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Jüdische Rundschau · 1936-02-18 · Heft 14 (18.2.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 14 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Aasgäbe Mittwoch 13Uhr (Für Familienanzeigen am lag vor Erscheinen 12Uhr) Der Zionismus erstrebt tQr das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Frankreich und Syrien Die ״extremen arabischen Nationalisten“ Pariser Brief Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Februar Anscheinend auf einen Wink von höherer Seite hin hatte die große französische Presse bisher mir spärliche Nachrichten über die Vorgänge in Syrien gebracht und hatte sich im wesentlichen auf die Mitteilung einer Anzahl von Tatsachen beschränkt. Um so bemerkenswerter ist es daher, daß jetzt in Erklärungen gegenüber der Agency Havas der Oberkommissar von Syrien, M. de Märtel, zu den letzten Vorgängen im französischen Mandatsgebiet grundsätz- Sch Stellung nimmt: ״Der Oberkommissar wendet sich vor allem gegen die Meinung einiger französischer Kritiker, die meinen, es be» dürfe nur einer kleinen, entgegenkommenden Geste der Mandatsregierung, um die Unruhen beizulegen. Syrien steht im Zeichen einer tiefgehenden Krise, die teilweise durch wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten, vor allem aber durch die verhängnisvolle Propaganda der syrisehen Nationalisten hervorgerufen worden ist. Ke syrischen Nationalisten wenden sich gegen jede Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht und verhindern auch die Gemäßigten an einer Mitarbeit. Der Vertragsentwurf von 1933 ist von ihnen sabotiert worden und sie führen jetzt eine radikale Propaganda gegen alle Versuche ein«■ Lösung der heutigen Krise. Alle Möglichkeiten einer weiteren Entwickhing des Landes werden dadurch lahmgelegt. Die Mandatsregierung wird sich aber durch die Kriegserklärungder syrischen Nationalisten nicht zu einer Aenderung ihrer entgegenkommenden Haltung bringen lassen. Die begonnene Verwaltungsreform wird fortgeführt werden. Frankreich ist stark genug, um duldsam zu sein. Frankreich wird einen Unterschied zwischen den Agitatoren lind zwischen den Massen, die von ihnen aufgehetzt worden sind, zu machen wissen.“* Diese Erklärungen, cüe den Ernst der Lage im Mandatsgebiet zeigen, haben in der französischen Öffentlichkeit erhebliches Aufsehen erregt. Die Lage in Syrien Vom 16. Februar wird aus Syrien berichtet: Die Lage in Syrien ist unverändert ernst. Auf den Straßen und den Dächern in Damaskus sind Maschinengewehre aufgestellt worden. Der französische Militärbefehlshaber hat die Bildung von Gruppen von mehr als vier Personen verboten. Der bisherige Ministerpräsident Jadscheddin wird vorläufig von den Franzosen gehalten. In den letzten Tagen sind wiederum einige Tote und Verwundete in verschiedenen Städten zu beklagen. Der Streik droht auch auf Beirut und andere Städte des Libanon überzugreifen. Trotzdem ist eine deutliche Ermüdung der Einwohner von Damaskus, besonders der Handwerker, festzustellen, die unter der wachsenden wirtschaftlichen Notlage vor allem zu leiden haben. Ein Mangel an Lebensmitteln macht sich bereits empfindlich bemerkbar. Wenn auch ein bürgerlicher Hilfsausschuß eine Lebensmittelverteilungsstelle eingerichtet hat, so kann sie doch allen Anforderungen nicht gerecht werden. Unter dem Druck der Straße wagt niemand, seinen Laden offenzuhalten. Die Stimmung der Bevölkerung ist sehr