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Jüdische Rundschau · 1936-02-14 · Heft 13 (14.2.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 13 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sa!♦» 1A jn 01 sc he Rundschau Nr. 13 14. n. 1936 iiisniAi Arabische Welt / Michael Assaf Die geistigen Kräfte im Vorderen Orient Die Völker des Orients sind völlig von der Politik absorbiert. Im Kampf um den Rah• men, die nationale Form, erschöpft sieh alle Lebenskraft. Für die Wirtschafts probleme der Nation, den Neubau der materiellen Qrundlagen, besteht mir geringes Interesse. Auf dem Gebiete der geistigen Erneuerung herrscht nahezu Friedhofsstille. Wer von außen kommt, begierig, auch die leiseste Aeußerung neuen geistigen Lebens nt beobachten, muß Auge und Ohr mit den schärfsten Instrumenten versehen, um die Regungen neuen Werdens wahrzunehmen, die noch in der Tiefe schlummern. Als die Völker des Orients unter den Hammerschlägen der politischen Ereignisse aus ihrem langen Schlummer erwachten, erkannten sie vor allem ihre äußere Unfreiheit. Der Kampf dagegen absorbierte alle Kräfte und die innere Unfreiheit wurde kaum gespürt. Hier und da freilich erstanden den Völkern weitsichtige Lehrer, doch ihre Jünger wurden Politiker und nicht Reformer. Der Kongreß zur ״Förderung der guten Sitten" in Kairo Zu den Regln!gen dl .,s Gei istes innerer Erncuenmg gehör t der g״J,. ciidkongrcß zwr Förderung der guten Sitten '• in Kairo. Er trat Ende Nov ember 19)5 mit einer beschränkten Zahl von T 'eil/ich men! zusammen. Die Hefen .•Uten waren Greise, die die Teilnelnner al s ״Li ehe SO lliic“ anredeten. Vorsitzender war Muhamnied Ali Aluba Pascha, ehemaliger ägyptischer Mini-der und bekannter panislamitbchrr Politiker (Förderer der panjslatni.-cheu Bewegung unter den Arabern in Palästina, Vi/epr,1-ide!:t der moslemischen Konferen/ 1«1Hl in Jerusalem, die unter dem Vorsitz des Mufti von Jerusalem tagte). In seiner Eröffnungsansprache sagte er: ,,Ziel der jugemlhga!)1111' sein, die Aufgaben des Lebens irr zweifacher Beziehung zu meistern: in sozialer und in ethischer. An erster Stelle stehen die Pflichten der Jugend gegen sich selbst; dann die Pflichten gegen den Landsmann, den Volksgenossen: dann gegen den Nachbarn, den Freund; weiter gegen den Feind, was auch immer die Ursache der Feindschaft sei; schließlieh gegen die Religion und die Heimat. Die Religion ist die Urheimat. Das Heimatland ist ein Teil der allumfassenden Religion ...“ Und aus der Rede des Muhamnied Farid <11- Wadjdi: ״Die materialistische Philosophie, die dreihundert Jahre lang den Versuch gemacht hat, jeden Zusammenhang zwischen dem Menschen und allem Höheren, Ueber-Materiellen zu dtirehschncidcn, hat eine vollkommene Niederlage erlitten. Die Wissenschaft hat die Materie zur Energie umgewandelt, sic hat erklärt, die Materie existiere nicht, sie sei nichts anderes als eine der Eigenschaften der Energie. Nachdem auf diese Weise ein ernstes Hindernis beseitigt ist, steht dem menschlichen Geist die Bahn offen ins Weite, ins Uncndliehe . . Her Redner belegt seine Atisführangen mit Zitaten aus europäischen Werken, u, a. aus einer Monatsschrift aus dem Jahre 1917: ״Der Begriff ,Energie,‘ verdrängte den Begriff ,Materie'. Wir! aber einst der Begriff ,Geist׳ den Begrilf ,Energie’ ersetzen? Dieses ernste Problem ist ein Geheimnis, dessen 1:11thüllung der Zukunft Vorbehalten bleibt.