Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT NR. 1t, 7. FEBRUAR 1936 Die beabsichtigte neue Bodengesetzgebung Jerusalem, 3. Februar. (JTA.) In einem an die Jewish Agcncy gerichteten Begleitschreiben zu einer Kopie der Antwort des Coioniai Oflice auf die Forderungen der Araber nach Einführung einer demokratischen Regierung, Einstellung der judischen Einwanderung und Einschränkung der Bodenverkäufe an Juden hat High Commissioner Sir Arthur Wauchope erklärt, es sei von wesentlicher Bedeutung iür das Nationalheim und die Wohlfahrt Palästinas, daß den Arabern, die ihren Boden an Juden verkaufen, genug Boden zur Sicherung ihrer Existenz übrigbleibt. In der Antwort des Ministers fiir die Kolonien auf das arabische Memorandum war bekanntlich die Absicht der Regierung angekündigt worden, ein Gesetz zu erlassen, durch das der ireie Boden verkauf beschränkt wird. In dem Schreiben an die Jewish Agencv weist der High Commissioncdarauf hin. daß von den jüdischen Bodenkäufern in den letzten fünf Jahren, in denen jüdische Bodenkaufe auf das Vierfache gestiegen seien, das Erfordernis, den verkaufenden Arabern den für ihre Existenz nötigen Boden zu belassen, nicht berücksichtigt worden sei, obwohl die Wohlfahrt des Landes dies notwendig gemacht härte. Mit Rücksicht auf diese Tatsache habe die Regierung Seiner Majestät auf Rat des High Commissioner beschlossen, auf dem Gesetzeswege einschränken d c M aßnahmen zu treffen. Im Schreiben wird weiter das Versprechen gegeben, daß die Regierung sich mit der Exekutive der Jewish Agency beraten werde, bevor sie diese gesetzlichen Bestimmungen in Kraft setzt. In einer geschlossenen Sitzung des W a a d Leurai wurde die Bedeutung der neuen Regicnmgspolitik ausführlich dargelegt. Auf dieser Tagung hielt Dr. Weizmann eine Ansprache, in der er die Bedeutung der Einigkeit des Jischuw hervorhob. Dr. Weizmann behandelte die augenblickliche politische Lage und betonte, daß die Bestrebungen zur Ucberwindung der inneren und äußeren Schwierigkeiten verstärkt werden müßten. Eine Erklärung der Jewish Agency Die Exckuti. C:y Jewish Agencv wendet sich an das jüdische Volk mit einer E r k I ä r u n g, in der betont wird, daß das angekündigte Gesetz über Verbot des Verkaufs kleinere- Bodenflachen den Bestimmungen des Palästina- Mandates ui:.. des Briefes des früheren Premiers Ramsav MacDonald an Dr. Weizmann direkt widerspricht. Artikel 6 des Palästina-Mandates verpflichtet die Regierung, die jüdische Kolonisation in Palästina zu ermutigen. Die Erklärung des High Commissioners enthält aber' keinerlei Hinweis auf positive Schritte zur Kolon isierung von Juden im Lande, sondern sie kündigt lediglich negative Mittel an, die die jüdische Kolonisation hindern sollen. In der Erklärung wird auf den Mac Donald-Brief vom Jabre 1931 hingewiesen, in welchem festgestellt werde: erstens, daß die englische Regierung den im Palästina-Mandat niedergelegten positiven Verpflichtungen treu bleibt und die jüdische Kolonisation in Palästina erleichtern wird; zweitens, daß eine gründliche Untersuchung durchgeführt werden wird, um festzustellen, wieviel Staats- und " private Böden der jüdischen Kolonisation zur Verfügung gestellt werden können; drittens, daß die Regierung eine Aktivität zur Entwicklung des Landes zum Besten der Juden und der Araber einleiten wird. Die Exekutive der Jewish Agency erklärt, es bedürfe keiner Mittel, um die kleinen arabischen