Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1936)
- Date
- 1936-03-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PÄIASTINÄ-BLÄTT NR. 20,10. MAERZ 1936 Unter veränderten Verhältnissen Die Finanzpolitik und Einwanderungspraxis der Jewish Agency im Zeichen der heutigen Lage Palästinas Gespräche mit EL Kaplan und Werner Senator Von unserem palästinensischen Korrespondenten Die in Luzern gewählte neue Exekutive der Jewish Agencp ist jetzt bald ein halbes Jahr an der Arbeit. Sie hat sich im Verlauf der erschwerten wirtschaftlichen Entwicklung vor große und schwierige neue Probleme gestellt gesehen. Die Exekutive ist augenblicklich im Begriff, zur Besserung der Wirtschaftslage und zur Gewinnung neuer Mittel für den Palästina-Aufbau eine Reihe wichtiger Aktionen durchzuführen. Unser palästinensischer Korrespondent hat daher mit mehreren Mitgliedern der Exekutive Unterhaltungen geführt, um genaue Informationen über die gegenwärtige Situation und die Pläne für die nächste Zukunft einzuholen. Wir bringen nachstehend auf Grund der von Elieser Kaplan und Werner Senator gegebenen Aufschlüsse einen Bericht über die Finanzlage und die Finanzpläne der Jewish Agencv und eine Darstellung der Situation im Einwanderungsdepartement. Diese Darlegungen gewinnen an Interesse durch die Beratungen in London, die sich auf die Gesamtplane der künftigen Aufbauarbeit beziehen und insbesondere auch Finanzfragen betreffen. Zu diesen Beratungen sind. Elieser Kaplan und der Direktor der Anglo-Palestine Bank Hoofien aus Palästina in London eingelroffen. (Red.) Finanzlage und Finanzpläne der Jewish Agency g!. Tel-Awiw, Ende Februar 1936 Bei der gegenwärtigen Situation, wo von der Potenz und Liquidität der wirtschaftlichen Leitung des Jischuw in hohem Grade die Ueberwindung der augenblicklichen Wirtschaftsflaute abbängt, ist die Finanzlage der Jewish Agency von besonderem Interesse. Von ihrer Fähigkeit, regulierend und ermunternd in die Wirtschaft einzugreifen, wird es zu einem guten Teile abhängen, ob es sich bei den gegenwärtigen ökonomischen Schwierigkeiten im Lande um eine vorübergehende Episode oder uni einen langdauernden Stillstand handelt. Und die Wirtschaftspläne, die heute in der Agency bearbeitet werden, sind von Wichtigkeit nicht allein für den Sektor der ״Nationalen Wirtschaft“, mit dein sie aufs engste Zusammenhängen, sondern für die gesamte ökonomische Entwicklung des Landes. Nach den Mitteilungen des Schatzmeisters der Jewish Agency, Elieser Kaplan, der bereits seit dem Jahre 1933 dh Finanzen der Agency verwaltet, setzen sich die Einnahmen de1־ Exekutive in der Hauptsache aus vier Posten zusammen: die Eingänge des Keren Hajessod, die durch Sammlungen in allen Ländern der Welt aufgebracht werden; die Einnahmen äfas den von den Immigranten entrichteten Gebühren; die Realisation von Eigentum der Agency (insbesondere Böden, die bei bestimmten Gelegenheiten von Gesellschaften übernommen wurden); und schließlich die Einkassierung von Schulden. Was den ersten Posten, die Einnahmen des Keren Hajessod, betrifft, so haben sich die Eingänge bisher ungefähr entsprechend den Erwartungen gestaltet. Freilich hängt das Endresultat von dem Erfolg der beiden Drives in den wichtigsten Ländern ab, die die größten Beiträge zum Keren Hajessod-Budget liefern, nämlich Amerika und Südafrika. In Amerika beginnt die Kampagne jetzt, in Südafrika wird sie im April anfangen. Von