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Jüdische Rundschau · 1936-03-17 · Heft 22 (17.3.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 22 (17.3.1936)
Date
1936-03-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seif6 ״ JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22, 17. III. 1936 Aufführung im Kulturbund ״Antigone“ Vor der Tragödie des Sophokles gab es, wahrscheinlich mir Entschädigung für ausgefallene Konzerte, einen reichen mus i k a 1 i s c h e 11 Teil, Glucks Ouvertüre zur ״Iphigenie von Aulis". dirigiert von Kurt Sing e r, dann unter der Sandersehen Stabführung eine Sonate für Streichorchester und Cembalo von Rosenmüller und zuletzt das Brandenburgiscbe Konzert Nr. 1׳ von Bach. Das Programm war insofern gut gestellt, als die beiden Großen und Starken den Kleineren und Schwächeren, der aber auch nicht schlecht ist, in ihre Mitte nahmen. Mir fehlt die fachliche Berufung, um über die Leistung der beiden Dirigenten und der Solisten zu urteilen, und so kann ich nur atissagen, daß ich zugleich mit dem Publikum ein dankbarer Hörer war. — ln der griechischen Tragödie vollzieht sich fast immer ein (Jestaltwandcl der Götter, bis diese bei dein dritten, dem schon skeptischen Tragiker Euripides etwas lv־u erkommen oder wenigstens nicht mehr recht wissen, was sie noch bei den Menschen zu tun haben, die schon recht selbständig geworden sind. Bei Aeschvlos, der ein Altertum bedeutet, haben die Götter oft noch eine lokale, an ein besonderes Staatswesen geknüpfte Bedeutung, und es geschieht nicht viel anders als im Nibclungenritig, daß sie untereinander und auch mit den Menschen neue Verträge schließen. Sophokles steht da in der Mitte, und sein Werk macht auf uns den Eindruck der Abgewogenheit; die Götter regieren noch, wenn auch ihr eigener Mvthos, wie Goethe sagen würde, gegen den Hintergrund fcrnal>dc>n!1ert, aber die Menschen haben sich schon zur morali'chen Selbständigkeit abgelöst und werden im höchsten Grade verantwortlich gemacht, für ihre Taten lind für ihre Gesinnungen. ״Nicht mitztihnssen, m i t 1 tt 1 i e be n bin ich da!“ Dieser eine Satz der Antigone verkündet eine Weltwende, und er sollte genügen, um das Werk des Sophokles in einer tmberiilirharen l ,nstei hüchkeit zu erhalten. Das Wort gehört einer F t a 11, der ersten in der griechischen Dichtung, die nicht aus Fifeoucht, nicht aus Rache handelt, sondern die in einer bis dahin nur den Männern gehörenden Welt sich für eine Idee zum Opfer brmgt, die wir ruhig als eine der Huin a n i t :1 t bezeichnen wollen. Damit durfte die Frage nach einer llerivhtigung der Aufführung erledigt sein; das Stück geht uns immer an otier sollte uns immer noch angchcn. Antigone will nichts als den toten Bruder bestatten, wenn er auch im Kampf gegen die Vaterstadt Theben, also als Hochverräter gefallen ist. Darauf steht der Tod, und mit ihr stirbt freiwillig ihr Bräutigam Hämon, Sohn des Königs Kreon, der das Verbot der Bestattung erlassen hat oder der, wie Antigone sehr zusammenfassend sagt, noch nach Toter! sticht. Wenn am Schluß sich י’"•■׳ die Mutter turydike das Leben nimmt, so liegen da allerdings ziemlich viel Leichen herum, so unbequem für den Regisseur wie für den König Kreon, der seine verzweifelten Umarnmngen und Reueanderen tragen muß. Die Aufführung von griechischen Tragödien ist bis auf einige glückliche Ausgrabungen ein archäologisches Experiment geblieben, das sich gewöhnlich schon an der Schwierigkeit des Chors