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Jüdische Rundschau · 1936-02-28 · Heft 17 (28.2.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 17 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 17 ׳׳ Jahrgang 41 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU Scfariftleltnng,Vertag a. Acxelgeoverwaltangi BerHnW15,Melneke>tr.lO Fsnirui• Ssmniel-Nr )1 Bismarck 3181/82, 7165/70, 7240/42. - Bcrugspreis einschL B«*t«ligeld je Monat RM 2»-, je Vierteljahr HM 5,75. bei Abholung HM 1,88 batw. RM 5.39. —י Postscheck ־ Konten der Vertriebs Abteilung: Berlin 71573 (für Gruft - Berlin , Berlin 17392 flm das übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch aui Nachlieierung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beeugsgebührcn — Erscheint Jeden Dienstag and Freitag. BERLIN ה׳ אדר תרצ״ו FREITAG, 28. FEBRUAR 1936 Gültig t Anseigenpreisliste Nr. 4. Die 12 gespaltene mm-Zeile 20 Rpf, fas Familiennachrichten 15 Rpl. Aufnahme von Anzeigen an bestimmten 1 agen oder Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Gelegenheit*״ anzeigen nur hei Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Donnerstag 9—18 Uhr, Freitag 9 —16 Uhr- Annahme«chluft für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die!־reitag - Auagäbe Mittwoch 13 Uhr. (Für Famüienanzeigen am lag vor Erscheinen 12 Uhr) Dar Zionismus erstrebt für das ]Qdische Volk die Schäftung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) f 11 ־ t f {} \ Palästina-Debatte im Oberhaus ^'1""י RuPPin Lord Lytton, Lord Lothian o. a. kritisieren den Legislative Council-Plan Die Antwort der Regierung: Hinausschiebung schafft Gefahr von Unruhen London, 26. Februar. (JTA.) Im englischen Oberhaus!and am 26. Februar eine Aussprache über den Plan der Einsetzung eines Legislative Council in Palästin a statt. Eine Reihe Mitglieder des Oberhauses übte scharfe Kritik an diesem Projekt, durch das die nationalen Gegensätze in Palästina verschärft und eine Entfremdung der Juden gegenüber England herbeigeführt werden konnte, ln diesem Zusammenhang wurde auch erklärt, daß das jüdische Bevölkerungselement in Palästina einen Faktor der Sicherung für eine englische Lufttlotten-Basis darstelle, während z. B. im Irak eine solche Sicherung nicht gegeben sei. Die Debatte wurde von dem der Labour Party angeliörenden Lord S n c 11 eröffnet. Er verlangte, dal! die Regierung das Projekt einer n e u e r 1 i e h c n P r ü f u n g unterziehe. Der Redner wies darauf hin, daß das Land heute für eine zentrale Selbstverwaltung noch nicht reif genug sei und eine solche gar nicht wünsche. Es wäre vielmehr im gegenwärtigen Augenblick ein Zehnjalires-Plan für die allmähliche Entwicklung lokaler Seiltverwaltungseinrichtimgeii aufzustellen. Der Earl of Lytton ein Mann, der durch seine besonders großen Erfahrungen aut dem Gebiet der Kolonialverwaltung bekannt ist, spendete zwar dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchopc, hohes Lob für das von ihm bei der Bewältigung seiner schwierigen Aufgabe im allgemeinen bewiesene Geschick, sagte aber, der Plan eines Legislative Council sei ein ״höchst gefährlicher Vorschlag“. Die Palästina-Regierung habe, neben der schwierigen Aufgabe, widersprechend e Verpflichtungen bei der Verwaltung des Landes im Interesse von Arabern und Juden miteinander in Einklang zu bringen, auch die weitere Verpflichtung, Selbstvcrwaltungscinriehtungcn zu schaffen. Selbstverwaltung könne aber nur herbeigeführt werden durch die Zusammenarbeit aller Einwohner innerhalb der gewählten Vertretung. Verwaltung des Landes aut Grund des Mandates setze die Annahme der Mandatshcstimm ungen voraus. Gerade das aber sei es, was die Araber niemals haben tun wollen, sie hätten cs im Gegenteil niemals verhehlt, daß ihnen die Bestimmungen des Mandats äußerst zuwider sind. Dieses Hindernis bestehe fort