Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1936)
- Date
- 1936-01-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT NR. 6, 21. JANUAR 1936 Araber und Legislative Council Haifa 1936 Von unserem Haifaer Berichterstatter (Dazu vier Bilder) Die Entwicklung Haifas zur Großstadt, über 'die ich in den Jahren 1933 und 1034 berichtet habe (vgl. „J. R." Nr. 87 von 1933 und Nr. 11 von 1935) hat sich auch im vergangenen Jahre stark fortgesetzt. Ob die Stadt 100 000 Einwohner hat, wie der Bürgermeister Hassan Schukri vor kurzem in einer Pressekonferenz mitteilte, oder nur 80 000, wie in der neuesten Auflage des Palästinabuches von Bonne angegeben ist, dürfte nur schwer zu entscheiden sein. Ebenso unsicher ist es, ob von der jeweils angenommenen Zahl die Hallte oder ein wenig mehr als die Hälfte oder, was das wahrscheinlichste ist, etwas weniger als die Hälfte, Juden sind. Die am meisten in die Augen fallende Veränderung des Stadtbildes ist die Bebauung des dem Hafen vorgelagerten Geländes, der sogenannten „reclaimed area". Diesen durch Aufschüttung des Meeres gewonnenen Boden hat die Regierung nach Parzellierung an die Meistbietenden im Wege der Versteigerung für 75 Jahre verpachtet mit der Bestimmung, daß nach dieser Zeit der Boden mit dem darauf errichteten Gebäude an die Regierung fällt. Hier sind bisher 12 Häuser gebaut worden, hauptsächlich für geschäftliche Zwecke, Magazine, Büros usw., außerdem ein englisches Seemannsheim (vgl. Bild 1). Dieses neu entstandene Geschäftsviertel ist aber nicht überwiegend jüdisch, vielmehr hat es durch starke Beteiligung arabisclier und englischer Kaufleute einen internationalen Charakter. Unter dem Einfluß dieser Neubauten hat sich auch die Front der am Hafengelände entlangführenden großen Straße, des Kingsway, stark modernisiert. Auch hier ist eine rege Bautätigkeit seitens der Araber im Gange und viele Läden und Büros sind hierher übersiedelt. Die im vorigen Bericht erwähnten großen Carmeliterhäuser entlang der neuen Durchgangsstraße vom Wagenplatz Hamrah Square bis zum Hafen sind unterdes fertiggestellt und haben die große Annehmlichkeit ihrer Säulenhallen im letzten Sommer erwiesen. Sie gewähren den Passanten Schatten und Abkühlung und geben die Möglichkeit, auch im Hochsommer die Auslagen der hier untergebrachten Geschäfte zu betrachten. Jedenfalls ist klar, daß eine solche Bauweise dem Orient angemessen ist und die Architekten werden diesen Baustil fortentwickeln müssen. Der im vorigen Bericht erwähnte jüdische „Merkas Mifichari, Chadasch" (Neues Geschäftsviertel) ist unterdessen weiter und fast zu Ende ausgebaut und wirkt durch seine großen und imposanten Häuser. Hier sind aber die letzten Errungenschaften Europas und Amerikas einfach nach Palästina übertragen, ohne daß versucht wurde, einen für den Orient geeigneten Stil zu finden und etwa wie bei den Carmeliterhäusern, durch Säulengänge, Vorbauten usw. Sonnenschutz zu schaffen. Im größten jüdischen Viertel Haifas, Hadar Hacarmel, war die Bautätigkeit bis in die letzte Zeit rege. Im Kern des Viertels gibt es nur noch wenig unbebaute Plätze, die sicherlich sofort bebaut werden würden, wenn die im Ausland befindlichen Eigentümer sich zum Verkauf entschließen würden. Das Viertel hat sich seitlich bis zu den arabischen Wohngegenden ausgedehnt und ist nach oben weiter •an den Hängen des Karmcl emporgewachsen. Es dürfte jetzt etwa 25 000 Einwohner haben. Viele neue Straßen sind angelegt, alte verbreitert und geebnet (darunter auch der Durchgang über den großen Hof des Technikums, also 22 Jahre nach dessen Errichtung.) lieber die Pläne der Verwaltung von Hadar Hacarmcl soll besonders berichtet werden. Die Herzl- Straße, die Hauptstraße dieses Viertels, hat sich in die Länge und Breite ausgedehnt, sie genügt längst nicht mehr dem wachsenden Verkehr und ist daher nach zweimaliger Verbreiterung zur Einbahnstraße aufgerückt. Von den Häusern der ersten Einwohner stehen nur noch zwei, die sich rätselhafterweise der Aufstockung entzogen haben. An den beiden angesetzten Teilen der ursprünglichen Straße sind neue große Geschäftshäuser entstanden (Bild 2). Insbesondere entwickelt sich auch der nach Herzliah zu liegende Teil immer mehr zu einem Geschäftsviertel, nachdem der Kinopalast Armon in Betrieb genommen