Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 KINDER-RUNDSCHAU Das ist Jo'tj. der Chauffeur Josef, der Chauffeur Von Werner Bloch, Jerusalem Vor vielen Jahren kam Josef aus Rußland nach Palästina. Er war ein frischer, kräftiger Junge mit schwarzen Haaren und dunklen schönen Augen. Er arbeitete auf dem JK wisch" (Chaussee), war Mitglied einer Kwuzah, wanderte durch das Land, arbeitete bald hier und bald dort. Er war froh und heiter beim Spiel, ernst und gemessen bei der Arbeit 1 Die Wanderjahre hatten ein Ende. Das Herumstreichen mit offenen Augen und leichten Sinnes wurde durch Arbeit im Dienst , der Jerusalemer Bevölkerung abgelöst. Josei wurde Mitglied dei , Omnibuskooperative to Jerusalem. Die „Jemsalemiten" hatten ihn gern als Chauffeur. Er war still und ' ruhig, höflich und sachlich, entgegenkommend, ohne aufdringlich zu sein, und verständig. Seine Fahrgäste fühlten sich geborgen — ein sicherer untf vorsichtiger Chauffeur meisterte die Maschine. Man konnte unbesorgt die Zeitung lesen, konnte Bekannte begrüßen und schnell zwischen zwei Stationen die Neuigkeiten Jerusalems erfahren. Josef brachte alle sicher zum Ziel. Er kannte seine Insassen, er musterte sie im Spiegel über seinem Sitz. Er machte sich wohl seine Gedanken über die Gäste, aber er verzog keine Miene, und niemand konnte ahnen, wem seine Zuneigung oder seine Abneigung galt Begrüßte man ihn beim Eintritt mit „schalom", so erwiderte er den Oruß immer gleichmäßig klar, freundlich, aber zurückhaltend. Josef tat seinen Dienst Seit einiger Zeit versieht Josef diesen Dienst auf der Linie des Autobus Nr. 5. Er bringt die „Rechavianer" zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause. Er fährt die Damen der Vorstadt Rechavia nach der Stadt, die dann mit Paketen beladen wieder heimfahren. An jedem Morgen steht ein kleines Mädchen in Rechavia an der Haltestelle des Autobus Nr. 5, in freudiger Erwartung, daß der „Bus" bald käme. Eva ist 4 Jahre alt, ein blondes Kind mit blauen Augen und einem Plappermäulchen, das nur während des Schlafens stumm bleibt Die Köpfe tauchen aus den Zeitungen hervor, verschlafene Gesichter erhellen sich, freundlich blickende Augen begrüßen das Kind. Ein helles Kinderstimmchen bringt eine fast fröhliche, ausgelassene Stimmung in die morrgendliche Langeweile des Bus hinein. Eva fährt in den „gan", den Kindergarten. Dieses kleine Wesen entlockt nach mehrmaligen Fahrten Josef ein erstes Lächeln. Sein „schalom" als Erwiderung auf die Begrüßung Evas hat einen neuen Klang. Es ist nicht mehr das eintönige, wenn auch freundliche „schalom", das allen grüßenden Fahrgästen i entboten wird. Der Klang >; der Stimme verrät eine i Sympathie zu dem klei- : neu Fahrgast. Er winkt An federn Morgen steht Eva an der Haltestelle jjjr SOgar im Spiegel ZU, besonders wenn es für Eva Zeit wird, an der nächsten Haltestelle auszusteigen. Das Kind versteht die Auszeichnung, die ihr zukommt, empfindet die Zuneigung dieses ruhigen Mannes — und eines Tages kommt sie strahlend, mit roten Backen und glänzenden Augen nach der Heimfahrt vom „gan" den Eltern entgegengesprungen: „Ich bin mit Josef gefahren! Ihr kennt nicht Josef!!" Langsam gestand sie es: „Josef ist ein Chauffeur von Bus Nr. 5; der beste Chauffeur und ein sehr netter Mann." So begann es. Josef hatte sich ihr vorgestellt, und auch sie nannte ihm ihren Namen. Sie hatte dank ihres strahlenden