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Jüdische Rundschau · 1936-02-25 · Heft 16 (25.2.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 16 (25.2.1936)
Date
1936-02-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jüdische Rundschau NR. 16,25. FEBRUAR 1936 PÄIASTINA-BLATT Finanzpolitik und Bodenfrage Eine Aeußerung von 6״reat Britain and the East“ In der Zeitschrift ״Great Britain and the East“ wird versucht, die Finanzpolitik der Palästina-Regierung zu rechtfertigen, die trotz der augenblicklichen Wirtschaftliehen Lage weiterhin Verwaltungsiiberschüsse anhäuft. Es wird darauf hingewiesen, daß diese Thesaurierungs- Politik naturgemäß Anlaß zur Kritik gegeben habe. In manchen Kreisen verstehe man es nicht, warum man eine neue Anleihe für notwendig halte, wenn die Palästina-Regierung genügend Mittel zur Verfügung habe. In Wirklichkeit aber habe die Palästina-Regierung nur die gebotene Vorsicht geübt, wenn sie diese Politik verfolgte. Wer mit den finanziellen Verhältnissen Palästinas vertraut sei, könne es sich nicht verhehlen, daß ein Moment der Unsicherheit bestehen müsse, solange das Land seine Industrie nicht so weit entwickelt haben wird, daß sie einen wirklich bemerkenswerten Beitrag zum Export leisten kann. Unter den jetzigen Verhältnissen bestehe das — wenn vielleicht auch geringe — Risiko einer neuen Depression, und solange dies der Fall sei, müsse man es verstehen, daß die Palästina-Rcgicrung die Schaffung eines entsprechenden Ueberschusses für eine wesentliche Pflicht hält. Zu dem geplanten neuen Bodengesetz, das die Un- Verkäuflichkeit eines für die Existenzsicherung notwendigen Bodenminimums vorsehen soll, bemerkt der Jerusalemer Korrespondent von ״Great Britain and the East", es habe sich in der.Vergangenheit oft gezeigt, daß die Verkäufer kleiner Grundstücke den Erlös für Zwecke verwendet haben, die mit der Landwirtschaft nur sehr entfernt in Verbindung standen. Die Neigung, das Geld, unbesorgt um den kommenden Tag, auszugeben, dürfte früher zur Verarmung vieler Bauern geführt haben. Ein sorgfaltiges Studium der Agrargeschichte des früheren Ottomanisehen Reiches würde zweifellos ergeben, daß große Gebiete von den Feudalherren durch Mißbrauch und Einziehung wegen Verschuldung erworben wusden, was heute nicht mehr möglich sein wird. Eine andere Absicht, die die Regierung mit ihrem Vorschlag der Festsetzung eines unverkäuflichen Bodenminimums verfolge, sei vermutlich die Förderung intensiver Bodenbewirtschaftung. Die Ernte von 20 Dunatn bewässerten Bodens werde größer sein als die von 200 Dunatn bei Körnerbail oder anderen extensiven Formen der Land- Wirtschaft. Daß der High Coinmissioner die Erschließung unkultivierter Gebiete wünsche, sei daraus zu ersehen, daß das Gebiet von Beer Schewa von den geplanten Bestimmungen ausgenommen sein soll. Dieses Gebiet sei durch Vernachlässigung eine öde Wildnis geworden; aber von Fachleuten werde behauptet, daß mit nicht allzu hohen Kosten Wasser gefunden und blühende Pflanzungen angelegt werden könnten. Man glaube, daß die Möglichkeit rentabler landwirtschaftlicher Investitionen in Südpalästina besteht, und daß trotz des Widerstandes der arabischen Politiker, die das Land in dem Zustand belassen sehen möchten, in dem cs sich befindet, Südpalästina eine große Zukunft hat. Die arabische Bauernschaft ziehe Nutzen aus der Einführung moderncr Landwirtschaftsmethoden durch die jüdischen Siedler und werde auch weiterhin daraus Nutzen ziehen. Zweifellos wolle der High Coinmissioner mit seinen Plänen eine selbstbewußte, sich selbst erhaltende! andbevölkerimg entwickeln. Es werde beträchtliche Zeit erfordern, bevor das Gesetz durchdacht, entworfen und in Kraft geselzt sein wird; in der Zwischenzeit