht; wir haben sie im Gegenteil vorausgesehen. Aber wir beklagen das tiefe Mißtrauen gegenüber der Palästinaregicrung und der arabischen Gemeinschaft in Palästina, mit der die palästinensischen Juden nolens volens zusammen leben müssen. Es gibt freilich einige Juden, die begreifen, daß, so lange diese Haltung des Mißtrauens gegen die Araber besteht, keine Hoffnung auf eine Verständigung zwischen den beiden Bevölkerungsteilen ist; daß, je höher die psychologische Mauer zwischen Arabern und Juden aufgerichtet wird, es unvermeidlich um so schwieriger ist, zu einer zukünftigen Annäherung zu gelangen. Aber ihre Stimme wird kaum gehört in dem leidenschaftlichen Sturm der Ablehnung.“ ln der gleichen Nummer ist der Brief eines Arabers veröffentlicht, der darlegt, daß die Araber und die eingewanderten Juden nichts miteinander gemein hätten, und daß religiöse, nationale und sprachliche Schwierigkeiten bestünden, um zu einer Einigung zu kommen. Zu dem (in unserer letzten Nummer wiedergegebenen) Briet an die ״T i m e s“ von Montague Beil über die Frage des Legislative Council bemerkt Norman B e!11 w i c h in einer Antwort vom 20. März, daß die Ansicht Beils, daß die Schwierigkeiten zwischen Arabern und Juden fortdauem würden, bis die beiden Gruppen im Council gezwungen wären anzuerkennen, daß für jeden der beiden Standpunkte etwas zu sagen ist, nicht für die geplante Zusammensetzung des Council zutreffc, in dem die Araber eine erhebliche Majorität besitzen, die nur durch eine Kombination der Regierungsmitglieder mit der Minorität oder das Einspruchsvotum des Präsidenten oder das Veto des High Commissioner kompensiert werden könnte. Die arabischen Führer verwerfen die Grundlagen des Mandats und wünschen einen Council, um das Jüdische Nationalhcim in Palästina zu zerstören. Bcntwich weist darauf hin, daß bereits im vorigen Sommer in der ״Times“ in einem Aufsatz die Ansicht vertreten worden war, daß der beste Weg zur Verminderung der Spannungen die Parität für Araber und Juden im Council sei. Im Interesse der zukünftigen Entwicklung könnte nicht die gegenwärtige Zahl der Juden in Palästina zugrunde gelegt werden. Eine paritätische Vertretung würde nicht nur eine Wirkung auf die Gleichstellung der beiden Völler haben, sondern auch das Mittel sein, Juden und Araber zur politischen Verständigung zu bringen. Es gäbe genug Vorbilder für die Schaffung einer Gesetzgebenden Körperschaft in ״gemischten“ Staaten nicht nur auf Grund der ״Zahl“, sondern auf Grund der gegenseitigen Interessen. Das gegenwärtige Projekt sei geeignet, die Differenzen zwischen Juden und Arabern und auch mit der palästinensischen Regierung zu verschärfen. Die Mitglieder der Permanenten Mandatskommission hätten gezeigt, daß sie die Verpflichtungen des Mandatars, die Entwicklung der Selbstregierungs-Einrichtungcn“ zu sichern, nicht so interpretieren, daß sie die sofortige Einsetzung eines Legislative Council einschließen. Die Vorschläge der Regierung seien gegen die politische Meinung aller im Lande und auch gegen die fachmännische Ansicht der Hüter des Mandats. Der Council würde in dieser Form nicht eine Kammer der Versöhnung, sondern eine Plattform neuer Konflikte sein. Von der Woche Der Gcneraünspektor der palästinensischen