aufreiben mußte. Früher hat man ihn zu u! o i-TU'XTSJ Von links nach rechts: Kreon (Fritz \\ isten) Antigone f(!erda Klein- Weismann) — Ismene (Ruth Mannheimerj r״to: 1. Ahr,(״״, tränen immer von der einen 711 der singen, hat das Dithyrambische durchziikotnponieren versucht, und man hätte vielleicht und nicht nur aus verwandtschaftlichen Gründen auf die Musik von Felix Mendelssohn zuriiekkommen sollen. Der Regisseur Fritz j e s s tt e r hat die Versuche mit dem Sprechchor fortgesetzt, die eigentlich alle, auch die von Max Reinhardt, als unheilvoll widerlegt sind. Die alten Herren, die da herumstehen, sagen etwas auf, und wenn auch nicht alles unisonon geht und manche Sätze auf einzelne Stimmen verteilt werden, so wurde mir auch hier nie klar, nach welchem künstlerischen Prinzip das ging־. Herr Jessner mag sich etwas dabei gedacht haben, was sich aber nicht verwirklichte, und wenn der Chor einmal etwas Gymnastik trieb oder auf wenig ingeniöse Weise die Stellung wechselte, so begriff man nur, daß diese Greise und kundigen Thebancr sich auch einmal die Beine vertreten mußten. Sprechchor mag gut sein zu anderen Zwecken, etwa zur Propaganda, in der Eurydike (Jenny Schaffer-Bernstein), im Vordergrund knieend Hämon (Walter Herz) F010: tno Kilo!״ «* '•״ . Kunst ist er komisch anzusehen und leidvoll anzuhören, auch wenn man kein musikalisch empfindliches Ohr hat. Gibt man schon eine Antigone, so muß eine sehr reine, eine sehr plastische Sprechkunst das Hauptziel des Regisseurs sein. Daß dieses erziehliche Talent nicht der Haupt- Vorzug von Dr. Jessner ist, hat er uns schon des öfteren bemerken lassen; seine Eigenart liegt mehr in den ״Grünen Feldern“, auf denen die Leute sich lässig bewegen und auch ausdrü.l . :1 können. Mangelnde Sprachbeherrschung oder mangelnde Anleitung dazu, wie sie die Jugend nun einmal braucht, war bei dem Hämon von Walter Herz, noch empfindlicher bei der Ismene, Antigones Schwester, von Ruth Mannheimer, während der Bote von Martin Brandt sich wenigstens dem Sinn nach mit seiner prosaischen Zuverlässigkeit verständlich machte. Dem lebhafteren Wächter von Herbert Grünbaum, wenn das auch ein ungehobelter Kerl sein soll, fehlte es wiederum an Haitung, die ihm gewiß eine leitende Hand hätte anteiligen können, und mit denf Swier Teiresias von Martin Cfta'ssel (Wolfgang) will ich nicht rechten, weil er in dem Augenblick, wo er dein König Kreon unheilverkündend gegenübertreten soll, von dieser Hand offenbar falsch und mit Verhinderung aller Wirkung gestellt war. Bleiben die beiden Hauptfiguren. Gerda Kiein-Weismann ist das letzte Mal mit einem rühmlichen Aufschwung in die Judith hineingewachsen, aber da sie als Antigone auftrat, schien es wieder, als ob sie nicht mitzulieben, sondern mitzuhassen gekommen wäre. Die Antigone des Sophokles soll durchaus kein weichliches, sentimentales Wesen sein, sondern eine entschlossene Frau, die genau weiß, für welche Idee sie handelt und sterben will. Aber die Verkiinderin einer neuen Ethik, eines neuen Willens der Götter ist keine Ernpörerin. Ihr frommer Frevel, wie sie ihre Tat nennt, ist etwas anderes als die der Judith, und diese Antigone trat auf, als ob es wieder einen Kopf abzuschlagen galt. Unglücklich war auch ihr Kostüm, das mit der Volantteilung viel zu modern wirkte, und mit dem sie auf einem heutigen Nachmittagstcc durchaus nicht aufgefallen wäre. Herr Jessner müßte endlich einsehen, wie wichtig diese Dinge und nun ganz besonders bei Frauen sind. Was