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Jüdische Rundschau · 1936-02-18 · Heft 14 (18.2.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 14 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE RÜHÜSCHA« Nr. 14, TO. R. \9H Ein )üdisdier Petsdiaftstedier Aus den Memoiren des Aron Isak (1730/1817) In einem in Vorbereitung befindlichen Bändchen der Schochen-Bücherei veröffentlicht Hans Bach eine Reihe von indischen Memoiren aus den letzten drei Jahrhunderten. Der besondere Reiz dieser Publikationen besteht darin, daß es sich um private Aufzeichnungen handelt, die nicht zum Zwecke der Veröffentlichung geschehen sind und sich lediglieh auf das Privatleben der Schreiber beziehen. Gerade dadurch sind diese Memoiren von beträchtlichem hulturhistorischen Interesse. Das von uns veröffentlichte Stück ist ein Bruchstück aus den Memoiren des Aron Isak, der 1713 in Treuenbrietzen (Brandenburg) geboren wurde und sich zum Petschaftstecher ausbildete. Nach dem Sicbenfährigen Krieg wandte er sich nach Schweden, wo er als erster Jude das Niederlassungsrccht erwirbt. Dia Aufzeichnung, die un- §efähr im Jahre 1745 geschrieben ist, ist in der besonderen chreib- und Ausdrucksiveise der Zeit gehalten. (Red.) Von meiner Kindheit an hatte ich sehr Lust zu zeichnen und malen. Allein in Treuenbrietzen war keine Gelegenheit, bei jemand zu lernen. Es wohnte wohl ein Maler da, aber soviel Geld hatte ich nicht, was er begehrte von mir. Ich zeichnete allerhand Sachen, was ich vor mir sah. Ich war bei den Kannengießer sehr bekannt mit seine Söhne und sah immer zu, wann sie Namen stachen auf Zinn, und bekamen vor drei Buchstaben zu stechen ein Schilling. Mir däucht, das war geschwind verdient ein Schilling. Ich ließ mir ein Grabstikcnen (Grabstichel) machen und lernte mir Buchstaben stechen auf Zinn. Das ging geschwind, daß ich mir’s gelernt hatte. Da ich nun immer mich geübt hatte in Zeichnung, so lernte ich mir auch Figuren stechen auf Zinn. Ich war sehr eifrig auf den Stechen in Zinn. Ich hatte von unsren Nachbar ein Dutzend Krugdetkels zu stechen, sein Name und Nummer drauf; er war ein Bierschenker. Es kam zu reisen einer von unsre Leute aus Dessau, ein unger Kerl von zwanzig Jahr alt ungefähr. Er hieß Seheauniau Flader, er war ein Petscherstecher und sähe, wie ich so fleißig war. Er frag mich, wo ich dieses gelernt habe. Ich sagte von mich selbst. Er wunderte sielt sehr darüber. Er sagte rts mir: Ihr seid doch bekannt in der Stadt, wollt Ihr herumgdten und wollt mir Arbeit schaffen, ich wall Euch von jeden Taler zwölf Schilling geben, was Ihr mir Arbeit schafft. Ich war sehr zufrieden damit. Er gab mir ein Abdruckfabell, einige silberne und messingsche Petscher; ich schaffte ihm in Zeit drei Wochen vor vierundzwanzig Reichstaler Verdienst. Ich hatte aber keine große Ehre von seine Arbeit:. Es waren einige Offizir, die ihr Waffen haben lassen stechen, die mir sagten: Warnt dt! es nicht wärst, so wollten wir die Petschaften nicht nehmen. Allein ich dachte, in drei Wochen sechs Reichsfaler zu verdienen, ist vollkomm genug, und dachte, ich konnte etwas von ihm profitiern. Weil min hier nichts mehr zu tun war, so wollte er von hier abreisen. Er kam in unsren Haus und frag mich, ob ich mit ihm reisen wollte auf dieselbe Art: was ich Arbeit schaffe — von jeden Taler zwölf Schilling. Er war ein kommoder Bursch. Wer war wohl vergnügter