Wesens viele Freunde. Sie nahm das hin, als müßte es so sein; sie kannte es nicht anders. So war es am Strande in Tel-Awiw, wo sie mit IV2 Jahren spielte und badete, so war es auf den Straßen, in den Autobussen und daheim, wenn „großer Besuch" zu den Eltern kam. Unbefangen und selbstverständlich erfreute sie ihre Mitmenschen. Mit Josef trat ein neuer Mensch in ihre Kinderwelt. Mit Freude erzählte sie von ihrem Erlebnis in fpoher Erregtmg. Nun war sie täglich davon erfüllt, ob ihr das Glück hold sein würde und sie auf ihrem Autobuswege mit Josef fahren würde. Wenn das aber auch keineswegs täglich erreicht werden konnte, so hatte sie sich mit losef ihre „eigene Begegnung" erdacht. An der Wohnung ihrer Eltern fährt der Autobus 5 vorbei. Schon beim Morgenkaffee berichtet sie: „Josef hat heute ein blaues Hemd an; hat mir zugewinkt, ich ihm auch; „schalom" konnte ich nicht rufen, weil ich euch nicht stören wollte." Die Eltern schlafen noch, aber Josef hat schon Dienst; Eva ist wach und steht an ihrem Fenster in der Morgensonne, um Josef zu sehen und ihm zu winken — wie schön fängt der Tag an! Josef kennt ihr Zimmer und ihre Tageseinstellung. Er beußi an ihrem Hause seinen Kopf zur Seite, lächelt und seine Hand winkt immer noch aus dem Autobus, wenn dieser sc! ~>n lange an Evas Haus vorbei ist. — Am Nachmittag spielt Eva im Garten oder auf dem Balkon. Sie kann noch s > vertieft sein — der rasselnde Motor des 5 läßt sie aufhorchen, Ausschau halten, und schon weiß sie: ist das der 5 von Josef oder nicht. Sie kennt den Typ seines Busses, ja sie weiß, an welcher Stelle Josef einen andern Gang des Motors einschaltet — und ist er es nicht, so bleibt sie unbekümmert bei ihrem Spiel. Aber ist es sein Bus, dann ist sie an der Strabenschwelle oder am Balkongeländer, versucht mit einem „schalom" den rasselnden Lärm des Motors zu übertönen, und winkt mit beiden Aermchen. Strahlend kehrt sie zu dem unterbrochenen Spiel zurück und quält ihr kleines Gehirn mit der Ausrechnimg der Zeit, wann Josef wohl wieder auf der Rückfahrt vorbeikommen wird. Josef hat niemals das kleine Mädchen besucht, er hat nicht mit ihr gespielt, ihr keine Geschichten erzählt. Er ist kein Onkel, der mit ihr spielt, wenn sie mit der Mutter bei ihm Bananen, Kuchen oder Schokolade kauft.... Er ist „ihr Cha uf f eur", der stille,, ruhige Mann am Steuer, dem sie das erste Lachen während seines Dienstes abrang. , Wird Josef noch lange den Dienst des Autobus Nr. 5 ver< sehen? Für den ernsten, stillen Mann ist es zu wünschen. Und Eva möchte noch ungezählte Male ihrem vorbeifahrenden Glück zuwinken. Mym^^jm^/f^: 246. Ob es in Palästina Pekgeschäfte gibt? 247. Ob es in Palästina Schnee gibt? Julias V. (7^ Jahre). 248. Wieviel Einwohner Palästina bis 1933 hatte und wieviel Einwohne* heute. Rudi R. Sie winkt vom Balkon mit beiden Aermchen mmmk mm mm 241. Wir raten dir, zunächst einmal Herzls „Judenstaat" zu lesen. 242. Die erste Kwuzah (Deganiah) ist in Palästina im Jahre 1910 gegründet worden. 243. Die Höhle Machpela ist Eigentum der islamischen religiösen Körperschaften, und diese erlauben nicht, daß Nichtmohammedaner in die Höhle hineingehen. 244. Es gibt in Osteuropa, z. B. in Polen und Litauen, viela hebräische Schulen. 245. Natürlich gibt es in Palästina zahlreiche Pilze. Welche Sorten es gibt, werden wir dir mitteilen, sobald wir aus Palästina darüber Bescheid habe»