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Jüdische Rundschau · 1936-01-31 · Heft 9 (31.1.1936) · page 25

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 9 (31.1.1936)
Date
1936-01-31
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Nr. 9, 31. I. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 25 Was wird aus unseren Alten? Erfahrungen aus des Praxis In dankenswerter Weise hat Dr. Lubinski in seinem Artikel „Was wird aus unseren Alten?", Nr. 6 der „Jüd. Rundschau", auf eines der schwierigsten Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege hingewiesen: die Fürsorge für unsere Alten. Er hat aber ein* Gruppe alter Leute nicht erwähnt, deren Unterbringung gerade die größten Schwierigkeiten bereitet: die völlig Mittellosen, also diejenigen, die über keinerlei Kapital verfügen und die keinen Anspruch auf Kleinrentner- Unterstützung haben. Bei dem in Mittel- und Kleinstädten geltenden Richtsatz wird durch die Wohlfahrts- und auch durch die Kleinrentner- Unterstützung höchstens die Hälfte der Unterbringungskosten aufgebracht; der Rest muß aus öffentlichen jüdischen oder privaten Mitteln bestritten werden. Für diese letzteren verlangen die meisten Heime die Garantie einer jüdischen Organisation, um bei ihrem etwaigen Wegfall gedeckt zu sein. In der Praxis muß die Unterbringung der Alten also meist zu gleichen Teilen aus öffentlichen und jüdischen Wohlfahrtsmittcln finanziert werden, wobei erschwerend hinzukommt, daß viele Heime auch noch die Stellung einer Kaution fordern. Hiermit sind die Kosten für eine solche Unterbringung aber noch nicht erschöpft, in den meisten Heimen muß eigene Bettwäsche gehalten und diese sowie die Leibwäsche auf Kosten des Insassen gewaschen werden. Aerztliche Behandlung und Medikamente gehen ebenfalls zu seinen Lasten. Es ist den Provinzialverbänden für jüdische Wohlfahrtspflege, denen im Verhältnis zu den an sie gestellten Anforderungen nur sehr knappe Mittel zur Verfügung stehen, unmöglich, die Garantie für diese Kosten zu übernehmen. Daher scheitert eine Unterbringung; trotz dem von Dr. Lubinski erwähnten Mißverhältnis zwischen der Zahl der verfügbaren Plätze meist an der Unmöglichkeit, "selbst die geringen Monatssätze von 50— bis 70,— Mark aufzubringen. Hier muß unter allen Umständen Rat geschafft werden; denn die Hilflosigkeit unserer Alten, besonders in den kleinen Orten, wo nach und nach alle wegziehen und sie allein übrigbleiben, fordert gebieterisch baldige Abhilfe. Die von Anfang an fehlenden Mittel, bzw. die später ausfallenden rigenzuschiisse müßten daher aus öffentlichen jüdischen Geldern übernommen werden; die Finanzierung könnte ebenso wie bei den Kosten der Berufsumschichtung geregelt werden (i/j, bzw. i/s aus gemeindlichen, der Rest aus zentralen Geldern). Selbstverständlich käme eine Inanspruchnahme öffentlicher Mittel erst in Frage, wenn auch liie nicht Unterhalts verpflichteten Verwandten weitgehende Opfer gebracht haben. Die von Dr. Lubinski vorgeschlagenen „AMters-Etag c n" sind, da sie geringere Aufwendungen als die Heime verursachen, besonders empfehlenswert. Die Sparsamkeit dürfte allerdings nicht so weit wie in einem der bestehenden Altersheime gehen, wo Schlafsäle für Männer und Frauen eingerichtet sind und die alten Ehepaare, die meist ein Menschenalter miteinander verbracht haben, getrennt werden (eine Zusammenlegung Einzelstchcnder erscheint selbstverständlich). Diese Etagen hätten noch den Vorteil, daß einige Ehepaare mittleren Alters, von denen jetzt eine große Anzahl existenzlos ist, nicht nur untergebracht, sondern als Köchin und Hausmeister nützlich beschäftigt wären. Es würden sich zweifellos in den größeren Städten — und nur solche kommen ja für die „Altcrs-Etagen" in Frage — Aerzte für die unentgeltliche Behandlung der Insassen zur Verfügung stellen. Diese Einzelfragen können hier nur angedeutet werden; es werden sicher noch viele Schwierigkeiten auftauchen, die aber unbedingt überwunden werden müssen. Denn Eile ist geboten: „eine abwartende Haltung ist nur so lange zu rechtfertigen, als man sich der Beantwortung der Fragen entziehen k a n n", sagt Dr. Lubinski mit Recht. Die Lösung dieser Probleme aber laßt keine langen theoretischen Verhandlungen zu, sondern fordert eine schnelle Tat. Der Alten, die ein Leben der Arbeit hinter sich haben, darf nicht vergessen werden. Irene Eger, Fürsorgerin beim Prov.