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Jüdische Rundschau · 1936-01-24 · Heft 7 (24.1.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 7 (24.1.1936)
Date
1936-01-24
Page
– (sequence 16)
Language
German
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f \ w e,»!»«, .mnisr-HP riinpi^hmi Nr. 7, 24. I. 1936 1 USCH AI l4 •* l§* - t * * ■ * Geistiges Leben / Escha Schotcm Das gröfiie Wunder In den vielen Berichten über die jüdische Renaissance in Palästina kann man immer wieder erfahren, dal! nicht die glückliche Stimmung der Hoffnung und des Auftriebs, nicht die bunte Vielfalt der Sammlung der Diaspora und auch nicht der neue freie und kräftige Typus des jüdischen Arbeiters und Bauern den stärksten Eindruck machen, sondern das palästinensische Kind oder der junge Palästinenser, der nur Hebräisch kann, nur Hebräisch denkt. Er wird als lebendiger Beweis dafür genommen, daß es den Juden nach 2000 und mehr Jahren der Unterbrechung gelungen ist, wieder zu einer eigenen Sprache zu kommen, eben zu jener alten Sprache, die ihnen schon im Altertum als lebende Sprache verloren ging. Die hebräischen Zeitungen, die Theater und Schulen, die Plakate und Ladenscliikler und schließlich eben jene lebenden „Nur-Hcbrä r" scheinen Bürgen für die Endgültigkejt dieses Sieges. Sein Wert wird kaum mehr be/weife!t. l>ic Jahre, wo ein heftiger und aggressiver Kampf der Anhänger «Ks biblischen gegen ilie Anhänger des Hebräischen tobte, sind vorüber. Kaum je wird eine Stimme vernommen, die auf die schwere Problematik des Wechsels der Spich he dmch grobe Maasen von I inwanderen! und der t'ebernalime einer Sprache im Zii-dande des I lebniSrhen hinweist. Kl-igen über die Einwanderer, he-onders die aus Westeuropa, die die Sprache schwer und nicht ausreichend erlernen, hört man jeden Tag. Auch an Klagen t ben dic-er Einwanderer, dal! das llchiaisch „schwer" sei, fehlt es nicht. Aber die w a Ii r e n G : ü n d c für die Erscheinung, daß das I lebr.iischc sich nicht so leicht im taglichen Leben unter den Juden Pa'ästinas durchsetzt wie des Pran •fUtsche unter eingew anderideti :n Frankreich, liegen nicht in der ten lud besonderen ll.u ti:.'. ckigkeit der Immigranten und auch nicht in der grammatischen oder syntaktischen Schwierigkeit des Hebräisehen, sie liegen vielmehr in dem besonderen Zustande, in dem sich die hebräische Sprache heute befindet. Das große Wagnis Das Hebräische nmnlieh ist keine Sprache wie andere Sprachen, es ist vielmehr ein Teil der chaluzischen Aufgabe, die jeden Einwanderer hier erwartet, und es ist wohl der schwerste und zugleich der wichtigste Teil davon. Ls wurde beinahe ..durch Dekret" aus einer Seliriftsprae he zur Sprache des Lebens. Es war als Schriftsprache ziemlich einseitig, es war in eher Hauptsache mit religiösen und juristischen (ubieten befallt gewesen. Ls war schließlich auch nicht eine einzige Schriftsprache, ehe man vorfand und zur Grundlage nahm, sondern man bediente sich eines literarischen Schatzes, der in mehreren Jahrtausenden ansammelte. - Und man traf diese wichtige Entscheidung in Eile, im Laufe weniger Jahre, man entschied sich aus dem Geiste der Hingabe und I iebe, der an der Wiege der jüdi-chen Renaissance stand. Jeder Laie sah natuilich Seh", im igkeiten: „Wo Et im Hebräischen die Terminologie für die Einrichtungen und Big"-!"' <'••- mo lernen I ebens?" Vielleicht verdunkelten diese offenbaren Schwierigkeiten auch für die damit Befaßten die wahren und ticten Schwierigkeiten der Belebung der Sprache1. In der Eiage eier Terminologie halle man viele Parallelen in der jung-ten Vcr ic.ce nhcn. Viele hinge Nationen hatten vor ihn r