Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. Ii / Jahrgang 41 Preis 25 Rpl JÜDISCHE RUNDSCHAU SduriiUaltiing.Varlag n. An zaltfen Verwaltung! BerllnWU, Melnakaatr. 10 Farnnil: Sammel-Nr. 11 Bismarck 3181/82, 7165^70, 7240M2. - Bezugspreis einachL BaeteUgeld ja Mon»i RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1^*8 bzw. RM 539. — Postscheck - Konten der Vertrieb» - Abteilung: Berlin 71573 (für CroB - Berlin), Berlin 173 92 (lür da» übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt beeteht kein Anspruch auf NachlielcrunR oder Erstattung etwa schon gezahlter B««iR<>K<>bühren. — Ericbalal J d n DUnltai and Fr• 11aff. BERLIN rsnn t^nsr t,s FREITAG, 7. FEBRUAR 1936 Gültig: Anzelgcnpreiallate Nr. 4. Die 12 erapaltcno mm-Zeile 20 Rpf, (ü* Familiennachrichten 15 Rpl. Aujnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen oder Stellen nnd in bestimmte Ausgaben kann nicht cewährleiatet werden. Gelegenheit», anzeigen nur bei Vorauszahlung auf Poatsrheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montau bis Donnerstag 9—18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. AnnahmeschluS für die Dienstag . Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Fr ei tag. Aua. gäbe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familienanzeigen am lag vor Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstatte In Palästina. (Baseler Programm) Aufruf des XXV« Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Der XXV. Delegiertentag der ZVfD. wendet sich mit einem brüderlichen Appell an die Judenheit in Deutschland. Das jüdische Schicksal in einer Zeit historischer Wende und Wandlung der gesamten jüdischen Lebensgrundlagen, in einer Zeit, wo große Massen des jüdischen Volkes in Bewegung und Wanderschaft geraten sind und eine neue Form unserer Existenz aus eigener Kraft geschaffen werden muß, verlangt die Zusammenfassung aller jüdischen Energien für die Aufgabe der nationalen Erneuerung unseres Volkes, deren Krönung ein friedliches und kulturell schöpferisches jüdisches Nationalheim in Palästina sein soll. In der schweren Aufbauarbeit, deren Früchte allen Juden, — und in der letzten Periode besonders auch den Juden Deutschlands — zugute kommen, bedarf der Zionismus, dessen schwere und verantwortungsvolle Aufgaben der Delegiertentag sichtbar hervortreten ließ, der Mitarbeit aller Juden. Kein Jude darf heute abseits stehen, wenn es gilt, an der jüdischen Zukunft mitzuarbeiten. Gerade in einem Moment, in dem nach einer Periode erstaunlichen, ununterbrochenen Aufstiegs das Aufbauwerk in Palästina vor gewissen Schwierigkeiten steht, die der Delegiertentag rückhaltlos dargelegt, aber auch auf ihr wahres Maß zurückgeführt hat, bedarf es des Einsatzes aller Kräfte, um so mehr, als die Stimme der Judenheit Deutschlands, die einen Ausweg für Tausende ihrer Menschen und insbesondere für ihre Jugend sucht, gewiß nicht ungehört verhallen wird. Nur eine starke und geschlossene Zionistische Organisation« deren Mitglieder von dem Bewußtsein persönlicher Verpflichtung und Verantwortung erfüllt sind, kann dieser geschichtlichen Aufgabe genügen. Durch den Anschluß an die Zionistische Organisation wird jeder, der zu uns kommt, nicht nur seinen Anteil an der großen jüdischen Schöpfung unserer Zeit leisten, sondern auch das beglückende Bewußtsein empfangen, daß es über alle Not der Judenfrage hinweg einen Sinn und eine große Zukunftsperspektive im Leben des jüdischen Volkes gibt. Das Wohl des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit ist unser höchstes Ziel. Darum rufen wir von diesem Delegiertentag alle Juden, in deren Herzen die Liebe zum Judentum nicht erloschen ist, zur gemeinsamen Arbeit, zur Einreihung in die von Theodor Herzl geschaffene Zionistische Organisation, die durch geeinte Kraft das jüdische Volk zu einem neuen Leben führt. Berlin, 4. Februar 1936 Zum Mord in Davos Die furchtbare Tat von Davos wird auch von uns Juden auf das schärfste verurteilt. Eine solche Tat ist nur aus der Verwirrung aller Sittlichkeits- und Rechtsbegriffe zu erklären, die seit dem Weltkrieg in immer größerein Umfang um sich griff. Jeder politisch motivierte Mord ist verabscheuungswürdig wie jeder Mord überhaupt. Das Judentum hat den Kernsatz: „Du sollst nicht töten" in die Welt gesetzt. Richter über Tod und Leben ist nach jüdischer Auffassung Gott allein; die Menschen mögen streiten und kämpfen, die Pistole ist kein Argument des Meinungsstreites. Wenn der jugendliche Täter, wie die Nachrichten besagen, erklärt hat, daß seine Tat als