‘‘ 1 )r. Sliiiltnbaiul.ir, ein bedeutender panarabischer I!ihrer, .Ar/t, Soziologe und Interpret ok/identnör Wcltan-vbauung. der als Syrer im ägyptischen Exil lebt, bemühte sich auf dem Kongreß um das Wesen des Begriffes ,,Heimat“: ״Heimat ist nicht ein Stuck Land, lind sei es das reichste und schmuste. Nicht die Felsen mul Berge und Flüsse, nicht die fierrlicliki'iteu. die Edelsteine und die Steine auf der Straße sind ifeunat, nicht einmal die Felder, (!arten und Baume, Heimat ist die Gemeinschaft der Bruder, die in gegenseitigem Sieh-KiMiiien, Sieh-1 feiten und SEli-Lieben aufgcwaehsi 11 su!d, \ ׳, rlmnden duidi gemeinsame Empfindungen, aber auch durch das materielle Interesse, das unentbehrlich ist im Alltag des Lebens. Heimat, das ist Lin Sehen, Ein Denken, Ein Wollen, Ein Empfinden. Und wenn unsere Dichter seit jeher den Boden besungen haben, so geschah es nicht aus Liebe zu den Bergen und Steinen, sondern aus Liebe zu den Menschen, die auf dieser Erde wohneu . . .“ Hier haben wir also den Versuch, die Politik und den politischen Nationalismus mit einem höheren Geist zu beleben. Die Haltung ist idealistisch, fast mystisch, die Elemente sozialen und nationalen Fortschritts sind noch verwischt. Dennoch steckt in diesem Keim geistiger Erneuerung der [׳rötest gegen die Be- Schränkung der Jugenderziehung auf politische Schlagworte, die der Seele keine Nahrung zu geben vermögen. Die Verbände ״Eue und unterlasse״ in Palästina Der besondere Charakter des Kongresses von Kairo bestand darin, daß er keine äußeren Ziele verfolgte. Er wandte sieh mit seiner Zielsetzung und mit seinen Forderungen ausschließlich an die Teilnehmer. Obwohl es in Aegypten einen nationalen ״Feind“ gibt: England — vermied der Kongreß bewußt dieses Thema, um seine Existenzberechtigttng, die auf der Betonung der inneren Ent- Wicklung als Hauptfaktor der Befreiung und Erneuerung beruhte, nicht zu gefährden. Anders verhielt es sich mit der Konferenz der religiösen Führer, die vor mehr als einem Jahre vom Mufti in Jerusalem einberufen wurde. Diese Konferenz wurde offiziell organisiert, um den Islam unter den Arabern zu fördern und den religiösen Vorschriften des Korans: ״Tue dies, unterlasse jenes“, wieder mehr Geltung zu verschaffen. Sie stand ganz im Banne des äußeren Zieles — der Bekämpfung des Zionismus — und wurde so zu einer der üblichen politischen Agitationsversammhingcn. Es wurde beschlossen, in Palästina Vereine unter dem Namen: ״Tue und unterlasse“ (im Anklang an die Formel der Vorschriften des Korans — Anm. d. Uebers.) zu schaffen. Ihre Aufgabe ist, die unmoralischen europäischen Sitten zu bekämpfen und die erhabene Ethik des Islam zu propagieren. Dazu gehört unter anderem: den Frieden unter den Gläubigen zu pflegen und die zahlreichen Streitfälle in den Dörfern und zwischen den Familien beizu legen. Praktisch jedoch betonte die Konferenz besonders die ״nationalen Si'niden“ und bezeichnete sie als schwerer und bedenklicher als die ״moralischen Vergehen“. Der Kampf gegen den Verkauf von Boden an die Juden war das wichtigste Schlagwort dieser Konferenz. Das heißt also: Der Mufti gab dem moslemisch-nationalen Kampf gegen den Zionismus einen neuen organisatorischen Rahmen. In einer arabischen Zeitung konnten wir folgende Chronik aus Gaza lesen: ״Es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, daß der Verband ,Tue und unterlasse‘ wohl der tatkräftigste und am meisten ziclbcwuöte unter allen Organisationen ist. Seine Mitglioder werden nicht müde, die Lehren der Ethik und Moral im Volk zu verbreiten und der Vorsitzende, der Kadi (— religiöser Richter) besucht dauernd die Nachbardörfer und prägt den Bauern ein, daß sie ihre Böden behalten und nicht an die hergelaufenen Juden verkaufen sollen. Er predigt in den Moscheen und erklärt die Gefahr, die im Verkauf von Böden liegt . . Seine Propaganda hatte auch Erfolg. Das Dorf Asdod, bisher eine Beute der Makler und Ziel der Juden, ist nunmehr eine feste Burg, die die Makler nicht bezwingen können.