gedrückt, wenn auch die nationalistischen Führer große Hoffnungen auf ein Eingreifen des Iraks setzen. Im übrigen beginnen sich die durch die Unruhen belasteten Führer bereits ui das syrische Hinterland, nach dem Hauran-Gebirge und in das Euphrat-Gebiet zurückzuziehen, um sich einem etwaigen Späteren französischen Zugriff zu entzieh«. Wegen der Empörung, die unter der mohammedanischen Geistlichkeit herrscht, setzten die Franzosen nicht mehr mohammedanische Senegalneger, sondern die Fremdenlegion und Indochinesen ein. Die Franzosen sollen 10000 Mann Ver- Stärkung aus Frankreich angefordert haben, von der der erste Teil bereits eingetroffen ist. Der Generalstreik geht einstweilen weiter. Er dürfte jedoch infolge der Militärdiktatur und der rücksichtslosen Zwangsmaßnahmen in Kürze zusammenbrechen, zumal außer den Menschenverlusten Schäden in einer Höhe von schätzungsweise drei Millionen syrisehen Pfund entstanden sind. Die neue Hilfsaktion Hoffnungen und Schwierigkeiten Vorbemerkung der Redaktion: Der Besuch der engfisch-jüdischen Delegation in Amerika unter Sir Herbert Samuels Führung ist in der ganzen jüdisehen Welt als das zentrale Ereignis der letzten Zeit, ja vielleicht als Beginn einer neuen Epoche gewertet worden. Obwohl über die näheren Einzelheiten des Planes nichts Zuverlässiges bekannt ist, hat man allgemein gehofft, daß dieser Schritt den Anfang einer großen konstruktiven Anstrengung des gesamten jüdischen Volkes bilden wird. Dazu ist es wahrlich an der Zeit, und nach unserer zionistischen Auffassung ist die jüdische Frage nur dann zu lösen, wenn eine gestaltende Idee den Leitgedanken der Bemühungen bildet. Die Rückkehr der Delegation nach London bezeichnet die zweite Etappe der Entwicklung. Samuel und Bearsted sind bereits vor einer Woche eingetroffen, Simon Marks wird am 19. d. M. erwartet. Der weitere Fortgang wird lehren, ob die Repräsentanten des jüdischen Volkes, die jetzt an den Plänen arbeiten, auf der Höhe der Aufgaben stehen. Wir haben in der ״jüdischen Rundschau“ schon (im Leitartikel vom 7. d. M ) angedeutet, daß nach unserer Meinung noch so manche Schwierigkeit, auch solche organisatorischer Natur, zu überwinden sein wird. Die weiteren Stadien der Aktion, auf die wir so große Hoffnungen setzen müssen, werden abhängen von der Geschicklichkeit, mit der es gelingt, diese Schwierigkeiten zu meistern. Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß die Juden Deutschlands wünschen, Schwierigkeiten der angedeuteten Art beseitigt zu sehen, da es für sie vor allem auf eine schnelle und sachlich wohlfundierte Hilfe ankommt. Daß aber noch nicht alle! Fragen gelöst sind, beweist der nachfolgende Bericht aus Amerika, der uns von gut informierter Seite übermittelt wird. Er zeigt, in welcher Weise die Ergebnisse des Besuches der englisch-jüdischen Delegation von vorsichtig und objektiv urteilender Seite des jüdischen Publikums in Amerika beurteilt werden. Reichsminister Dr. Fr ick über die Stellungder Juden ״Lebensmöglichkeit ■oll den Jaden nicht abgeschnitten werden** Der ״Westdeutsche Beobachter“ veröffentlicht einen Aufsatz von Reichsminister Dr. F r i c k über die Bedeutung der Nürnberger Gesetze. Nach einet eingehenden Besprechung des Verhältnisses des Reichsbürgergesetzes zum Parteiprogramm der NSDAP, und des Gesetzes selbst schreibt Reichsminister Dr. Frkk: ״Die Trennung des deutschen Volkes vom jüdischen Volke konnte sich jedoch nicht auf das öffentlich-rechtliche Gebiet beschränken. Von ebenso großer Bedeutung ist die Durchführung der Trennung au? persönlichem Gebiet. Es muß unter allen Umständen verhütet werden, daß dem deutsehen Volke neues jüdisches Blut zugeführt wird. Infolgedessen ist die eheliche wie die außereheliche Verbindung von Juden und deutschblütigen Personen verboten und unter Strafe gestellt. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig. Hiervon abgesehen aber bleibt die bürgerlich-rechtliche Stellung der Juden unberührt. Insbesondere unterliegen sie auch im Wirtschaftsleben nur den gesetzlich festgelegten Beschränkungen.“ Der Aufsatz geht weiterhin auf die Stellung der Mischlinge ein. Reichsminister Dr. Frick schreibt sodann zum Schluß des Artikels: ״Das Reichsbürgergesetz und das Blutschutzgesetz sowie die dazu ergangenen Ausführungsverordnungen verfolgen nicht den Zweck, die Angehörigen des jüdischen Volkes nur um ihrer Volkszugehörigkeit willen schlechter zu stellen. Die Ausschaltung des Judentums aus dem deutschen öffentliehen Lehen und die Verhinderung weiterer Rassenmischling sind vielmehr gebieterische Notwendigkeiten, wenn der Fortbestand des deutschen Volkes gesichert bleiben soll. Die Lebensmöglichkeit soll den Juden in Deutschland nicht abgeschnitten werden. Das deutsche Schicksal aber gestaltet m Zukunft lediglich das deutsche Volk.“ Weizmanns London-Reise Zu den Verhandlungen, betreffend die Einbeziehung Pa- Hstinas in die geplante Hilfsaktion für jüdische Auswanderer aus Deutschland, werden mehrere Vertreter der J e w i s h Agency, bzw. der palästinensischen Juden in London erwartet. Das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Elieser Kaplan, wird am 19. d. M. aus Palästina nach London abreisen, der Direktor der Anglo Palestine Bank, Hoo- 1 i e n, am 22. und Dr. W c i z m a n n am 24. d. M. Dr. Weizmann beabsichtigt, in London auch bei der englischen Regierung wegen der letzten Wendung der Palästina-Politik vorstellig zu werden. Die Eröffnung: der IL Makkabi-Winterspiele Banska Bystrica, 16. Februar. (JTA.) Am 17. Febr., 9 Uhr abends, werden die Winterspiele des Makkabi-Welt- Verbandes in Banska Bystrica feierlich eröffnet. Die Feier, die durch den Bratislawer Sender übertragen wird, beginnt mit dem Vortrag der Staatshymne und der Hatikwa durch die Kapelle des 26. Regiments. Es folgen Begrüßungen durch den Vorsitzenden des Organisationsausschusses Dr. Rudolf Weiehert und durch den Vizevorsitzenden Dr. Nicolas Schwarz in hebräischer und englischer Sprache, sowie Ansprachen des Vertreters des Gesundheitsministeriums und des Landesgesundheitsamtes, General Votruba, des Kommandanten der 10. Division, General M a n e k, des Vertreters des Landespräsidenten, O r s z a g h, und des Bezirkshauptmanns Dr. Milos UI e h 1 a. Hierauf sprechen der Vorsitzende des tschechoslowakischen Makkabikreises, Dr. Paul Merz, der Vertreter der Zionistischen Exekutive, Abg. Dr. AngeloG o 1 d s t e i n, ein Vertreter der Hanhala technit Oiamit (oberste technische Leitung des Makkabi-Weltverbandes) und Vertreter des palästinensischen, englischen, bulgarischen, jugoslawischen, lettländischen, ungarischen, deutschen, norwegisehen, polnischen, österreichischen, rumänischen und schweizerischen Makkabi. Am Dienstag, dem 18. Februar, 9 Uhr früh, beginnen nach dem Hissen der Staatsflagge die Wettkämpfe. Das Programm sieht vor; 9.30 Uhr: Ski-Staffeln, Männer viermal 10 km; 15 Uhr: Eis-Schnellaufen 500 und 