Bodenbesitzer zu schützen. Durch den Verkauf von Teilen ihrer Böden erhalten die Araber erst die Mittel zur Verbesserung ihrer ökonomischen Lage. Die Behauptung der Shaw- Kommission vom Jahre 1029, daß es eine große Zahl landloser Araber gibt, ist später durch eine Untersuchungskommission der Regierung als nichtig erklärt worden; es Wurde festgestellt, daß in den letzten zehn Jahren lediglich 650 Araber landlos geworden sind, davon nur ein kleiner Teil faktisch, der größere Teil hat in anderen Zweigen des Wrf ' ''Gebens Unterkunft gefunden. Die Exekutive der Jewish Agency erklärt, daß die wichtigste zionistische Bemühung in der Erwerbung von Boden besteht, und unterstreicht, daß das angekündigte neue Gesetz entmutigend auf das Judentum in der ganzen Welt wirken wird; dies in einer Periode tragischen Erlebens des Judentums, in der Palästina die einzige Rettung für große Teile des jüdischen Volkes bedeutet. Das Zusammenfallen der Pläne zur Einschränkung des Bodeuverkaufs mit dem Plan der Schaffung des Legislative Council und mit gleichzeitigen einschränkenden Maßnahmen gegenüber der Einwanderung bedeutet eine ernstliche H e m m u n g der progressiven Entwicklung des jüdischen N a t i o n a 1 h e i m s. Die Jewish Agency drückt zum Schluß ihrer Erklärung die tiefste Enttäuschung über die Politik der Mandatsregienmg aus, die den Bodenverkauf einschränken will und ihre Verpflichtung, aktiv an der jüdischen Kolonisation mitzuwirken, unberücksichtigt läßt. Die Jewish Agency ist entschlossen, ihren Kampf gegen diese das Jüdische Nationalheim schädigende Beschränkungen aufzunehmen und ruft das jüdische Volk auf, sie in diesem Kampf zu unterstützen. Post nach Palästina Februar 1936. Sämtliche Angaben verstehen sich ab Berlin. Von anderen Städten muß die entsprechende Zwischenverbindung hinzu- bzw. abgerechnet werden. Luftpost: 1. Sonntag abend letzte Nachtleerung zum Flug Montag 8.35 Uhr über Brindisi Linie LondoH-Joharmisburg. - 2. Dienstag abend letzte Nacht ieerung zum Flug Mittwoch 8.35 Uhr über Rom, Linie Amsterdam Bandocng I. - 3. Miltwoch abend letzte Na cht Ieerung zum Flug Donnerstag 8.3d Uhr über Brindisi, Linie London- Kapstadt. — 4. Freitag abend letzte Nachtleerung zum Flug Sonnabend 8.35 Uhr über Rom, Linie Amsterdam-Bandocng II. — 5. Sonnabend letzte Nachtleerung zum Flug Sonntag 8.35 Uhr über Brindisi, Linie London -S.ngapore- Darwin. Schiffspost: 1. Dienstag bis 1 U h r mii * t ags (zum D-Zug 21.43 Uhr ab Anhalter Bahnhof - - 2 So nn abend bis 1 Uhr mittags (zum D-Zug 21.43 Uhr ab Anhalter Bahnhof). Differenzierung des Zolltarifs Die erste Etappe im Kampf um den Schutzzoll Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 26. 1. 36 Seit längerer Zeit kämpft die jüdische Wirtschaft in Palästina um einen angemessenen Schutz für ihre junge, sich entwickelnde Industrie. Palästina hatte, eine Insel des nur wenig eingedämmten Freihandels im Meer der modernen Wirtschaft, die völlig auf Schutzzölle, Exportprämien und den Schutz der Produkte eines Landes gegenüber den fremden Erzeugnissen eingestellt ist, bis vor ungefähr einem Jahrzehnt kaum eine Industrie besessen, die diesen Namen verdiente. Es gab gewisse einheimische Gewerbe, aber im ganzen gesehen war Palästina ein reines Agrarland. Seine industriellen Bedürfnisse wurden, so weit sie unter der städtischen und entwickelteren Bevölkerung in größerem Maße bestanden, durch Import