“ Jetzt fordert das Organ des Mufti die Zentrale dieser Verbände auf, einen Jugendkongreif zur ״Förderung der guten Sitten“ einzuberufen, an dem auch Vertreter aus dem Ausland teilnehmen sollen, um ״die nienschliehe Gemeinschaft im Kampf gegen das Uebel und die Verderbnis zu starken, die die Flut der jüdischen Einwanderung ins Land gebracht hat. Der Kongreß soll auch die Mode und die Putzsucht bekäumfen, die dife europäische Zivilisation nach Palästina und in die arabischen Länder gebracht hat“. Das Organ des Mufti drückt sein Erstaunen darüber aus, daß der Kongreß in Kairo ohne Beteiligung von Arabern anderer Länder stattgefunden hat. Diese Zeitung kann nicht begreifen, daß dort nicht vom Kampf gegen irgend jemanden die Rede war. Nach der Auffasstmg der Gruppe, die in dieser Zeitung ihr Sprachrohr hat, ist auch die Religion nur ein Werkzeug in der Hand der Politiker. Siedlungswesen / Dr. h. Ernst Kooperative Wirtschaft In den ersten De/.embertagen fand in Kfar Bilu (ein Moschaw bei Rechowoth), eine Sitzung des Rates der Moschawim und Irgunim statt, (Moschaw — eine Arbeitersiedlung mit getrennten Eamilienwirtscliaften, kooperati\ein Einkauf und Verkauf, mit Ausschluß der I ohnarbeit. Irgun — Gruppe von Laudarbeifern, die sich in der Form des Moschaw ansiedeln wollen.) Auf der Tagesordnung stand die Schaffung eines speziellen Fiiianzinstruinentes für die Moschawim und Irgunim. Bisher hatten nur die drei kollektiven Strömungen in der Arbeitersiedlung (Kibbuz Meuchad, Chewer llakwuzotli und Haschomer Hazair) ihre eigeneu internen Finanzinstitute. Durch den Ile- Schluß in Kfar Bilu erhalten auch die Mosch«- wlm und Irgunim ein eigenes Finanzinstrument, das den besonderen Bedürfnissen dieser Strömung dienen soll. Die Entstehung dieser speziellen Finanz- Institute erklärt sich aus dem Bestreben der ein-?,einen Strömungen in der Siedlungsbewegung, eine möglichst breite Kooperation der ihnen angeschlossenen Betriebe zu gewährleisten. Trotz der kollektiven Form und dem kollektiven Geist, der in den einzelnen Kwuzoth und Kibbuzim herrscht, war bisher die Gütergemeinschaft auf die einzelnen Betriebe beschränkt. Nach außen hin waren die wirtschaftlichen Beziehungen zwisclien den einzelnen Kibbuzim oder Kwuzoth wie zwischen einander fremden Großbetrieben. Fs bestand zwar in den Anfängen der kollcktiven Bewegung und hauptsächlich beim Kibbuz Meuchad das Ziel einer allgemeinen Kommulic, die sowohl die landwirtschaftlichen Betriebe als auch die städtischen Arbeitergruppen umfassen sollte, die ökonomischen Realitäten drängten das Ziel jedoch bald völlig in den Hintergrund. Die Schaffung eigener Finanzinstitutc hatte daher den Zweck, einen gewissen Ausgleich unter den einzelnen Gruppen herbeizuführen und zwar in der Form sporadischer Hilfe, die in Notfällen den schwächeren _ Einbeiten gegeben werden sollte. Ein weiteres Moment gesellte sich dazu. Die Ansiedlung der letzten Jahre vollzog sich hauptsächlich ans den eigenen Mitteln der Siedler, mit Inanspruchnähme von mehr oder weniger kurzfristigen Krediten. Es war daher naheliegend, daß