Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1936)
- Date
- 1936-03-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife t« fÜßt’&'CHH RÜNDSCWAÖ Nr.?1,?3. HL 1936 UMSCHAU Arbeiterbewegung / Fritz naphtaii Solidarität und Arbeitsbeschaffung Die auf der Moczah der Histadruth beschlossene Aktion zur Auffüllung des Arbeitslosenfon ds durch eine Abgabe des Gegenwertes von 12 Arbeitstagen durch alle in fester Arbeit Stehenden ist in vollem Gange. I!1 den ersten zwei Wochen sind bereits Summen gesichert, die gröber sind, als die Sammlungen für diesen Fonds in den letzten zwei Jahren waren. Auf der anderen Seite sind von der von Jewish Agency und Histadruth gemeinsam gegründeten Gesellschaft, der zunächst auch die Angio Palcstine Bank Mittel durch < )bligationemibermihme zuführt und deren Kapazität durch Heranziehung anderer Geldgeber erweitert werden soll, die ersten Kredite zur Ingangsetzung von Arbeiten bewilligt worden. Es handelt sich dabei teils um den Beginn des ilatiserbaus in Kiriath Awodah, der neuen Arbeiter-Vorstadt im Süden von Tel-Awiw. Es mag Zweifel darüber geben, ob die Finanzierung des Baus von Hausern fiir eine relativ gehobene Arbeiterschicht in diesem Augenblick die zweckmäßigste Stelle des Umsatzes der begrenzten Mittel ist. Aber entscheidend war liier vor allem, dal! man fertige technisch vorbereitete Objekte Waiden muß, wenn die Aktion schnell wirksam und sichtbar werden soll, l'iul auf das Bewußtsein, daß die innere Solidaritätsaktion der Arbeiterschaft wirklich zu schnellen, wenn auch begrenzten Einwirkungen auf den Arbeitsmarkt führt, kommt es in diesem Augenblick sehr viel an: sowohl fiir die seelische Haltung der Arbeiterschaft, als auch für den Nachdruck, mit dem die Forderung zur Mobilisiertmg stärkerer Kräfte der Arbeiterschaft gegenüber anderen Schichten der jüdischen Bevölkerung und gegenüber der Mamlatsregienmg verhüten wenleu kann. Die oft angegriffene i i1esaunerungs[H),'itik der Mandatsregiert!!]״ wurde ihre nachträgliche Rochtfertigong finden, wenn ein Teil des Schatzes jetzt Konjunkturpolitisch wirksam eingesetzt würde. Arabisches Postenstehen Schon eine angemessene Beteiligung der jüdisehen Arbeit an den ohnedies geplanten Regicrungsa!beiten (an der es bisher fehlt), würde geeignet sein, eine wesentliche Besseruug am jüdischen Arbeitsmarkt herbeizuführen, ohne die Beschäftigung palästinensischarabischer Arbeiter zu schmälern. Wie sehr alle Erscheinungen der Arbeiterbewegung in Erez Israel von dem Bestehen zweier nationalcr Sektoren des Arbeitsmarktes, die zugleich zwei Sektoren mit stark verschiedenem Lohnniveau sind, beeinflußt werden, zeigt ein Streit, der in diesen Tagen in Jaffa ausgebrochen war. f!n Kampf für die jüdische Arbeit in der jüdischen Wirtschaft, besonders auch iri den Pflanzungen, über dessen Bedeutung für die Möglichkeiten der Arbeiier-Einwanderuug innerhalb der zionistischen Bewegung kein Zweifel besteht, ist das Mittel der Aufstellung von Posten (Mist!innrol) vor Betrieben, in denen jüdische Unternehmer mit billigen arabischen Arbeitern arbeiten, häufig angewandt worden. Auch 111 den Kreisen, die den Ruf nach jüdischer Arbeit mit allem Nachdruck erheben, gibt es über die Zweckmäßigkeit der Auf- Stellung der Posten verschiedene Meinungen, vor allem deshalb, weil es bei dieser Kampftnethode schwer ist, den Eindruck 7u vermeiden, als ob es sich um einen Kampf von jüdischen gegen arabi-clie Arbeiter handle, wahrend in Wh klichkcit der Kampf mit dem jüdischen Arbeitgeber geführt werden muß. Die Tatsache, daß das Mittel der Postenaufstellung sowohl in bezug aut den Ort, als auch in bezug auf die Zeiten, in denen es zur Anwendung