Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1936)
- Date
- 1936-03-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23, 20. III.?936 JODtSCHS RUNDSCHAU Seit« 9 Vom jüdischen Handwerk Die vier Zeichnungen auf dieser Seite stellen Handwerker dar, die jetzt hierzulande von ihrer Hände Arbeit leben. Man weiß, sie sind nicht die einzigen, man weiß, viele in anderen Berufen groß Gewordenen haben auf ihre ״alten Tage“ sicli umgestellt und versuchen nun, den festeren, obgleich nicht immer goldenen Boden des Handwerks unter die Füße zu bekommen, man weiß, ein beträchtlicher und gewiß nicht der Schlechteste Teil unserer Jugend geht diesen Weg. Es hat Sich von selbst ergeben, daß die Handwerke wie die Landarbeit eine Art von Glorienschein in unseren Vorstellungen erhielten, und auch wer die Schwierigkeiten solchen Daseins kennt, wird das berechtigt und notwendig finden. Zwar darf keine ehrlich, sauber und intensiv vollbrachte Arbeit schlechter angesehen werden, aber der Reiz eben dieser Arbeiten bleibt unverkennbar. ״Ich war Kaufmann“, erzählt ein frischgebackener Handwerker, ״und ich kann nicht sagen, daß ich mich schlecht so vorkommt, als ob das Leben von unserer Hände Arbeit erst eine Erfindung unserer Generationen wäre, wollen wir doch die ewige Garde des jüdischen Handwerks wieder einmal in Gedanken vorbeidefilieren lassen. Wenn Hans Sachs ein Schuh-Macher und Poet dazu war, so haben wir unter den talmudischen Großen wohl eine beachtlichere Reihe Handwerker, vom Sandalenmacher aufwärts, die ein anderes als von ihrer Hände Arbeit bestrittenes Leben mit ihrer Geisteswürde für unvereinbar erklärt hätten; so haben wir im Mitfelalter und vor allem in allen jüdischen Massensiedlungen der letzten Zeit Juden in allen Handwerken und in vielen davon vom slawischen Osten bis nach Saloniki nur Juden. Schöpfer und Bewahrer der ostjüdischen Volkslieder, Märchen und Anekdoten sind Handwerker. Sicher ist, daß gerade im Osten die Handwerker sich durchaus keiner besonderen Hochschätzung erfreuen. Aber ■MB— rn/rn■.;■ >1 ■׳«.■׳ tm mmmmm mm ״;׳/1 15 ras* «®rwSZii ״.:1:1 ״>׳,׳ lü» Z■ »TI 7f Glaser dabei befunden hätte. Solange mein Geschäft mich und meine Familie erhalten konnte, hatte ich Freude daran. Das heißt, daß der beste Augenblick immer ain Abend, beim Kassemachen, kam, — wenn der Tag sich gelohnt hatte. Naturlieh war es zugleich der fragwürdigste Augenblick, denn der Erfolg hing ja nicht bloß von mir ab. Das hat sich auch nach meiner Umstellung nicht ändern können; wieviel Aufträge man bekommt, das hängt niemals nur von einem selber ab. Aber die Arbeit selbst kann mir, seitdem ich Handwerker bin, mehr geben, ganz abgesehen vom finanziellen Erfolg. Wenn ich jetzt Feierabend mache, zähle ich ja nicht nur die Barschaft und die Außenstände, sondern auch die Arbeit. Man sieht doch, was man fertiggebracht hat, und wenn es ein schweres Stück Arbeit war, kann man beinahe stolz werden.