die jungen Kibbuzim und Kwuzoth entsprechende Hilfe von den älteren, bereits fundierten Schvvestergruppen erhielten. Die Moschawim und Irgunim bekommen jetzt ebenfalls ein solches Instrument. Es ist dem Charakter dieser Bewegung entsprechend anders ausgestaltet als die der Kollektivbewcgungen. Denn bei den Moschawim besteht nicht nur die Notwendigkeit der gegenseitigen Hilfe zwischen den einzelnen Siedlungen, sondern auch der gegenseitigen Hilfe zwischen den ein- /einen Mitgliedern innerhalb eines Moschaw׳. Dementsprechend werden besondere Kassen in jedem Moschaw gegründet, die in einer großen Kasse aller Moschawim und Irgunim zusammengefaßt werden. Diese Kassen sind für gegenseifige Hilfe innerhalb der Moschawim und unter den Moschawim untereinander gedacht, weiteren Bedürfnissen der Bewegung (z. B. Hilfe bei der Ansiedlung) soll ein zentrales Finanzinstitut der Moschawim dienen. An sich empfand die Siedlungsbcwegung der Arbeiter schon vor langer Zeit die Notwendigkeit der Schaffung eines zentralen Finanzinstitutes, das sowohl einem gewissen Ausgleich der Lebensbedingungen zwischen den einzelnen Siedlungen als auch der zusätzlichen Finanzicrung der neuentstellenden Siedlungen dienen sollte. Aus diesen Erwägungen heraus wurde nach langen Auseinandersetzungen die Kooperative ״Nir“ geschaffen. (Nicht zu verwechseln mit der Gesellschaft ״Nir Ltd.“, die als eine Art Kolonisationsbank gedacht ist und keine sozialen Aufgaben erfüllt). Wegen ihrer nicht genügend raschen Entwicklung und der zentrifugalen Tendenzen der einzelnen Strömungen innerhalb der Siedlungshewegimg der Arbeiter entstanden im Laufe der Zeit die oben genannten finanziellen Spezialinstitute. Mit der Schaffung der Kasse der Moschawim wird nunmehr die Zusammenfassung aller Kassen im Rahmen der Kooperative ״Nir“ möglich und notwendig. Wie gelangt man zur Ansiedlung? Es wird nicht übertrieben sein, wenn man annimmt, daß ein sehr großer Teil derjenigen, die sich für Ansiedlung interessieren, in der Ucberzeugung lebt, daß der Keren Kajemcth und der Keren Hajessod jedem und besonders denjenigen, die den Fonds Beiträge zahlen, Boden und Mittel zur Ansiedlung zur Verfiigung stellen. Es gibt Leute, die sich mit dem bescheidenen Anspruch auf ,,einige Dunam Boden in der Nähe von Tel-Awiw oder Haifa“(!) begnügen würden und es nicht fassen können, daß ihr Wunsch nicht erfüllt w׳ird. Es ist daher angezeigt, einiges über die Praxis auseinanderzusetzen. Die Ansiedlung erfolgt immer in Gruppe n, d. h. der Boden und das zur Siedlung nötige Investitioriskapital wird vom Keren Kajemcth und Keren Hajessod an organisierte Gruppen, die sicli entweder für kollektivistische oder individuelle Ansiedlung zusammenschlicßen, gegeben. Es gibt nur seltene Abweichungen von diesem Prinzip. Wie entstehen nun diese Gruppen, die im Laufe der Zeit zur Ansiedlung gelangen? Soweit es sich um kollektive Gruppen handelt, entstehen sie meistens noch im Auslande. Oft schließen sie sich bereits in den Hachscharahstellen zusammen und ihre Mitglieder kommen nach und nach in kleineren Verbänden nach Palästina und sammeln sich hier wieder. Je nach den Bedingungen der Einwanderung dauert dieser Prozelt längere oder kürzere Zeit, es vergehen aber in der Regel Jahre, bis die Gruppe vollzählig im Lande ist. Die ersten Staffeln einer derartigen Siedlungsgrappe sammein sieh in den Kolonien, wo sie als Lohna r b c i t e r arbeiten, ihre ersten Kenntnisse in der palästinensischen Landwirtschaft erwerben, ihre Fähigkeit