ist für einen Großen denn ■zu klein! Der Regisseur muß hundert vorhersehende Augen haben und auch hundert Arme, von denen einer oder zwei durchaus einem Costumier ojerä ider gehören dürfen. Was da auf , .rt wurde, war überhaupt nicht eine Tragödie Antigone, sonuern sie hätte viel eher ״Kreon“ heißen können; es war der einzige Mensch auf der Bühne, mit dem man fühlte und dessen Schicksal trotz seinem verbrechensehen Despotismus bedauert wurde. Den König gab Fritz W i s t e n, der, von der Naturgabe nbgesehen, ein genügend erfahrener Schauspieler ist, um keinen Regisseur oder wenigstens diesen zu brauchen. Herr Wisten Teiresias (ChasseT) Foto: 3. AtirüliNn war der einzige, dem die Rede von selbst kam, dem das Wort in die Gebärde, die Gebärde in das Wort fuhr. Von ihm hätten die anderen lernen können, besonders die Kunst des Zuhörens, die immer den guten Schauspieler beweist, und dann auch die andere, daß mit jedem Partner anders zu sprechen ist, daß der gesamte Ausdruck sich je nach den Beziehungen ganz von selbst färbt und!ungestaltet. Dieser König hat einen anderen Ton, wenn er etwa mit Antigone spricht, die er als Oedipustochter sowieso nicht leiden kann, oder mit dem Wächter, den er als cholerischer Tyrann herunterputzt, oder mit dem Sohn, was bei aller blinden Wut doch auch den Vaterblick hervorbringt. So oft dieser Kreon auftrat, schien die Szene wenigstens nicht leer oder konventionell gestellt. Kurz, es ist löblich, die Antigone zu spielen oder spielen zu wollen, und es wäre sehr schön und der hohen Aufgabe würdig gewesen, wenn man es auch gekonnt hätte. Arthur Eloesser Wiener Brief Von unserem Berichterstatter J.R., Wien, 15. März Die Anwesenheit Kurt Blumenfelds in Wien, über die wir kürzlich berichteten, hat der Propagandatätigkeit für die Hebräische Universität Jerusalem einen vollen Erfolg gebracht. Knapp vor seiner Abreise aus Wien sprach Kurt Blumenteld noch in einer ausgezeichnet besuchten Versammlung des ״Adolf S t a n d“ - K I u b s. Bltimenfeld sprach über gegenwärtige Probleme in Palästina und im Zionismus, wobei e! die Notwendigkeit neuer Parolen hervorhob, die auch , die große Zahl der Nichtzionisten dem zionistischen Ideal , zuzuführen imstande wären. Dies könne nur ein das ganze! Volk erfassender, progressiver Zionismus vollbringen. Der Abend war ein großer Erfolg und wird sicherlich von stärkster Wirkung auf die Entwicklung des progressiven Zionis* mus in Wien sein. Im Breslauer jüdisch-theologischen Seminar werden Im Sommer folgende Vorlesungen gehalten: Prof. Dr. Heinemann: Maimunis Lehen und Lebenswerk, Jüdische Lebensideale vom Abschluß der Bibel bis zum Ausgang des Mittelalters; Dr. Lewkowitz: Der Einfluß der Romantik auf das Judentum, Griechische Philosophie, Die Grundlagen der psychischen Entwicklung; Rabb. Dr, Ochs: Talmud; Rabb. Dr. Urbach: Die Weissagungen Jesajas und Jeremias über die fremden Völker, Geschichte der Königszeit von Saul bis zur Zerstörung des Nordreiches; Bezirksrabb. Dr. Wahrmann: Talmud. Die Abenteuer der Gracia Mendez Roman von HERMANN SINSHEIM ER (Schluß) Unter diesen schier! die Schwäche und Furcht geschwun- 'den zu sein. Die Verzweiflung machte sie stark und mutig: Es standen unter ihnen einige mit großem Beispiel auf, vor allem einige Altersgenossen jenes Salomo Molcho, die ihn, als er noch der elegante Hofsekrctiir Pi re/, in Lissabon war, gekannt, und geliebt hat len. Er war inzwischen den Märtyrertod gestorben und hatte dadurch sein wirres