werde es vielleicht möglich sein, mehr Vernunftgemäße Gesichtspunkte zu finden. Die Palestine Economic Corporation in New York bringt, wie Palcor ans New York berichtet, weitere 15 000 Aktien im Gesamtwerte von I >•״ Millionen Dollar auf den Markt. Dieses K.pital soll folgendermaßen verwendet werden: 150 000 Dollar n!r den Ankauf und die Bebauung von Boden, 1 Million Dollar für den Ausbau der Palestine Water Company durch Wasser- und Kanalisationsanlagen im Haifacr Hafengebiet; ferner zur Erhöhung des Kreditvolumens. Das Aktienangebot wendet sich nur an eine beschränkte Zahl von Aktionären, die Ausgabe von Aktien für den öffentlichen Markt erfolgt später. «laaroth Hacarmel Jaaroth Hacarmel, die Wälder des Karmel, oder S h e 11 a 1 e (Wasserquell), wie es früher mit seinem arabischen Namen hieß, ist eine Stätte alter Kultur, prähistorische Höhlen und Steinwerkzeuge, jüdische Gräber aus hellenistischer Zeit, Funde römischer Münzen und die Ruinen einer Kreuzritterbürg auf dem Gelände — und ebenso die Spuren menschlichen Schaffens in den arabischen Dörfern der Umgebung Esfija, Damun (römische Domäne) und Dalia — beweisen, daß hier früher stets Siedlungen bestanden haben. Jahrhunderte aber lag dieser herrliche Flecken Erde brach, in der Türkenzeit wurde das Gebiet von der Regierung öffentlich versteigert, to\o: W. Loewt'ttheiu» "»jr•*«*״ die Ersteher veräußerten den Besitz weiter, und von den Erben dieser Käufer wurde das Gebiet jetzt erworben und vor kurzem in Besitz genommen. Eine Gruppe von 17 jungen Menschen, Angehörige des Hapoel Hamisrachi, haben den Boden okkupiert, führen die ersten vorbereitenden Arbeiten durch, wie Pflege des Baumbestandes, Be- und Ent- Wässerung, Anpflanzung von Gemüsen und Obstbäumen und werden eine Hilfswirtschaft für die Gruppe anlegen. Man hat das alte auf dem Boden stehende Haus wohnlich eingerichtet, Zelte geben weitere Unterkunftsmöglichkeiten, und eine große Hütte im Freien dient den Zusammenkünften. Drei Quellen Der jüdische und arabische Wächter in Jaaroth Hacarmel Foto : HipoSt Hatxmraehi gej)en reichlich Wasser für intensive Wirtschaft und füllen ein großes Bassin, das im Sommer als Schwimmbad dient. Immer mehr und mehr wird dieser schöne Punkt ein Ausflugsort für die jüdische Jugend Haifas, sowohl der Wanderbund ״Meschottetim“ wie die ״Chowewe Hathewa“ (Naturfreunde, Gruppe des Sportverbandes ״Hapoel“) besuchen Jaaroth häufig, es gibt sogar schon — bisher wohl das erstemal in Palästina — Farbenzeichen auf dem Wege, und die Aufstellung einer großen Tafel mit Wegweisern an einer Abzweigung des Weges ist von der Leihing von Jaaroth Haearmel zugesagt. Die arabischen Nachbarn, die die gesteigerte Frequenz dieser Gegend schnell erkannt haben, haben bereits in dem 20 Minuten entfernten Damun einen Laden eröffnet mit Lebensmitteln und Gebrauchsartikeln und haben sich so als erste die Touristik zu Nutzen gemacht. Früher nur wenigen zugänglich (die Mesehottetim haben schon in früheren Jahren diesen Teil des Karrnel besucht), rückt dieses Gebiet jetzt näher, und ein bei trockenem Wetter passierbarer Aufoweg fährt bis zu dem oben erwähnten Damun. In etwa drei Stunden Fußweg kann man von der 8 km entfernten Achusath Sir Herbert Samuel dorthin gelangen. So war auch einmal vor noch gar nicht so langer Zeit diese Achusath. die man jetzt mit einer regelmäßigen Autobusverbindung alle 20 Minuten von Haifa aus erreichen kann, und zu der man auf dner futen asphaltierten Straße — bald wohl von mehreren Stellen er Stadt auf verschiedenen Straßen — aufsteigen kann, von dem Zentrum Haifas weit entfernt und ist jetzt durch die Entwicklung nahegerückt. In Jaaroth Hacarmel fand — wie an vielen anderen Stellen in der Umgebung Haifas schon