und in den letzten Jahren sei nichts geschehen, das es hätte ändern können. An diese Bemerkungen knüpfte Lord Lytton seinen Vorschlag, eine königliche Ko m m i s s i o n von Männern mit Erfahrung in Verfassungsfragen des Reiches nach Palästina zu entsenden, wie dies im Falle Indiens geschoben sei. Das würde die Regierung in die Lage versetzen, die öffentliche Meinung in England und in Palästina festz.ustellen, bevor sie ihre Politik bekannt gebe. Der Vorschlag Lord Lyttons, eine königliche Kommission zum Studium der Verhältnisse nach Palästina zu entsenden, wurde von Lord Lothian wärmstens unterstützt. Er erklärte, stets vollste Sympat h i e für die B a 1 f o u r - I) e k i a r a t i o n gehegt zu haben und erinnerte daran, daß nach einer Aeußcrung Lord Balfours die Kulfurwelt dem jüdischen Volk eine Wiedergut- 111 a c 1111!1 g für die 2000 Jahre schulde, in denen das jüdische Volk heimatlos und überall in der Minderheit war. Die Leiden der Juden als Minderheit würden jedermann angesichts der heutigen Ereignisse lebhaft zum Bewußtsein gebracht. Der Redner kam sodann auf die Gegensätze zu sprechen, die bei der I)urcliftiliinng der Politik der Balfour-Deklaration /w ischen Juden lind Arabern entstanden sind, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß bei der Jugend in Palästina ein palüstniens i s c 11 c s Nationalgefüll! entstellen werde, so wie es in Südafrika ein afrikanisches Nationalgefühl gebe. Von diesem Gefühl winden Araber und Juden in gleicher Weise beseelt sein können. Bei seinem letzten Besuch in Palästina sei er von der umformenden Wirkung des Lebens auf die Jugend des Landes tief beeindruckt worden. Solange aber nationale und religiöse Gegensätze in so ausgeprägter Weise vorhanden sind wie im Palästina von heute, sei jeder Versuch, ein konstitutionelles R e g i m e eiii/ufuhren, höchst gef ä h r 1 i c 11 und würde aller Voraussicht nach die bestehenden Gegensätze verschärfen. Es möge ein Weg gefunden .werden, um dem Volk die Aeußertmg seiner Ansic!11e11 zu ermöglichen, was aber nicht bedeuten würde, daß man einem geset/gebenden Rat die Macht gibt, Entscheidungen durch ein Mehrbeits- Votum zu treffen. Den Vorschlägen der beiden Vorredner schloß sich auch Lord Jcssel an, der auf die Mißbilligung des Plans eines Legislative Councils auch auf arabischer Seite liinwies. Lord Eli bank erklärte, der Gegenstand, der zur Debatte stehe, könne Rückwirkungen nicht nur in Palästina, sondern in der ganzen Welt haben. Die Anstrengungen auf Grund des Mandates seien aut die Errichtung eines Nationalheims für Juden in Palästina gerichtet, erforderten aber auch tair play für alle Teile der Bevölkerung. Die Palästina- Regierung habe in bewundernswerter Weise das Gleichgewicht zwischen den beiden Hauptteilen der Bevölkerung aufrecht erhalten. Lokale Selbstverwaltung solle wohl in dem Lande ermutigt werden, diese lokale Selbstverwaltung aber würde eine Vorherrschaft der Ar a her s c ha f - teil. Lord Elibank machte zum Schluß den Vorschlag, einen nur aus ernannten Mitgliedern bestehenden Legislative Council zu schaffen, dem fünf Araber, fünf Juden und sechs Beamte angehören sollen. Auch Lord Mansfield trat für die Entsendung einer königlichen Kommission und Aufschiebung des Legislative Council bis zur Beruhigung der nationalen und konfessionalen Spannungen ein. — Lord M e 1 c 11 e 11 sagte, daß die Ein- Setzung des Legislative Council der Gesamtheit des arabischen Volkes in keiner Weise nutze, sondern möglicherweise nur eine Förderung der politischen Führer der Araber bedeute. Dagegen seien die Vorschläge nicht geeignet, eine Befriedung in Palästina herbeizufiihren. Er glaube, daß der High Commissioner in dieser Frage schlecht beraten sei. Der High Commissioner halle gehofft, daß es seinem persönlichen Einfluß gelingen werde, Juden und Araber zu einem Gan/eri