ist. (Abb. 3). Ueber den in der Hcrzlstraße unterdes fertiggestellten großen Theaterbau „Orah" wurde hier bereits berichtet. Dem am Meer gelegenen jüdischen Viertel Bath Galim sind mangels ausreichender Bodenfliiehcn gewisse Grenzen Jerusalem, 19. Januar. (JTA.) Sämtliche arabische Parteien, mit Ausnahme des Nationalen Blocks, haben dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope ihre Antwort auf die Vorschläge betreffend die Schaffung des Legislative Council überreicht. Der Nationale Block wartet noch auf eine Erklärung der Regierung über jüdische Einwanderung und Bodenverkauf an Juden. In einem Gespräch mit einem Vertreter der hebräischen Tageszeitung „Haarez" hat der Redakteur der gemäßigten arabischen Zeitung „Meraat al Muskattim", Abdul B a I i I i, mitgeteilt, daß die Mehrheit der arabischen Parteien in ihrer Antwort an den High Commissioner sich für den Plan ausgesprochen hat. Die arabischen Parteien haben jedoch folgende Bedingungen gestellt: 1. Erhöhung des Ansehens und der Autorität des Legislative Council und seiner Bedeutung in der Landesverwaltung. Hierzu fordert die Partei Nashashibis, daß die Mitglieder des Rates das Recht haben sollen, Botschaften an die Bevölkerung des Landes zu erlassen. 2. Erweiterung der Kompetenz des Legislative Council auf die Fragen der Einwanderung und des B o d e n k a u f s. Stellungnahme der Mufti-Partei Jerusalem, 17. Januar. (Palcor.) Die Mufti-Partei hat zur Frage des Legislative Council ihre Antwort an Sir Arthur Wauchope erteilt. Sie richtet an die Regierung folgende Forderungen: 1. Schaffung einer nationalen Regierung in Palästina, die dem Legislative Council verantwortlich ist. Eine zionistische Föderation in Palästina? Aut Einladung der Jewish Agency fand in Jerusalem eine Zusammenkunft von Vertretern aller zionistischen Richtungen statt, die über die Frage der Einberufung einer gesamtzionistischen Konferenz berieten, um eine einheitliche zionistische Föderation in Palästina zu gründen und eine gemeinsame Schekcl-Kampagne durchzuführen. Es sprachen Ben Gurion, Rabbi Fisch mann, Jizchak Grün bäum und Führer der einzelnen Richtungen. Es wurde beschlossen, ein gemeinsames Manifest zur Verbreitung des Schckcls zu erlassen. Aut einer weiteren Versammlung soll über die Grundlagen der Organisation und ihre Tätigkeit beraten werden. (Palcor.) gesetzt, hier sind etwa 25 neue Häuser gebaut worden. Das zur Zeit der Makkabiade errichtete Schwimmbad erfreut sich starker Beliebtheit, das Strandkasino am Meer ist immer noch nicht fertiggestellt. In nächster Nachbarschaft werden sich voraussichllich weitere kleine jüdische Viertel entwickeln. Der Karmel hat als Wohngebiet im letzten Jahre eine besonders starke Entwicklung zu verzeichnen. Es dürften auf dem stadtnahen Karrneigebiet einschließlich der Achusa etwa 300 neue Häuser — die überwiegende Zahl von Juden — gebaut worden sein (1932: vier Häuser, 1933: 20 Häuser, 1934: 100 Häuser), meistens Hochhäuser, eine Folge der Entwicklung der Bodenpreise auf dem Karmel, die kaum noch in den stadtnahen Teilen die Errichtung eines Einfamilienhauses ermöglichen. Die Verbindung des Karmel mit der Stadt durch Autobusse ist ganz erheblieh verbessert worden, auf dem Karmel und in der Achusa sind vieie neue Wege angelegt, so daß für die Besucher der zahlreichen Hotels und Pensionen jetzt die Möglichkeit für ausgedehnte Spaziergänge gegeben ist. Die Entwicklung des Karmel zu einem Ausflugsort wird zweifellos noch wachsen, wenn die jetzt begonnene direkte Verbindungsstraße zwischen Hadar Hacarmel und dem Karmel, dc-rn „Ramat Hadar" genannten Teil, beendet sein und in die Panoramastraße führen wird, von der aus man 2. Sämtliche Mitglieder des Legislative Council sollen nur von palästinensischen Bürgern, und zwar auf Grund von Proportional-Wahlen gewählt werden. 3. Die Zuständigkeit des Councils soll auf alle Fragen, die Palästina betreffen, ausgedehnt werden. 4. Der Vorsitzende des Councils soll aus seinen Mitgliedern gewählt werden und kein Engländer sein. 5. Das Vetorecht des High Commissioncrs gegenüber den Beschlüssen des Legislative Councils soll abgeschafft werden. 