Demonstration gegen den Antisemitismus gedacht war, so ist dies das Zeichen eines verworrenen Geistes. Wir betrachten einen solchen tragischen Ausbruch der Leidenschaft, den wir menschlich ebenso wie politisch ablehnen, als eine sinnlose Verirrung. Nach unserer jüdischen Meinung ist die Judenfrage ein überaus kompliziertes Problern, und der Antisemitismus, der ein Symptom dieses Problems ist, wird nicht widerlegt, indem ein Jude in unjüdischer Weise Bluttschuld auf sich lädt. Mit der ganzen übrigen öffentlichen Meinung sind auch wir einig in dem Entsetzen über dieses Verbrechen. Sämtliche Kulturbund- Veranstaltungen verboten Das „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet: „Nach der Ermordung des Landesgruppenleiters der NSDAP, für die Schweiz, Wilhelm Gustloff, durch den Juden David Frankfurter in Davos hat der Reichsminister für Volksauf klärung und Propaganda samtliche Veranstaltungen des Reichs Verbandes jüdischer Kulturbünde in Deutschland bis auf weiteres verboten, um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen." Die amerikanische Maurice g.-'r.isaticm Präsident L i p s k Palästina-Konferenz Washington, 3. Februar. (JTA.) Zum Vorsitzenden des Uniled Palestiiie Appeal wurde auf der Reichskonferenz für den Palästina-Aufbau in Washington Dr. Stephen S. Wise gewühlt. Stellvertretende Vorsitzende sind: der Präsident des jüdischen Nationalfonds in Amerika, Dr. 1. (j o 1 d s t e i n, . e v i n e, der Vizepräsident der Zionistischen Or- Anierikas, Richter William Lewis, der Ehrender Zionistischen Organisation Amerikas, Louis . , der Präsident der ZOA. Morris Kothenberg und Rabbi Abba Hillcl S i 1 v e r. Zum Schatzmeister wurde Nathan Straub gewühlt. Ehrenpräsidenten des Palestine Appeal sind der Gouverneur des Staates New York. Colonel Herbert H. Lehman, der Präsident des American Jewisli Coiiimiltce Dr. Cyrus Adler, Richter Julian W. Mack und die Ehreiipräsideiitin der Jüdischen Frauenverbändc Amerikas Rebekka K o Ii u t. In einer Resolution bekräftigte die Konferenz die Ueberzeugung, daß der Aufbau des lüJisc ich Natioualheims in Palästina die konstruktivste und dauerhafteste Lösung der Judenfrage darstellt. In einer Resolution wird /um Ausdruck gebracht, daß bei voller Würdigung der Bemühungen der englischjüdischen Delegation unbedingt daran festzuhalten sei, daß die Palästina-Arbeit jeglicher neuen Körperschaft in planvoller Zusammenarbeit mit der J e w i s h A g e n c y durchgeführt werde. In eine weiteren Resolution brachte die Konferenz ihr Mitgefühl anläßlich des Todes König G.-orgs von England zum Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß der neue König das, was auf Grund des Mandates von England in Palästina getan wurde, gutheißen werde. Die neue Leitungder ZVfD. Dr. Siegfried Moses Vorsitzender In der Schlußsitzung des Delegiertentages der ZVfD. in Berlin am 4. Februar unterbreitete in spitter Nachtstunde Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Tuchler die personellen Vorschläge des Permanenz-Ausschusses. Es wurden einstimmig gewählt die Landeskommissionen des KKL., die KH.-Kommission, der Finanzausschuß, das Ehrengericht, der Ehrengerichtsamvalt und der Landesvorstand, der aus 72 Mitgliedern besteht. Zum Vorsitzenden der ZVfD. wurde unter großem Beifall des Delegiertentages Dr. Siegfried Moses wiedergewählt. Nachdem Dr. Egon Rosenberg ihm zu seiner Wiederwahl Glückwünsche ausgesprochen hatte, übernahm Dr. Moses die Leitung und dankte für das Vertrauen, das ihm der Delegiertentag erwiesen hatte. Es folgte die einstimmige Wahl des Geschäftsführenden Ausschusses, dem außer Dr. Moses folgende Mitglieder angehören: Isi F i s n e r, Dr. Hans F r i e d e n t h a I, Dr. Josephst Ii a 1, Dr. K a t z e n s t e i n, Dr. L e h m a n n, Dr. Georg Lubinski, Adolf Michaelis, Dr. Joachim Prinz, Dr. Egon Rosenberg, Dr. Michael T i a u b, S. T s c Ii e r t o k, Amtsgerichtsrat a. D. T u c h 1 e r. Der Delegiertentag wurde am morgens geschlossen, nachdem er Morris Rothenberg und F.lihu Stonc überreichten dem Britischen Botschafter in Washington eine v :\ der Natii-ii il-K mferen/. der jüdischen Organisationen am 26. I. angenommene Resolution gegen den Legislative Council zur Weiterleitung an das Colonr' Office. 