nationalen Befreiung ihrer Sprache, die ntir a's Volkssprache noch existicti.', am -*• >>n:is'-nicbe Geltung verschafft, auch sc: lialimi Imemno'ogische Schwierigkeiten gehabt, sie mgiiten die s-irache der Bauern mir s mache der Presse und der Wissenschaft machen. Und hier waieit für elas Hebräische >.s;ar wertvolle Vorarbeiten geschehen und so s.liien die Ernsee der Terminologie, wenn auch nicht g. VM, -o d<\ Ii l."»b:.r. In den hdnvi'hüten, in denen das gesprochene I lebt, im, h das indische Palästina beherrscht, haben sich eine sehr grobe An/all! von Benin Inningen fe-t cmgeburgert, und man konnte wohi mi der 1 Ybcr/etigtui.! kommen, dalS sieh hur alles auf dem besten Wege befinde. I rcilich ist auch me-m [ ernuMo'ogie ehirttig. Seihst für ' legeustii ide des t ig'i In n Bedarfs wie für Geräte, Spci-en u-w. haben sieh oft mir ganz, und iff eren zierte Be/eiehmingeii eingebürgert. Audi für numicim te "(atigk-it oder Sachverhalte fehlt häufig der trebeude Ausdruck. Er muH nicht notnunüg im Bestände des Ilebriiischeu fehlen, aber er ist noch nicht gehoben, noch nicht allgemein bekannt, noch nicht akzeptiert. Und wie schwierig ist es um den Zustand e iner Sprache bestellt, eieren syntaktische Mog'ic hkeden so umstritten sind und deren Formenlehre keineswegs jedem Gebildeten, jedem Abiturienten, ja nicht einmal jedem Lehrer geläufig ist. Diese Unsicherheit zieht nicht nur ein großes, vielleicht unvermeidliches Absterben tler ..schwierigeren'' Formen nach s;ch, sondern sie fuhrt auch zu einem anarchischen Zustand in der Vokaüsierung selbst bekannter und geläufiger Worte in der gesprochenen Sprache. Hn der Bewältigung des Problems Die Gefährdung des Hebräischen ist in Palästina früh erkannt worileti, und man hat sofort versucht, dir zu begegnen. Man sab ihren Gruiiei mit Recht in der Unkenntnis der Sprache, aber man übersah, daß die ernstesten Schwierigkeiten der Sprache nicht von denen erwuchsen, elie sie verschmähten und sich fremder Sprachen bedienten, sondern von denen, die sie wohl benutzten, sich aber nicht ihrer Verantwortung bewußt waren und sie nicht pflegten. So wurde die prononzierteste Bewegung zu Gunsten der Sprache von Eiferern geführt, die jedes öffentliche nichthebräische Wort denunzierten. Es gab freilich genug Menschen, die erkannten, daß die Sprachkrtse eine innere war, aber sie verbellen sich ineist auf die im Hebräischen aufgewachsene jüngere Generation. Sie legten wenig Wert auf die Kontinuität der Sprache. Sie glaubten, daß die Sprache ein biologisches Gebilde sei, das, einmal in den Mund der Kinder verpflanzt, von selbst eine erwünschte Entwicklung nehmen müßte. Die öffentliche Besorgnis in dieser Sache war nicht groß, und der „Waad halaschon", die schon im Anfang des 20. 'ahrbunderts gegründet» Sprachakademie, fand mir eine sehr kärgliche Unterstützung in seiner wichtigen Aufgabe des Neuschaffens und der Kontrolle. Er sicherte sich zwar die Mitarbeit wertvoller Kräfte und gab auch eine Reihe sehr wichtiger Publikationen besonders auf dein Gebiet der Terminologie heraus, aber er ist bis zum heutigen Tage fast ganz auf freiwil'ige Arbeit aufgebaut und verfügt nicht über den Apparat und die Mittel, die ihm zur Durchführung seiner Aufgabe unbedingt nötig wären. Bialiks Stellung zum Problem des Hebräischen Wie zu allen Problemen der jüdischen Renaissance verhielt sich auch Bialik zu dieser Frage mit der ihm eigenen Hingahe, aber fern von jeder Tendenz zur Beschönigung und Beschwichtigung. In dem eben erschienenen zweiten Band der Bialikschen Gespräche („Dwariin scheb'al Peh", Verlag Dwir, Tel- Awiw) sind mehrere Reden abgedruckt, die Bialik über