“ Schreiner nicht nur die höhere Wertung der geistigen als der naturgemäß häufigeren manuellen Fähigkeiten ist schuld daran, sondern wohl ebenso die mäßige Bezahlung; eine derartige Differenzierung ist das Produkt jedes alteingesessenen Wirt- Schaftslebens, und selbstverständlich ergeben sich darin für jeden besonders Befähigten auch überdurchschnittliche Aufstiegsmöglichkcitcn. In einem erst im Aufbau befindlichen Lande wie Palästina ist die Wertung des Handwerks desto höher, und in jedem normal funktionierenden Wirtschaftsleben ist sie jedenfalls tragfähig und wohlgegründet. Die Folge ist ein eigener, kräftiger Stolz und eine trotzig feste Art, die Weit im Gesichtswinkel seiner Arbeit zu betrachten. So erzählte uns ein witziger Schneider von einem rabbinischen Disput, dessen Teilnehmer alte Rabbinen und aus altrabbinischen Geschlechtern waren bis auf einen, der eines Schlosser Buchdrucker Zeichnungen von Max Untermayer (Raymet) 1 ~t7tc um 1 p-J- ““r y 1 ——r ׳ י■- _ '-. jjM L i '/ kX/a Briefe an die Redaktion Jerusalemer Schülerkluhs Jerusalem, 1. März Sehr gee hrte Schrdtle itungl In der A״- ■Riibc der . .Jüdischen R täirt’ .s. ha u“ vom 21- Februar v. ird aut S, . 18 au<’ h meines Nanu :,ns F nvähnu ug ge? au 31s lies Lei!eis ein!;'S ,.p! ivuten‘* Klub; 5 iur siiafi.1 ■lli-G JuPendliehe. Du ses׳. W׳.r tehen ,.privat“ veranlagt mi!־h, Ihnen die folgende Erläuterung einzusende11׳: Es handeil sieh bei dem von mir geleiteten Klub keinesfalls um eine private <• urniung. Hiesige jüdisch-ani? liehe Stellen halten vor ca. 16 Monaten dieseit Klub gegründet, mich zum Leiter bestell? und nach einigen Mona׳eu bezüglich der oiganisatorischen und finanziellen Fortiuhrung des Klub-; vei-aigt. Senher wird dieser Klub — force majeur — ״privat‘* geführt, dh. ohne jede Hilfe von außen, unter Aufwendung von erheb* liehen Mengen von Energie. Ar* hei'skratt und ■zeit sowie Bargcldern. Diese Hilfsmitlei werde ח aufgebracht vom Unterzeich* neteri und seiner Mitarbeiterin, SchOädianah Sußmann. Es darf keinesfalls der Eindruck entstehen, daß eine Institution, die amtlich gegründet wurde, nach finanziellem Versagen der ruständigen Stellen aus der Ver* antwoitlichkeitssphäre der Oef* lentluhkei? geruckt wird dadurch, daß man diese Institution alpiivat bezeichnet. Hochachtungsvoll Dr. Hugo Stark iditung! Acrzte in Palästina Jei ushD m, 10. Marz Art die Redaktion der Jüdi-clien KuruDcb; nF Nach den hie. ׳!gen 11(;:,xtiiiimuugen Fi e.3> den Aerzten untersagt, il ue Niedei la-^ung uder Rückkehr von ein ei Kuise inw, in den hic-'gen /'e'i'ung•־! 1 lukannt7.11; geben- In den ver schiedenen D! takten wti! de die Feber U־< :,tUng die- ,er Vor; whrbt verschieden gehandhabl. Wählend im Jaffa — 'l el-Awiw-DistrLkt die b t ׳1!׳, Aerzte bei Fel *•rt retung dieser Yorschrilt vielfach eu« btraimandut bekamen. winde bisher un Distrikt Jerusalem wenig darauf geachtet, Neuer, dings ist man auch hier zu scharte en Maßnahmen übergegangen und hat die betreib;enden Ae1z?e vor das ordent* lu hc Derifht zitieit. Allein heute haben zwei Verhandlungen gegen ׳■׳׳i־rhe Aerzte aus diesem C, uiide ooHgeUiüden. Man hat -i bis jetzt mit. einer War- Mi.jg von firrirhrs wegen begivigt, cs so־!!! aber zu erwarum, dal.) hei einer Häufung von dem:!>g׳׳!s Fallen schwerere Strafen nmgm.r.rorhrn werden. Ml! vorzügiii her Hochachtung Dr. Joseph Treu mimiimiiuitimummmHiimimiimiMii miimiiUtiiHmiiitimitiiHmiMim :tiiiMiimiitimtiiimmmmiimu Schach Bearbeitet von 1. Mieses Die nachstehende Partie wurde im Jüdischen Meisterfurnier zu Leipzig am 26. Dezember 1035 gespielt. Haar (Frankfurt a. M.) Weif; d2—d4 S gl—(3 K2-.ß3 L fl־fi2 c2—c4 R bl—e3 0—0 4־1—2•> <]4Xc5 10. Ddl—<•2! 