ats ich? Nicht um den Verdienst halben, meine Gedanken waren, etwas abzuschcn und zu lernen. Ich reiste also mit ihm herum in die umliegende Stadt. Es war kein großen Verdienst. Ich war aber sehr fleißig und karg und verüberte doch in Zeit drei Monat zehn Reichstaler. Wann dieser Sehelaumau wegging, so machte ich mir bei sein Werkzeug, nahm ein messingschen gegoßnen Knopf und stach darauf. Er mußte solchs wohl gemerkt haben, (denn er) wurd mir ganz falsch, sogar wann er arbeitete, suchte er Gelegenheit, mich ausschicken. Er wußte, daß ich einige Taler mir gesammelt hatte und er sein Geld verbrocht hatte. So wollte er mein Geld von mir gelehnt haben, das ich vielleicht mein Leben nicht wieder bekommen hätte. Ich dachte, nun ist es Zeit, daß ich von ihm gehe. Ich reiste also wieder zu 1 laus nach Treuenbrietzen und m mein guten Schelanmau sitzen. In Treuenbrietzen hat kein Petschaftstedier gewohnt. Es war aber ein Bildhauer mit den Namen Käufer, hat sich abgegeben mit Petscherstechen. Ich habe Ihm aber nicht gekannt und niemals von ihm gehört. Allein mein Stiefbruder Chajim, er ruhe in Frieden, wohnte bei der Witwe in ihm Haus. Er hörte von mir, daß ich so Lust hatte zum Petscherstechen, und habe erzählt von diesen Schelaurnau Flader, daß er gegen mir so ungünstig war. So sagte mein Bruder Chajim: meine Wärtin hat ein ganz Werkzeug von Petscherstecher ei zu stehn von ihrn Mann, der schon länger tot war, wie ich alt bin. Er sagte, das kannst du von inr bekommen vor ein Bagatell. Ich ging mit mein Bruder zu ihr. Mein Bruder sagte zu ihr: Sie haben doch noch Ihr Manns Werkzeug von Petscherstecherd zu stehen, mein Bruder will sich lernen Petscherstechen, er will Sie es abkatifen. Sie sagte: Recht gerne. Brachte also vor, ein Dutzend verrosterte Grabstikcher, ein paar Alphabeten all verrostert, ein Schachtel mit verrosterte Punzen. Nun sähe sie selb« wohl ein, daß es allens verdorben war. Sie verlangte dafür fünf Reichstaler ich bot ihr zwei Rdchstaler, denn ihr war es nichts wert. Also ließ sie es mir. Ich machte mir drüber und scheuerte und putzte den Rost ab, soviel ich konnte. Kaufte mir dnige Pfund messingsehe Petschaft, lernte mir drauf stechen Buchstaben. Es wurd mir sehr schwer, die Buchstaben links zu stechen, damit sie rechts abdrucken sollten. Ich feilte sie ab und wieder drauf. Das tat ich so fleißig Tag und Nacht, bis ich endlich etwas ähnlich herausbrachte. In meine Gedanken wir ich all dn vollkommener Petscherstecher. Ich dachte immer an den Sehelaumau, wann der sollte nun sehen, was ich mir gelernt habe. Aber ich traute mir doch nicht, bd honette Leut zu gehn, meine Arbeit sie anzubieten. Allein bei solche Bürgerkinder, da ich mit aufgezogen war, die machte ich Petscher vor acht oder zwölf Schilling. Besonders es gingen viel Bauersöhne in der Schule bei uns, die in Sachsen zu Hause gehörten, denn Treuenbrietzen liegt an die Sachsche Grenz — dn Büchsenschuß aus dem Tor ist gldch Sachsen —, und da gibt es rdciie und geschickte Bauren, die alle schrdben und rechnen können. Ich machte mir mein Handwerkszeug zusammen und reiste in die umliegendige Dörfer bei die Bauren und bekam Arbeit, daß ich bisweilen drd und vier Stück Petschaften bekam zu stechen, verdiente manche Woch drei auch vier Reiehstaler. Ich gab meine Mutter, sie ruhe in Frieden, die Hälfte ab von mein Verdienst. Ein Spaß muß auch hierbei