gelangt, keineswegs systematisch angewandt wurde, hat wohl die Zweifel gegenüber dieser Kampfform vermehrt. Vor allem beziehen sich aber die Bedenken auf den ungünstigen Einfluß auf das Verhältriis zwischen jüdischen und arabischen Arbeifern, der von den Kämpfen ausgeht, die mit dem Postenstehen verbunden sind. In einer Periode, in der von jüdischer Seite ohne prinzipiclle Entscheidungen jedenfalls viel sparsamer als früher mit dem Mittel der Misclunarot umgegangen wird, haben nun arabische Agitaforen zum erstenmal ihrerseits die Form der Mischmarot nachgeahmt, um einen Kampf gegen jüdische Arbeit zu inszenieren. In Jaffa ist der Bau von zwei Regicrungsbauten (arabischen Schulen) auf dem Wege der Ausschreibung an das Bauimfernebmen der Histadruth, den Misrad Kablani in Tel-Awiw, vergeben worden. Obwohl in den Bedingungen der Vergehung, wie gewöhnlich, nichts über die Beschäftigung von jüdischen und arabischen Arbeitern gesagt war und obwohl arabische Unternehmer, die Regierungsaufträge erhalten, nur in seltenen Fällen auch in kleinem Umfange Juden beschäftigen, hat der Misrad Kablani unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, d. h. der überwiegend arabischen Bevölkerung von Jaffa von Anfang an 3(1 Araber bei diesen Bauten beschäftigt, und er hat, als eine Agitation gegen die überwiegend jüdische Arbeit cinsetzte, sich bereit erklärt, den Anteil der arabischen Arbeiter auf 50 <0י 211 erhöhen. Diese faire, von dem Wunsch, nationale Konflikte zu vermeiden, getragene Regelung hat arabische Politiker nicht gelvindert, gegen die jüdische Arbeit bei diesen Regierungsaufträgen zu protestieren und dabei das Mittel der P o s t c n a u f s t e 1111 11 g vor diesen von einer jüdischen Unternehmung ausgeführten Bauten an/.uweuden. Der Wunsch der Initiatoren war dabei zweifellos, den Eindruck zu erwecken, als ob es sich nun von arabischer Seite nur um das gleiche Verfahren handle, das an anderer Stelle von der Histadruth im Kampf für jüdische Arbeit zur An- Wendung gelangt. Gleichviel wie man die Zweckmäßigkeit der jüdischen Mischmarot vor jüdischen •Betrieben beurteilt, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Fall von Jaffa durchaus nicht a n a- I o g ist. Er wäre analog, wenn ein arabischer Bauunternehmer für einen arabischen Auftraggeber mit jüdischen Arbeitern bauen würde. Ein Fall, den es bisher praktisch nicht gibt. In Jaffa aber baut ein jüdischer Bau- Unternehmer für die Regierung (die im allgemeinen in ihren öffentlichen Arbeiten weit mehr Araber beschäftigt, als es der Zusamme 11 Setzung der Bevölkerung entspricht) und beschäftigt dabei nicht nur Juden, sondern auch Araber. Der Kampf an sich und die Auf- Stellung der arabischen Posten sind also ohne Zweifel unberechtigt, und cs ist begreiflich, daß die jüdischen Arbeiter es bitter empfinden, daß Regierung und Polizei gegenüber diesen arabischen Posten eine sehr viel sanftere Haituug eiunchmen, als in früheren Fällen gegenüber jüdischen Mischmarot vor jüdischen Unternehmen, die im Kampfe um den jüdischen Arbcitsplatz nur im jüdischen Wirtschaftssektor st 3 n ci c n Aber ganz abgesehen von Recht und Unrecht — das Recht auf der Seite des Misrad Kablani, jüdische Arbeiter in dem gemischtnationalen Jaffa bei der Ausführung von Regierungsaüfträgei! zu beschäftigen, ist bei keiner objektiven Betrachtung zu bestreiten — beleuchtet auch dieser Vorfall das schwierigste Problem der palästinensischen Arbeiterbewegung, das Problem der nationalen Spannungen. Und auch die unberechtigte Nachahmung von Kampfformeii, die aus ganz anderer Sifti.1tion entstanden sind, malmt dazu, auf diesem Gebiet das Problem der Formen des Kampfes um das gute Recht auf jüdische Arbeit im jüdischen Wirtschaftssektor immer von neuem unter Berücksichtigung aller unmittelbaren und mittelbaren Wirkungen zu überprüfen. Frauen- und Kinderschutz Die sozialpolitische Gesetzgebung in Palästina stellt in den ersten Anfängen. Sie entspricht dem frühkapitalistischen Stadium in Europa zu Anfang des neunzehnten Jahrlmi!