seit Jahren — in diesem Jahre zum erstenmal das Fest der Baumpflanzung statt. Auf einer großen Wiese, die im herrlichsten Grün und Blumenschmuck prangte, sammelten sich Kinder aus Haifaer Sehulen, die auf den verschiedensten Wegen dorthin gelangt waren, Sowie zahlreiche Erwachsene aus Haifa und arabische Gäste aus den umliegenden Dörfern. Nach Ansprachen und Gesang wurden von den Kindern an mehreren Stellen des Geländes die Bäume gepflanzt. Dr. Albert Baer, Haifa Neue Mandatsverteilung inTel-Awiw Das Bezirksgericht in Jaffa hat in der Anfechtung«- klage des Hapoei Hamisrachi wegen der Mandats- Verteilung: in der Tel-Awiwer Stadtverwaltung sein Urteil gefällt. Dadurch verliert der Vertreter des Einzelhandels seinen Sitz, der an Moshe Chelouche übergeht, der auf der Dizengoff-Liste kandidierte. Die Stadtverwaltung besteht nunmehr aus 6 Vertretern der Linken, 6 Vertietern der Rechtsgruppen und 2 Mitgliedern der Dizengoii-Gruppe und dem Vertreter der HOG. Zur Eröffnung des neuen Tel-Awiwer Museums Nach mehrjähriger Vorbereitungsarbeit kann nunmehr der Erwcitcrungs- und Neubau des Museums eröffnet werden, wodurch das künstlerische Leben Tcl-Awiws seinen offiziellen Mittelpunkt erhält. Vor ungefähr fünf Jahren, als Tel-Awiw kaum die Hälfte seiner jetzigen Einwohner zählte und sich erst ganz allmählieh zu entwickeln begann, faßte Bürgermeister Dizengoff den Gedanken, hier eine! Kunststätte zu schaffen- Mit der ihm eigenen Energie ging er daran, einen kleinen Kreis gleichgesinnter Männer zu finden, die ihn bei diesem Unternehmen unterstützten. Im Jahre 1031 wurde die Tel-Awiw Musc um Society begründet, die ein ausführliches Programm für den Aufbau des Museums aufstellte und durch Aufrufe zur Sammlung von Kunstwerken aller Art aufforderte. Aus den ersten Schenkungen und aus Leihgaben hiesiger Künstler wurde 1932 die erste kleine Ausstellung eröffnet, die zunächst in einigen Räumen des Dizcngoffschcn Hauses untergebracht wurde. Zu den Mitbegründern der Sammlung zählten vor allem Chajim Nachman B i a 1 i k, die Maler Chagall und Struck und der kunstbegeisterte Sammler Mosche Lewin in Antwerpen. Lewin, der späterhin seine ganze aus 28 hervorragenden Werken französischer und belgischer Maler bestehende Sammlung dem Museum vermachte, hatte von vornherein den Gedanken eines großen Museums. Sein plötzlicher Tod hat ihn die weitere Entwicklung nicht mehr erleben lassen. Durch systematische Werbetätigkeit gelang es im Verlauf der letzten zwei Jahre, mehrere bedeutende Privatsammlu ngen nach Tel-Awiw zu überführen und ihre Schätze zum Teil als Geschenke, zum Teil als langfristige Leihgaben zu erhalten. Außerdem wurden von Kunstfreunden aus der ganzen Welt Gemälde, Plastiken und Graphiken in großer Zahl zur Verfügung gestellt. Da die vorhandenen Räume hierfür völlig unzulänglich w׳aren, war die Erweiterung des Museums eine gebieterischc Forderung. Herr Dizengoff überließ dem Museum das ganze Haus, das als historische Stätte der Stadt — es ist eines der ersten in dem Dünensand errichteten Häuser, das Wohnhaus ihres Begründers und ersten Bürgermeisters — erhalten bleiben sollte. Die Mittel für den Neubau wurden mit vieler Mühe gesammelt. Im Sommer!935 wurde der nunmehr tertiggestellte Bau nach den Plänen des Architekten Carl Rubin in Angriff genommen. Das einstmals kleine einstöckige Häuschen, das im Laufe der Jahre mehrere Wandlungen durchgemacht hat, ist durch Aus- und Anbauten zu einem modernen Museumsbau umgestaltet worden. Die Außenarchitektur ist in großen, ein• fachen Flächen gehalten. Zwischen den vorspringenden Seitenflügeln, die nur schmale Fensteröffnungen enthalten, führt eine breite Freitreppe in grünem Mosaik zu dem vierflügeligen Eingangsportal, durch das man in