anführen. Es war Markt in Treuenbrietzen, so stellte ich mir mein Tisch mit mdn Hand- Werkzeug und Petschaften auf den Markt wie gewöhnlich. Es kam ein junger Müllergesell, der vielleicht erst Gesell worden ist und vielleicht bd dn Windmüller ausgelernt hatte. Er bestellte ein Messingspetschaft, wir kamen Übereins: sechzehn Schilling. Er sagte, ich sollte darauf stechen eine Windmühle und auf die Trepp soll ein Kerl heraufgehen mit ein Sack Korn auf den Rücken und unten sein Name mit einzelne Buchstaben. Eine Windmühle mit der Trepp und offne Tür zu stechen ist keine Kunst. Ich stach also diese Windmühle, Trenp und offne Türe fertig. Aber daß der Kerl sollte auf die Trepp heraufgehn mit ein Sack Roggen auf den Rücken, das war mir etwas zu wichtig, dazu auf den Markt, da man in Zeit von zwei Stunden dn Petschaft fertig macht. Ich W'ar fertig damit, auch sein Namen drauf und druckte es ab. Endlich dieser junger Bursch kam nach sein Petschaft. Ich zeigte ihm die Abdruck; das gefiel ihm recht gut, gab mir seine zwölf Schilling, denn er hatte mir vier Schilling auf der Hand gegeben. Nun hat er es so viel besehn und erinnerte sich, daß er wollte ein Kerl haben, der die Trepp heraufgehn sollte mit ein Sack Roggen auf den Rücken. Frug also, wo der Kerl geblieben mit Sack Roggen auf den Rücken. Ich wußte nicht, was ich antworten sollen. Aus Spaß sagte ich: Eben ist er areingegangen in die Türe. — Ei, das war schade, daß ich nicht eher gekommen bin. — Und so ging er sein Weg. Ich dachte in meine Gedanken, das war ein kluger Einfall, und betrachte nicht, daß es ein einfältiger junger Mensch war. Eduard Strauß Zum 60. Geburtstage Nie vergesse ich den kuhlsonnigen Herhstmorgen auf der Terrasse in Kassel, als mir Franz Rosen zweig von seiner ersten Begegnung mit Eduard Strauß erzählte. ״Und als ich von ihm fortging“, so schloß er, ״da hatte ich das Gefühl: jetzt kannst du zum erstenmal ,wir‘ sagen!“ Franz Rosenzweig war damals vor kurzem erst aus dem Weltkrieg heim gekehrt, gesund und kraftvoll, froh im Gefühl, ein vollendetes Werk hinter sich und eine Fülle von Arbeitsplänen vor sich zu haben, Mitarbeiter suchte er für seine großen jüdischen Frziehnngspiäne: und in Eduard Strauß fand er den Mann, den er gesucht hatte. Einer, der damals schon einen wissenschaftlichen Ruf auf ganz andern! Gebiet batte: als Assistent Abderhaldens und später als Leiter des Laboratoriums im Stadt. Krankenhaus in Frankfurt. Wir wissen heute, wovon diese beiden Männer bei ihrem ersten Gespräch, das beiden unermeßlich blieb, redeten. Es handelte sich um ein Schriftchen von Strauß ,,Judentum und Zionismus“: darin aber wertete Rosenzweig die polemischen Stellen des einstigen K, C.ers nicht so sehr wie nie ״prophetischen“ Steilen, auf die er später einen jungen Freund nachdrücklieh hinwies. Auch Eduard Strauß 11 at später einmal bekannt, daß ihn mit Rosenzweig nach diesem Ursprung ihrer Arbeitsgemeinschaft endlich nichts so sehr verband wie die gemeinsame Arbeit für den Aufbau Palästinas und für die jüdische Schule in Frankfurt, das Philanthropin. Zu dieser Zeit fiatte Strauß mit seinen ״Bibelstunden“ begonnen, die er 1919 anfing und die er bis zum heutigen Tage nicht aufgegeben hat. Sie lasen damals die Genesis, sie lesen heute die frühen Kapitel des Jesaia. Wer an diesen Stunden teilnehmen durfte, der bezeugt, daß hier einmal das Wort wirklich lebendig wurde. Man kann sie vielleicht nicht besser würdigen, als es wieder Franz Rosenzweig heute vor zehn Jahren, am 50. Geburtstage von E. Strauß, getan hat: ״Es war ja das Große deiner Bibelstunde für mich, daß ich durch sic eigentlich zum ersten Male in meinem Leben vor den reinen Text in seiner Nacktheit ohne traditionelle Bekleidungssiücke gestellt wurde . . . Deine Bibelstunde hat mir zuerst gezeigt, daß das möglich ist , . .