gedeckt. Die jüdische Immigration brachte neben der Modernisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft auch die ersten bescheidenen Ansätze einer Industrie, die sich in den neuen Verhältnissen langsam zu orientieren begann. In den letzten Jahren hat mit der steigenden Einwanderung und dem vergrößerten Kapitalimport eine immer wachsende Industrialisierung eingesetzt. In Tel-Awiw, in Haifa, in geringerem Maße auch in Jerusalem und bei einigen Kolonien entstanden größere und kleinere Unternehmungen, die es übernahmen, den wachsenden Markt, der durch die vergrößerte Bevölkerung und den steigenden Lebensstandard entstanden war, zu befriedigen und nach und nach auch sich auf den Export in die Nachbarländer einstellten. Eine beträchtliche Anzahl von Waren, die früher aus dem Auslande bezogen wurden, wurden in Palastina selbst hergestellt. Die junge Industrie stieß bald nach dem Beginn ihrer Produktion auf die schwere internationale Konkurrenz. Europas und Japans. In den sich vermehrenden Läden der palästinensischen Städte konnte man die Produkte der verschiedensten Länder finden, und das aus den verschiedensten Herkunftsländern zusammengestellte Publikum lieferte eine eifrige Käuferschar, die natürlicherweise zuerst auf die von früher bekannten Produkte reagierte und erst nach und nach lernte, sich auf die veränderten Verhältnisse, in die sie hineingekommen war, einzustellen. Ein Zollschutz von Seiten der Regierung existierte kaum. Palästina hatte, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einen undifferenzierten Zolltarif, der noch auf die Bedürfnisse des reinen Agrarlandes zugeschnitten war. Es wurde sehr bald deutlich, daß sich die einheimische Industrie unter diesen Bedingungen nur schwer oder gar nicht entwickeln konnte. Denn sie hatte nicht nur einfach mit der Konkurrenz der älteren europäischen Industrien zu kämpfen, die ihre Waren in Massen ins Land brachten, sondern auch verschiedentlich mit einem echten Dumping, weil die ausländische Industrie, unterstützt von den verschiedenen Staaten und Exportprämien, zu Preisen verkaufte, die von der Industrie Palästinas ohne einen entsprechenden Zcllschutz nicht erreicht werden konnten. Die einheimischen Fabriken waren zu einem Teil in die Lage eines Kämpfers versetzt, der sich mit unmodernen Waffen gegen einen nach den ausgeklügelten Rezepten der Neuzeit ausgerüsteten Gegner verteidigen muß. Der Kampf um einen den neuen Verhältnissen angemessenen Zoll wurde von drei Seiten geführt: einerseits versuchten die einzelnen Fabrikbesitzer, zum Teil auch mit einem gewissen Erfolg, mit der Regierung über Spezialmaßnahrnen zum Schutz ihrer speziellen Produkte zu verhandeln; andererseits versuchte der In dustriellenv erbau cl, der die Unternehmer repräsentierte und in den letzten Jahren an Mitgliederzahl wie auch an politischem und ökonomischem Gewicht gewachsen war, seine Stimme zugunsten eines Industrieschutzes geltend zu machen; und schließlich stellte die Jewish Agency ihren Einfluß diesem wichtigen Kampfe zur Verfügung. Der Kampf dauerte jedoch lange. In der ersten Zeit der Prosperity, als ein großer Teil der Fabriken noch im Aufbau begriffen war, wurde die Notwendigkeit eines Zollschutzes noch nicht so kraß fühlbar, Palästina lebte in dieser Zeit hauptsächlich von der bedeutenden importierten Kaufkraft und erst nach und nach traten immer mehr neue Betriebe in das Stadium der Produktion ein