-Verband für jüd. Wohlfahrtspflege, Allenstein (Ostpr.). Ein hebräisches Bilder-Lotto. Vor kurzem ist im Verlage von Jakob B. Brandeis in Breslau ein hebräisches Bild er-Lotto erschienen, das durch seine geschmackvolle Ausführung besonders gefällt. Die Zeichnungen der Lottokarten sind in hübschen Farben gehalten und sehr klar. Die hebräischen Ausdrücke, die durch sie veranschaulicht werden, beziehen sich auf Verkehrsmittel, Möbel, Haustiere, Werkzeuge, Musikinstrumente und Schnlutcnsilien und sind so recht geeignet, dem Kinde eine Reihe wichtiger hebräischer Worte in spielender Weise beizubringen. Das Lotto wird überall Freunde gewinnen. n. Kennen Sie Peter? Von Camilla S p i r a. Vortrupp Verlag, Berlin. Dieses mit sehr hübschen Zeichnungen der Verfasserin illustrierte Buch bewegt sich um ein Kind Peter, dessen Streiche und „Lebensgewohnheiten" hier geschildert werden. Das Büchlein ist flott geschrieben und wird besonders bei Miittern, aber auch bei manchem Kind selbst Freude erwecken. Mit jüdischen Dingen hat es allerdings wenig zu tun, wenn man von dem nicht sehr eindrucksfähigen Synagogenbesuch, der gelegentlich geschildert wird, absieht, -u. Die Hausangestellte Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Welch ein Glück! — Wir hatten, als Ersatz für unsere Langjährige, die aber erst 34 Jahre alt war, zum 1. Januar ein perfektes „Alleinmädchcn" gefunden, dessen Alter den gesetzlichen Bestimmungen entsprach. Welch ein Glück angesichts des bescheidenen Lohns, den wir zu zahlen in der Lage sind! Es vergingen zehn idyllische Tage, aus denen, wie wir hofften, Wochen, Monate, jähre werden sollten. Aber am elften Tag rührte sich das Telephon. Desgleichen am zwölften, dreizehnten und vierzehnten. Jedesmal wurde das „Fräulein" verlangt. In einer wichtigen Angelegenheit. Am vierzehnten hatte sie ihren Ausgehtag. Am fünfzehnten kündigte sie. Was war geschehen? Sic cr/ählte es selbst: Unser „Glück" war ruchbar geworden und — durch einige unkontrollierbare Zwischeiistationen — auch zu den Ohren einer reichen, in einer feudalen Grunewaldvilla wohnenden jüdischen Familie gedrungen. Sie hatte viermal bei uns angerufen und der „Perfekten" den doppelten Lohn geboten, wie hätte sie solcher Lockung widerstehen sollen? Sie übersiedelt am 1. Februar aus unserer bescheidenen in die luxuriöse Grunewald-Wohnung. Stünde dieser Fall vereinzelt da, so verdiente er nicht, registriert zu werden. Aber wir allein wissen nun schon von einem halben Dutzend solcher Fälle, wo reiche jüdische Familien ihren weniger reichen Glaubensgenossen durch höhere Lohnangebote die Hausangestellten abspenstig gemacht haben. Das ist, grob herausgesagt, ein Unfug und eine Schande. Und es ist ein Symptom für den Mangel an Takt und Rücksicht sowie an Solidarität. Man sollte diesen Leuten beibringen, daß sie nicht das moralische Recht haben, in dieser Zeit der allgemeinen und so vielfältig besonderen jüdischen Nöte ihren größeren Geldbeutel in dieser Weise spielen und wirken zu lassen. hs. Anm. d. Red.: Wir geben dieser Zuschrift Raum, da der Unwille der Betroffenen — man hört öfter solche Fälle — begreiflich ist. Der Individualismus, der für das jüdische Bürgertum der vergangenen Epoche charakteristisch war, ist gewiß noch nicht ausgerottet, am wenigsten hei denen, die selbst die Not der Zeit nicht — oder noch nicht ■— am eigenen l eibe zu spuren bekommen haben. Diese sind noch der Meinung, daß derjenige, der mehr Geld hat, alle, sich daraus ergebenden Vorteile nach dem Prinzip von „Angebot und Nachfrage" sich verschaffen dürfe. Daß es Rucksicht aut den Ncbenmcnschen in jeder Gemeinschaft geben muß, ist ein ebenso wichtiges Gebot wie der Begriff dieser Gemeinschaft überhaupt, von der ja viele bis heute nichts zu wissen scheinen. AN* UND VERKAUF Perser-TeDPichefS-S kftyt höchstznh fe .-n Kgmr KurtUritonrlamm 45 F.dceB'eiblrruatr Jl Ulum 0951 Perser-Teppiche u. Brüchen k'tr.r böch.Uah*. LHartheimer, Bln. W 15, Melnekeatr. 22. jl Bitm. 6980. Schreibmaschinen alle marken Anu. Verkauf. Reparaturen — Reinigen im Abonnem. Atteste ud. 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