der Leistung dieser Länder, von der man befriedigende Resultate erhofft, wird die Gesamtgestaltung des Budgets abhängen. Was die Eingänge aus den Einwanderungsgcbühren betrifft, so haben sie sich in den letzten Monaten durch den kleineren Immigrantenstrom verringert. Früher deckten diese Gebühren die Ausgaben des Einwanderungsdepartments und lieferten eventuell auch einen IJeberschuß. Durch die veränderte Lage in der Einwanderung und im Lande, sind die Einnahmen gesunken. Die Ausgaben dagegen müssen dieselben bleiben, da eine sofortige Vcrringerung des Apparats nicht leicht durchführbar ist um! zudem augenblicklich im Zusammenhang mit der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkte an das Einwanderungsdepartement vergrößerte Anforderungen gestellt werden. In den Zeiten des raschen Wirtschaftsumlaufs leerten sich die Bate-Olim, die Einwandererheime, sofort wieder, weil die Ankümmlinge unmittelbar an Arbeitsplätze abgesaugt wurden. Heute ist es vielfach nötig, die Immigranten hier länger zu halten und zu versorgen, wodurch der Agencv größere Ausgaben entstehen. Die Realisierung der in der Hand der Agency konzentrierten B öden ist ebenfalls durch die heute verschied!- terte Marktlage schwieriger geworden. Diese Böden sind heute auch noch wertvolle Objekte, aber sie liefern weniger als in den Zeiten der Konjunktur, so daß auch dadurch eine gewisse Kontraktion der Einnahmen verursacht wird. Aehniich liegen die Dinge beim vierten Posten, der Kassierung der Schulden, die heute naturgemäß schwerer einzutreiben sind als im Vorjahre. Dennoch ist es dem Finanzamt der Agency gelungen, die Balance in den Ein- und Ausgaben bisher zu halten. Es wurden bei den ersten Anzeichen schwererer Zeiten gewisse Beschneidungen im Budget vorgenommen und damit die Gefahren neuer Schuklcnkontraktionen verhütet. Außerdem war die Möglichkeit gegeben, auf den in den letzten Jahren angcsammeltcn Reservefonds zurückzugreifen. Und hier liegt der Ansatzpunkt für die neuen Wirtschaftspläne der Agency. Pläne für Arbeitsbeschaffung Mit dem Beginn der Arbeitslosigkeit hat die Exekutive zusammen mit anderen Wirtschaftsinstanzen, insbesonderem:t der Arbeiterorganisation, die Mittel beraten, die zu enter Entspannung der Arbcitslage zu ergreifenseten. Das Schatzamt der Agency war in der Lage, £ 13 000 aus dem Reservefonds diesen neuen Projekten zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiterorganisation steuert aus dem seit langem gesammelten Arbeitslosenfonds ebenfalls £ 15 000 bei. Auf diesen Grundfonds hin werden Obligationen ausgegeben, zu deren! Ankauf sich eine führende Finanzstelle bereits erboten hat. Diese Obligationen werden das Vierfache des eingc/abiten Kapitals, also £ 120 000, betragen, so daß ein Fonds von £ 150 000 entsteht. Die Vorverhandlungen sind bereits soweit gediehen, daß der Beginn der Arbeiten noch in den nächsten Wochen zu erwarten ist. Es dürfte dann möglich sein, mit den aus diesem Fonds finanzierten Arbeiten 2000—3000 Menschen in Arbeit zu bringen. Das ist ein hoher Prozentsatz der gesamten Arbeitslosen. Es würde damit nicht nur unmittelbar Hilfe geleistet, sondern auch eine erhebliche Entspannung des Arbeitsmarktes erreicht werden. Die damit geschaffene Ankurbelung kann unter Umständen genügen, um das Interesse an Investit i o n e n von neuem zu heben und damit die gegenwärtige Flaute im Laufe einiger Monate zu liquidieren, wenn nicht