“ Und ein andermal zu einem Freunde: , , .״wenn Sie, wie ich neulich, die Bibelstunde mitangehört hätten, die Strauß wöchentlich vor ca. 30 liberalen Zwanzigjährigen hält, so würden Sie vielleicht zugeben, daß es auch Worte gibt, die Taten sind.“ Daß dem Sechzigjährigen diese jüdische Tat ferner und langehin gelingen möge, das und nichts Besseres ist unser Wunsch. Denn es scheint, daß diese Tat — wie ein anderer Mitarbeiter Rosenzweigs, der zu früh geschiedene Gustav Bradt, von seinen eigenen jüdischen Bemühungen zu sagen pflegte — seinen 'חלה ל?1לם קןא« — darstellt: seinen ״Anteil an der Welt, die da kommt“. Bertha Badt-Strauß Zweck des Judentums t Heiligung des Lebens Ein Vortrag des Sdialoin Asdi in Prag Von einem tausendköpfigen Publikum warm begrüßt, sprach, wie aus Prag berichtet wird, Schalom Asch im Saai der Prager städtischen Bücherei über den ״Sinn des Judentums“. Heute, da wir vor dem Zusammenbruch unserer geistigen Ideale stehen, so führte Schalom Asch aus, müssen wir zu dem Glauben an den einen und einzigen Gott zurückkehren. Diese Antwort auf den Zusammenbruch ist uns Juden wichtiger als anderen Völkern, die über materielle Machtmittel zum Schutze ihrer Existenz verfügen. Wir aber stehen nackt und bloß, uns bedeutet der Gottesglaube Sein oder Nichtsein. Wir sind von der Welt an die Wand gestellt worden und müssen Antwort geben auf die Frage: Hat das Judentum einen Sinn? Ist es Besitz, um den zu kämpfen es verlohnt? Unsere Antwort muß bejahend sein. Und sie muß umfassend sein; Sinn des Judentums ist Sinn des Lebens; Zweck des Judentums ist: Heiligung des Lebens. Dieser Glaube verknüpft das Leben eines jeden Juden mit der Ewigkeit. Es gibt ein kleines und es gibt ein großes Jerusalem. Das große Jerusalem, das ist der Glaube, der nicht beim Juden endet, sondern weltweit ist. Den Sinn des Judentums und damit den Sinn des Lebens hat Jehuda Halevy in die Worte gekleidet: ״Nur Gottes Knecht ist ein wahrhaft freier Mensch.“ Schalom Asch zeichnete die Entwicklung des jüdischen religiösen Gedankens vom Bündnis Abrahams mit Gott über das biblische Judentum, über Esra und Nehemia, das Diaspora-Judcntum bis aut die heutige Zeit, um darzutun, daß die religiös-geistige Entwicklung des Judentums mit dem Abschluß der Heiligen Schrift nicht aufgehört hat, sondern gerade in der Diaspora sich veredelte. Wenn wir Paiästina wollen, wollen wir es nicht um politischer Macht willen, sondern um unsere ethische Forderung nach einem geheiligten Leben verwirklichen zu können. Hat doch einst der Sieg der Makkabäer über das Hellenentum den Boden bereitet für unsere heutige Zivilisation. Vor Beginn seines Vortrages wurde Schalom Asch von Dr. Arjc und Abg. Dr. Chaim Kugel im Namen der Prager Judenheit und der Veranstalterin des Abends, der hebräischen Kulturorganisation Tarbut, und von dem tschechischen Dichter K. I. Benes im Namen des zeitgenössischen tschechischen Schrifttums begrüßt. In New York ist der Chefredakteur des ״Jewish Mornlng Journal“ Peter Wierni k, einer der ältesten jüdisehen Journalisten Amerikas, kn Alt«■ von 73 Jahren gestorben. Wie gestalte Ich den Schabbai? Für Sehabba(, 22. Februar Wochenabschnitt; ״Mlachpatlm“ (2. B. M. Kap. 21, 1 - 24, 18 «. 