5000 m; 17.30 Uhr: Eishockey. Das Urteil im Kattowitzer Prozeß Warschau, 13. Februar. (JTA.) In dem Kattowitzer Prozeß gegen die 21 Nationaldemokraten, die im Dezember v. J. Bombenanschläge gegen die Kattowitzer Synagoge und mehrere jüdische Häuser und Geschäfte verübt haben, wurden drei Angeklagte freigesjjrochen, die übrigen 18 zu Freiheitsstrafen von verschiedener Dauer verurteilt. Der Haupitbeschuldigte Wladislaw Jakubowski erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, die Angeklagten Kranek und Wieczorek wurden zu zweieinhalb Jahren, sieben Angeklagte zu zwei Jahren, vier zu anderthalb und vier zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wird auf die Zugehörigkeit der Verurteilten zu einer Geheim- Organisation, deren Mitglieder durch Drohungen zum Schweigen gezwungen wurden, hingewiesen. Als mildernder Umstand wurde es gewertet, daß die Angeklagten unter dem Einfluß einer unverantwortlichen und in ihren Mitteln nicht wählerischen Propaganda standen. Nach Verkündung des Urteils kam es in den Straßen zu Ueberfällen von Nationaldemokraten auf jüdische Passanten; einer von Ihnen wurde bhitig mißhandelt Polizei trieb rüe Exzedenten «wernandes, Von Amerika aus gesehen New York, Anfang Februar 1936 Die Delegation, bestehend aus Sir Herbert Samuel, Lord Bearsted und Simon Marks, ist wieder abgereist Die große Erregung, mit der die erste Ankündigung ihrer Mission begleitet war, hat sieh gelegt. Was ist nun das Ergebnis ihrer Anwesenheit in den Vereinigten Staaten? Haben die Herren endgültige Vcrsprechu ngen mitgenommen oder haben sie nur ihre Kenntnis der amerikanisch-jüdischen Verhältnisse verbessert? Wie aus den Berichten über die verschiedenen Reden und aus anderen Informationen hervorgeht, war der Zweck ihrer Mission, einen Plan durchzusetzen, durch den 15 Millionen Dollar in vier Jahren aufgebracht werden sollen, davon zwei Drittel in Amerika, der Rest in England und im übrigen Europa. Der Betrag sollte dazu verwandt werden, um hunderttausend Juden, meist solche zwischen 17 und 35 Jahren, die Auswanderung rn ermöglichen, und zwar soll das Geld für Schulung und Berufsumschichtung, Reisekosten, Unterhalt in der ersten Periode des Aufenthaltes im neuen Land, Darlehen zur Existenzbegründung usw. benützt werden. Die Pläne gehen auch davon aus, daß ein Teil der Kosten der Schulung, Berufsausbildung usw. von den Juden in Deutschland selbst getragen wird. Ferner ist man sich darüber einig, daß etwa die Hälfte der Auswanderer nach Palästina gehen soll. Man nimmt an, daß Palästina nicht mehr aufnehmen kann; Lord Bearsted, der dem Zionismus fernsteht, sagte bei mehreren Gelegenheiten: ״Wenn die Palästina-Regierung 20 000 Zertifikate zur Verfügung stellt, so werde ich mit Freuden dafür arbeiten, daß man ihnen allen hilft, nach Palästina zu gehen.“ Die Delegation scheint freilich, als sie nach Amerika kam, manche falsche Vorstellungen mitgebracht zu haben. So wurde sie etwas enttäuscht, ln der Annähme, daß die Juden der ganzen Welt über das zu behandelnde Problem tief erschüttert sein müssen, konnte sie wohl kaum verstehen, daß viele amerikanische Juden durch ihre eigenen Geschäfte verhindert waren, der Delegation gleich und stets zur Verfügung zu stehen. Die erste offizielle Zusammenkunft fand einen lag nach der Ankunft statt. Felix War bürg, der allgemein im amerikanischen Judentum als die Persönlichkeit be-

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