11. T fl—dl Weit I)ame auf zug. de■.. G<״nor;׳״ ],-..1 den ( Moritz. (Stettin) Schwarz Sg8-f6 R7—6״ , f8-g7 Indische Eröffnung 26. T dlXd4 e5Xd4 27. T al—dl S 16—c8 28. (3—14! S e8—c7 29. I. b5~c4 S c7—e6 Stellung -0 I ׳0 d7—<16 S bS -117 c7 —c6 e7—e5 döXcS T (8■—c8 D ,18—1:7 r würde die sei c7 stehen. D, r rn Sdiwaelun 1r geschieht nu-ni rund zum Veiluit nach dem 29. יל• hw atz. Zug Text der r*M 4■ UM e-x ..Mtr. rm mmä 09 ,ädßt ' ~ mm ' 1A!i1.ti s': 1 ß t m TT? KM S _ & I'■ ■!;*■»#• *kam :*mm & stl *׳ £ i i % וי*» rar-'ie. 12. bZ 30. Der 14- S;••ich sehr 30. . , . Mit die- Schwarz; te׳ in ‘Dr 1 u r S c! 1 w ■r Mv:h ZU •i ( F ׳ g»- , cu ■ L c4> 23. S -1: b ~c4 :hx 22. Le2 ■3 h5 kann de/ 1;ualtt.1t t ntedir t,] 32. ,14... 33. Xd 3,!.. h6- .!13־ hiulJ der Partie gestaltet re.e-ant. ■S ehXeS Knrubina'ion hofft di zu retten. Sie bk- Tat die einzige Chance Selieurz, denn wenn Weiß ,Ja!auf eii'iUßl, den Springer :!,!.,gen, so wurde das lind־ in fuigender W'ciu• remis er31.1 :;׳ L e7X<5־. T r!8—e8 T dl—rl, Lr7—h6 (nicht ,13׳ weger, 33. I ■ 5 ■ 1 3!) i־cl—c2, dl.,13 34. Lr4 T rftXfS 35. T c2XcS. e3t UaW. .!16- ־15 .31 i Jas ist der Gewinnzug- S d7 —18 13. I, rl--03 l) c7—a5 14. D e2-—!»2 S (3 —״e.6 15. I. :13 dh R ,'6 —<14 Mit der Drolmng 16. ... D a5X!3״ 17. I) b2xc.3, S d4 ■ e2f u,w. 16. b3—b4 Sd4'xi3t 17. L (2׳X13 I) aü—■ab 18. 1. 13׳ —c2 I-rS.4״ Aul 18. . . ״ l.c8— eß hat Weil! die starke Frwidcnmg .12—a4 mit der Drohung 1>4.'05. — Der Textzug hat den Zweck, 12—f3 zu veranlassen, wniatif der schwarzen Dame 11׳ aigsntdüs ein Schach auf 1)6 zu (;•.hole steht. 19. f2-.13 20. c4—e 5 21. b4 — bö ( Nach 21. . .. X>>5, c6::<!)5 Schwarz den Verlust durch Sh5—c7 ni• h wenden. 22. S c3:xb5 D a6xt>5 Kalls 22. L c4Xc2, so 23. S b5—07, D a6—c4 24. T al —cl, I) c4—a4 25. D b2X<:2, und Weiß gewinnt die 1,1n 33. a7 an tst. 34. Le7Xc5 T c8Xc5 23. D b2.xl>5 L c4Xb5 35. L c4i 3 T c5—c8 24. L e2\b5 T e8—dS Es drolitc T ei4—d8. 26. L de—«7 T d8—d4 36. T d4d? I 18—64 Auf 25. ., ״ T d8—c8 würde Weiß 37. T d7Xf7 K g8—h8 mit 26. T dl—de nebst T dB—d' 38. e4—r5 T c8—f8 in entseheidenden \ e.rteil kom- 39. T f7*<t8f Schwarz men. g * ß « auf. Eine vom Anfang bis zum Ende spannende, sehr gehaKvolle Partie, die der junge Frankfurter Meister durchweg im besten Stile geführt hat. L g7—f8 T 38—c8 so T d4—d7 für Weiß. mit 31. 32. T dl Xd 4 Kalis S co—c6, Gewinnstellung 33. KrI—ß2! . Um einer eventuellen Fesselung des Turins durch L £8—cä vorzubeugen. Das mag genügen, und von diesen Männern, die, wie die hier im Bilde Festgehaltencn, ihr Handwerk tun, braucht nicht viel geredet zu werden. Sie arbeiten, also sind sie nicht Freunde von vielen Worten, sie sehen, was sie ״vor sich bringen“, und sie gehen mit Festigkeit ihren Weg, wohin es ihnen gegeben ist. Aber da es nun manchmal selbst uns Schneiders Sohn war. Die anderen brüsteten sich, jeder mit seinem angestammten Gelehrtenadel: ״Mein Vater hat gesagt...“ und :״Mein Vater hat dies gesagt“ und: ״Mein Vater hat so gesagt“, bis schließlich des Schneiders Sohn meinte: ״Mein Vater hat gesagt, daß man ein gewendetes Stück Arbeit nicht in die Har.d nehmen soll!“ H. Die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung hi Frankfurt a. M., Fuchshohl 67, hat einen Rundbrief veröffentlicht, der u. a. einen Hinweis für Bibelkurse, sowie einen Plan für einen jüdischen Geschichtskurs in dreißig Abenden enthält. Der Rundbrief ist gegen Einsendung von 0,20 RM. von der Mittelstelle zu beziehen. KLÜNEÜNDGROSSEUMZÖGE Ü8888