zu einem Gemeinschaftsleben unter erschwerten und veränderten Bedingungen nochmals bewähren müssen und die Grundlagen einer eigenen Wirtschaft legen. Heute, wo in Palästina alles im Zeichen der Rationalisierung steht, ist auch dieser früher recht schmerzhafte Prozeß einigermaßen mechanisiert und erleichtert worden. Die verschiedenen Strömungen, Haschomer Hazair, Chewer Hakwuzoth, Kibbuz Meuchad, bereiten alles Nötige vor. Die jungen Gruppen des Haschomer Hazair z. B. werden nach ihrer Ankunft zum kunstgerechten Abrichten in die alten Wirtschäften des Kibbuz. Arzi gesteckt; erst nachdem sie einige Monate dort verbracht haben und nachdem die Zahl ihrer Mitglieder durch weiteren Zufluß aus dem Ausland entsprechend angewachsen ist, werden sie nach vorheriger Prüfung der Arbeitsbedingungen und vvomöglieh nach Sicherung von Unterkünften in eine der Kolonien zur Arbeit verpßanzt. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Methode sehr gute Resultate zeitigt. Auch die anderen Strömungen sorgen für die Neuangekommenen, indem sie Arbeitsplätze und Unterkunft beschaffen. Hat sich eine derartige Gruppe im Laufe der Zeit bewährt, womöglich Ersparnisse gesammelt und die Anfänge einer eigenen Wirtschaft geschaffen, so wird sie von der Zentrale der landwiitschaftlichen Arbeiter (Mcrkas Chaklai) als Siedlungsgruppe anerkannt. Dann beginnen erst die eigentlichen Schwierigkeiten. Die Frage der Bodenbeschaffung ist nicht so einfach. Wohf hat der Keren Kajemcth, besonders in der letzten Zeit, einige Bodenreserven. Es bestehen jedoch große Schwierigkeiten bei den Drainage- und Amcliorationsarbeiten, ohne die keine Siedlung möglich ist. Oft müssen Bodenstrecken zugekauft werden, um die Schaffung eines neuen Siedlungspunktes möglich zu machen. Oft müssen besondere Umstände der Siedler, die an bestimmte Gegenden durch ihre Außenaibcit gebunden sind und sich bereits ein« Wirtschaft angelegt haben, berücksichtigt iverden. So kommt cs, daß die Neuansiedlung nieistens mit zusätzlichen Käufen des Keren Kajemeth verbunden ist, die nur daun durchzuführen sind, wenn der KKL. neue Mittel bekommt Audi daran beteiligt sich die neue Siedlergruppe mit eigenen Mitteln, wenn sie diese besitzt oder sie bringt sie durch ihren Verwandten- und Bekanntenkreis hn Auslande auf, der ihnen dann durcli den KKL. zu Boden verhütt. Hat man den Boden oder das Recht auf eine Bodenfläche erlangt, so ist damit erst der erste Schritt zur Ansiedlung getan. Dem» der Keren Hajessod kann den großen Siedhingsansprüchen nicht gerecht werden und bis die Gruppe in das Budget des Kolonisationsdepartemenis aufgenommen wird, vergehen wieder Jahre. Der Tatendrang einer jungen Gruppe läßt sich jedoch schwer dämmen und so wird jede Gelegenheit, auch die entfernteste, dazu benutzt, das Siedlungswerk vorwärtszutragen. Derartige Gelegenheiten bieten sich aller dazu, sie aufzufinden und aiiszimutzen. Mittel zur Ansiedlung holt man aus den verschiedensteil Quellen: das Arbeitsdepartement der Agency gründet Hiifswirtschaftcn, Banken geben Kredite, Kaufleute und Firmen verkaufen landwirtschaftliche Maschinen gegen Wechsel, die deutsche Abteilung und der Central British Fund sorgen für die Juden aus Deutschland, die in den Gruppen sind, Häuser und Baracken werden aus verschiedensten Fonds gebaut, Siedlungsgeselisdiaften und Hypothekenbanken geben Anleihen für Häuser, *für Pflanzungen und Kühe, Ersparnisse aus der Lohnarbeit werden zu Investitionen verwandt usw. usw. So entsteht langsam, noch