die Frage des lebenden Hebräisch gehalten hat. Er, der zum Heros der iieiibelebten Sprache geworden ist, hatte einen ganz klaren Begriff von der schweren Gefahr, die die Adoptierung des Hebräischen für elie jüdische Renaissance bedeuten muß, wenn sich nicht alle Kräfte im vollen Ernst und in voller Erkenntnis aller Schwierigkeiten an die schwere Aufgabe der Wiederbelebung machen. „Welch eine Tragödie für ein Volk ist der Wechsel der Sprache! . . . Solche Seelenwanderungen vollziehen sich nur unter den furchtbarsten Qualen.... Die Seele büßt dabei viel von ihrem Bestand ein____" Nicht nur die Wärme einer lebenden Sprache, der Mutterschoß, fehlt dein Hebräischen, nicht nur die seelische Verarmung droht, sondern auch die geistige: „Viele Generationen hindurch waren wir Gäste am Tische reicher Kulturen... Und jetzt finden wir hier in Palästina ein beschädigte'. Gtr it. ein stumofes Gerät, das nicht dem zehnten Teil des Reichtums dienen kann, den wir draußen in uns aufgenommen haben". Aber nicht der Verzweiflung redet er das Wort. Das Hebräische ist die zionistische Aufgabe, nicht weniger wichtig als die Besiedlung des Landes. „Man kann so wenig ohne das Hebräische auskommen, wie Palästina ohne Boelen bestehen könnte". Lange Jahre führt er diesen Kamnf für das Hebräische, wirbt für eine ausreichende Unterstützung der uncii'bchrlichen Arbeit der Sorachakademie und klagt über elie unernste Beziehung zu dieser zentralen Frage. „Nach außen hin applaudiert man", aber der wahre Kampf wird lau und mit untauglichen Mitteln geführt. Er glaubt nicht an eine Neubelebimg der Sprache aus dem verarmten und entarteten gesprochenen Hebräisch ohne bewußtes planmäßiges Zunickgreifen auf unser hebräisches Erbe. „Unsere einzige Stütze ist das Geschriebene, elie aufgehäuften Schätze, die in unseren Quellen verborgen sind, ehe in Büchern niedergelegt sind". Er wendet sich auch gegen die Eiferer für das | lebiäisch-Sorecbcn, die meinten, der Sache der Sprache durch die gesellschaftliche Aechtung der Eremelsoracheti zu nutzen: Es genügt nicht, „das Sprechen an sich wachsam zu behüten, man muß die heiligen < irundkige'U der Sprache behüten". Und die Grundlagen sieht Bialik in den Quellen, den Literaturdenkmälern der luden aus mehreren Jahrtausenden, in der Bibel wie im Talmud, in der Mischna und den Midraschim, aber auch in eler Literatur des Mittelalters. Iber findet man eiU verlorenen Worte für unser neues Leben. „2000 Jahre sind seit Abfassung der Mischna Seraini verflossen", und jetzt müssen wir aus ihr die Worte und Begriffe holen, die uns zu unserer Rückkehr zum Boden nötig sind. Jedes wiedergefundene oder glück': h licugebildete Wort ist ein Schatz, der die Resonanz an die Ueberiiefenuig vergangener Geschlechter und sein neues Leben von beute in gleichen Massen in sieh birgt. Icele überlieferte Redensart, jede dem Hebräischen wirklich eigentümliche Konstruktion, jede sinnvoll belebte und erweiterte grammatische Form sine! ein hohes Gut, Verbindung mit der Vergangenheit, gesunder Nährboden für die Zukunft. Man weiß, daß Bialiks eigentlicher literarischer Nachlaß an Umfang klein war. Unendlich groß und herrlich aber ist die zähe, tincrmüelhche und zielbewußte Arbeit seines Lebens für die Sprache als Kompilator, blcrausgeber, Ucbersetzer und auch als Kämpfer in Wort und Schrift. Das Glück des Schaffens Diese schwere Goldgräberarbeit des Stichens, unternommen im Bewußtsein des Ernstes und der Wichtigkeit der Aufgabe, birgt nicht weniger Erfüllung als jede andere große Unternehmung des Aufbaus. Erst wenn wir lernen, um unsere eigenen Worte, um unsere eigenen Begriffe aus einer