Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 KINDER-RUNDSCHAU Nr. 3 vtnv Da sind sie, die ״Schimschonim“, Ihr ״Lager‘1 liegt In einem Eukalyptushain hinter der Siedlung. Die Zelte sind aufgespannt, die Wege aufgeräumt. Die Fahne weht und aut ihr steht: ״Sei leicht wie ein Hirsch und stark wie ein Löwe!1‘ Auch ein Haufen Reisig ist vorbereitet — heute gibt es ein Lagerfeuer, das erste in diesem Lager. Abenddämmerung. Stille ringsum. Die Chawerim sind müde von der Arbeit. Es ist keine Kleinigkeit, an einem Tag ein Lager zu errichten. Jetzt ist alles schön eingerichtet: Kleiderkammer, Sanitätszelt, sogar ein Spielplatz, und aut dem provisorischen Herd steht schon ein großer Kessel. Nui eins fehlt: ein Quell. Ach, wenn es doch eine Quelle gäbe! Das ist das Gebet eine י jeden in der kleinen Siedlung. Ein Quell, ein lebendigei Quell, das ist auch der Wunsch der ״Schimschonim“ in dieser Abendstunde, an dem ersten Tag ihres Lagers. Jetzt sitzen sie um Rami aus der Kwuzah ״Haajala“ und hören gespannt seine Erzählungen. Rami sitzt neben seinem Freund G a m i, der am rechten Bein hinkt. Er erzählt leise. Stille ringsum. Kein Fuß bewegt sich, keine Hancl rührt sich. Da, seht — was ist geschehen? Was ist mit Rami geschellen? Er reißt sich los, mitten im Satz hat er aufgehört. Er steht auf, läuft, wohin? ״Ein Hirsch, Chawerim, ein Hirsch ....“ Daß niemand im Lager bieibt, versteht sich von selbst. Die Wächter, die Köche sind erstaunt, verwirrt, sie wissen noch gar nicht, was geschah, aber sie rennen alle. Und der Hirsch? Blickt einmal genau hin, seht ihr ihn nocr• dort? Dort weit, weit, ein kleiner sich bewegender Punkt, er rennt und rennt. Die Kinder stehen traurig da. Schade! Verlassen, dunkel ist das Lager, nur heiße Asche im Herd und in einem Winkel ein Seufzen. Wer seufzt hier? Es ist Gami, der Lahme, er konnte nicht mit den Chawerim mitlaufen, ln der Eile hat man ihn vergessen. Auch Rami, sein guter Freund, hat ihn vergessen. Allein blieb der arme Gami in dem verlassenen Lager. — ln dieser Nacht konnte Gami nicht schlafen. Er wälzte sich auf seiner Decke neben seinem Freund Rami. Stille war im Lager. Man hörte nur die Schritte der Wächter und das Atmen der müden Chawerim. Gami ist nicht müde, er jagte nicht den Hirsch, er hat auch nicht viel gearbeitet. W ie kann er denn schwere Arbeiten verrichten? Sein Bein ist lahm und tut ihm weh. Rami läßt ihn nichts tun. Er macht alles für ihn. Auch die anderen Chawerim kommen ihm zu Hilfe. ״Laß, Gami, das ist zu schwer für dich.“ ״Warte, Gami, ich mache das.“ Nein, er ist nicht müde, er möchte aufstehen, fortgehen. Wenn er doch ein gesundes Bein hätte! Wenn er doch wie andere Kinder wäre, wie alle.... Als er endlich einschlief, vernahm er etwas. Ist das ein Lied? Ja, eine Melodie, irgendwo, ganz leise: Weit, weit im Walde Dort zwischen Berg und Tal Gibt es einen Zauberquell Läßt unendlich viel Wasser quellen Zauberwasser, Lebenswasser, Heilwasser, Wunderwasser. Wer ihn entdecken wird — Für ewig sei er gesegnet. Und ein Greis beugt sich über ihn. In seiner Hand ist eine Rolle und er flüstert ihm ins Ohr: Einen Felsen gibt es