eine große Vorhalle clangt. Von hier aus führt ein quergerichteter dreiteiliger aal seitlich zu je zwei weiteren Sälen, die hauptsächlich raphischen Ausstellungen dienen, während sich rückwärts er große Ausstellung- und Vortragssaal anschließt, zu dem eine die ganze Breite einnehmende, von zwei Pilastern unterbrochene fünfstufige Treppe hinabführt. Vom Mittelsaal geht rechts die Treppe ab, durch die man in das Obergeschoß gelangt, wo sich um einen großen Oberlichtsaal fünf weitere Ausstcllungssäle gruppieren. Das zweite Obergeschoß enthält die Büro- und Depoträume, eine große Terrasse und weitere Räume, in denen demnächst noch ein Lesesaal und die Fachbibliothek eingerichtet werden sollen. Das Haus ist nach modernen museumstechnischen Methoden erbaut und eingerichtet. Durch eine besondere Deckenkonstruktion und die Fensteranardmmg ist für gute Durchlüftung, Trockenhaltung und Schutz vor zu starkem Licht* ein fall gesorgt. Eine Hygrometeranlage kontrolliert die hier besonders ins Gewicht fallenden Feuehtigkcitsschwankungen. Der Bodenbelag ist durchgehend Fliesenboden. Sämtliche Ausstellungsräume sind mit indirekter elektrischer Bcleuchtung versehen, damit das Museum auch in den Abendstunden geöffnet sein kann. Das Ganze macht sowohl in der Außenarchitektur wie in den Innenräumen durch ruhige und geschlossene Formen einen vornehmen Eindruck. Das Museum, das sich bisher ganz aus eigenen Mitteln entwickelte, hat heute einen Bestand von über 350 Gemälden, 75 Plastiken und mehr als 4000 Aquarellen, Handzeichnungen und Originalgraphiken. Unter den verschiedenen Kunstwer* ken sind u. a. vertreten: lozef und Isaac Israels, Camille und Lucicn Pissarro, Max Liebermann. Lesscr Ury, Chagall, Monet, Vlaminck, Utrillo, Dcrain, Picasso, Marie Laurencin, van Gogh, Ensor, Degas, Antokolski, Jacob Epstein, Lewithan, Gottlieb, Corinth, Sievogt, Menkes, Kisling, Scharff, Fiori, Sintenis, Lehmbruck, Bazzarro — Künstler von internationaler Bedeutung, die Beweis dafür sind, daß das Museum nur erstrangige Werke sammelt, ln übersichtlicher Anordnung und Auswahl werden diese Schätze eine gute Anschauting der Kunst in den verschiedenen Ländern vermittcln. Es sind heute wohl schon alle!.ander, die namhafte Künstler hervorgebracht haben, vertreten. Auch die altere Kunst wird bereits durch einige Werke von Rubens, van der Heist, Angiosciola, Konninck, mehreren unbekannten Meistern und alten Kopien biblischer Motive repräsentiert. Den jüdischen Künstlern aus aller Welt soll selbstverständlich in dein Museum besonderer Raum gewidmet werden. So ist z. B. ein Saal prominenten jüdischen Malern cingerauint und ein spezieller Liebermann- und Ury- Saal eingerichtet worden. Das Museum bildet einen wichtigen Erziehungsfaktor der Jugend und des Volkes, Es ist das Kunst/.entrum, das allen Schichten der Bevölkerung Anregung, Belehrung und kirnstkrischen Genuß bieten und der Geschmacksbildung dienen soll. Dr. Karl Schwarz, Direktor des Museums Ein Illustrierter Führer durch das Museum Tel-Awiw. Anläßlich der Eröffnung des Museums Tel-Awiw gibt die Museumsleitung einen mit 32 Illustrationen versehenen Führer durch das Museum heraus, der in dem neu begründeten Yair-Verlag in Tel-Awiw erscheint. Es gelangt auch eine Serie von 12 Ansichtspostkarten nach prominenten Werken des Museums zur Ausgabe. Gleichzeitig beginnt der Verlag mit der Herausgabe einer Serie kleiner Kunstbücher, als deren erstes Bändchen eine Einführung in die Technik und Geschichte der Radierung von Dr. Karl Schwarz erscheint. Das Haus Dizengoff im Jahre, 1910 Das Haus Dizengoff im Jahre 1918 Das Museum im Haus Dizengoff, 1936 Fotos; The Museum Society, Tel-Awiw!läilii iiÄpäf mm

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