Begeisterung, Liebe und Freude zu ringen, wie sie das Lebenswerk Bialiks beschwingt hat, dann erst wird der Aufbau in seinem wichtigsten, in seinem kulturellen Bestände gesichert sein. Unter den Worten Bialiks, die von Zeit zu Zeit als Motto in der Presse erscheinen, ist auch eines, das seine volle Erkenntnis unserer Schwierigkeiten, aber auch seinen einzig starken Willen und seinen festen Glauben ausdrückt: „Es ist nicht schwer, die Früchte einer fremden Kultur zu genießen. Aber es ist sehr schwer, eine Kultur zu schaffen, die ganz — von Anfang bis zu Emle unser eigenes Werk ist, mit unseren eigenen Mitteln, unseren eigenen Werkzeugen für uns selbst geschahen. Die Lust an einem solchen gänzlichen Neuschaffen hat Israel erst in seinem eigenen Lande kennengelernt". Arbeiterbewegung / Fritz Naphtaii Kibbuz-Tagungen Im De'.ember fanden zwei wichtige Kib'ntz- Tagungen statt. In Chndera wurde elie wvölftc Tagung des Rates des „Kibbuz Ar/i" des Haschomer Unfair abgehalten, elie ganz der Beratung von Kultur-Fragen gewidmet war. In Delhamia, c'nem neuen Siedlungspunkt der Kwuzath Gescher in der Jordansenke, trat die erweiterte Leitung des Kibbuz. Me'uchad mit 80 Teilnehmern zusammen, um über die Pr b'e-c zu beraten, die sich aus der starken Fntwiekli,Mrr der letzten Jahre auf allen Gebieten der Wirtschaft und der Kultur für diese größte Aufnahmeorganisation der neuen Arbciter-Emv. anderung ergeben haben. Es gibt kaum einen Begriff, der im Lande, im Zionismus und in der Arbeiterbewegung im besonderen so ponulär ist, wie der „Kibbuz", das große Netz der immer neue Kräfte aufnehmenden Gcmehiscbaftssiedhiiigen der Arb'.'itcrschaU und besonders ihrer Jugend auf dem Land". In den Kwuzoth und Kibbuzhn lebt der Zahl nach nur der kleinere Teil der Arbeiter-Einwanderung und des Arbeitern^ hwuchses im Lande, aber dieser Teil ist für (las Siedhutgsi, erk von großer Wichtigkeit, und er steht deshalb auch im Mittelpunkt des Interesses. So popu'är der „Kibbuz." im allgemeinen ist, so wenig herrscht außerhalb eles unmittelbar beteiligten Kre;ses K'arbeit über die innere Differenzierung der kollektiven Bewegung. Es gibt Bestrebungen, über die bestehenden Differenzen hinweg zu einer Einheit der Kwuzoth und Kihbuzim zu gelangen. Das Jubiläum von Deganiah gab z. B. Berl Katznelson Anlaß, ilicsen Einheitsgedanken zu propagieren. Aber gleichviel, wie man die Aussichten dieser Bestrebungen beurteilen mag, im heutigen Leben der Kibbuzim, in der geistigen Auseinandersetzung des besten Teiles der arbeitenden Jugend spielen elie Richtungsverschiedenheiten eine große Rolle, und so lohnt sich deshalb, sie in ihren Gniudzügcn zu betrachten, bevor wir it"S dem Zahlenmaterial der Entwicklung des Kibbuz Meuchad, der größten Gruppe, wie es auf der jüngsten Tagung unterbreitet wurde, zuwenden. Kibbuz Me'uchad, Kibbuz Arzi des Haschomer Hazair, Gordoniah Das sind die drei Gruppen, von denen jede verschiedene Sicdlungsounkte umfaßt, d'c ihre Verbindungen zur chaluzischen lugend in verschiedenen l ändern haben und die ihre eigene Ideologie entwickelt haben, unter der gemeinsamen Grundidee des Arbeiter-Zionismus, des Strebens nach Ausdehnung der Kolonisation durch Sclbstarbeit und der Entwicklung von Gemeinschafts-Lebensformen. Der Kibbuz. Me'uchad, der in der Hcehaluz- Bewcgung der Gallith starken Einfluß besitzt, vertritt den Oedanken des „offenen" Kibbuz und in Verbindung damit den Gedanken der großen Siedlung'grurmc, der großen Kwuzah. Jeder einzelne Punkt des Kibbuz Me'uchad bat die Aufgabe, immer neue Menschen aufzunehmen, der große Kibbuz ist oft nur eler Durchgangspunkt zu aneleren Siceliungsfortnen, er