Polizei S p i c e 1 veröffentlicht eine Kundgebung, in der er auf die Zunahme der Verbrechen irn Lande hinweist und an der nicht genügenden Wachsamkeit der Polizei scharfe Kritik übt. Die Jerusalemer Ladenbesitzer begrüßen die Einführung des M i c t s g e s e t z e s im Stadtbezirk, das auf An- Ordnung der Regierung in Kraft trat. Nach diesem Gesetz dürfen die bestehenden Mieten im kommenden Mietsjahr um höchstens 25 •סי gesteigert werden. Eine ähnliche Re- Stimmung wird für den Stadtbezirk Jaffa in Kraft treten. Revisionistische Kundgeber zogen nach einer Versaminlung im Bcth Haam in Tel-Awiw /um polnischen Konsu lat und demonstrierten gegen das in Polen beschlossene Schäditverbot. Fünf Personen, darunter zwei trauen, wurden verhaftet. Die Polizei übernahm die Bewachung des Konsulats. Eine Konferenz der N a s h a s h i b i - P a r t e i fand statt, auf der die Antwort des High Commissioners vom 9. Marz bezüglich des Legislative Councils di-kutiert wurde. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw hat die Diskussion über das Budget nunmehr abgeschlossen. Die Gesamtein nah men betrage״ C 5W) 000, die Ausgaben C 526 001). Die Steuern sind um 1 11 ״ erhöht worden. Der Arbeitslosen -Fonds der Hist a d r u t h hat den Betrag von 00 000 Pfund aufgebracht. 25 000 Personen haben Beiträge geleistet. Die Campagne wird weiter fortgeführt. Die Jahreskonferenz der Sportorganisation ״Hapoel“ fand in Haifa statt. Der Oherrabhiner von Großbritannien, Dr. Hertz, ist in Palästina eingetroffen. Ein neues Theater in Haifa Theatron Ivri Haifa: ״Othello“ T e 1 - A w i w, Mitte März 1936 Mit einem Shakespeare-Abend die Repertoirefolge eines neuen Theaters einzuleiten, beweist ernsthaften Willen, echtes Kulturgut zu vermitteln und großes Vertrauen zur eigenen Leistungsfähigkeit. Allein die Lösung solcher Aufgabe ist es, die entweder ein derartiges Unternehmen rechtfertigt, oder die es scharfer Ablehnung aussetzt Das Theatron Ivri hat seine Feuerprobe hervorragend bestanden. Der Regisseur Benno F r a e n k e 1 liefert in einer selbst für europäische Verhältnisse außerordentlich kurzen Zeit eine Aufführung, von der man als höchstes Lob sagen kann: es war wirklich Shakespeare. Die ganze Einstudierung, wie die dramaturgische Bearbeitung verrät ebenso viel Ehrfurcht vor dem Werk wie Verständnis für das Werk. Vor allem der Schluß wird gemildert: Desdemona stirbt nur einen Tod, den des Erstickens. Ihr Bett ist rings umgeben von einem Moskitoschleier (wir sind in Cvpern), der hier zu doppelter Bedeutung gelangt: bräutlicher* Betthimmel und Käfig für den gefangenen Vogel. Vor dem Mord umkreist Othello das Netz, umfaßt es mit den Armen: er muß sie gerade so töten, hätte es ihm ein Jago nicht auch vorher suggeriert. Jago erscheint nicht mehr nach der Ermordung Dcsdcmonas. Emilia bleibt am Leben, schreit es in die Gasse heraus: ״Der Mohr hat meine Frau erwürgt.“ Statt des moralisierenden Schlusses des Originals läßt Fraenkel nach einem von draußen kommenden Ruf: ״Es lebe Cassio!