Leben geheiligt. Als dünger des David IUUibeni, den einst Gracia mit Oiannah, Reyrm und Sebulon zu Almeirim hatten sehen wollen, war er mit diesem auf den Reichstag zu Regensburg vor Karl V. erschienen. Der Kaiser hatte sie verhaften lassen und als Gefangene seinem Troß einverleiht, mit dem er nach dem Süden zog. Zu Mantua, wo man haltmachte, mußte Molcho, der vom Christentum öffentlich abgefallcne Jude, den Scheiterhaufen besteigen — in Vollstreckung des Urteils, das vor Jahren das römische Inquisitionslribunnl über ihn gofällt hatte. Je heftiger die Verfolgungen der Marranen wurden, desto mehr schossen neue Gerüchte über den Heroismus des nun schon mehrere Jahre toten Märtyrers Molcho hervor. Es wurde erzäldt, wie er allen Bekehrungsversuchen stolz, widerstanden und noch beim Anblick des brennenden Scheiterhaufens sich mit herausfordernden Worten zum Judentum bekennt habe. Aus diesen und anderen Gerüchten bildete sich eine ganze Molcho-Legende: der Allmächtige habe ihn auch zu Mantua, wie einst schon zu Rom, aus den Flammen gerettet und ihn an einen sicheren Ort versetzt, an dem er sich nun vorbereite, um auf den Ruf des Herrn »eine messianisehe Aufgabe zu erfüllen. Dies und anderes mehr trug dazu bei, in manchen Marranen die Bereitschaft und den Drang zum eigenen offenen Bekenntnis ihres wahren Glaubens und zum Martyrium zu erwecken. Einzelne, eben erst Freigelassene, gingen auf die Straßen oder gar in die Kirchen, schwuren das Christentum ab und bekannten sich mit fanatisch verzückten Worten als jüdische Knechte des Herrn. Sie wurden verhaftet, ihr Los war besiegelt. Nach Rom gingen Meldungen, daß die Abtrünnigen nun auch zu Aufrührern geworden seien, und daß es höchste Zeit sei, dem Glaubensgericht seinen Lauf zu lassen. Gracia lebte wie in einem bösen Traum, der nicht enden wollte. Sie schämte sich vor jenen Fanatikern und Märtyrern, daß sie selbst immer noch christliches Wesen heuchelte, zum christlichen Gottesdienst ging und auch alle anderen Pflichten einer Christin vor der Oeffentlichkeit auf sich nahm. Der portugiesische Boden brannte ihr unter den Füßen. Flammen wie von ungezählten Scheiterhaufen waren um sie. Sie drängle zum Aufbruch. Schon waren einige Angestellte auf der Fahrt nach den Niederlanden. .Joäo schlug an Besitz los, was loszuschlagen war. Vieles wurde verschenkt, anderes herrenlos zurückgelassen, insbesondere die Häuser, die kein anderer Marrane aus Angst vor der Rache der Feinde in Besitz zu nehmen wagte. Alles mußte so geheim vor sich gehen, wie nur tnöglieh. Denn die Auswanderung war den Marianen ohne Preisgäbe ihres Vermögens verwehrt. Aber schließlich konnte die wenn auch noch so sorgfältig vorbereitete Flucht einer Firma und Familie Mendez nicht ganz im Verborgenen vor sich gehen. Man sah und suchte, inan ahnte, wußte und erfand, was alles die Mendez wirklich oder angeblich Vorhalten. Ein paar Tage nachdem auch Reyna und Salomo schon aufgebrochen waren, kam Joäo zu Gracia gestürzt, um ihr zu sagen, daß ein Ucberfall auf sie geplant sei und der Hafen streng überwacht w׳erde, um sie und ihn nicht entwischen zu lassen, da man glaube, daß sie beide den Hauptteil des Vermögens entführen wollten. Das Wohnhaus enthielt nur noch das Unentbehrliche an Einrichtung, die Burg war fast leer. ,Joflo bewog Gracia, in der Nacht mit dem Kind und ihm zu fliehen, um an einem kleinen Küstenort ein Schiff zu besteigen, für dessen Bereit- Stellung er, der Umsichtige, schon seit Tagen