rechnet auch mit der Tatsache, daß ein Teil der Mensrhen, die er aufnimmt, nicht im Kibbuz bleiben, wenngleich er natürlich danach strebt, diese Fluktuation zu vermindern. Die ein/einen Siedlung»punkte, — es gehören die größten dazu, wie Ejn Charod, Giwatb Brenner, Naatieh, Jagur ■- haben ihre Selbstverwaltung, aber über ihnen steht eine zenfralistische Leitung, elie auf die Unterordnung eler einzelnen Gruppen unter den Gesamtzweck bedacht ist. Die große Siedlungseinheit wird als das beste Instrument der Aufnahme neuer Menschen und der Entwicklung rentabler und vielseitiger Wirtschaften angesehen. Der Kibbuz. wird immer weniger unter dem Gesichtspunkt des Selbstzweckes angesehen, als unter dem Gesichtspunkte der Leistung als Werkzeug der Bewegung. Er ist parteimäßig innerhalb der Histaelruth nicht gebunden, aber seine Führung gehört zur Arbeiterpartei (Mapai). Seine Schufuiigsarbeit beginnt in den Hachscharah-Zentren des Hechalu/ und wird im Lande nach Kräften fortgesetzt. Der Kibbuz Arzi des „Haschomer Hazair" vertritt im Gegensatz zum Kibbuz Me'uchad als Organisafionsprinzip den „geschlossenen" Kibbuz. Das bedeutet, man bringt einheitlich ausgebildete und in sich in der geistigen Richtung und dem praktischen Arbeiten möglichst zusammengewachsene Gruppen zur Ansiedlung. Fünfzig* Familien oder etwa 120 Menschen werden als die optimale Größe der Siedlungseinheit angesehen. Die Erweiterung erfolgt durch Bildung neuer Gruppen, aber nicht durch die ständige Aufnahme neuer Menschen in die bestehenden Gruppen. Die Autonomie der einzelnen Siedlungsgruppe geht weiter als beim Kibbuz Me'uchad. Man lehnt die Zentralisation ab, weil sie der Demokratisierung der Arbeits¬ und Lebensformen im Wege steht. Die Qestaltung der Lebensform in der einzelnen Gruppe wird mehr als Selbstzweck im Aufbau betont, und man lehnt es ab, „Werkzeug" der Gesamtbewegung zu sein, auch wenn es sich um die Aufnahmekraft des Landes handelt, wenn dabei die Vereinheitlichung des Lebens im Kibbuz gefährdet wird. Vielleicht kennzeichnet es die Grundhaltungen der beiden Richtungen, wenn man im Flaschomer Hazair die starken Einflüsse der Jugendbewegungen, mit ihren starken und schwachen Seiten, und im Kibbuz Meuchad einen stärkeren Einfluß der allgemeinen Arbeiterbewegung hervorhebt. Die im Lande und vor allem in ihren Vorbereitungsorganisationen im Auslände viel kleinere Kibbuzgruppe „Gordoniah" ist mit dem chewer Ha Kwuzoth, der Organisation der älteren geschlossenen Kwuzoth, verbunden. Sie umfaßt vor allem einen großen Teil der Jugend in diesen Kwuzoth und verfügt auch über Vorbereitungsgruppen im Galuth. Ideologisch ist sie durch die Ableitung ihres Namens von A. D. Gordon gekennzeichnet als eine Fortsetzung der alten „Hapoel Hazair"-Bewegung, d. h. Zionismus der Arbeit. In letzter Zeit hat sie sich jedoch in ihrem Programm der Mapai angenähert. Dieser knappe Versuch der Kennzeichnung der verschiedenen Kibbuz-Richtungen, die durch ihren chaluzischen Geist trotzdem geeint sinel, sollte der Wiedergabe der Zahlen de« Wachstums, die auf der Tagung der größten Gruppe, des Kibbuz Me'uchad, gegeben wurden, vorangeschickt werden. Zahlen des Wachstums Der Kibbuz Meuchad umfaßte Ende 1931: 8 Wirtschaften mit 033 Genossen, 6 Oruppen in den Kolonien mit 725 Genossen, 3 Gruppen in Städten mit 217 Genossen. Zusammen 17 Punkte mit 1930 Genossen; Ende 1935: 10 Wirtschaften mit 2380 Genossen, 12 Gruppen in den Kolonien mit 2327 Genossen, 3 Gruppen in Städten mit 315 Genossen, dazu 1 Gruppe mit 50 Genossen am Toten Meer. Zusammen 26 Punkte mit 5072 Genossen. 1931 arbeiteten von rund 2000 Mitgliedern TIS in Außenarbeit, d. h. in Lohnarbeit außerhalb der eigenen Wirtschaften. 