- derts, während Teile der palästinensischen Wirtschaft bereits viel höher entwickelte Formen haben. Von einem Schritthalfen der soziaien Gesetzgebung mit der ökonomischen Entwicklung ist leider keine Rede. Um so größer sind die Aufgaben zur Ausfüllung der Lücken. Bei dieser unbefriedigenden Lage verdient jedenfalls jeder Fortschritt verzeichnet zu werden. Nach einer Verordnung vom ft. Februar 1036 sind einige Verbesserungen im Frauen- und Kinderschutz in Industrie, Handwerk, Verkehr und öffentlichen Arbeiten eingeführt worden. Das Mindcstalter der Kinder, die (ausgenommen Familienangehörige und ausgenommen die Landwirtschaft) beschältigt werden dürfen, wird von 12 auf 13 Jahre heraufgesetzt. Die Maxiinalarbeitszeit fiir Kinder unter 16 Jahren wird von 8 auf 7 Stunden herabgesetzt, mit der Maßgabe, daß nicht mehr als 4 Stunden ohne Pause gearbeitet werden darf. Die Pause muß mindestens 1 Stunde betragen. Kinder lind Frauen müssen einen Ruhetag in der Woche erhalten. Die Ruhetags- und Pausen- Vorschriften gelten auch für die Arbeiten in Läden, Hotels, Restaurants und Vcrgnügungsstatten. Kinder dürfen nirgends zwischen 6 Uhr nachmittags und 6 Uhr morgens, Frauen nicht zwischen 10 Uhr abends und 5 Uhr morgens beschäftigt worden. Welche Bedeutung diese bescheidenen Verbesscrimgen praktisch haben werden, hängt natürlich von der Ausübung der Regierungsaufsicht ab. Die Verordnung erweitert auch die Rechte der Regierung, in den Betrieben die sanitären Verhältnisse, die Raumgröße pro Arbeitskraft und die Sauberkeit zu überwachen. Auch das sind Dinge, die nur daun Wert gewinnen, wenn eine ernsthafte lnspektion eingerichtet wird. Es wird immer eine wichtige Aufgabe sein, darauf zu drängen, daß wenigstens die Bestimmungen der Verordnung nicht nur auf dem Papier bleiben, sondern in der Praxis angewendet werden. Die Leitung der Verkehrs - Cooperative Der Autobus-Verkehr in den Städten, zwisehen den Städten und den Kolonien liegt im jüdischen Erez Israe! ganz in der Hand von Cooperativen, die aus dem Kreise der Arbeiterschaft, der Histadruth, hervorgegangen sind und die diesem Kreise angehören. W'ährend in anderen Ländern die konzessionierte kapitalistische Gesellschaft oder der öffentliche Betrieb von Staat oder Gemeinde auf dem Gebiet des Personenverkehrs vorherrschen, liegt hier dieser Zweig in den Händen von Genossenschaften. Es ist ein großer Erfolg, daß es den vor zehn bis zwölf Jahren gegründeten kleinen Auto-Cooperativen bisher gelungen ist, sich dem gewaltigen Wachstum des Verkehrs in den letzten Jahren anzupassen. Ohne Zweifei sind dabei die Bedingungen der jüdischen Arbeit in diesem Gewerbe bessere, als sie bei anderen Organisationsformen in anderen Ländern und Städten sind. Aber natürlicH steckt diese Entwicklung genossenschaftlicher Großbetriebe voll von Problemen in bezug auf Organisation, Kapitalbeschaffung, Verhältnis zur Histadruth usw. Die größte dieser Autobus-Cooperafiven ist der ״Maavir“, der den Verkehr in Tel-Awiw versorgt. Er zählt heute 220 Genossen, die den Dienst als Auto-Fahrer und den Verwaltungsdienst allein versorgen (daneben sind Arbeiter im Garagendienst und Billett-Verkäuferinnen gegen Lohn beschäftigt); er hat ein Eigenkapital von £P 00000, besitzt 140 Autobusse und befördert monatlich rund 3 Millionen