Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 KINDER-RUNDSCHAU Seite 7 VW/ Der Tag־ ging zu Ende. Der große Wald liegt dunkel in dem Tal zwischen den hohen Bergen. Der Hinke Hirsch läuft vorbei und verkündet: ״Es ist Zeit der Ablösung der Wachen...“ Die Tagestiere, die von der Morgenwache an bis in die Nacht hinein sich abgemüht haben, können jetzt zur Ruhe gehen. Nun müssen die Nachttiere sie ablösen und ans Werk gehen. ״Zeit der Ablösung der Wachen...“ Die Tiere legten ihr Arbeitszeug weg, putzten ihre Kleider, stellten sich in einer Reihe auf. Nun heißt es: Nach Hause! Hier findet ihr den Bären, den Affen, den Elefanten und den Fuchs; groß und klein, alles begibt sich zur Ruhe. Aber wer ist der Junge, der sich dort nähert? Er irrt umher, geht von einem Baum zum anderen, sieht sich um... Wer ist’s, der es wagt, in die Geheimnisse der Waldtiere einzudringen? Hört, hört einmal die leise Melodie, die er singt: ״Weit, weit im Wald, Dort zwischen Berg und Tal Gibt es einen Zauberquell.. Jetzt bleibt der Junge stehen, er bricht sein Lied ab, horcht. Er vernimmt ein leises Weinen ganz in seiner Nähe... Wer weint hier? ״O weh, o weh! Wie finde ich den Weg?“ Eine Ameise! Ja, eine ganz kleine, dunkle Ameise. Der Junge tritt auf sie zu, winkt ihr und streckt seine Hand aus: ״Was fehlt dir, Kleine?“ ״Ach, zerdrücke mich nicht.“ ״Nein, ich möchte dir helfen. Du hast dich sicher veiirrf.“ ״Ja, ich habe mich verirrt, und ich kann nicht über diesen Sumpf kommen.“ ״Komm, ich bringe dich hinüber.“ ״Und du wirst mir nichts Schlimmes tun? Ihr Kinder zertretet doch die Ameisen?“ ״Brauchst dich nicht zu fürchten. Ich tue dir nichts. Ich nehme dich aut meine Hand und führe dich über den Sumpf.“ Er streckte seine Hand aus, und sie kletterte hinauf. ״Du bist so leicht wie eine Feder.“ ״Und du so groß wie ein Sumpf.“ ״Haha ... Hihi..Beide lachten und waren froh. ״Ich danke dir, Knabe. Sei gesegnet.“ ״Lebe wohl, Ameise. Sei auch du gesegnet.“ Wieder ist es still, aber plötzlich hört der Knabe: ״Qua—qua, qua—qua..Ein Frosch in einem grünen Rock spielt mit seinem Töchterchen. Sie springen, wälzen sich umher und tanzen sogar. ״Mutti, Mutti, ein Gast. Schau hin. Wie groß, wie komisch er aussieht. Unten zwei Holzklötze und oben ein hoher Berg. Komm zu uns, wir empfangen dich mit Freude, wir bewirten dich mit weichem, schönem Schlamm.“ ״Schlamm? Wie schmeckt denn Schlamm? Ich trinke nur Wasser.“ ״Wasser? Wie schmeckt denn Wasser? Wir trinken nur Schlamm. Hahaha, qua—qua.“ ״Komm zu uns, lieber Gast, wir heißen dich willkommen.“ ״Frosch, Fröschlein, grünes Röcklein, vielleicht kannst du mir helfen?“ ״Was?“ ״Komm näher, ich will dich etwas fragen.“ ״Bitte l“ ״Sage, vielleicht weißt du, wo der Zauberquell ist?“ ״Der Zauberquell?“ ״Ja, der Quell.“ ״Qua, qua, qua!!! Was erzählst du? Der Zauberquell? Das ist doch ein Geheimnis der Tiere. Das können wir nicht den Zweibeinigen enthüllen. Nimm dich in acht, Knabe, geh fort von hier!“ Und der Frosch erzürnte. Er schwoll ganz an vor Wut und platzte beinahe. ״Nimm dich in acht. Bald werden alle Tiere erscheinen, sie zerreißen dich. Wie hast du es nur gewagt, hierher zu kommen? Geh schnell nach Hause.“ ״Nein, ich kann nicht zurück. Ich habe es beschworen. Himmel und Erde sind Zeugen.“ Sie sprechen noch, und schon vernehmen sie Brummen und Gebrüll, (Schluß) ״Die Tiere! Die Tiere!