im Wald. Wenn er gespalten wird, wird Wasser hervorquellen — Heilwasser. Die Wüste wird sich in ein Paradies verwandeln, jede Wunde, jedes Gebrechen wird durch das Wasser schwinden, ein Zauberquell. — Rami, Rami, ein Quell!... Ach so, das ist Rami, der sich über ihn beugte, als er seine Augen auftat. Niemand war im Zelt außer ihnen. — Was war mit dir, Gami, daß du im Schlafe schriest? — Ein Zauberquell, ein Zauberquell. — Erzähle, Gami, was ist geschehen? Da setzten sie sich beide in eine Ecke des Zeltes, und Gami erzählte. Rami horchte und staunte: — Wirklich? Lebenswasser? Heilwasser? Es wird Segen kommen über die Wüste? — Und die Menschen werden nicht mehr streiten .... und es wird nicht Blinde geben .... und keine Stummen und keine Lahmen? — Gami, wollen wir dorthin gehen — nein, ich werde gehen. Ich werde den Quell entdecken und dir Wasser aus ihm bringen. Ich werde jedes Tier und jeden Vogel fragen, ich werde jede Schlucht und jedes Tal erforschen, ich werde den Quell entdecken, so wahr ich lebe! ... Du?... — Ja, ich gehe, verrate mich nicht! Dann nahm Rami seinen Rucksack, setzte die Pfadfindermütze aut den Kopf und machte sich auf den Weg. Am Eingang des Zeltes gaben sie einander die Hand: — Wir wollen ein Bündnis schließen. Himmel und Erde sind Zeugen! — Ja, sie sind unsere Zeugen! (Schluß folgt.) Aus ״Gibborim ktanirn“ ins Deutsche übersetzt von F.R. Ich wünsche einen Briefwechsel Mit 12jährigem Jungen oder Mädel aus Palästina in Deutsch und etwas Hebräisch. Herbert Wellner, Hamborn am Rhein. Carlen- Straße 54, II. — Mit einem 8—9jährigen Jungen oder Miulel. Ruth Landau, Wuppertal-Elberfeld, Adersstraße 11. — Mit einem 15—16jäl1rigen Jungen oder Mädel aus England oder Skandinavien in Deutsch. Joachim Nathan. Berlin NO 55, Prenzlauer Allee 189 II (15 J.) — Mit: einem zionistischen Mädel oder Jungen, 11 —12 Jahre alt. Lea Rosenberg, Eschwege, Sedanstraße 21 (11 J.). —• Wir gratulieren zur Bar-Mizwah James Alpern, Berlin. — Kurt Beiz, Berlin. — Eli Beermann, Tel- Awiw, — Harry Feuerstein, Hamburg. — Max Friede, Beuthen. — Leonhard Herzog, Neuteich (Danzig). -*-־ Gerhard Hoffmann, Hambürg. —■ Günther Jolles, Haifa. — Gerhard Keich, Konstadt (Uber- Schlesien). — Harry Nagler, Berlin. — Elans Nothmann, Breslau. —■ Simon Picnkny, Berlin. — Fritz Rapp, Hanau am Main. — Karl Rehan, Marienwerder. — Felix Scherzer, Berlin. — Jacob Schukowski, Berlin. — Hans Simmenauer, Köln-Lindenthal. — Nicol Weinberger, Charlottenburg. X-Ctud cUi Juaend Preis nur RM. 2.85 Das Buch kann bei Eurem Buchhändler oder direkt bei dem VERLAG JÜDISCHE RUNDSCHAU Berlin W 15, Me inekestraße 10, bestellt werden das duck (Ui lände^-lluftdsckcM hat bei allen Kindern, die es besitzen, helle Begeisterung erweckt. Es enthält die schönsten Beiträge aus den ersten drei Jahrgängen der Kinder-Rundschau, vermehrt durch vieles Neue, das Ihr noch nicht kenpt. Das Buch ist sehr reich mit 79 Bildern illustriert (außer einem bunten Titelbild). Wenn Ihr selbst ein Buch verschenken wollt oder Euch zum. Geburtstag, zur Barmizwah oder zu Purim eir» Buch wünscht, dann muß es in erster Linie#/Land der Jugend7' sein!