5. Februar ' .2 Uhr „ , .. .. eine große Zahl von Beschlüssen gefaßt hatte. Die Erklärung des O.A. vom 10. Januar wurde einstimmig gebilligt. Ferner wurde in einer ausführlichen Resolution den schweren Besorgnissen der Juden Deutschlands angesichts der Einwanderung spolitik der Palästina-Regierung Ausdruck gegeben. Den vollständigen Bericht über die Verhandlungen des Deler; c tentages sowie eine Würdigung der Tagung bringen wir im Innern des Blattes. Wochenschau Roosevelts Worte — Die Delegation in Amerika — Herbert Samuels Ansichten — Unruhe im Orient Die Botschaft, die der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin Roosevelt, an die von 1200 Delegierten besuchte, von 42 jüdischen Organisationen Amerikas gemeinsam veranstaltete All-amerikanische Palästina-Konferenz in Washington gerichtet hat, ist eine der eindrucksvollsten S y m p a t h i e k u n d g e b u n g e n, die das jüdische Volk in den letzten Jahren erhalten hat. Präsident Roosevelt hatte, wie eine Reuter-Depesche mitteilt, den Führer der englisch-jüdischen Delegation, Sir Herbert Sani u e I, zu einer eingehenden Aussprache über die Ziele dieser Aktion empfangen, und nach dieser Unterredung wurde dann die Botschaft abgesandt. Was uns daran bewegt, ist die Tatsache, daß hier der Repräsentant eines großen Volkes Verständnis für die historischen Ideale und für die praktischen Bemühungen der Juden um Errichtung des Jüdischen Nationalheirns in Palästina bekundet und die Mitarbeit des amerikanischen Volkes zusagt. Die Botschaft Roosevelts hat nach der Reuter-Meldung folgenden Wortlaut: „Jeder Amerikaner kennt die Liebe der Juden für das Land, das mit den großen Anfängen ihrer Geschichte verbunden ist. Jeder Jude muß Freude darüber empfinden, daß diese ewige Treue gekrönt wurde durch die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, das auf den sicheren Grundlagen der Gerechtigkeit und Wohlfahrt für alle seine Einwohner beruht. Das amerikanische Volk wird nach meiner Ueberzeugung bereit sein, großzügig an dem United Palestine Appeal mitzuarbeiten, dessen Ziel es ist, heimatlosen Juden ein Helm zu schaffen. Ich hege die zuversichtliche Hoffnung, daß die Mitarbeit des amerikanischen Volkes beitragen wird zu dem weiteren Fortschritt des Heiligen Landes, das, dessen bin ich sicher, auch weiterhin die ganze Welt erleuchten wird." Im amerikanischen Judentum wurde in der letzten Woche eine überaus große Aktivität entfaltet. Die Mitglieder der Delegation aus England hielten in verschiedenen jüdischen Gremien Vorträge über ihre Absichten. Es scheint, dal5 auch jetzt noch keine fest utnrissenen Pläne vorliegen, sondern nur Gedanken allgemeiner Natur, die in Amerika diskutiert wurden. Dennoch lassen sich gewisse Grundzüge des Programms erkennen. Der Grundpfeiler der Aktion ist die Aufbringung eines Fonds von drei Millionen Pfund (15 Millionen Dollars), für den, einer von uns in der vorigen Nummer veröffentlichten Aeulierung zufolge, eine Million Pfund in England aufgebracht werden sollen; von diesen, so wurde mitgeteilt, sei ein f ünftel d.h. 200 000 Pfund (2> ., Millionen RM.) bereits von vier englischen Juden gezeichnet. Der Fonds soll da/u dienen, im Laufe der nächsten vier Jahre die Auswanderung und Berufsumschichtung von Juden aus Deutschland durchzuführen. Andere Zwecke, die in amerikanischen Zeitungen, z. B. New York Times, sensationell dargestellt worden waren, wurden in Washington ausdrücklich in Abrede gestellt. In den verschiedenen Reden wurden auch Auswanderer/iffern genannt, die jedoch wohl nur approximativ zu werfen sind. Es war die Rede von 100 000 Juden (20001) bis 25 000 jährlich), von denen die Hälfte in Palästina angesiedelt werden soll, während man der anderen Hälfte die Auswanderung in andere Länder ermöglichen will. Es wurden auch bereits Andeutungen über die geplanten organisatorischen Formen gemacht. Es sei beabsichtigt, ein Komitee ein/usetzen, das die Bezeichnung „Council for German Jewry" führen soll. Vermutlich werden endgültige Beschlüsse erst nach der Rückkehr der Delegation nach London gefaßt werden können. Bei Durchsicht der Berichte über die in Amerika gehaltenen Reden fällt auf, daß als konkretes Projekt in allen diesen Reden lediglich die Palästinasiedlung genannt wurde. Auch der bei einem der Bankette anwesende ehemalige Flüchtlingskommissar Macdonald kann aus seiner Erfahrung wohl bestätigen, daß anderweitige Bemühungen nicht viel versprechen. Sir Herbert Samuel hat (nach einem Bericht der „Times") bei einem Dinner in New York erklärt, daß Palästina unter voller Wahrung der Rechte und Interessen der arabischen Bevölkerung noch eine Million Juden aufnehmen könne, doch müsse die Einwanderung schrittweise vor sich gehen, und „in der Zwischenzeit" müßte mindestens die Hälfte der jüdischen Auswanderer aus Deutschland anderswo untergebracht