31, 11—16) I. Unser Wochenabschnitt enthält wesentliche Teile aus der Rechtsverfassung im alten Israel. Wir empfehlen, an Hand der Verse Kap. 21, 28—35 die erste Mlschna des Traktates Baba Kama zu lernen, die von den vier verseht©• denen Möglichkeiten einer Schadenszufügung, die im jüdischen Recht möglich sind, erzählt, wobei sie als Quelle die eben erwähnten Verse benutzt. Je nach Vorkenntnissen desjenigen, der den Oneg Schabbat gestaltet, kann man dann noch den einen oder den anderen Fall unseres Wochenabschnittes hinzu ziehen. II. Der Schabbat dieser Woche ist Schabbat Parschat Schekalim. Es war früher Sitte, im Monat Adar im gesamten jüdischen Volk den halben Schekel zu erheben, welcher eine Art Tempelsteuer darstellte. Man erzähle Ausführliches über die Art dieser Steuer und ihrer Erhebung (Literatur im Jüd. Lexikon) und spreche dann ausführlicher üb« das Steuersystem, das heute in Erez Israel gehandhabt wird. Man ziehe zu dieser Betrachtung auch die Haft er ah heran, die im 2. Buch der Könige Kap. 12, Vers 1—17, steht. HI. Das letzte Kapitel unseres Wochenabschnittes ist in seiner agadischen Ausdeutung sehr schön in ״Moses“ von Edmon Fleg in dem Kap. ״Die Schule des Himmels“ wiedergegeben, wir empfehlen, auf dem Oneg Schabbat dieses Kapitel vorzulesen und dabei herauszuarbeiten, an welche Stellen unseres Wochenabschnittes die einzelnen agadischen Ausdeutungen anknüpfen. I. E. Das Buch des Bundes ln der heutigen Sidra haben wir eine sowohl religionswie kulturgeschichtlich hochinteressante Gesetzessammlung vorüegen, die gewöhnlich den Namen ״Buch des Bundes“ (,ספר הברית) führt. Dieser Name kommt bereits im 2. B. M. 24, 7 vor und ist dann von der modernen Wissenschaft mitübernommen worden. Das Bundesbuch, das sich aut die Kapitel 20, 22—23, 33 erstreckt, enthält die ältesteSammlung von Gesetzesvorschriften auf dem Gebiet des israelitischen Rechtes. Es wäre gut, in diesem Zusammenhänge sich über gewisse Voraussetzungen des Rechtes, seiner Entstehung und Niederschrift zu unterhalten. Wir wissen, daß in vorgeschichtlieber Zeit ein mündlich fortgepflanztes, von Geschlecht zu Geschlecht überliefertes Gewohnheitsrecht vorherrscht. Die Aufzeichnung erfolgt erst auf einer höheren Kulturstufe, zumeist dann, wenn das Volk seßhaft geworden ist und die Bedürfnisse des Staatswie des Volkslebens eine einheitliche Rcchtspraxis erfordern. — In alter Zeit wurden derartige Sammlungen von Rcchtsspriichen (Kodices) aut einen Steinblock gemeißelt und öffentlich aufgestellt. Die alte Rechtspraxis der Babyionier wurde von dem Großkönig Hammurapi um 2100 v. Chr. zusammengefaßt und niedergeschrieben. Bekannt ist diese Gesetzessammlung als der Kodex Hammurapi, der im Tempel des Marduk in Babylon aufgestellt war und später von den elamitischen Eroberern nach der südpersischen Hauptstadt Susa (das שושן des Esther-Buches) verschleppt worden ist. Französische Archäologen haben diesen Gesetzesblock zu Beginn des 20. Jahrnunderts bei ihren Ausgrabungen gefunden und nach Entzifterung der Keilinschrift im Louvre aufgestellt. — Von Gesetzen, die in Stein gemeißelt worden sind, wissen