und wurden damit mehr und mehr auf den Markt angewiesen. Dabei wurde die Lagt so verschärft, daß eine Reihe von Fabriken vor der Schließung standen, einige sogar wirklich schlössen. Die Jewish Agency hat dann von ihrer neugegründeten Wirtschaftsabteilung detaillierte Vorschläge ausarbeiten lassen und diese wurden dann in längeren Verhandlungen sowohl in London wie in Jerusalem mit der Regierung durchberaten. In dieser Aktion ging die Agency in enger Fühlung mit dem Industriellenverband vor und schließlich wurden die Bemühungen von Erfolg gekrönt. In der Official Gazette wurden vor einigen Tagen neue Zollbestimmuiigeii publiziert, die für eine Reihe von Fabriken die Produktionsbedingungen verbessern und einen minimalen Schutz für die einheimischen Erzeugniss: gewähren. Damit ist natürlich noch nicht alles auf diesem Gebiete erreicht. Es bleiben noch eine Reihe von Waren, die nicht geschützt sind und bei anderen ist der heure zugestandene Schutz ungenügend. Aber die neue /ollfestsetzuug bedeutet eine erste Etappe auf dem Wege zu einem neuen, den palästinensischen geänderten Verhältnissen angepaßten Zolltarif. Wir werden ja überhaupt mit der weiteren Entwicklung der einheimischen Produktion immer neue Forderungen auf diesem Gebiet zu stellen haben. Aber es ist •<ott großer Wichtigkeit, daß die Regierung durch diesen ersten Schritt bewiesen hat, daß sie das Problem als solches versteht und gewillt ist, Schritte zu einer Lösung zu tun. Das praktische Resultat der Neuordnung ist ein doppeltes: durch den Zollschutz wird eine Reihe von Fabriken, die sonst der Konkurrenz hätten weichen müssen, in den Stand gesetzt, weiter zu arbeiten. Damit wird die weitere Freisetzung von Arbeitern, die in der ohnedies gespannten Arbeitslage sich schwer ausgewirkt hätte, vermieden. Außerdem hat eine große Fabrik, die Seidenfabrik von Sachs in Ramat-t ian, die cor ungefähr einem halben Jahr wegen der unerträglichen Auslandskonkurrenz geschlossen wurde, sofort nach der Bekanntgabe des Zolls iure Tore wieder geöffnet ur.d Arbeiter eingestellt, ein Ereignis, das allgemein begrüßt wurde. Metall und Textil Die Erleichterungen, die durch die neue Zollordnung erreicht werden, betreffen in erster Reihe Metall- und Te x t i 1 f a b rik e n. Die Metallbranche hat bei der Neuordnung besser abgeschnitten als das Textilgewerbe, weni)i auch dieses beträchtliche. Erleichterungen erhält. Von Warefl^ die erhöhten Zoll beim Import zu entrichten haben, sind zu nennen: Aluminium (betrifft die große Paf-AIume-Fabrik in Ramat Gan und eine kleinere Werkstättc in Tel-Awiw). Batterien (Teilhilfe für ein vor kurzem von Juden aus Polen und Deutschland gegründetes Unternehmen). Schrauben, Nieten und Muttern (betrifft eine Fabrik in Nachlath Jizchak, die bisher besonders stark unter dem Dumping zu leiden hatte). Eimer (die Fabrik, die diese herstellte, mußte geschlossen werden und wird jetzt wieder eröffnet). Gußeisen (hauptsächlich sanitäre Artikel, wie sie viele kleine Werkstätten im Lande herstellten). Textilwaren (Erleichterungen für die große Spinnerei und Weberei von Moller in der Haifa-Bay und für eine Anzahl kleinerer Unternehmungen). Der Universitätsabend in Tel-Awiw Salman Schocken spricht bei der Veranstaltung der Freunde der Universität. Von links nach rechts: Dr. Weizmann, Dr. Glttclsson, 8. Schocken, Judge fr umhin, der Dichter Soul Tschcrnichowskp Foto. Th« ün«»t i'«n Pkoio ^omP. i