Fahrgäste. Vor kurzem ist die erste Nummer einer Bctriebszcitschrift ״Hamaavir“ (ein Heft von 50 Seiten) erschienen, das einen sehr interessanten Einblick in die vielfältigen und besonderen Probleme dieser Cooperativen gewährt. Man erfährt aus dem Heft, daß von den 220 Genossen 150 in den letzten drei Jahren eingetreten sind. Die meisten von dieser Mehrheit der Neuen sind nicht nur neu in der Cooperative, sondern auch neu im Lande. Sie kommen aus den verschiedensten Berufen im Ausland, und da der Eintritt eine Kapitaleinzahlung von mehrcren hundert Pfunden erfordert, kann man verstehen, daß es sich fast durchweg um Neulinge, wenn nicht um Fremdlinge, in der Arbeiterbewegung handelt. Nehmen wir die Sprachschwicrigkeitcn hinzu und die inneren Reibungen, die um die Fragen der Leitung bei jeder großen Produktions- oder Verkehrs- Cooperative entstehen, so ist es leicht, die Bedürfnisse auf dem Gebiete der Erziehung zu verstehen, denen die neue Betriebszeitschrift dienen soll. Das erste Heft handelt von der Entwicklung der Cooperative, von ihrer Verbindung zur Zentrale der Cooperativen der Histadruth, von der Gründung einer gemeinsamen Material-Einkaufsgesciischaft der Verkehrs-Cooperativcn unter der Firma ״Nua“, von inneren Kämpfen um die Leitung, von organisatorischen und verkehrstechnischen Fragen und vom Revisionswesen. Ein weites . Feld und ein erfreulicher Ausdruck der Tatsaciie, daß es zum mindesten einen Kreis von Führern in diesen Genossenschaften gibt, der sich der Schwere der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme bewußt ist, die das schnelle Wachstum und die Stellung (Jer Verkehrs-Cooperativcn in der Oeffentlichkeit mit sich bringen. Vom Standpunkt der Arbeiterbewegung ist die wichtigste und komplizierteste Frage die, inwieweit solche Cooperativen, bei denen der Zugang neuer Mitglieder von einer nicht unerheblichen Kapitaleinlage abhängig ist — man kann also ohne Uebcrtrcibung sagen, für Pro letarier gesperrt ist — und die stark von besonderen Wirtschaftsinteresscn beherrscht sind, noch den Charakter der Arbeiter-Wirt- Schaft tragen. Dabei ist cs auch wichtig, daß — betriebstechnisch vielleicht unvermeidlich — die Zahl der in Lohn Beschäftigten bei den Cooperativen wächst, so daß sich Mitglieder der Histadruth als genossenschaftliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenüberstehen. Gfwiß müssen die neuen Genossen der Cooperative Mitglieder der Histadruth sein. Aber ohne Zweifel wird diese Mitgliedschaft oft ohne innere Bindung, einfach als Erfüllung einer Bedingung erworben. Und diese Bcdingung ist natürlich leichter zu erfüllen, als £P 500 aufzubringen sind. Selbstverständlich ist es für die Histadruth wichtig, sich auf diesen wichtigen Wirtschaftszweig den größtmöglichen Einfluß zu sichern, aber ebenso selbstverständlich ist es eine Gefahr, wenn durch die Zurechnung von Cooperativen, die mit dein Geist der Gewerkschaft in Wider- Spruch geraten, der Charakter der Arbeiterbewegung leidet. Hier stecken Probleme, die aus der Eigenart der palästinensischen Ent- Wicklung erwachsen sind. (Schluß des Palästina-Teils) y! Kühlerhauben Frostschutzscheiben Frostschutzmittel Heizöfen Stsmti. Autozubehör je II#* Gebrüder MWy Siebentel d BERLIN W. äoachlmsthaler Str. 22 / 3 2. 1744 Benin C. *leunaerstr. 80 / I *, 4070 ״Rutschnib“ - verfahren, 100 gieitsicfierl wer fährt Mitte April mit n, Barcelona? :17 Wilmdf. 7392 tf.rt.ng.11 81« Sbloigen-Pr.l.ll.t« Nr, 4 dJJBFORD Spezial. Reparatur »v0v erkstatt Moritz Gaiberg, Berlin NO 55 Grcifswalder Str. 23 * E 3 Königst. 4297 Bcnraucmen Lastwagen zu kaufen gesucht. Off. u. 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