zus,!mmenzt1schweißen. Es sei aber zu befürchten, daß dies in der Weise, wie es jetzt versucht werde, nicht möglich sein wird. Als letzter Redner sprach in der Debatte Lord Mar- 1 e v, der erklärte, Palästina sei in den letzten drei Jahren zu einem Problem nicht rein britischen, jüdischen oder arabischen, sondern internationalen Charakters geworden, das für viele Nationen Bedeutung erlangt habe. Die Antwort der Regierung Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl o f P I y - mouth, führte in der Rede, die er am Schluß der Palästina- Debatte im (Überbaus hielt, namens der Regierung u. a. folgendes aus: Diese Angelegenheit werde sowohl in Palästina als auch von der Regierung in England unter jedem möglichen Gesichtspunkt gründlich erwogen werden. Die Vorschläge seien weder dem Wortlaut, noch dem Geist des Mandats entgegengesetzt. Tatsächlich verpflichte das Mandat die Mandatarmacht ausdrücklich, daß das Land für die Entwicklung einer Selbstverwaltung vorbereitet werden soll. Schon 1022 sei die Errichtung eines Legislative Council vorgeschlagen und durch Versprechungen der Regierung gutgeheißen worden. Alles, was darauf hindeuten könnte, daß die Regierung die Erfüllung dieser bestimmten Zusagen — und niemand könne leugnen, daß es bestimmte Zusagen waren — auf unbestimmte Zeit hiiiatissehieben wolle, würde das Vertrauen zur Regierung in Palästina schwer erschüttern und zu ernster U n r u h e führen. Es gäbe nur die Frage, fuhr Lord Plymouth fort, ob der gegenwärtige Augen hi ick für die Einsetzung des Legislative Council geeignet sei, und ob die Schaffung des Councils die Macht der Regierung, ihre Mandatspflicht zu erfüllen, sichern werde. Nach gründlicher Erwägung sei der High Commissioner zu der Ansicht gelangt, daß dieser wichtige Schritt jetzt geschehen und nicht länger hinausgeschoben werden soll. Es sei seine Meinung, daß im allgemeinen Interesse des gesamten Landes die Einsetzung dieses Councils außerordeiitlieh wünschenswert sei. Er könne nicht ziigeben, daß seine Einsetzung nur zu Reibungen und Zwietracht führen würde. Er hoffe und glaube im (}egenteil, daß der Rat ein faires verfassungsmäßiges Instrument für den Meimmgsausdruck darstellen werde. Er sei auch wünschenswert als das andere Ausdrueksmittel an Steile gewalttätiger Propaganda und öffentlicher Kundgebungen, die gegenwärtig in Palästina stattfinden. Der Earl of Plymouth sagte weiter, daß heute schon Juden und Araber in vieler Hinsicht I! a r 111 o 11 i s c 11 z 11 s a m m e n - halten. Als Beispiel solcher Zusammenarbeit führte er die Stadträte in den größeren Städten und die Komitees, die sich mit Handel, Landwirtschaft und Eisenbahnwesen befassen, an. Er erklärte, er sei davon überzeugt, daß es in Palästina z u e r n s t e n U 11 r u 11 e!1 ko m 111 e 11 w ii r d e, wenn es den Anschein hätte, daß die Regierung nicht beabsichtige, ihre wiederholten Zusicherungen in dieser Angelegenheit wahr zu machen. Jeder Versuch einer weiteren Hinausschiebung durch Einsetzung einer königlichen Kommission oder auf andere Weise würde von den Arabern als eine Ausflucht für den Bruch der Versprechungen aufgetaßt werden, die die Regierung gegeben hatte. Der Unterstaatssekretär schloß seine Ausführungen, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das jüdische Volk bereit sein werde, seinen Platz im Legislative Council einzunehmen und an einem Reformwerk mitzuarbeiten, von dem die Reßierung glaube, daß es zum Wohl der Gesamtbevölkerung Palästinas geschehe. Nach der Antwort des Unfersfaafssektefärs erklärte Lord S n e II, daß er seinen zu Beginn der Debatte gestellten formellen liilerpellationsantrag, daß der Plan der Einsetzung eines Legislative Council im Hinblick auf den weit verbreiteten Widerstand gegen einen solchen Plan zurück gestellt werden möge, bis־ man größere Erfahrung mit den lokalen