“ den Vorhang sich schließen. Die Aufführung wird zu einer Sehenswürdigkeit, vor allem durch die hervorragende und überraschende Leistung des jungen Schauspielers Abraham Skiarsch, geborener Palästinenser, aber längere Zeit in Berlin tätig. Er bleibt der Rolle nicht das Mindeste schuldig. Großartig, wie er die Gegensätze dieser Gestalt zu vereinen und glaubhaft zu machen weiß: er ist stolz und adlig, trägt aber doch ari dem ihn belastenden Fluch der Frerndrassigkcit, er vertraut grenzenlos und mißtraut bei leisestem Scheinanlaß ebenso stark, er ist zart und wild, beherrscht und jähzornig, ein ganzer Mann und ein rechtes Kind. Othello ist Maure, also Araber, keineswegs pechschwarzer Neger. Skiarsch macht gute Maske. Der Ty!> ist uns in Palästina wohl vertraut. Aber es bleibt nicht bei dieser gelungenen Aeußerlichkeit, die freilich nach vielen Uebcrtrcibungcn, denen wir auf unseren Bühnen begegnen, wohltuend wirkt. Fr gewinnt dem Sprachlichen außerordentliehe Wirkungen ab, indem er seinem Othello mit arabischem — oder wenn wir wollen jemenitischem — Akzent sprechen läßt. Von starker Wirkung, wenn er nach seiner Ankunft auf Cypern Desdemona wiederfindet, mit ihr davonstürmt, um die bisher verhinderte Hochzeitsnacht zu begehen, wenn er, der schon Verwandelte, Desdemona wegen des abhandengekommenen Taschentuchs interpelliert. Von stärkster Wirkung, wenn er, der Mörder ans Liebe, in gutturale Klagelaute ausbricht. Dem Othello zur Seite steht ein nicht minder guter Jago: Hermann Heuser (zuletzt am Berliner Kulturhundtheater), ein Schurke Shakespeareschen Formats. Entdeckte er sich uns nicht selbst, ״ich bin nicht was ich bin“, würden wir nicht Zeuge seiner Niedertracht, gäbe es nicht den klassischen Monolog, in dem er sich uns enthüllt, wir selbst hielten ihn für einen wackren, braven Ehrenmann, Heuser weiß, was er seiner Rolle schuldig ist. Nie paktiert er mit dem Zuschauer, der ja Bescheid weiß. Er bleibt kühl, berechnend, verfolgt zäh seinen Plan, den Mohren zu vernichten, ihn toll zu machen vor Eifersucht. Mit System legt er ihm die Falle, in die jener hereinstolpert. Auch hier wird feine sprachliche Differenzicrung fühlbar. Das englische Lied in der Taverne hätte man sich ein wenig stärker gewünscht. Der Cassio ist bei Josef Schapira gut aufgehoben, ein Edelmann, mit der einzigen Schwäche, daß ihm der Wein nicht bekommt. Othello wußte, warum er ihn sieh als Leutnant wünschte und ihn dem robusteren, aber weit primitiveren Jago vorzog. ln einigem Abstand von diesen drei Männcrrollen ist die Desdemona Esther Taubes zu nennen. Sie wird nur teüweise den Anforderungen ihrer Rolle gerecht.. Nicht ganz ihre Schuld. Ihre gewiß vorhandene Begabung weist ihr andere Rollengebiete an. Schon äußerlich bietet sie nicht den Kontrast, der den Kriegsmaiin Othello bewegen könnte, das Joch der Ehe auf sich zu nehmen. Sie bleibt nur kindlich, hold heseelt, wird nicht weiblich, kühn, heroisch. Wenn sie, .mit Todesahnungen im Herzen, das Lied von der Weide singt, so ist cs eher Ophelia, die sich dem Tod in geistiger Umnachtung entgegenwirft, als eines Othello junge Frau, die leben will, und bis zum letzten Atemzug um ihr Leben ringt. Zufriedenstellende Leistungen boten Lade n dort als Rodrigo, Schmueli als Brabantio, B e r 1 i 11 s k i als Ludovico und Konstantiner als Herzog. Die Emilia von Hertha Wolff war in der Anlage gut, jedoch klang der Monolog noch reichlich unnatürlich. In der kleinen Rolle der Bianka beweist Sonja