unvorhergesehene neue Zwischenfälle von außen kommen. Die Wirtschaftsaktionen der leisten Monate in der letzten Zeit sind von der Agency eine Reihe von wichtigen Ökonomischen Aktionen durcligefülrrt worden, die zum Teil der Stärkung ihres Einflusses in bestehenden Unternehmungen, zum Teil der Schaffung neuer wirtschaftlicher Instrumente dienen. Zur ersten Kategorie gehören die Investitionen in der Hule-Kon Zession, die die nationale Kontrolle über dieses wichtige Kolonisationsgebiet sicherstellten. Außerdem wurde die ״Bank Hachaklaitn Leumiim“ geschaffen, eine Bank für Pflanzer, die ausschließlich solchen Plantagenbesitzer dienen wird, die jüdische Arbeiter beschäftigen. Es besteht bekanntlich bereits eine Bank des Pflanzerverbandes (Hitachduth Haikarim); diese bedient jedoch alle Mitglieder dieser Gruppe, in der sich eine große Zahl von Plantagenbesitzern befinden, die Araber beschäftigen. Das neue Finanzinstrument soll den mit Juden arbeitenden Plantagenbesitzern zu Hilfe kommen und ihnen Die Pflanzung des Rupp Eingang in den neuen Garten _־ ' '. tk-, * ktöA* ■«■fcL ה ■׳6 ein Instrument im Kampfe um die Ausbreitung der jüdisehen Arbeit in die Hand geben. Das Kapital der neuen Bank beträgt £ 30 0(X), von denen £ 25 (XK) von der Anglo-Palestine Company, £ 5000 vom Keren Hajessod beigesteuert wurden. Das Kapital soll durch Beteiligung aus den Kreisen der Intercssenten vergrößert werden. Eine weitere Gründung, die jetzt vollendet ist, ist die Kolonisationsgesellschaft, die auf dem Kongreß beschlossen wurde und jetzt von der Regierung bestätigt worden ist. Das Kapital beträgt £ 50 000. Der Gesellschaft wird von jetzt an das Kolonisationsbudget des Keren Hajessod zugeführt und es besteht der Plan, das Kapital durch Obligationen zu vergrößern. Der Plan einer inneren nationalen Anleihe Die genannten Gründungen sind auf lange Sicht gesehen die Vorläufer einer großen F inanzaktio n, die jetzt von der Agency vorbereitet wird und die materiellen Arbeitsmöglichkeiten auf eine breitere Basis steilen soll. Es wird an einem Projekt gearbeitet, daß entweder durch Ausgäbe von Spezialobligationen oder durch die Bildung eines gemischten Trusts ein Anlagcpapier schatten soll, das die bereits bestehenden Wirtschaftswerte im Lande als Grundläge nimmt. Durch die Ausgabe eines derartigen Papiers wira den Juden in Palästina und in den Ländern der Galuth die Möglichkeit gegeben, in Palästina auf einer sicheren Grundlage zu investieren. Die Siedlung erhält andererseits durch den Verkauf derartiger Papiere zusätzliche Mittel in die Hand, die eine Beschleunigung und Er- Weiterung des Aufbaus ermöglichen. Es handelt sich also mit anderen Worten tun die Vorbereitung einer großen inneren Anleihe, die dem Palästina-Aufbau dienstbar gemacht werden soll. Es ist möglich, daß, wenn diese Versuche in jüdischen Kreisen gelingen — und die Perspektiven dafür sind nicht übel —, die Aktion später auch auf weitere Kreise ausgedehnt werden kann. Das Interesse, das die Londoner City z. B. in den letzten Jahren an Investitionen in Palä- -Gartens in Deganiah muM Angehörige der Jugend*Alijah als Zuschauer auf dem Dach 111 res W ohnhan ses düste hei der i'evr für f)\ Bגי;י/׳-!. I. Dr. B;tü!dn, 2■ J. H'i a sh״. I i e d r IV!!eh st i n in H<׳ch r,volh, 3. Josef Baraz, Dega,daht 4, Josef SpriiizaU, 5. Dr. Fischet Hoi teil streich, Ö. L>r. Jakob l hon von der F.L D Clotott: ürusiiikc*s, Jerutaieui