“ Jetzt erbarmte sich der kleine Frosch des Jungen, öffnete ihm den Stamm eines Baumes und sprach: ״Verstecke dich schnell, stecke deinen Kopf nicht heraus, atme nicht.“ Doch bald merkten sie alle: der Elefant, der Affe, der Fuchs, der Bär, daß ein Mensch im Walde war. ״Ein Mensch kam hierher.“ ״Der große Feind der Waldtiere.“ ״Er will die Quelle entdecken.“ ״Den Zauberquell.“ ״Eine Gefahr, eine Gefahr, auf zur Versammlung, zum Löwen.. .״ Der Löwe saß obenan, an den Stamm eines abgehauenen Baumes gestützt. Stolz schüttelte er seine Mähne. Zu seiner Rechten und Linken saßen der Fuchs, der Ratgeber mit dem Tagebuch unter dem Arm, der Bär, der Höfling mit einem Besen in der Hand, der Affe mit einer Brille, auch der Frosch und sogar das kleine Fröschlein in einer neuen Mütze, und noch viele andere Tiere. Eine gewaltige Ver- Sammlung. Und auch der Junge ist hier, Rami. Ja, er ist es, der an den Beinen und Händen gebunden und mit gesenktem Kopf hier steht. Er traut sich nicht, die Augen aufzuschlagen. ״Wasser“, fleht er, ״Wasser aus ■der Quelle für Gami, für meinen lahmen Freund, erweist uns eine Wohltat.“ ״Eine Wohltat? Hast du etwa den Tieren eine Wohltat erwiesen? Du Menschenkind, du zerdrückst die Fliegen, schreitest über Ameisen, tötest die Vögel, stellst Fallen auf, vernichtest Schmetterlinge... Eine Wohltat? Hast du auch nur ein einziges Mal Irgendeinem Lebewesen eine Wohltat erwiesen? Tiere, gibt es unter euch ein einziges, zu dem der Junge gut war? Es möge aufstehen und es sagen. Nein? Nun siehst du, deine Stunde schlug, du erhältst die verdiente Strafe.“ Und ach, wie furchtbar sah der Löwe aus, als er dies sprach. Wie schrecklich sahen die Tiere aus, als sie auf ihn zutraten. Das Ende ist gekommen. Gibt es überhaupt noch jemanden, der ihn retten könnte? Plötzlich kam die Ameise herbei: ״Löwe, Löwe“, rief sie aus allen Kräften, ״mir hat er eine Gnade erwiesen. Er brachte mich über den Sumpf. Er trug mich auf seiner Hand. Vom Tode hat er mich gerettet.“ Alle blickten auf Rami. ״Wirklich? Er erbarmte sich der Ameise? Dann bindet seine Hände und Beine los. Dann zeigt ihm auch die Quelle.“ Und so fand Rami den heilkräftigen Zauberquell. Mus ,,Gibborim ktanim“ ins Deutsche übersetzt von F. R. Meine schönsten Bücher Einige meiner liebsten Bücher sind: Der kleine Johannes (von Eden); Michael Arpad und sein Diener (von Mihaly) und Hiob (von Roth). Das erste, weil es sinnbildlich die Erlebnisse eines kleinen Menschen sehr schön darstellt. Das zweite, weil es mit sehr viel Echtheit die Wanderung eines Zigeuners lind seines Kindes Mascha erzählt. Mascha war bei einer französischen Bäuerin in Wohlstand erzogen worden, bis ihr Vater kam und sie von dort wegholte, um mit ihr ein großes Wanderleben anzufangen. Beide sind sehr kindlich. Der Vater sieht voll Achtung zu seinem guterzogenen Kind auf, und Mascha bewundert die Kunststücke und Spielereien des Vaters. Sie sprechen verschiedene Sprachen und verstehen sich trotzdem. Zuerst sind sie sich noch ein bißchen fremd, aber durch gemeinsame große Not lernen sie sich gut kennen und fühlen sich zusammengehörig. — Das dritte Buch gefällt mir so gut, weil es sehr tief das Leben und die Auswanderung russischer Juden schildert. Man kann sich eine gute Vorstellung von dem Leben der russisehen Juden machen. Inge Lewkowitz (12 Jahre), Berlin (Weitere Antworten auf diese Rundfrage müssen wegen Raummangel für nächste Nummer Zurückbleiben.}