Sahava viel Temperament. Mit Bedauern muß man festst eilet:, daß das Bühnenbild von Menachem Schmidt weit hinter dem Niveau der Leistungen vor! Regisseur und Schauspielern zurückbleibt. Das erste Bild in Cvpern, mit einer knallgelben, sehr nach Pappe aussehonden Fregatte auf blauem Hintergrund, stört ebenso sehr, wie der in schreienden Farben gemalte Hintergrund, vor dem die Taschentuch-Affäre ihren Anfang nimmt. Der V'orsaal im Schloß sieht allzu traurig aus. Die Aufführung fand in dem neuerbauten Haifaer Theater ״Ora“ statt, das im allgemeinen als Lichtspieltheater dient und in dem zum erstenmal eine dramatische Vorstellung gezeigt wurde. Die Bühne seihst scheint über besondere technische Einrichtungen, wie man es erwarten könnte, nicht zu verfügen. Jedenfalls ist keine Drehbühne vorhanden. und die Beleuchtungsapparatur zeigt sichtbare Mängel. Das Theater seihst war ausverkauft. Das Publikum bereitete am Schluß allen Beteiligten langanhaltende, ehrlich begeisterte Ovationen. * Im Anschluß an die Vorstellung fand ein Bankett statt, das von etwa 100 Personen besucht war. Unter anderen ergriffen bei dieser Gelegenheit i >r. C i f r 1 n als Vertreter der Haifaer Kreise, die die Gründung des Theaters gefordert haben, Elicser Liibranv, der Schauspieler Ileus er und der Direktor des Theaters, Richard R o s e n 11 c i 111 (früher Königsberg), das Wort, M a 11 f r e d G c i s Jerusalemer Kunstberkht Jerusalem, Mitte März An sehr heißen Tagen flimmert die Luft Palästinas. Das Land ist ausgetrocknet, eine feine Staubschicht bedeckt die fahlgrünen Blätter der Bäume. An solchen Tagen, da es gut ist, im Schatten zu weilen, wagt sieh der Maler Rubin aus seinem Tel-Awiwer Atelier und schildert in seinen Bildern diese besondere Situation der palästinensischen Landschaft, bannt mit großer Virtuosität das Sonnenglastgcsicht des Landes auf die Leinwand. Safed und Mcron, Jerusalem und Galiläa zeigen sich in der flirrenden Luft der Hochsommertage. — Aber auch Menschen — und hier zeigt sich das Bedenkliche einer zur Manier erstarrten Sicht — umgibt Rubin mit einem die Konturen auflösenden Dunst, der sehr irdische Szenen, wie das ״Händewaschen“ oder das Selbstbildnis ״Picknick im Park“ in ein überwirkliches Licht taucht imd die Figuren oft zu Schemen macht. Rubin ist ein Meister der Farbe, ein Meister der Form ist er nicht. Oft fühlt man sich bewogen zu glauben, die ,,Verneblungsmanier“ diene einer Verwischung seines zeiclinerisehen Unvermögens, das mitunter zu peinlichen Verzerrungen und anatomischen Unmöglichkeiten führt. Sein Bestes gibt Rubin wohl in den Blumenstücken, von denen besonders das herrliche Bild ״Schwarze Iris“ genannt sei. Hier macht sich Rubin von aller Konvention frei und gibt eine sehr persönliche, mit subtilstem Geschmack und großer Könnerschaft gestaltete Darstellung. Das kann uns nicht wundemehmen, erfordert doch gerade dieser Vorwurf am wenigsten den Zeichner und am meisten den Maier. Rubin, der zu den beliebtesten Malern Palästinas zählt, hat mit der 33 Bilder umfassenden Frühjahrsausstellung bei Steimatzky einen fesselnden Uebcrblick über sein neuestes Schaffen gewährt. Schalom Bcn-Chorin (Schluß des Palästina-Teils) %

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