gesorgt hatte. Sie war sofort einverstanden. Denn auch Franciscos sterbliche Uebcrreste waren schon vor einer Woche auf Fahrt gebracht worden. Das Land und Leben war für sie leer geworden. Joäo stürzte fort, um die letzten Anweisungen zu geben. Auch für Wagen und Pferde hatte er schon gesorgt. Um Mitternacht sollte die Abfahrt sein. Gracia trug das Kind auf den Armen und ließ es nicht los, so sehr sie auch die Wärterin darum bat. Außer dieser trippelte nur noch die alte Sarah, leise betend und jammernd, aürch das Haus. Alle anderen dienstbaren!.eilte waren entweder schon abgefahren oder im Lande versorgt, Sarah sollte nach Gracias Abreise der Obhut einer zurückbleibenden Marranenfamilie übergeben werden. Joäo blieb lange aus. Auf der Straße begannen sich schon die ersten Burschen mit unternehmungslustigen Gesichtern zu zeigen. Es flog von Zeit za Zeit ein Stein in den Garten. Noch eine Stunde war Zeit bis zur Abfahrt. Gracia stand, die kleine Reyna an sich drückend, in dem last leeren Raum, in dem Francisco gestorben war. Ein paar Kerzen brannten. In einer Ecke saß die alte Sarah und ließ ihre Tränen!ließen. Gracia betete. Das Kind hatte sein Ohr bei ihrem Mund, und so oft es ein Wort verstand, sprach es dieses Wort nach. Wenn es ihm besonders gut gefiel, sprach es das Wort mehrere Male und immer lauter. Der. Sinn verstand es nicht. Am allerbesten gefiel ihm das Wort Adonai. Es hörte nicht mehr aul, es zu wiederholen. — Adonai, Adonai, Adonai! klang es nun bald mit geflüstert leiser, bald mit jauchzend lauter Stimme durch den leeren Raum, der es als Echo zurückwarf. Die Alte war aufgestanden und wiederholte mit dem Kind: Adonai, Adonai, Adonai! Gracia hatte zu beten aufgehört. Sie lauschte auf das eine Wort aus dem Mund des Kindes und der Alten. Es füllte den Raum, cs stand groß Uber Gracia und, wie ihr schien, über der Welt. Sie selbst sprach es aus: Adonai! Und sie wurde stolz und furchtlos. Joäo kam mit blassem und verzerrtem Gesicht. Ein Steinwurf hatte ihn getroffen, er blutete an der Stirne. Er half Gracia in den Mantel. Er meinte, man solle die Abreise um Stunden verschieben, denn draußen drohe ihnen der Tod. Aber Gracia riß ihr Kind von neuem an sich und schritt, taub gegen Joftos Warnungen und Sarahs Schluchzen, in den Garten und von da durch das Tor auf die Straße, wo der Wagen stand. Die Rande, die dort lauerte, hatte sich inzwischen über das Gepäck des Wagens gemacht. Die Burschen versuchten, ein paar Koffer und Kisten, die sie losgerissen hatten, mit Knebeln und Stangen zu öffnetf. Als Gracia erschien, ließen sie davon ab. Die hochgewachsene junge Mutter mit dem Kind schüchterte sie ein. Joäo und die Wärterin gelangten im Schutze der hohen Gestalt Gracias in den Wagen. Sarah stand davor und weinte wie ein zurückgelassenes Kind. Die Pferde zogen an. Die Alte schrie auf, wie wenn die Räder über ihr Herz gingen. Da traf sie ein schweres Stück Eisen am Kopf. Sie sank mit brechenden Augen zu Boden. Gracia hörte noch das Brüllen des Mobs, der, aus seiner Erstarrung erwacht, hinter dem Wagen herlobte und ihn mit einer Flut von Steinen überschüttete. Die erschreckten Pferde, mehrfach getroffen, rasten in die Nacht. Die kleine Reyna schlang ihre Arme um den Hals der Mutter und entsann sich wieder des schönklingenden heiiigen Wortes, Es legte sein kindliches Herz hinein: ״Adonai, Adonai!“ Gracia drückte es an sich und flüsterte: ״Adonai.“ ENDE

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