Selbstverwaitmigseinriclitungen in Palästina gewonnen haben werde, zurtick/iehe, da die Antwort der Regierung ihn befriedigt habe. (Dies ist nur eine Formalität, da derartige ״Anträge“ stets nur die Herbeiführung einer Aussprache bezwecken und dann zurückgezogen zu werden pflegen. — Anni. d. Red.) Zu seinem 60. Geburtstag Es ist immer eine mißliche Sache, private Ereignisse zum Gegenstand öffentlicher Behandlung zu machen. Der Brauch, Geburtstage von Persönlichkeiten öffentiicher Tätigkeit zu begehen, hat aber seine tiefere Bedcutung. Denn es bedarf eines äußeren Anlasses, um über das Persönliche zu sprechen, und das Persönliche ist oft sehr eng verbunden mit dem Sachiielien, ja zuweilen wird gerade im Spiegel einer Persönlichkeit das iilll gfjlgfy Elfi I-;Of; Arnalvuraufnahmu aus dem Jahre 1936. Foio: Archiv Toscanini dirigiert in Palästina Wie Prof. Hubcrman ankündig), soll das erste Konzert des Palestinc Symphony Orchestra am 24. Oktober in T e 1 - A w i w stattfinden und per Radio nach Amerika übertragen werden. Das Kodiert wird auf Einladung von Hubcrman von Toscanini dirigiert werden. Solist wird der Violinvirtuose Adolf Busch sein. Für das Orchester sind in Amerika bisher 20 000 Dollar aufgebracht worden. Sachliche deutlicher als durch theoretische Dcduktio* neu. Das gilt selten mehr als bei Arthur Ruppin, dessen AH und Wirken vollendete Sachlichkeit ist. East ragt er einsam empor aus dem politischen Parteigetriebe, von dem es ihm gelang, sich frei/uhalten — schon das eine Leistung besonderer Art. Das jüdische Volk hat im Rahmen der Metamorphose, die es in den letzten hundert Jahren durchmachie, auch verschiedene Typen repräsentativer Männer hervorgebracht. Man kann sie vielleicht in drei Klassen einteilen. Ursprünglich war der geistige Führer des Volkes der Thoragelehrte. Dann kam die As-i!nilati״n; es wurde in jüdischen Kreisen üblich, auf diejenigen Menschen stolz zu sein, die es draußen in der nichtjüdischen Welt .,zu etwas gebracht“ haben. Die dritte Periode schuf den Typ des jüdischen Führers, der, mit der modernen europäischen Denkweise vertraut, dennoch sein Betätigungsfeld nicht im aulierjüdischeii Bezirk, sondern im jüdischen Volk sucht. Diese Art Menscheu finden wir im Lager des Zionismus. Es ist daher sehr lehrreich, an einer Persönlichkeit wie Arthur Ruppin dieser Eigenart des modernen Judentums sich bewußt zu werden. Ruppin feiert am 1. März seinen (10. Geburtstag. Wenn wir diesen besehetdenen und allen öffentlichen 1 iuldigungcn abholden Mann beglückwünschen, so mag unsere Rechtfertigung darin bestehen, daß sein Leben und Wirken für uns alle eine Lektion ist, auf die wir nicht verzichten können. Besonders fiir die Juden Deutschlands ist dieses Leben aufschlußreich, denn Ruppin ist aus denselben geistigen und erziehlichen Voraussetzungen hervorgegangen, wie viele tausende jüdischer Akademiker in Deutschland. Aus dieser Herkunft sind ihm auch gewisse geistige Eigenschaften und Begabungen zuteil geworden, die sein Wesen charakterisieren. Sachlichkeit, Präzision, Gründlichkeit, Verständnis für Zusammenhänge und für Systematik, verbunden mit einem offenen Blick für die Wirklichkeit. Was Ruppin eine so einzigartige Position zuweist, ist die Tatsache, daß er eine vollendete Synthese von üelehrtentyp und Praktiker darstellt. Er ging von der Wissenschaft aus; aber weit entfernt davon, sich an Forschungen über die jüdische Gegenwart genügen zu lassen, betrachtet er seit je die Gestaltung des jüdischen Lebens, die Umsetzung eines bestimmten W i Ilens in die Tat, als eigentliche Aufgabe. Ruppin ist als Gelehrter der Soziologe der modernen Judenhcit. Zwar gibt es auch von anderen eine ganze Reihe von Einzelarbeiten auf diesem (jebiet, aber als umfassendes Werk nur die große zweibändige ״Soziologie der

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