1935 stehen von rund 5000 Mitgliedern rund 1300 in Außenarbeit. Zu diesen Mitgliederzahlen kommen gegenwärtig hinzu über 1000 Kinder und einige Hundert Eltern und Jugendliche aus Deutschland, die im Kibbuz leben. In der letzten Zeit macht sich Arbeitslosigkeit spürbar. Deshalb wurden die Anstrengungen zur Eroberung von Arbeitsgebieten durch Gruppen des Kibbuz verstärkt, bei der Eisenbahn, bei der Post, bei der Hafenarbeit, bei Regierungsbauten. Ein besonderer Fonds des Kibbuz wurde mit ,£P 5000. - aus Ersparnissen begründet. Dieser Fonds förderte mit einem Umsatz von £P 20 000 den Wohnungsbau, die Einrichtung von Werkstätten, von Arbeiterküchen usw. Eine lebhafte Bewegung geht in den Kibbuzim der verschiedenen Richtungen dahin, den Landwirtschaften gewerbliche Betriebe, die nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch für den Markt arbeiten, anzugliedern. Z, B. besteht im Kibbuz des Haschomer Hazair im Jordantal eine Tischlerei mit elektrischem Beirieb, die Kisten für die Verpackung von Früchten (besonders Tafeltrauben) und Gemüsen herstellt; in Naaneh (Kibbuz. Meuchad) werden Kinderwagen fabriziert, in Giwath ha-Schloschah Stiefel und Möbel, in Ejn Charod (Kwuzath ha-Chugim) Strickwaren, in Jagur Blumentöpfe. Außerdem gibt es in Ejn Charod eine zentrale Druckerei des Kibbuz Me'uchad. Zur Finanzierung dieser Gewerbebetriebe werden teils Darlehen aufgenommen, teils Partnerschaften sowohl mit Institutionen als auch mit Privaten eingegangen. Diese Ausdehnung auf gewerbliche Betriebe entspringt natürlich dem Wunsch und dem Bedürfnis, die Aufnahmefähigkeit der Kibbuzim für neue Einwanderer im eigenen Kreise zu erhöhen und auch dem Wunsch, die Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt in der Außenarbeit zu verringern. Die Energien, die in diesen vielfältigen Ausbauversuchen zum Ausdruck kommen, verdienen Bewunderung. Natürlich handelt es sich zum Teil um Experimente, deren wirtschaftliche Ergebnisse, besonders soweit der Absatz nicht im Kreise der Arbeiterwirtschaft gesichert ist, sondern am Markt erkämpft werden muß, noch abzuwarten bleiben und bei deren Ausbau Vorsicht am Platze sein wird. Wachstum, Energien und Lebendigkeit des Aufbauwillens der Kvvuzah-Bcwegung spiegeln sich auch in einer großen Zeitschriften-Literatur: Mibihiim („Von innen her"), Haschomer- Hazair und „Niw ha kwuzah" (Ausdruck der Kwuzah) repräsentieren die drei Hauptrichtungen, daneben gibt es Spezialzeitungen einzelner Gruppen, wie z. B. des Haschomer Hazair aus Sowjet-Rußland oder innerhalb des Kibbuz Me'uchad der „Machanot ha Olim", der Kibbuz-Bewegung der Schüler und Schülerinnen der Mittelschulen in Erez Israel. Selbstverständlich gibt es in den Kibbuzim eine Fülle von schwierigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen; die starke Fluktuation, die Abwanderung von Neuankömmlingen in die Stadt aus Konjunkturarireiz oder aus triftigen Gründen (Unterstützung von Familienangehörigen im Ausland) seien hervorgehoben. Aber bei allen Schwierigkeiten darf man sagen, daß es sich um einen besonders die Eigenart des Landes und seiner besonderen Aufgaben spiegelnden und um einen besonders wertvollen Zweig der Arbeiterbewegung von Erez Israel handelt. Berichtigung. In der letzten Umschau „Hebräische Literatur" von Israel Kohn ist ein Fehler unterlaufen. Die literarische Zeitschrift, die vor einem Jahr ihr Erscheinen eingestellt hat, ist nicht „Ketuwim", sondern „Turim". (Schluß des Palästina-Teils) ■ v ► Schmuck-Uhren Gold Silber ytö2uer'Belmönte& SisaggB&g

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