bevor ein richtiges Budget da ist, ein neuer Siedluugspunkt. Bei den Gruppen, die sicli als Moschawim ansiedeln wollen, stehen die Dinge etwas anders. Eine Gruppe wird gebildet, indem sich einige Dutzend von Siedlungskandidatcn zusammentim, um den Kern einer zukünftigen Siedlungsgruppe zu .schaffen. Ein derartiger Kern ist entweder durch die gemeinsame Arbeit in einer Kolonie verbunden oder setzt sich aus ideologisch gleichgerichteten E'ementcn zusammen, wie die Jugend der Moschawim usw׳. Der Kern vergrößert sich nach den Prinzipien einer gegenseitigen Auslese: in!läufigen Zusammenkünften werden die ideologischen Grundlagen eines Moschaw erörtert, das Gemeinschafls'eben entwickelt, die landwirtschaftliche Vorbereitung jedes einzelnen festgelegt, die Siedlungspläne besprachen und gemeinsame Institutionen;geschaffen. Auch hier wie bei den kollektiven Gruppen ist die Beschaffung einer entsprechenden Bodeufluche die erste und brenuenusie Frage. Normalerweise müssen die ersten M...0I dafür aus den Ersparnissen der Mitglieder der Gruppe herangescliafft w׳erden. Ist der Boiien gesichert, beginnt man mit seiner Okkupation. Dies geschieht durch Okkupationsgruppeu, die meistens eine große Aelmliehkeit mit einer Kwuzah haben. Erst nach und nach, je nach den vorhandenen Mitteilt und den Krediten, die aufzutreiben sind, kommen die restlichen Mitglieder der Gruppe nach und langsam bildet sich ein Moschaw mit getrennten Wirtschaften. Oft jedoch bleiben einzelne Wir'.seitaftsgruppen in gemeinschaftlieber Bearbeitung. Dies gilt besonders für die Anlage von Pflanzungen. Ein cinzelstehender Einwanderer hat es daher, wenn er nicht eigene genügende Mittel hat, recht schwer, wenn er sich ansiedein will. Eine kollektive Gruppe ist oft für ihn unzugänglich, wenn er nicht vorher mit der Bewegung in engem Zusammenhänge stand. Hat er nicht das Glück, in eine bereits bestehende Wirtschaft aufgenommen zu werden (was nur dann möglich ist, wenn er sich für Gemeinschaftsleben besonders eignet oder aus Eachgründcn akzeptiert wird) dann muß er alle Stadien und Schwierigkeiten einer jungen Siediungsgruppe durchmachen, bis er an sein Ziel gelangt. Die Aufnahme in einen irgun dagegen ist deswegen schwer, weil die Auslese nach dem Prinzip vorgenommen wird, daß die einzelnen Mitglieder zueinander passen müssen, und es fehlen dem Neuling meistenteils die notwendigen Verbindungen. Normalerweist• bleibt ihm nicht anderes übrig, als ab ovo anzufangen und mit Leuten gleichen Schicksals einen neuen Irgun zu bilden. Es gibt jedoch manchmal Gelegenheiten für Neuangekommene, die in einem Moschaw siedein wollen. Der lange Weg, der zur vollen Ansiedlung führt, bringt cs mit sich, daß auch in den Moschawim eine gewisse Fluktuation der Mitglieder besteht. Die damit fr ei werdenden Stellen müssen nachgefüllt werden, wobei manchmal die Rückzahlung der durch den früheren Siedler gemachten Investitionen notwendig ist. Je nach der Entwicklung der Wirtschaft bewegen sich diese Summen zwischen £ 100—500. Auch diese Neubesetzungen werden durch den Rat der Moschawim und die Zentrale der landwirtschaftliehen Arbeiterorganisation geregelt. (Schluß des Palästina-Teils) Margraf & Co., Juwelen - Gold - Silber Q. IM. B. H. RUF: SAMMELNUMMEN AI FLORA 8•«» Die schönsten Geschenkartikel in reichster Auswahl ✓ Auch Ankauf UNTER DEN LINDEN 6 laden im motel Bristol / TAU ENTZIENSTR. 18& ecke nürnberger str. / K AN ONIERSTR. S ENGROSABTEILUNG

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