wir sowohl bei den alten Israeliten wie bei den Griechen, Römern und anderen Völkern. Wenn wir uns nach dein Inhalt unseres Bundesbuches tragen, so können wir feststellen, daß es, um eine moderne Terminologie zu gebrauchen, Bestimmungen des Privat- und des Strafrechtes enthält. Es regelt vor allem das Sklaven-, Ehe-, Personen- und Sach recht und setzt zum Teil ein seßhaftes Volk voraus. Feste des Ackerlandes sowie das Recht des Ackerbaus sind in ihm bereits verankert. Die Gesetze sind von einem hohen Ethos getragen und atmen den Geist der Gerechtigkeit und der Milde, im Gegensatz zu dem damals noch überall vorherrschenden Faustrecht. Viele Vorschriften, besonders die im Kap. 22, weisen ein stark ausgeprägtes humanes sowie soziales Empfinden auf. Man vergegenwärtige sich etwa die sittliche Forderung nach einer gerechten Behandlung des Fremden, des Waisen und der Witwe. Auch das Verbot des Wuchers gehört hierher. Der als Pfand genommene Mantel des Armen muß ihm bis zum Sonnenuntergang zurückerstattet werden, denn ״er ist ihm allein eine Decke, das Gewand seines Körpers.... Wenn er mich um Hilfe anruft, so will ich ihn erhören, denn ich bin barmherzig.“ (22, 24 ff.) Einen breiten Raum nimmt noch in dieser Sammlung das sogenannte Heiligkeitsrecht ein, das in der sittlichen Forderung gipfelt: ״Und geheiligte Menschen sollt ihr mir sein“ (22, 30), eine Forderung im übrigen, die in der Bibel sehr oft wiederholt wird. Interessante reiigionsgeschichtliche Vergleiche ließen sich aus den verschiedensten Kulturbezirken des Orients zum Bundesbuch heranziehen. Auf das Gesetz der Babylonier haben wir schon verwiesen. Auch hctitisches, kanaanäisches sowie ägyptisches Recht sollte man in diesem Zusammenhang streifen. Eine ausgiebige Unterhaltung sollte man an Hand von Dubnows Geschichte Bd. 1 durchführen, wo auch die einschlägige Literatur nachgewiesen ist. J. M. Die ausgewanderten Gelehrten. Prof, Gifbert Murray kündigt in der ״Oxtord Mail1‘ ä!1, daß demnächst ein Aufruf an die englische (/)Öffentlichkeit gerichtet werden wird,_ Mittel für eine Institution beizusteuern, die als Nachfolgerin des Britischen Akademischen Hilfskomitees fungieren soll. Diese Institution wird Forschungsaufträge an Universitätsprofessoren, die ihre bisherige Wirkungsstätte verloren haben, erteilen. Das Hilfskomitee wurde vor drei Jahren unter dem Vorsitz des berühmten Physikers Lord Rutherford gebildet. Es hat seitdem einer Reihe von Gelehrten Hilfe in der Form von provisorischen oder endgültigen Forsehiingsaufträgen gewährt, darunter waren ein Drittel Juden (Glaubens- Juden), ein Drittel Mischlinge und ein Drittel Christen. Prof. Murray teilt mit, daß von den ausgewanderten Professoren 352 bisher neue dauernde Anstellungen gelundcn haben. 350 Professoren jedoch seien noch nicht untergebracht, und es schweben, wie cs in dem Aufsatz heißt, Verhandlungen mit Südamerika, die zu einer Placierung von etwa hundert Gelehrten in nächster Zeit führen dürften. Darüber meint der Verfasser, daß für die nächsten fünf oder zehn Jahre eine Erweiterung der Universitäten und eine Schaffung von überzähligen Posten zwecks Verwendung der treigewordenen Gelehrten notwendig sein wird. In der Zeit vom 21. bis zum 23. Februar werden mehrere Kommissionen des Wcltverbandes der Völkerbundsligen in Genf Beratungen abhalten.

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