6. Die Beziehungen zwischen der britischen Regierung, die durch den Oberkommissar vertreten wird, und der nationalen Verwaltung Palästinas sollen auf einem Vertrag beruhen, der entsprechend dem englisch-irakischen Vertrage gestaltet werden soll. Der arabische Jugendkongreß in Nablus hat beschlossen, nicht früher eine endgültige Antwort auf den Plan der Einsetzung eines Legislative Council zu geben, als nicht der High Commissioner die Frage der Autorität der Jewish Agency und der jüdischen Einwanderung, sowie der Bodenverkäufe an Juden geklärt haben wird. * Der „Haarez"-Korrespondent aus Amman berichtet, daß Wauchope den Emir Abdullah ersucht habe, die arabischen Führer in Palästina zu beeinflussen, damit sie dem Gesetzgebenden Rat zustimmen, worum sich der Emir auch bemühe, (Palcor.) Rabbi Amiel in Tel-Awiw Der neuernannte Oberrabbiner von Tel-Awiw, Rabbi Amiel (früher Antwerpen), traf auf dem Bahnhof von Rcchoboth ein, wo er im Kamen der Jewish Agency von Rabbi Fishmann und Vertretern der Stadtverwaltung und anderer Körperschaften empfangen wurde. Er wohnte sodann einem Empfang in der Reciiobothcr Synagoge bei und fuhr von dort per Auto nach Tel-Awiw, wo ihm auf den Straßen eine enthusiastische Begrüßung bereitet wurde. Sodann fand eine offizielle Zusammenkunft des Stadtrats statt, bei der ihm das Dokument über seine Ernennung überreicht wurde, während am Nachmittag in der Großen Synagoge ein öffentlicher Empfang erfolgte. (Palcor.) Das Budget der Jerusalemer Stadtverwaltung wird auf £ 69 000 geschätzt. den schönsten Blick auf Haifa, die Bucht und das Meer hat. Das im vorigen Berieht erwähnte Gebiet „Jaaroth Hacarmel", heute noch von dem bewohnten Zentraikarmel und der Achusah entfeint, ist unterdes von der ersten jüdischen Gruppe okkupiert worden. Die „Kwuzat Mischmar Hacarmel", aus Mitgliedern des ,.Hapoe! Ilamisrachi" bestehend, ist auf den Boden gegangen und führt die ersten Arbeiten durch. Das neue, rein jüdische Haifa entsteht in den Wohnvierteln der Haifa-Bav. Kirjath Oha im, die Arbeitervorstadt, ist mit erstaunlicher Schnelligkeit auf ca. 950 Häuser angewachsen und hat eine Einwohnerzahl von über 1000 Familien, die Schule zählt bereits 500 Kinder. In Kirjath Bialik, der Vorstadtsiedlung der Juden aus Deutschland, sind 120 Häuser fertiggestellt (Abb. -1), 150 weitere Häuser sind geplant. Das benachbarte Kirjath M o t z k i n, die vorstädtische Siedlung des Haifaer Mittelstandes, hat etwa 150 Häuser errichtet, '.1er „Hapoel Ilamisrachi" wird ebenfalls hier eine vorstädlische Siedlung errichten. Alle diese Vorstädte stehen auf dem KKI.-IWcn der Haifa-Bav. Aber ringsherum ist auch privater Boden, zum Teil in den letzten Jahren erworben, parzelliert und zum Teil verkauft, und überall werden sich jüdische Vierte] entwickeln. (Alle diese Gebiete sind ersichtlich aus der neuen großen Kaste der Haifa-Bav, vgl. die Besprechung in Nr. 5 der „J. R.") Sie werden wohl in nicht allzuferncr Zukunft zu dem neuen jüdischen Haifa zusammenwachsen. In der Industrie-Zone des KKL, die in der Haifa- Bay vor der Wohnzone liegt, wie auch auf dem privaten Industrieboden zwischen Ei*eubahn und Meer, sind eine Reihe neuer F a b r i k b a u t e n entstanden, etwa dreißig, weitere Verträge, insbesondere mit dem KKL, sind abgeschlossen. Die im vorigen Bericht erwähnte Siedlung N a h a ri a h, an der Chaussee Hait!-AU.o-Be\ roiith, ist erheblich, gewachsen. Vierzig landwirtschaftliche Familien, alle Einwanderer ans Deutschland, bearbeiten bereitden Boden. Die Seelenzahl der Siedlung beträgt schon 2'K). Die von den Siedlern gebildete Korporative verkauft ihre Produkte an die Tnuvah, die von Nahariah gelieferten Eier decken bereits ein Drittel des Haifaer Bedarfs. Dieser neue jüdische Siedlungspiinkt nördlich von Akko ist jetzt bereits vom Karmel aus sichtbar, insbesondere sieht man den schönen Wasserturm. Ueber die kulturelle Entwicklung in Haifa wird gesondert berichtet werden. Dr. Albert B a e r, Haifa. Links: Nr. 2: Geschäftshaus in der erweiterten Hcrzlstraße Hechts: Nr. 3: Das nette Kino „Armon" (Nichtaufnahme) Zw»i (»esamtanfiichten von Haifa waren in dar vorigen Nummer der „Jüdischen Kuodachan" wiedergegeben) aw"—'- Nr. 1: Die neuen Bauten auf dem aus dem Meer neugewonnenen Nr. is Blich auf Kirjath Builik, die erste vorstädtisclte Siedlung *«»••: ». Loaw.nh.uB. U«a Gelände des Kingaway lim Hintergrund" die Schiffe im Hafen) jüdiseher Einwanderer -mm Deutschland